Interview

Interview 08.06.2022, 10:48

Freak Valley: Der Vorbericht zum Festival

Wie alle Festivals litt auch das FREAK VALLEY unter der Pandemie-Situation der letzten Jahre. Aber vom 15.-18. Juni spielen endlich wieder Stoner-, Psych- und Doom-Bands aus der ganzen Welt in Siegen-Netphen-Deutz. Wir erkundigten uns knapp zwei Wochen vor dem Start bei Jens Heide (Booker) und Bastian Brühl (Bühnenmanager).

Was waren die größten Probleme beim re-organisieren des Freak Valley Festivals?

Jens: »Natürlich herrschte lange eine generelle Unsicherheit, ob das Festival denn nun tatsächlich stattfinden kann. Das Line-up stabil und/oder attraktiv zu halten ist ja generell ein heißes Thema und immer eine große Herausforderung, aktuell war es natürlich eine besondere. Bands sagen kurzfristig ab, Touren um das Festival herum fallen aus, so dass die Logistik für den Auftritt bei uns eine völlig andere ist, sämtliche Kosten sind enorm gestiegen.«

Basti: »Dazu kommt, dass man tatsächlich wieder ein bisschen in den Groove kommen muss und vieles mit bedeutend weniger Vorlauf passieren muss, als es normalerweise der Fall wäre. Ich beantworte jetzt gerade Mails und führe Telefonate mit Bands und Crews, das passiert sonst doch deutlich früher bzw. nicht so geballt.«

Was wird sich 2022 auf dem Festival ändern?

Jens: »Nix! Ich denke, wir haben ein Programm am Start, mit dem wir den Nerv unseres Publikums treffen. Abgesehen davon hat das Freak Valley immer von der familiären, gemütlichen Atmosphäre gelebt und daran wollen und werden wir auch nichts ändern.«

Der Großteil Eurer Crew arbeitet quasi „ehrenamtlich“. War das bei der Absage/Neuauflage ein Vor- oder ein Nachteil?

Jens: »In der Tat arbeiten alle Vereinsmitglieder (Rock Freaks e.V. - hs) und damit große Teile der Crew, verteilt auf alle Bereiche des Festivals, ehrenamtlich, oder platt gesagt- für lau. Dazu kommen jedes Jahr etliche freiwillige Helfer, ohne die überhaupt nichts gehen würde. Finanziell gesehen schadet das natürlich nicht, ein größeres Problem sind die wirklich massiv gestiegenen Kosten insgesamt.«

Basti: »Niemand von uns lebt von diesem Festival, von daher ist es eher ein wichtiger Punkt, die Begeisterungsfähigkeit auch im Team hochzuhalten. Das klappt aber bisher immer ganz gut. Natürlich kann es passieren, dass z.B. einer meiner wichtigsten Leute auf der Bühne erst am Freitag kommen kann, weil er halt auch noch einen "richtigen" Job hat und da unabkömmlich ist.«

Wie hat die Stadt, das lokale Umfeld auf die Situation der letzten zwei Jahre reagiert? Gab es Hilfsangebote? Wie bedeutend ist das Festival für die Arbeit der AWO? Und ist das spürbar geworden, als es zweimal nicht stattfand?

Jens: »Wir haben ein gutes Verhältnis zu den entsprechenden Behörden und standen natürlich in engem Austausch was Möglichkeiten und eventuelle Auflagen etc. angeht. Ich würde behaupten, dass das Festival regional durchaus als Institution wahrgenommen wird und auch die verwaltungsmäßigsten Verwaltungsbeamten inzwischen wissen, dass das eine ziemlich coole Sache ist. Konkrete Unterstützungsangebote gab es nicht, letztlich ist das aber auch nicht notwendig. Die AWO ist ein enorm wichtiger Kooperationspartner für uns, im Vorfeld und natürlich über den gesamten Verlauf des Festivals. Die Absagen bzw. Verschiebungen waren zwar in erster Linie furchtbar frustrierend für alle Beteiligten, haben aber jetzt keinen elementaren Einfluss auf die Arbeit der AWO.«

Wie hart hat euch die Absage von Monster Magnet getroffen? Es gibt ja wenig Bands in diesem Genre, die diese große Bandbreite an Fans abdecken?

Basti: »Ja, verdammt bitter, ganz klar. Die Band wäre ein extrem passender Headliner gewesen und für mich ganz persönlich ein echtes Highlight, zumal ich mich wirklich auf 'Spacelord' als mein Geburtstagsständchen gefreut hatte. Aber sowas bleibt nicht aus. Auch bei uns, und das geht ja sämtlichen Festivals so, hat es Absagen gehagelt und man muss ehrlicherweise auch sagen, dass die Gründe dafür oft ziemlich dünn sind oder zumindest sehr, sehr vorsichtig benannt werden. Letztlich stehen wir dann relativ dumm da, gerade wenn es einen der Headliner betrifft. Dann fängt man quasi bei Null an, nachdem man schon viel Zeit investiert hat. Mit Baroness haben wir aber einen mehr als würdigen Ersatz gefunden, die Band war auch noch nie da und wurde in der Vergangenheit oft gewünscht.«

www.freakvalley.de

www.facebook.com/freakvalley

Autor:
Holger Stratmann

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