My Hometown

My Hometown 01.09.2021, 08:01
Hamburg mag für viele die Perle des Nordens sein, aber auch in der 180 Kilometer östlich gelegenen Hansestadt Rostock lässt es sich prima leben – sagt jedenfalls der Drummer der Punk-Veteranen Dritte Wahl, der vor 53 Jahren in der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns geboren wurde und sich partout nicht vorstellen kann, seine Zelte irgendwo anders als an der Warnow aufzuschlagen.

DRITTE WAHL - My Hometown: Rostock mit Jörg "Krel" Schroeder

Hamburg mag für viele die Perle des Nordens sein, aber auch in der 180 Kilometer östlich gelegenen Hansestadt Rostock lässt es sich prima leben – sagt jedenfalls der Drummer der Punk-Veteranen Dritte Wahl, der vor 53 Jahren in der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns geboren wurde und sich partout nicht vorstellen kann, seine Zelte irgendwo anders als an der Warnow aufzuschlagen.

Krel, wo bist du geboren beziehungsweise aufgewachsen, und was bedeutet dir Rostock?

»Ich wurde 1967 hier geboren und habe abgesehen von einem kurzen Intermezzo 1971, ´72 auch die ganze Zeit hier gewohnt. Rostock ist ganz profan gesagt meine Heimatstadt: der Ort, in dem ich zur Schule gegangen bin, eine Berufsausbildung gemacht und bis zur Wende auf der Werft gearbeitet habe, übrigens ganz in der Nähe des M.A.U. Club. Genauso habe ich meine Frau im Rostock kennengelernt, und meine beiden Kinder sind ebenfalls hier geboren.«

Wo genau wohnst du in Rostock?

»Seit 15 Jahren im Hansa-Viertel, das nicht weit vom Ostseestadion entfernt liegt. Es ist allerdings nicht nach dem FC Hansa Rostock benannt; die Straßen hier tragen alle Namen von Hansestädten.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen?

»Das fragst du den langweiligsten Drummer der Welt. Ich gehe tatsächlich nicht oft in Kneipen oder auf Konzerte. Da wir mit Dritte Wahl normalerweise häufig unterwegs sind, reicht mir das im Bezug aufs Feiern. Wenn ich doch mal mit Leuten weggehe, dann nicht in eine bestimmte Kneipe; ein paar Bier trinken und eine gute Zeit mit Leuten verbringen konnte man ja vor Corona auch zu Hause.«

Kannst du uns Rostocker Restaurants empfehlen, oder kochst du lieber selbst zu Hause?

»Da gilt das Gleiche wie bei der vorherigen Frage: Ich gehe nur selten weg und dann auch in verschiedene Lokale. Deshalb kann ich hier jetzt keine konkreten Empfehlungen aussprechen. Nicht empfehlenswert sind aber auf jeden Fall meine Kochkünste. Die Ergebnisse kann man höchstens zum Dachabdichten nehmen. Ich muss andererseits auch nicht ständig warm essen. Oft reicht mir ein belegtes Brot; das war zumindest in den Anfangsjahren von Dritte Wahl keine schlechte Angewohnheit. Daheim überlasse ich das Kochen gerne meiner Frau, die kann das erheblich besser und schmackhafter.«

Wo habt ihr euren Proberaum? Du bist ja das letzte noch in Rostock wohnende Bandmitglied.

»Tja, wer probt, betrügt die Kollegen. Nein, im Ernst: Wir proben leider viel zu selten. Da Gunnar (Schroeder, g./v. – buf) und Holger (H., g./keys – buf) in Münster wohnen und Stefan (Ladwig, b./v. – buf) gut 40 Kilometer südlich von Rostock lebt, sehen wir uns nicht so oft. Wir können bei Bedarf auf Stefans Gehöft proben; da ist ein Raum mit allem, was man braucht. Vor einer Tour oder ganz wichtigen Konzerten mieten wir uns auch schon mal ein paar Tage irgendwo ein, etwa in der Factory in Magdeburg. Da wird dann mehrere Tage lang intensiv geübt – am besten mit der Crew, denn dann können gleich auch technische Sachen geklärt und erledigt werden. Derzeit habe ich auch keinen Raum, in dem ich für mich allein proben könnte. Weil mein Sohn allerdings ein E-Schlagzeug in seinem Zimmer hat, kann ich tagsüber durchaus auch mal dort ran. Im Großen und Ganzen wäre mehr Zeit zum Proben sicherlich nicht verkehrt, denn da übt man ja nicht nur Songs, sondern sitzt auch zusammen und bespricht verschiedene Dinge. Außerdem schmeckt Bier in Gesellschaft bekanntlich besser.«

Hast du einen persönlichen Lieblingsort in Rostock, und welche Orte oder Sehenswürdigkeiten sollten sich Touristen unbedingt anschauen?

»Einen Lieblingsort im engeren Sinn habe ich nicht, aber an der Warnow im alten Stadthafen kann man gut flanieren. Noch schöner finde ich persönlich die andere Warnow-Seite gegenüber vom M.A.U. Club; dort hat man einen schönen Blick auf die Skyline der Stadt. Hier ist allerdings alles flach, es gibt also keine hohen Erhebungen, die einen Ausblick über Rostock bieten würden. Dafür sieht man am Dienstag schon, wer am Sonntag zum Kaffee kommt, das hat auch was für sich. Unbedingt empfehlenswert ist der Zoo, besonders das Darwineum und das Polarium. Der Botanische Garten gleich bei mir um die Ecke und der IGA-Park eignen sich für Spaziergänge. Schön sind auch die östliche Altstadt – quasi der alte Kern von Rostock – und Warnemünde, obwohl sich dort meistens viele Leute tummeln. Abgesehen davon gibt´s super Fischbrötchen mit Abenteuer, denn da hat schon mancher sein schönes Essen an die Möwen verloren, oft zur Erheiterung der Umstehenden. Die Viecher kennen nämlich nix und klauen dir das Essen noch halb aus dem Mund. Lohnt sich als Betrachter! Wer Fisch mag, kommt in den Restaurants dort auf seine Kosten.«

Mit welchen Bands aus der Gegend seid ihr befreundet?

»Wir haben mit Dritte Wahl eigentlich von Anfang an eher unser eigenes Ding gemacht. Trotzdem mögen wir natürlich auch einige Bands aus der Gegend, zum Beispiel Mainpoint oder die Crushing Caspars und die Larrikins. Ansonsten kennen wir natürlich noch einige Leute, die in Gruppen wie Nullpunkt, Oklahoma Kid oder Feine Sahne Fischfilet spielen. Ein nennenswerter Teil einer Szene oder so sind wir beziehungsweise bin ich als letztes Relikt in Rostock allerdings nicht.«

Bist du Hansa-Rostock-Fan, oder interessierst du dich nicht für Fußball?

»Ich habe mich eigentlich als Fan verabschiedet, als das Ostseestadion in DKB-Arena umbenannt wurde. Das ist leider eine ganz gewöhnliche Entwicklung im Fußball, aber den Weg wollte ich nicht mitmachen. Als mein Sohn in dem Alter war, wo er ins Stadion gehen wollte, hat ihn zuerst meine Frau begleitet. Irgendwann konnte sie nicht, also musste ich wieder mit. Das war das legendäre 7:2 gegen Unterhaching 2010, und danach bin ich wieder öfter hingegangen. Ich würde mich jetzt dennoch nicht als Hardcore-Fan bezeichnen, sondern bin eher Sympathisant. Auch während dieser Saison war ich bis zum Lockdown ein paarmal dort.«

Ist der auch überregional bekannte M.A.U. Club so etwas wie euer Wohnzimmer, und tretet ihr auch in anderen Rostocker Veranstaltungsstätten auf?

»Wohnzimmer, das könnte man fast so sagen, ja. Wir spielten schon im alten M.A.U. Club an anderer Stelle, wo ich meiner Frau zum ersten Mal begegnet bin. Dritte Wahl haben im Laufe der Zeit auch in anderen Venues gespielt, beispielsweise dem Peter-Weiss-Haus. Seit ein paar Jahren sieht man uns ja nicht mehr so oft in Rostock; im September bei unserem Open Air im IGA-Park und zu Weihnachten zweimal im M.A.U., das reicht für uns. Man spielt sich sonst auch zu schnell tot, und die Leute kommen nicht mehr so zahlreich, zumal ja viele, die uns zu diesen Gelegenheiten hier sehen, übers Jahr verteilt auch Konzerte besuchen, die wir landesweit geben.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Falls ja, wo?

»Das kann ich mir für mich gar nicht vorstellen. Hier kenne ich mich aus. Die Stadt ist eigentlich ein großes Dorf, in dem fast alle gemeinsame Bekannte haben, aber trotzdem kennt nicht jeder jeden. Da zieht es mich nirgendwo anders hin, obwohl ich natürlich auch unsere Auswärtskonzerte genieße. Dann aber husch zurück ins Körbchen!«

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Bands:
DRITTE WAHL
Autor:
Buffo Schnädelbach

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