Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 17.05.2021, 21:17

CRADLE OF FILTH - St Mary's Art Centre, Colchester

Auch die Briten von CRADLE OF FILTH reihen sich in die aktuell trendige Art der Online-Streaming-Konzerte ein und präsentieren eine ausgedehnte Show, welche mit Highlights der gesamten Band-Karriere gespickt ist.

Bevor es mit dem Gig losgeht, muss man sich allerdings eine recht lange T-Shirt-Werbestrecke anschauen und die Kommentare der Fans im Chat-Fenster lassen erahnen, dass dies bei manchen dann doch schon zur ersten Frustration führt. Wenn dieser Part überstanden ist, geht es aber auch schon fulminant los und die sechs Briten legen mit dem Instrumental-Intro der “Midian“-Scheibe und des anschließenden Songs ‘Cthulhu Dawn‘ ein ordentliches Brett hin. Dani Filth springt, hüpft und rennt über die Bühne, so dass man ihm nicht nur die Freude, sondern auch den vermutlich angestauten Druck anmerkt, der nach einem Jahr Pandemie durchaus verständlich erscheint. Für optische Highlights sorgen nicht nur Feuerfontänen und eine ästhetisch gestaltete Bühne, sondern auch die Video-Einspieler, welche hinter der Band auftauchen. Größtenteils bedienen sich die Düster-Metaller bei dem eigenen Bild-Material, da hauptsächlich auf Songs zurückgegriffen wird, zu denen die Band auch ein Video produziert hat. Beim großartigen ‘The Principle Of Evil Made Flesh‘ bekommen dann auch die Fans der Frühphase ordentlich etwas geboten. Auch wenn das Lied natürlich in einem anderen Sound-Gewand als damals dargeboten wird, fühlt man sich dennoch an die Neunziger erinnert, in denen die Band durchaus innovativ mit diesen Klängen unterwegs gewesen ist. Da zu einigen Songs kein Video gedreht wurde, bedient man sich diverser Horrorfilme als Hilfsmittel (zum Beispiel “The Love Witch“ von 2016).

Bevor es dann zum großartigen ‘Malice Through The Looking Glas‘ vom wahrscheinlich besten Werk der Bandgeschichte “Dusk And Her Embrace“ weitergeht, muss man leider noch ‘Mannequin‘ ertragen. Der Song kann im Prinzip nichts dafür, aber die neu angeworbene Keyboarderin und Background-Sängerin Anabelle Iratni passt leider überhaupt nicht in das Sound-Konzept. Man kann noch nicht mal sagen, dass sie die Töne nicht trifft, obwohl auch das zuweilen passiert, aber die Stimmlage wirkt generell deplatziert und lässt dem Zuhörer schon das ein oder andere Mal etwas zusammenzucken. Die Überperformance beim Tastenspiel und gleichzeitigem Gesang wirkt schon etwas unpassend. Es bleibt zu hoffen, dass genug Live-Erfahrung in Zukunft schnelle Besserung bringen. Ansonsten sind alle Instrumentalisten ausnahmslos gut eingespielt und lassen zu keiner Sekunde daran zweifeln, dass hier absolute Könner am Werk sind. Das Manko, dass man leider nicht so genau weiß, wie man mit der Situation umgehen soll, in der nur Kameras anstelle von Publikum vor der Bühne ausharren, ist allerdings schon deutlich wahrzunehmen. Die sonst einstudierten Gesten, welche man den Fans normalerweise zuteilwerden lässt, wirken schon etwas seltsam und nur in Ausnahmefällen agieren die Musiker auch mal mit der Kameralinse, aber wer kann es ihnen schon verübeln: Immerhin sind hier Rock-Musiker am Start und keine Schauspieler.

Zum Ohrwurm-Hit ‘Her Ghost In The Fog‘ rieselt Kunstschnee von oben, so dass der Zuschauer noch ein weiteres optisches Highlight zu sehen bekommt, bevor es mit ‘Born In A Burial Gown‘ und ‘From The Cradle To Enslave‘ dem Ende zugeht.

CRADLE OF FILTH zeigen sich weiterhin bühnentauglich und strotzen vor Energie. Wenn nach der Neueröffnung der Live-Saison die etwas wackligen Backing-Vocals besser rüberkommen, gibt es nichts zu meckern.

Den Stream könnt Ihr noch bis zum 26. Mai bestaunen.

Tickets: https://cradleoffilth.veeps.com/

SETLIST

Intro - At The Gates of Midian
Cthulhu Dawn
Blackest Magick In Practice
Lilith Immaculate
The Principle Of Evil Made Flesh
Honey and Sulphur
Nymphetamine
Heartbreak And Seance
Mannequin
Malice Through The Looking Glass
Creatures that Kissed In Cold Mirrors
Her Ghost In The Fog
Saffron's Curse
The Twisted Nails Of Faith
Born In A Burial Gown
From The Cradle To Enslave

Bands:
CRADLE OF FILTH
Autor:
Stefan Hackländer

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