Schwatzkasten

Schwatzkasten 17.06.2009

DIE APOKALYPTISCHEN REITER - …DANIEL „FUCHS“ TÄUMEL (Die Apokalyptischen Reiter)

Er gründete 1995 DIE APOKALYPTISCHEN REITER und springt seitdem als Frontmann des Thüringer Quintetts über die Bühnen der Welt: Bis zum Jahr 2000 nannte er sich noch Eumel, doch seit der Jahrtausendwende sprengt der sowohl tiefsinnige als auch lebenslustige Walter-Moers-Fan unter dem Spitznamen Fuchs gelegentlich Weihnachtsfeiern mit Travestie-Einlagen oder träumt von einem langsameren Leben.

Was machst du gerade?

»Ich bin in der Ardèche in Südfrankreich, meiner zweiten Heimat, und habe eben den ersten Mix der Live-Aufnahmen von der letzten Tour abgehört. Unser Album „Licht" wird im September wiederveröffentlicht, und als Geschenk gibt es eine Live-CD dazu.«

Wie und wo bist du aufgewachsen?

                   

»Geboren wurde ich in Apolda, einem kleinen Arbeiternest in der Nähe von Weimar. Während meiner Jugend gab es dort im Grunde nur Kleinkriminelle und Nazis. Nach der Wende brach alles zusammen, und die Tristesse regiert bis heute.

Meine Kindheit verbrachte ich mehr oder weniger auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Das war traumhaft. Ich konnte mich vollends ausleben, Flitzebogen schießen, Messer werfen, mit den Tieren abhängen und viele der zahlreichen, wertvollen Antiquitäten zerstören, die sich in den 400 Jahren angesammelt hatten, in denen meine Familie dort schon lebte. In diesem Umfeld konnte ich ganz unbekümmert meine Liebe zur Kunst entwickeln. Meine Eltern waren Kommunisten.«


Wann hast du das letzte Mal geweint?

                   

»Gestern beim Texten.«

Und wann hast du das letzte Mal gelacht?

                   

»Hahaha - vor 10 Sekunden etwa. Ich fühle mich hier sehr wohl und feiere die ganze Zeit. Gestern haben wir Kröten bei der Balz und der anschließenden Paarung beobachtet.«


Was war das Dümmste, das du in deinem bisherigen Leben gemacht hast?

                   

»Ich habe blind vertraut und wollte helfen, obwohl es nicht angebracht war.«

 
Wovor hast du Angst?

»Hintergangen zu werden.«


Was ist dein schlechtester Charakterzug?

»Ungeduld.«


Und was ist deine größte Stärke?

»Ich bin verbissen und gebe niemals auf.«

Was würdest du zu Gott sagen, wenn er dir über den Weg liefe?

»Warum?«

 
Würdest du dich als konservativ oder eher als liberal bezeichnen?

»Weder noch. Mir gefällt Schubladen-Denken nicht. Ich habe zu verschiedenen Dingen verschiedene Meinungen, und manchmal habe ich auch gar keine Meinung. Ich unterteile die Welt nicht in rechts und links, schwarz und weiß, liberal und konservativ.

Letztendlich ist es ist der Charakter, der über die Handlungen eines Menschen entscheidet und ob diese von edler Natur sind. Natürlich spielen Sozialisation, Status, Kultur etc. eine Rolle im Auseinanderhalten von Gut und Böse. Aber letztendlich sind wir alle mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, und sowohl Respekt als auch Toleranz sind im gegenseitigen Miteinander das wichtigste Rüstzeug.«


Worauf bist du besonders stolz?

»Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ich glaube, dass wir etwas Besonderes geschaffen haben. Etwas, das sich vom klassischen Einheitsbrei abhebt.«

 
Gibt es jemanden, den du hasst?

 
»Nicht mehr. Oder besser: momentan nicht.«


Was würde dir besonders viel Mut abverlangen?

»Fallschirmspringen.«

 
Welche drei Wünsche würdest du dir gerne erfüllen?

»1) Nach Papua Neuguinea reisen.
2) Noch mehr Menschen mit unserer Musik erreichen.
3) Langsamer leben.«

 
Was ist das Wichtigste für dich im Leben neben der Musik?

»Meine Freunde und meine Familie.«

 
Was war die dümmste Frage, mit der du je konfrontiert worden bist?

»Warum seid ihr positiv? Ist das nicht verboten?«

 
Würdest du dich als belesen bezeichnen?

»Nein, aber als gebildet.«


Wann hast du dich das letzte Mal so richtig daneben benommen?

»Eigentlich versuche ich zu vermeiden, mich daneben zu benehmen. Aber die Jungs von der Band würden sicherlich etwas anderes behaupten. Ich bin ein ausgelassener Mensch, der andere unterhalten kann. Dabei versuche ich aber niemandem auf die Nerven zu gehen.

Ich glaube, das letzte Mal so richtig daneben benommen habe ich mich, als ich dem Doktor (Dr. Pest, Keyboarder – cs) nach dem With Full Force das Auto vollgekotzt habe. Erwähnenswert ist auch die Reiter-Weihnachtsfeier, auf der ich mit einer Frau, die ein sexy Abendkleid trug, Klamotten getauscht und anschließend auf dem Tisch getanzt habe.«

 
Welches ist die übelste Band aller Zeiten?

»Die gibt es eigentlich nicht. Allerdings habe ich mal in einer Punkband namens Headshot gespielt, und mit dieser Combo waren wir bestimmt nah dran, die übelste Band aller Zeiten zu sein.«

 
Welche drei Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

»Ich brauche nur ein einziges Album: Social Distortions „Sex, Love And Rock´n´Roll".«

 
Welches war die erste Scheibe, die du dir gekauft hast?

»Napalm Death - „The Peel Sessions".«

 
Welche Platte hast du dir zuletzt gekauft?

»Keith Caputo - "A Fondness For Hometown Scars”.«

 
Was war das ungewöhnlichste Kompliment, das man dir je gemacht hat?

»Grizzlybär.«

 
Was ist das abgefahrenste Gerücht, das du je über dich gehört hast?

»Ich hätte mit einer Pistole von einem Motorrad aus auf jemanden geschossen.«

 
Wofür gibst du das meiste Geld aus?

»Für Equipment und Reisen.«

 
Hast du irgendein merkwürdiges Hobby?

»Ich glaube nicht. Als Kind hatte ich mal eins: Schimmelpilze in Nuckelflaschen züchten.«

 
Gibt es irgendeine Kultur oder ein Volk, das dir auf deinen zahlreichen Tournee-Reisen besonders imponiert hat?

»Auf Tour sind die Unterschiede zwischen den Menschen nicht so groß, weil alle eine gemeinsame Basis haben, die sich Heavy Metal nennt. Schweizer sind meist gut erzogen und anständig, Italiener reden etwas mehr und sind euphorisch, und Russen sind gastfreundlich und trinkfest.

Aber auf Reisen schenkte man mir schon die Möglichkeit, in andere Kulturen einzutauchen. Am eindrucksvollsten fand ich die Aborigines, die Ureinwohner Australiens. Gegensätzlicher können Lebensweisen nicht sein. Ich habe nie wieder intelligentere und wissendere Menschen als diese getroffen. Wir sollten dafür beten, von ihnen lernen zu dürfen, anstatt zu zerstören, was seit Tausenden von Jahren Bestand hat. Wir instinktlosen, „zivilisierten" Sklaven müssen aufhören, uns als das Maß aller Dinge zu betrachten. Diese Menschen haben mein Leben und viele meiner Ansichten grundlegend geändert.«


Was ist die wichtigste Erfindung der Menschheit?

»Das Rad - und vielleicht die Menschenrechte. Die Idee ist gut.«


In welche Epoche würdest du gerne mal mit einer Zeitmaschine reisen?

»Wenn ich schon mal die Möglichkeit habe, durch die Zeit zu reisen, würde ich mir alle Epochen anschauen wollen. Falls ich mich für ein Zeitalter entscheiden muss, würde ich wohl das der Dinosaurier wählen - die mächtigsten Lebewesen, die die Erde je hervorgebracht hat. Häuser auf zwei oder vier Beinen. Ich würde sie einfach nur beobachten wollen, um vor Ehrfurcht versinken zu können. Das wäre auch mal wieder eine gute Gelegenheit zu heulen.«


Mit welchen Figuren der Zeitgeschichte würdest du dich gerne mal unterhalten?

»Mit Platon, Diogenes, Adolf Hitler, Dschingis Kahn, Ötzi, Bob Marley, Arminius und vielen anderen.«


Und über was würdest du mit ihnen reden?

»Ich würde unendlich viele Fragen stellen, um zu lernen und zu verstehen.«


Ist dir schon mal ein Fan so richtig auf die Nerven gegangen?

»Einer wollte uns mal nicht fahren lassen. Er versperrte uns den Weg, klammerte sich am Bus fest und griff ins Lenkrad. Der war definitiv verrückt!«


Was war das außergewöhnlichste Geschenk, das ihr von euren Fans bekommen habt?

»Unsere First Lady Pegasus vom Fanclub ist Bäckerin und bringt uns zuweilen Plätzchen in Pferdeform mit. Aus der Ukraine habe ich mal einen Stapel gemalter Porträts und Karikaturen bekommen, die von sehr hoher Qualität waren und viel Arbeit gemacht haben müssen. Außerdem gab es von unseren Fans schon Andreaskreuze, Runen, Hufeisen, BHs, feinste, selbst gemachte Alkoholika, ein lustiges Video zu ´Dance With Me´ und natürlich Horst, unser Reitermaskottchen, das bei jeder Show dabei ist.«

 
Erzähl mal von der wildesten Tour-Party.

»Sorry, aber bei uns gibt es eine Regel, die besagt, dass das, was auf Tour passiert, dort auch bleibt. Also: Vorbeischauen, Mitfeiern - und Fresse halten!«


Was war der lustigste Streich, den du jemandem gespielt hast?

»Keine Ahnung, wir spielen uns ständig gegenseitig Streiche. Mein Opfer ist meistens der Doktor (Dr. Pest – cs). Das reicht von Autoschlüssel verstecken bis hin zum mittlerweile schon Tradition gewordenen neuseeländischen Mau-Mau, einem Spiel, das ich selber erfunden habe. Die Regel ist ganz einfach: Der Verlierer muss das tun, was sich die anderen Mitspieler vorher ausgedacht haben. Letztens hat es Ady (Gitarrist – cs) erwischt. Er musste komplett in Klopapier eingehüllt in einem Vier-Sterne-Hotel nach dem Friedhof fragen. Oh, da fällt mir gerade ein, dass unser Sound-Engineer Jan seine Wettschuld noch nicht eingelöst hat. Er muss noch nackt mischen.«


Glaubst du an eine höhere Macht oder einen Gott?

»Ja, aber nicht im monotheistischen Sinne wie etwa beim Islam oder dem Christentum. Ich glaube an das Übersinnliche und Dinge, die unser Leben beeinflussen können.«


Wie würdest du den letzten Tag deines Lebens verbringen?

»Im Kreise meiner Lieben, in einem Schaukelstuhl sitzend. Mit einem guten Glas Whiskey in der Hand würde ich den Kindern beim Spielen zusehen, Geschichten von früher erzählen und noch einmal sagen: Es war geil!«

www.reitermania.de

www.myspace.com/reitermania

DISKOGRAFIE

Firestorm (Demo, 1996)

Soft And Stronger (1997)

Dschinghis Khan (EP, 1998)

Allegro Barbaro (1999)

All You Need Is Love (2000)

Have A Nice Trip (2003)

Samurai (2004)

Friede sei mit dir (DVD, 2006)

Riders On The Storm (2006)

Tobsucht (DVD, 2008)

Der Weg (EP, 2008)

Licht (2008)

Bands:
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Autor:
Conny Schiffbauer

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