Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews

JOHN WAITE , DEEP PURPLE , TED NUGENT , JOURNEY , STATUS QUO , BLACKFOOT , WHITESNAKE - ARROW ROCK FESTIVAL 2006 - Freitag

Das ARROW ROCK FESTIVAL ist das entspannteste der großen Open Airs Europas. Wir schickten Jenny Rönnebeck und Michael Rensen ins niederländische Lichtenvoorde, um u. a. vor Journey und Roger Waters auf die Knie zu fallen.

Pünktlich zum Einlass um 12 Uhr strömen tausende Fans auf das Gelände, um ja nicht die Southern-Rocker BLACKFOOT zu verpassen. Trotzdem ist es bei dem guten Gig noch nicht sehr voll vor der Bühne. Viel lieber bleiben die meisten Festivalbesucher unter den Schatten spendenden Zeltdächern der biergartenähnlichen Oasen sitzen, um der brennenden Mittagssonne zu entgehen und bei einem kühlen Bier aus der Ferne mitzurocken. Dank der beiden Leinwände neben der Bühne geht das ziemlich gut, und so gibt es auch von hinten ordentlichen Applaus, als Basser Greg T. Walker (wie immer im Indianer-Outfit) und seine Kollegen nach dem mitreißenden 'Train, Train' die Bühne verlassen.

Mit JOHN WAITE geht es anschließend auf der Zeltbühne weiter. Über mangelndes Interesse kann sich der amerikanische Softrocker nicht beklagen; das liegt aber wohl weniger daran, dass der Mann mal bei den tollen Schmalzrockern Bad English tätig war, sondern hat eher damit zu tun, dass er mit 'Missing You' Mitte der Neunziger einen Welthit gesungen hat. Bei diesem Stück gibt es dann auch kein Halten mehr, und zehntausend Menschen singen jede Zeile mit. Die erstklassigen Musiker und die Stimme des sympathischen Sängers begeistern beim abschließenden Led-Zeppelin-Cover, bevor wieder alle Richtung Hauptbühne eilen, um TED NUGENT zu sehen.

Der durchgeknallte Rocker reist als verantwortungsbewusster US-Bürger natürlich nie ohne riesige Nationalflagge im Gepäck, die als Backdrop hinter dem Drumkit flattert. Mit Weste und Hut im Army-Look und coolen Sprüchen im Minutentakt komplettiert der freakige Sänger und Gitarrist den Gesamteindruck der Show, die richtig klasse ist. Songs wie 'Wango Tango' und 'Cat Scratch Fever' rocken ohne Ende, mal abgesehen davon, dass die tighten Mitmusiker und nicht zuletzt das amüsant-coole Ego-Gehabe des Entertainers für beste Unterhaltung sorgen. So sind sogar die Zuschauer fast genauso begeistert von Nugent wie er selbst, als der einstündige Gig vorbei ist.

Mit WHITESNAKE folgt das massenkompatiblere Programm, wie die zahllosen Shirts mit der weißen Schlange im Publikum beweisen. Mit einer starken Setlist, den großartigen Gitarristen Doug Aldritch und Reb Beach sowie Drumtier Tommy Aldridge macht es auch nichts, dass die Stimme von Mister Coverdale teilweise schwächelt, vor allem, wenn es an die höheren Passagen geht. Das fällt aber nur den ganz kritischen Zuschauern auf, der Rest macht bei Hits wie 'Here I Go Again' (bei dem Ex-Gitarrist Adrian Vandenberg mitspielt), 'Give Me All Your Love', 'Ready An' Willing' und dem Rausschmeißer 'In The Still Of The Night' mächtig Party und verabschiedet die Band mit viel Applaus.

STATUS QUO gelingt es mühelos, an die tolle Stimmung anzuknüpfen. Die alten Herren haben sichtlich Spaß an dem ausflippenden Publikum, das schon vor Showbeginn klatschend vor der Bühne steht. 'Whatever You Want' und 'Rockin' All Over The World' passen aber auch zu einem lauen Sommerabend wie die Faust aufs Auge. Dazu lässt sich mit Bier, Burger, Eis oder sogar Austern, die es hier im kulinarischen Angebot gibt, bestens rocken.

Dann ist es endlich soweit. Nach mehr als 20 Jahren präsentieren sich JOURNEY wieder in Europa. Und der Auftritt der Amis wird zum Erlebnis. Jeder Song, jede Zeile, jeder Ton treffen ins Mark. Diese Band schafft es, Magie auf der Bühne zu entfachen, die sich in hundertfacher Stärke aufs Publikum überträgt. Warum Journey weder vor zwei Tagen in Oberhausen noch heute Headliner sind, bleibt ein Rätsel. Das Zelt platzt jedenfalls aus allen Nähten, als die einzigartigen Melodic-Rocker auf die Bühne kommen. Sänger Steve Augeri muss sich nun auch vor europäischen Zuschauern dem Vergleich mit Originalshouter Steve Perry stellen und braucht sich nicht zu verstecken. Von Vorteil ist dabei sicher auch, dass kaum jemand Journey in Originalbesetzung gesehen hat, aber das juckt heute ohnehin niemanden. In der heutigen Besetzung sind Journey perfekt. Und nicht nur Steve Augeri sorgt dank seiner unglaublichen Stimme für Erstaunen, auch Drummer Deen Castronovo singt den Bombast-Hit 'Mother, Father' wie ein junger Gott und trommelt dazu locker mit! Gitarrenegomane Neal Schon hält sich glücklicherweise etwas mehr im Hintergrund als noch vor zwei Tagen und schafft es, seine fantastischen Soli showdienlich einzusetzen. Highlight ist wie schon in Oberhausen die Gänsehaut-Ballade 'Faithfully', die zu Tränen rührt, zum Mitsingen animiert und untermalt vom glutroten Sonnenuntergang für eine einmalige Atmosphäre sorgt. Keiner will Journey danach von der Bühne lassen, also müssen die fünf Zauberer erneut ran, obwohl der Headliner Deep Purple auf der Hauptbühne schon den ersten Song spielt. Mit 'Ask The Lonely' geht ein legendärer Auftritt zu Ende, der sprachlos macht.

DEEP PURPLE können danach nicht mehr punkten: Trotz Bombast-Licht-Show, trotz Hits wie 'Hush' und dem sentimentalen 'When A Blind Man Cries' gleich zu Beginn verlassen viele Zuschauer schon während der Show der Rock-Urgesteine das Gelände mit dem Gefühl, den eigentlichen Headliner bereits gesehen zu haben. Ich auch.

Hier geht's zum zweiten Tag.

Bands:
BLACKFOOT
STATUS QUO
JOHN WAITE
WHITESNAKE
JOURNEY
TED NUGENT
DEEP PURPLE
Autor:
Jenny Rönnebeck

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.