Interview

Interview 31.08.2021, 15:56

DIRTY BLACK SUMMER - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 09/21

DIRTY BLACK SUMMER - drei Wörter, die nach Ansicht von JB Le Bail, auch bekannt als Kopf von Svart Crown, den Sound seiner neuen Band perfekt auf den Punkt bringen. Im Interview verrät der sympathische Franzose, welche Kapellen für den Bandsound Pate standen, warum der “Club 27” schon lange keine Option mehr ist und weshalb man sich bei Coversongs stilistisch möglichst weit aus dem eigenen Genre-Fenster lehnen sollte.

JB, bei DIRTY BLACK SUMMER könnte man natürlich erst mal an eine Danzig-Tribute-Band denken. Doch von einigen stimmlichen Einschlägen hier und da abgesehen liegen eure musikalischen Einflüsse eher in Seattle, oder?
»Auf jeden Fall! Was die Danzig-Einflüsse angeht: Als wir uns letztes Jahr im Songwritingprozess zur “Great Deception”-EP befanden, hatten wir noch keinen Bandnamen. Alles, was wir zu der Zeit wussten, war, dass sich der Name aus drei Wörtern zusammensetzen sollte. In der Zeit habe ich auch oft das Album “Dirty Black Summer” von Danzig angehört und mir kam in den Sinn: Ja, das bringt auf den Punkt, was die Band ausmacht! Für uns klang es dann nach einer guten Idee, unter diesem Namen unseren Black Metal-Background, dreckige Lyrics und die Summer Vibes in unseren Songs unter einen Hut zu bringen.«

Der Kollege Schiffmann erkennt im Review zu euer “Great Deception”-EP außerdem, dass ihr offenbar auch ganz gerne die alte britische Metal-Schule hört und verweist auf die zweistimmigen Gitarrenharmonien in euren Uptempo-Songs. Auch nicht ganz von der Hand zu weisen, oder?
»Diesen Einfluss sehe ich bei uns eigentlich gar nicht, da ich diese Art von Musik selber nicht höre. Unsere größten musikalischen Einflüsse liegen klar in Seattle. Ab und an hören wir uns zwar auch schonmal Bands aus den 80ern, aber eigentlich ist das gar nicht unser Feld.«

Am Anfang von ‘You and I’ musste ich hingegen erst mal sehr an ‘Paint It Black’ von den Rolling Stones denken.
»Ah, ich verstehe, worauf du dich da beziehst. Das könnte an dieser Stelle ein Einfluss sein, ist aber dann eher unbeabsichtigt passiert. Als ich den Song geschrieben habe, habe ich viel Black Metal im Stil der Schweden von Shining gehört und wollte das mit dem Sound von Alice In Chains vermischen. Das war da eigentlich eher unsere Baustelle als die Rolling Stones.«

Auf eurer Facebook-Seite seid ihr erstmals im Sommer 2020 in Erscheinung getreten. Wann und wie kam es zur Geburtsstunde von DIRTY BLACK SUMMER?
»Der Grundgedanke spukte mir bereits seit zwei Jahren im Kopf rum. Ich jammte zu dem Zeitpunkt bereits ein wenig mit unserem Gitarristen Cyril, hatte aber leider nicht viel Zeit, da ich mit Svart Crown ziemlich beschäftigt war. Dann kam COVID-19 und wir hatten alle plötzlich sehr viel Zeit. Zur Gründung kam es dann zwischen April und Mai 2020 und wir dachten uns: Lasst uns das durchziehen, jetzt oder nie. Meine einzige Bedingung war, dass wir innerhalb von zwei Monaten ins Studio gehen, um dann auch ein paar Songs aufzunehmen. Genau das ist dann auch passiert. Den Sommer lang haben wir zusammen geprobt und Songs geschrieben, das ging alles ziemlich fix. Einige der Songideen waren bereits ein paar Jahre alt, die haben wir dann mit DIRTY BLACK SUMMER überarbeitet und so kam es zu einer Mischung aus alten und neuen Tracks. Das ist also bei uns eine ziemlich normale Geschichte: Wir sind einfach ein paar Freunde, die zusammen mal etwas anderes machen wollten als den Extreme Metal, den wir sonst spielen. Wir haben alle Spaß am Rock der Neunziger Jahre, dementsprechend sind wir mit guter Laune und vollem Einsatz an die EP rangegangen. Über das Resultat und mit dem bisherigen Feedback zu “Great Deception” sind wir sehr zufrieden. Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und mehr neue Musik aufnehmen.«

Darf man sich also in näherer Zukunft auf ein Album von DIRTY BLACK SUMMER freuen?
»Da denken wir im Moment noch drüber nach. Die Sache ist die, dass wir nicht wirklich wissen, wie der Zeitplan bei unseren anderen Projekten in nächster Zukunft aussieht. Das macht es leider ziemlich kompliziert, konkreter zu planen. Wir sind auf jeden Fall im Moment damit beschäftigt, neue Songs zu schreiben. Ich würde sehr gerne ein Album aufnehmen, weiß allerdings nicht, ob das im Moment eine gute Idee wäre, das hängt zum Beispiel auch davon ab, ob vielleicht doch Live-Shows irgendwann wieder möglich sind. Das macht die Überlegungen dazu nicht gerade einfacher. Wir werden auf jeden Fall weiterhin Songs schreiben, dann müssen wir einfach schauen, ob genug Material für ein Album oder eine EP zusammenkommt. Bis Ende des Jahres möchten wir in jedem Fall gerne noch etwas Neues veröffentlichen.«

Die Songs auf “Great Deception” schreien ja förmlich danach, im Sommer auf Bühnen zum Besten gegeben zu werden. Gibt es hierzu schon Pläne, insofern Konzerte wieder möglich sind?
»Im Moment sind wir im Hinblick auf Liveshows leider nicht sehr optimistisch, da wir mit unseren anderen Projekten zeitlich recht ausgelastet sind. Wir wissen ja, wie schwierig es ist, eine neue Band ins Rampenlicht zu rücken, daher hat das Schreiben neuer Songs für DIRTY BLACK SUMMER erst mal Vorrang bei uns. Natürlich wollen wir auch gerne Konzerte geben, aber wir warten noch auf den richtigen Zeitpunkt dafür. Live-Gigs sind ja in der aktuellen Situation grundsätzlich ziemlich schwer zu planen.«

Einige Bands treten ja auch schon im Rahmen reduzierter Gigs auf. Ist das grundsätzlich auch eine Option für euch?
»Auf jeden Fall! Natürlich sind wir auch ambitioniert, DIRTY BLACK SUMMER nach vorne zu bringen, aber als nagelneue Band haben wir natürlich jetzt am Anfang eh nicht die allergrößten Erwartungen, dass direkt viele Leute zu einer Show kommen würden. In erster Linie geht es also zunächst um ganz viel Spaß in der Band, aber auf der Bühne zu stehen, ist natürlich das tollste, worauf man abzielen kann, da gehört die Musik nämlich hin. Aber wie gesagt, alles hängt vom richtigen Timing ab und man sollte nichts überstürzen. Alles zu seiner Zeit.«

JB, singst du auf den “Great Deception”-Songs selber?
»Nee, ich singe nicht, ich spiele die Gitarre und bin nur für einen Teil der Backing Vocals verantwortlich. In der Band kümmere ich mich hauptsächlich ums Songwriting und den Großteil der Lyrics. Die Vocals stammen von Mickael.«

Lass uns noch über ein paar der Songs sprechen. Im Titeltrack wird gesungen: “Pain is a tool to change my heart”. Hast du schon oft die Erfahrung gemacht, dass vor allem schmerzhafte Erfahrungen den persönlichen Lebensweg prägen?
»(JB lacht) Der Song gibt einem natürlich mehrere Möglichkeiten zur Auslegung. Aber ja, der Song entstand aus einer emotional schmerzhaften Erfahrung heraus, nämlich einer Trennung. Das lässt sich aber natürlich auch ganz gut auf manche Momente im Leben selbst oder Spiritualität - wenn es um ein Gefühl der Akzeptanz in dieser Welt geht - übertragen. Der Song beschreibt hauptsächlich das Gefühl, jemanden zu verlieren, den man wirklich liebt und wie man auf die Ereignisse, wie es von großen Gefühlen bis hin zur Trennung kam, zurückblickt und letzten Endes den Punkt erreicht, an dem man einsieht, dass man darüber hinwegkommen muss. Das Lied behandelt allerdings eher die Gefühle, die mit diesen Ereignissen verbunden sind, als den tatsächlichen Stand der Dinge. Man sieht letzten Endes ein, dass man eine bessere Person werden muss - allerdings für eine andere Person. Das ist ein seltsames Gefühl, es fühlt sich allerdings auch kathartisch an, in Form eines Songs darüber zu sprechen. Eine weitere Auslegungsebene: Das Jahr 2020 war für uns alle mit großen Enttäuschungen verbunden, als abzusehen war, dass nichts so passieren würde, wie man sich das vorgestellt hat. Mit dieser Tatsache musste man dann auch lernen zu leben. Die Gründung der Band und der ganze Songwritingprozess haben sehr dabei geholfen, mit der Situation besser umzugehen.«

In ‘Know Better” singt ihr hingegen: “I’m too old to die young. I dont give a fuck. And you should know better”. Bemerkst du bei dir selber, dass du mit zunehmendem Alter bestimmten Lebenssituationen entspannter entgegenblickst?
»Gewissermaßen schon. In erster Linie wollten wir mit dem Song aber einerseits auf den Alice-In-Chains-Song ‘We Die Young’ anspielen und die Tatsache, dass wir den “Club 27” (Musikerinnen und Musiker, die im Alter von 27 verstorben sind - lh) schon lange hinter uns gelassen haben. Den Punkt haben wir deutlich überschritten (lacht). Die Lyrics zu dem Song stammen allerdings von Mickael, der könnte dir an dieser Stelle besser erklären, worum es in dem Song genau geht.«

Einen Song möchte ich noch im Speziellen ansprechen, vielleicht ahnst du schon, was jetzt kommt: Was hat euch denn geritten, aus der Britney-Spears-Nummer ‘Womanizer’ einen lässigen Sommer-Rocksong zu machen?
(JB lacht laut) »Das war meine Idee. Als ich den Song im Original das erste Mal hörte, kam mir der Gedanke, was das für ein fantastischer Track wäre, wenn den mal jemand als Rocksong covern würde, weil er so viel Potenzial hat. Außerdem habe ich wirklich Spaß an den Lyrics. Ansonsten ist es für mich ziemlich schwer zu erklären, warum es jetzt genau diese Nummer werden musste, aber für mich selbst war das irgendwie eine offensichtliche Wahl. Ich sagte dann zu den Jungs, dass ich ‘Womanizer’ als Coversong im Sinn habe, und sie waren mit meiner Idee einverstanden. Anschließend haben wir ein bisschen mit dem Song rumexperimentiert. Es war wirklich gar nicht leicht, den richtigen Ansatz zu finden, aber letzten Endes ist das jetzt eine meiner Lieblingsnummern auf der EP, weil der Songs in dieser Form ein paar schön fiese Vibes ausstrahlt. Wir stehen grundsätzlich vielen Musikstilen offen gegenüber und sind dementsprechend auch nicht scheu, Songs aus anderen Genres zu covern. Wir hätten sicher auch einen Black-Metal-Song oder einen Track von Danzig covern und daraus eine Rocknummer machen können, aber das ergab für uns nur wenig Sinn. Es ist doch viel spannender, sich an Musik zu begeben, die von der eigenen musikalischen Sparte weiter entfernt ist.«

www.facebook.com/Dirtyblacksummerofficial

www.dirtyblacksummer.bandcamp.com

Bands:
DIRTY BLACK SUMMER
Autor:
Lukas Höpfner

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