Krach von der Basis

Krach von der Basis 23.11.2022, 08:00

Grave Thoughts: die Krachkolumne 12/22

2020 war es so weit: Erstmals seit 34 Jahren wurde in Deutschland mit Schallplatten wieder mehr Umsatz gemacht als mit CDs. Gefühlt hat die Platte der CD zumindest im Metal-Underground schon länger den Rang abgelaufen, natürlich immer begleitet von dem üblichen Lamento über zu viele Farbvarianten und zu hohe Preise.

Doch offenbar war das der Mehrheit der Käufer egal; man entschied sich eben für die Farbe, die einem am besten gefiel, und akzeptierte die steigenden Preise. Doch jede Bewegung provoziert früher oder später eine Gegenbewegung. Vielleicht ist dieser Zeitpunkt nun erreicht. Preise von über 20 bis 40 Euro für Neuerscheinungen treffen auf Inflation und brutale Energiekosten, die viele dazu zwingen, den Gürtel enger zu schnallen. Hinzu kommen Auswüchse, die nur damit zu erklären sind, dass jemand mal probieren will, wie groß die Leidensfähigkeit der Kundschaft tatsächlich ist. So kostet die neue EP der amerikanischen Blackies Profanation im Shop ihres Labels 30 Dollar. Die Plattenfirma betont zwar, dass auf jeder Seite fast sechs Minuten Musik enthalten sind, aber vielleicht denkt der eine oder die andere trotzdem, jetzt sei der Zeitpunkt erreicht, an dem man trotz der haptischen Vorzüge lieber wieder zur CD greifen sollte – zumal man bei den derzeitigen Preisen für eine Doppel-LP fast zwei CDs kaufen könnte. Der Ärger über zu viele unterschiedliche Farben entfiele dann auch, und manche würden behaupten, dass man sogar den besseren Sound bekommt.

Autor:
Sebastian Schilling

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