Festivals & Live Reviews

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ANTHRAX , OVERKILL , RAMMSTEIN , TURBONEGRO - HELLFEST 2016, TAG 1

Wer glaubt, dass in Frankreich derzeit nur die EM sehenswert ist, der irrt: In Clisson findet mit dem Hellfest an diesem Wochenende das wohl beste Mega-Festival Europas statt. Dass wir uns das nicht entgehen lassen, ist natürlich Ehrensache - wir packen unsere Koffer und begeben uns auf die gut elfstündige Fahrt, die uns durch die Niederlande und Belgien bis zur französischen Atlantikküste führt.

Wer aus den vergangenen Jahren ausschließlich gutes Wetter gewohnt ist, muss sich diesmal im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen, denn für das Wochenende sind Regen und "eisige" 15 Grad angesagt. Die Laune lässt sich dadurch freilich kaum jemand verderben, denn der erste Eindruck, der sich bietet, ist, dass das Gelände schon zu früher Stunde noch besser besucht ist. Bereits zu HALESTORM, die um 15 Uhr auf die Bretter müssen, ist es pickepackevoll. Die Band ist souverän wie eh und je, und Frontfrau Lzzy Hale heizt dem Publikum mit ihrer energiegeladenen Show nach allen Regeln der Kunst ein.

ANTHRAX können sich ebenfalls nicht über einen Mangel von Gästen beklagen, wirken aber zu routiniert und obendrein (sehr zu Herrn Bittners und auch meiner Verwunderung) ein wenig lauffaul. Mir hat die Band mit ihrem Ex-Fronter John Bush ohnehin immer ein wenig besser als mit dem aktuellen Sänger Joey Belladonna gefallen - die Crowd feiert die Truppe aber gebührend ab. Der Höhepunkt des Sets ist (wenig verwunderlich) das Trust-Cover 'Antisocial', das leider nicht auf französisch vorgetragen wird.

TURBONEGRO

Als nächstes dürfen TURBONEGRO auf die Bretter, die kürzlich noch als Headliner auf unserer diesjährigen Rock Hard Festival in Gelsenkirchen gespielt haben, und auch heute wieder ALLES abräumen. Obwohl von den Nachmittagsbands mit Abstand am schwächsten besucht, zerlegen Happy Tom, Euroboy und der Rest der Band die Bühne mit einer Selbstsicherheit, als wäre das Festival nach ihnen vorbei. Frontmann Tony Silvester glänzt nicht nur mit grandioser Stimme, sondern hat sich nach seinem Einstieg vor fünf Jahren inzwischen hervorragend ins Bandgefüge integriert. Ganz großes Kino!

"Du musst dir auf jeden Fall INQUISITION angucken, wenn ich schon nicht selbst da sein kann", lag mir unser Black-Metal-Küken Mandy vor Abfahrt noch in den Ohren. Meine Musik ist's eigentlich nicht, aber irgendwer muss Fräulein Malon ja vertreten. Die Bande zockt ihr Black-Metal-Set im Zelt (besser ist's, weil schön düster), fährt eine beeindruckende Lichtshow auf und überzeugt auf ganzer Linie. Auf derselben Bühne dürfen im Anschluss SACRED REICH auf die Bretter. Normalerweise sind die Amis ein Garant für eine starke Show, heute wollen sie aber vor allem in der ersten Hälfte des Gigs nicht ganz zünden. Richtig gut wird's erst ab dem Black-Sabbath-Cover 'War Pigs', das die Band als Doppelschlag mit 'Who's To Blame' intoniert. (jp)

SACRED REICH

Während Herr Peters sich nach 'Who's To Blame' (in Richtung Futterstände, die wie schon im vergangenen Jahr eine echte Katastrophe und vollkommen überteuert sind - jp) verabschiedet, setzen SACRED REICH mit 'Independent' und 'Surf Nicaragua' noch zu einem starken Finale an. Im Anschluss dürfen VOLBEAT auf der Mainstage 1 ran. Auch wenn die Band (inklusive Neu-Basser Kaspar Boye Larsen) bestens aufeinander eingespielt ist, will der Spagat zwischen Mainstream-Radio-Songs und Metal-Tracks live nicht so recht funktionieren, zumal die Setlist den Fokus deutlich auf der zweiten Karriere-Hälfte legt. Mich treibt es daher in die Fressmeile, bei der man das Gefühl nicht los wird, dass die Preise im Vergleich zum Vorjahr nochmal angezogen haben. Nach einer Stärkung in Form eines okayen Thai Pad (für schlappe 10 Euro) zieht es uns ins Altar-Zelt, wo OVERKILL erneut beweisen, dass sie immer noch zu einer der stärksten Live-Bands des Planeten zählen. Die Fans vor der Bühne sorgen während des Sets für eine besonders rührende Aktion, indem sie einen Rollstuhlfahrer crowdsurfen lassen. Fronter Blitz kommentiert die Aktion mit „This is Heavy Metal!" und lobt das Hellfest als bestes Festival der Welt aus.

RAMMSTEIN

Im Anschluss sammeln wir uns im VIP für das RAMMSTEIN-Konzert, begehen dabei aber doch den Fehler, uns zu spät aufs Gelände zu begeben. Das Berliner Sextett wollen offensichtlich die meisten Zuschauer sehen, weshalb es pickepackevoll ist und man sich durch das ein oder andere Nadelöhr zwängen muss, um näher an die Bühne zu gelangen. Doch die Mühe lohnt sich: RAMMSTEIN sind mit ihrer pyrolastigen Show der perfekte Headliner für das eh feuerverliebte Hellfest. Dementsprechend wird dem bibbernden Publikum ordentlich eingeheizt. Den Anfang macht der neue Song 'Ramm 4', im Anschluss folgt ein mit Special-Effects gespicktes Best-of-Programm, das vom französischem Publikum erstaunlich textsicher mitgebrüllt wird. Seinen Höhepunkt findet das Spektakel in dem wahren Flammeninferno von 'Sonne'. Es gibt heutzutage wenige Bands, die mit starken Songs UND imposanter Show so gut unterhalten wie RAMMSTEIN.

RAMMSTEIN

Auf THE OFFSPRING bin ich eigentlich gespannt, weil ich die Band noch nie live gesehen habe. Aber der Mega-Show von RAMMSTEIN können die Amerikaner wenig entgegen setzen und wirken auch etwas abgeklärt, dass sie zu so später Stunde und bei eisigen Temperaturen auf die Bretter müssen. Was das Konzert rettet, sind die zahlreichen Hits wie 'Come Out And Play', zu denen sich das Publikum noch einmal warm tanzen kann. (rb)

Auf dem Hellfest fühlten sich wie Gott in Frankreich: Jens Peters (jp) und Ronny Bittner (rb). Die Fotos schoss Björn Fehl.

Bands:
TURBONEGRO
RAMMSTEIN
ANTHRAX
OVERKILL
Autor:
Ronny Bittner
Jens Peters

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