Interview

Interview 26.01.2021, 13:09

GALACTIC SUPERLORDS - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 02/21

Die GALACTIC SUPERLORDS sind mit ihrem zweiten Album „Freight Train" unser Tipp des Monats bei den Eigenproduktionen in Ausgabe 404. Wer glaubt, dass frischer Traditionsmetal mit Seventies-Einschlag nur aus Albion und Skandinavien stammen kann, der sollte sich von den KölnerInnen schleunigst eines Besseren belehren lassen. Das Interview mit Frontfrau Katharina Heldt (Gesang/Keys) und Dennis Sennekamp (Gitarre/Gesang).

Katharina, Dennis - für alle, die die GALACTIC SUPERLORDS noch nicht kennen: Euch gibt es seit 2014. Wie kam es seinerzeit zur Gründung?
Katharina: »Dennis und ich kennen uns schon seit der Schulzeit. Vor etwa sechs Jahren hatten wir die Idee, eine Band zu gründen, mit der wir Country und Bluesrock spielen wollten. Als nach kurzer Zeit unser langjähriger Freund und Schlagzeuger Carsten Krohn zu uns stieß und die ersten Songs entstanden, wurde schnell klar, dass sich das Projekt in eine völlig andere Richtung entwickeln würde.«

Dennis: »Die ersten Ideen, die eher in den Bereich Americana gingen, wurden ziemlich schnell von Hardrock und Heavy Metal abgelöst. Die Demos bekam unser Bassist Chris Lantin zu hören, der sofort hin und weg war. Als sich mit Leadgitarrist Alex Miller unser Line-up vervollständigt hatte, konnten wir schließlich unseren Stil mit den Doppelgitarren-Melodien entwickeln. Dazu ein paar breitbeinige Poser-Moves, eine Konfettikanone und ein Schwert und es war allen klar: "Damit müssen wir auf die Bühne."«

Wie würdet ihr Einsteigern euren musikalischen Stil beschreiben?
Katharina: »Wir sind rücksichtslose Stil-Piraten – wir bedienen uns genreübergreifend an allem, was glitzert, gefällt und handgemacht ist. Das können Blueslicks à la Buddy Guy, Drum-Fills im Stil von Jeff Porcaro (TOTO) oder Basslines in der Art von The Police sein. Unsere Gussform, in der alles zusammenfließt, ist aber Hardrock mit einer ganz gehörigen Portion NWOBHM - also Angel Witch, Tygers Of Pan Tang und Praying Mantis. Wir nennen unseren Stil deshalb scherzhaft "New Wave of Kölsch Heavy Metal": Twin-Guitars, zweistimmiger Gesang und gerne galoppierende Ryhthmen.«

Ich hätte jetzt eher auf Iron Maiden, alte Judas Priest, Thin Lizzy und The Doors getippt...
Katharina: »Ich denke, der Einfluss von Iron Maiden und Thin Lizzy ist schon seit unserer ersten Single 'Nowhere To Hide' unüberhörbar. Einen Doors-mäßigen, etwas psychedelischen und ruhigen Part haben wir bei 'Wendigo' auf unserem ersten Album eingebaut. Und auch auf "Freight Train" schwingt beim Song 'Gunslinger' eine Note Jim Morrison mit, wobei da auch Einflüsse von Deep Purple, Elvis Presley und Danzig eine Rolle gespielt haben.«

Wie groß war der Schritt vom Debüt zu "Freight Train"?
Dennis: »Zwischen den beiden Alben liegen Welten. Zunächst haben wir unser Songwriting komprimiert, um gezielter zum Kern des Pudels zu kommen. Das Motto "Don't Bore Us, Get to the Chorus!" hat beispielweise eine Rolle gespielt, wobei wir natürlich immer noch Rockmusik machen und keinen Pop - auf unsere aus unserer Sicht ausgefuchsten Instrumentalparts sind wir nämlich mächtig stolz. Und auch da hat sich was getan, wir sind mittlerweile eine ziemlich aufeinander abgestimmte Truppe.«

Katharina: »Bei "Freight Train" haben wir zudem mehr Gesangsharmonien, analoge Audioeffekte und mehr Synthies benutzt und uns stärker mit den Arrangements beschäftigt. Wir haben auch das erste Mal Songs auf einem Album, die wir noch nie zuvor live gespielt haben, während die Lieder des ersten Albums vor allem durch die vielen Auftritte gewachsen sind.«

Ein besonderer Hingucker ist das Artwork der neuen Scheibe. Ihr scheint ja große Metropolis-Fans zu sein...
Katharina: »Natürlich! Und einige unserer Songs sind auch klar durch diese dystopische Fiktion inspiriert. Der Titeltrack beschreibt zum Beispiel, wie eine Maschine einen Menschen immer mehr vereinnahmt und am Ende seinen Platz einnimmt. Im Lied ist es ein Zug, in der Realität sind es zum Beispiel Smartphones und die dunklen Seiten der Digitalisierung.«

Dennis, unlängst habe ich gelesen, du seist jemand, der "die Retro-Szene meidet". Kannst du das konkretisieren?
Dennis: »Gegen Szenen im Allgemeinen habe ich gar nichts, im Gegenteil: Szenen halten Strömungen am Leben, die im Mainstream schon lange vor die Hunde gegangen sind. Das sorgt für lebendige und bunte kulturelle Landschaften. Wogegen ich etwas habe, sind Stil-Polizisten und vermeintliche Eliten, die auf andere herabschauen, weil sie nicht die richtigen Platten im Schrank, Ära-unkorrekte Buxen tragen oder den falschen Haarschnitt haben. Ich war lange in der Rockabilly-Szene unterwegs, da traf man solche Type ziemlich häufig. Aber auch im Land der verzerrten Klampfen kommt man an dieser Spezies Fan leider nicht immer vorbei.«

Wieviel Ironie steckt in eurem Bandnamen? War das Ganze ursprünglich als optisches Konzept gedacht mit Blick auf die Promofotos in Raumanzügen?
Dennis: »"Galactic Superlords" klang einfach so übertrieben und nach Laserkanonen, dass wir uns sofort in den Vorschlag verliebt haben, als unser Bassist Chris ihn uns unterbreitet hat. Der Name passt perfekt zu uns und dem Augenzwinkern, mit dem wir unsere Musik angehen.«

Katharina: »Die Raumanzüge kamen viel später und waren mehr eine thematisch lustige Idee für ein Fotoshooting. Bei einem Auftritt haben wir sie nur einmal als Gag getragen. Tatsächlich blieb es bei dem einen Konzert mit den Anzügen, da sie danach eindeutig unbrauchbar waren - sie stanken erbärmlich nach Schweiß und waren an manchen Stellen sogar gerissen.«

Katharina, was sagst du dazu, dass du ein Lord bist? Galt das Mehrheitsprinzip?
Katharina: »Wir benutzen den Titel "Superlord" gender- sowie speziesneutral. Alles kann ein Lord sein – auch du, dein Meerschweinchen oder Gluoerg vom Planeten Quasladshwic-3478. Wichtig ist, dass du rockst.«

Ihr habt ein extrem lustiges Video zu einem Gig in Italien vor vier (!) zahlenden Zuschauern gedreht. Wie kam's dazu?
Dennis: »Wir waren auf Tour mit War Cloud aus den Staaten und kamen aus Mandello del Lario, wo wir am Vorabend vor rund 3000 Leuten auf dem Moto Guzzi Fest gespielt haben.Als wir dann mit unserem Bus vor besagtem Club in Vercelli aufgekreuzt sind, war der selbst überrascht, dass an diesem Abend ein Konzert stattfindet. Es gab vorher überhaupt keine Promo, an der Venue hingen keine Poster und im Netz war eigentlich auch nur eine Fußnote zu finden. Glücklicherweise hatten wir auf dieser Tour Kameraleute, einen Tonmann, Bühnenfeuerwerk und sogar einen Nightliner dabei - was für eine Band unseres Bekanntheitsgrads natürlich total absurd erscheint. Wir wollten diese Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen und haben uns einen Spaß draus gemacht.«

Wie weit wirft euch Corona zurück?
Katharina: »Der Live-Moment ist etwas, das von Anfang an in unserer DNA steckte. Konzerte fehlen uns allen sehr. Wir haben uns bis Oktober auf das Release von "Freight Train"konzentriert und wollen uns jetzt stärker auf Songwriting und Produktion konzentrieren. Das hat uns am Schaffensprozess des zweiten Albums besonders gut gefallen, darauf möchten wir aufbauen.«

Welche neueren Bands können euch begeistern?
Katharina: »Es ist unmöglich alle Bands hier zu nennen, aber zum Beispiel begeistern uns gerade Altin Gün, Lemon Twigs, Vulva, Nightflight Orchestra, Church Of The Cosmic Skull und VUG.«

Wie stark seht ihr die Kölner Hardrock- und Metalszene im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen?
Dennis: »Wir haben in Köln immer die Erfahrung einer starken Szene gemacht. Das liegt vermutlich daran, dass die Stadt ein ziemlich entspannter und weltoffener Schmelztiegel ist. Hier kommen viele Leute aus ganz Deutschland und dem Ausland zum Studieren, Arbeiten oder Leben. Das alles macht Köln ziemlich bunt und offen für Szenen, die sich hier ohne große Probleme ausleben können. Aber auch abseits der Metropolen geht es ziemlich ab, wie wir auf Tour immer wieder feststellen können, zum Beispiel im Saarland.«

Ihr sollt auch dem Fußball nicht abgeneigt sein. Welchen Song würdet ihr gerne vor der Heimspielen durch die Effzeh-Kabine jagen?
Katharina: »Also wenn es ein Song von uns sein soll, dann wäre 'Nowhere To Hide' definitiv angebracht - dafür würden wir sogar vollkommen freiwillig im Stadion auftreten (lacht).«

Eure Wünsche für 2021?
Katharina: »Wir wünschen uns natürlich auch ein Stück Normalität zurück – endlich wieder viele Konzerte und Festivals spielen zu können und alle unsere geliebten Freunde gesund und munter vor der Bühne und in den Clubs wiederzusehen. Und wenn Du schon so fragst: Haben Maiden schon `ne Vorband für 2021?«

http://galacticsuperlords.com

www.facebook.com/galacticsuperlords

Bands:
GALACTIC SUPERLORDS
Autor:
Ludwig Krammer

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