Crossfire


Foto: Leona Küster

Crossfire 27.10.2021, 08:01

HOLY MOSES - Crossfire: mit Sabina Classen

Gar nicht so einfach, ein Crossfire während der Corona-Pandemie zu machen, wenn Sabina im hohen Norden wohnt und nicht mit Holy Moses auf Tour ist... Dank ihrer Stieftochter Leona, die ihr die Songs auf YouTube anklickt, haben wir es aber geschafft. Für das Bier dazu musste die Veteranin allerdings selber sorgen. Konfrontiert haben wir Sabina ausschließlich mit anderen Sängerinnen, die sie fast alle erkannte.

LEE AARON – Metal Queen

»Klar, Lee Aaron! Vor Jahren habe ich sie nach langer Zeit beim Bang Your Head getroffen. Schön, dass sie wieder im Metal-Genre aktiv ist. Bei meinem alten RTL-Magazin „Mosh“ habe ich sie in den Achtzigern mal interviewt. Lustig war, dass sie sich bei mir dafür entschuldigte, übermäßig gestylt zu sein und im Gegensatz zu mir lackierte Fingernägel zu haben. Sie wird zwar als die Metal Queen bezeichnet, doch hierzulande gehört der Titel eigentlich Doro.«

THE PLASMATICS – The Damned

»Ganz eindeutig der Gesang von Wendy O. Williams. ´The Damned´ ist ein super Song und das Video ebenfalls eine Klasse für sich. Als ich zu Beginn meiner Karriere nach anderen Sängerinnen mit extremen Stimmen suchte, kam ich auch auf sie. Leider habe ich sie nie persönlich kennengelernt. Authentischer als sie geht es wohl nicht; da war nicht nur die Stimme extrem, Wendy hat einen ganz besonderen Lebensstil gepflegt.«

HEART – Barracuda

»Das klingt recht alt. Vom Gesang her müssten es Heart sein. Sie könnten eine der ersten harten Bands mit Sängerin gewesen sein. Mein Ding ist das aber nicht, da ich die Musik nicht krass genug finde.«

ROCK GODDESS – My Angel

»Definitiv Rock Goddess, die es schon Ende der Siebziger gab. Ihre erste Platte habe ich noch im Keller. Den Auftritt beim Headbanger´s Open Air habe ich leider verpasst. Mir fällt gerade auf, dass es schon vor vielen Jahren etliche Sängerinnen beziehungsweise Frauenbands gab. Engländerinnen waren dahingehend Vorreiter.«

GIRLSCHOOL – Emergency

»Unverkennbar Girlschool! Der Anfang klingt total nach Motörhead. Ich mag die Mädels, die ich schon ganz oft live gesehen habe und die absolut authentisch sind. Einmal standen sie in Wacken neben mir am Bühnenrand, als Iron Maiden spielten. Zu der Zeit arbeitete ich für die Wacken-Crew, und Girlschool wollten ständig mit Whiskey versorgt werden. Während der Maiden-Show bekam Bruce Dickinson unser Gelage mit und schaute mehrfach belustigt zu uns rüber.«

LITA FORD – Kiss Me Deadly

»Die liebe Lita, die sich – wie ich finde – recht gut gehalten hat… Auch sie habe ich mal interviewt, und dabei war zu erkennen, dass sie sich ihrer besonderen Stellung im Musikgeschäft bewusst war. Nicht zuletzt durch ihre Ehemänner Chris Holmes und Tony Iommi stand sie mitten in der Szene und gelangte oft in die Medien. Ihre Videos gefielen mir aber nicht so sehr.«

ACID – Black Car

»Die kenne ich nicht!«

Es sind Acid aus Belgien.

»Huch, das ist mir peinlich, die gingen an mir vorbei, obwohl ich aus Aachen komme. Ich muss mir die Band mal genauer anhören. Das Outfit der Sängerin ist auf jeden Fall cool – genauso wie ihre Stimme. Da ich jetzt das Cover sehe, erinnere ich mich aber an ihr Logo.«

CHASTAIN – For Those Who Dare

»Da singt zwar nicht Jutta Weinhold, aber diese Stimme strahlt eine ähnliche Tragik aus. Dann ist das Leather Leone. Mit einem Star-Gitarristen wie David Chastain zusammenzuspielen, ist sicherlich nicht einfach. Schade, dass sie nicht auf allen Platten der Band dabei war, denn Chastain hat seine besten Alben mit ihr gemacht.«

DÉTENTE – Losers

(Nach den ersten Sekunden:) »Eindeutig Dawn Crosby! „Recognize No Authority“ war ein Hammeralbum. Später sang sie bei Fear Of God, und auch das war eine klasse Truppe. Wir sind im selben Jahr geboren, doch sie ist leider viel zu früh mit 33 gestorben. Kurz vor ihrem Tod haben wir telefoniert und eine gemeinsame Europatour von Fear Of God mit meiner damaligen Band Temple Of The Absurd geplant. Dazu kam es leider nicht mehr. Schon am Telefon merkte ich, dass es mit ihr bergab ging. Schade, dass ihre tragische Jugend und ihr übermäßiger Alkohol- beziehungsweise Drogenkonsum zu einem so frühen Ende geführt haben. Ihr Tod hat mich sehr mitgenommen, denn ich liebe ihre Songs. Zudem stand sie mir sehr nahe, und ich hatte das Gefühl, dass wir Schwestern im Geiste waren. In der Szene in L.A. war ihre Bude damals das Party-Zentrum, und Slayer haben ihr wohl das Stück ´At Dawn They Sleep´ gewidmet.«

NERVOSA – Never Forget, Never Repeat

»Eindeutig Nervosa aus Brasilien – eine starke Band, die trotz ihrer Besetzungswechsel nichts von ihrer Klasse verloren hat. Die neue Sängerin Diva Satanica habe ich vor Jahren bei einem Konzert von Holy Moses in Spanien kennengelernt. Sie kam backstage und schmeichelte mir dadurch, dass sie mir gestand, ich sei ihr Vorbild. Sie wünschte sich dann, ´Too Drunk To Fuck´ mit mir zu singen. Klar, dass wir als Band darauf eingingen, und ich muss zugeben, dass sie mich in Grund und Boden gesungen hat. Das war noch vor ihrer Zeit bei Nervosa. Als sie mich später fragte, ob sie da einsteigen sollte, habe ich sie ermutigt. Die Nummer hier singt aber noch die alte Sängerin. Das Bühnenoutfit von Diva ist wirklich heiß, und sie hat sogar ein eigenes Klamottenlabel.«

ZNÖWHITE – All Hail To Thee

»Sorry, die erkenne ich nicht.«

Tipp: eine Metal-Blade-Band.

»Dann sind es Znöwhite mit Nicole Lee. Niemals vergesse ich, wie mir Label-Boss Brian Slagel in den Neunzigern beim Foundation Forum in Los Angeles klarmachen wollte, dass ich meine Stimme an Nicoles orientieren und melodischer singen sollte. Daran habe ich mich natürlich nicht gehalten.«

HELLION – Backstabber

»Hellion aus Los Angeles! Die Band steht für tollen Power Metal mit einer ganz kratzigen Stimme. Eine super Kombination. Ann Boleyn ist eine richtige Powerfrau: Sängerin, Bandleaderin und Inhaberin eines Labels. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie beim Headbanger´s Open Air vor vielen Jahren Dawn Crosby bei Fear Of God ersetzt.«

WARLOCK – I Rule The Ruins

»Doro ist die wahre Metal Queen, und über unsere Treffen könnte ich ein ganzes Buch schreiben, unsere Wege haben sich unzählige Male gekreuzt. Wir lernten uns kennen, als Holy Moses und Warlock in Düsseldorf im selben Gebäude probten, wobei wir uns auf dem Damenklo begegneten. Eine lustige Anekdote ergab sich auf einer gemeinsamen Fahrt zu einem Festival nach England. Wir reisten in einem Nightliner, wo wir Damen unser Quartier ganz hinten hatten. Dabei haben wir unsere Klamotten durcheinandergebracht und für mächtig Chaos gesorgt.«

ZED YAGO – Black Bone Song

»Unschwer am Intro erkennbar Zed Yago mit der liebenswerten Jutta Weinhold. Für mich ist sie definitiv die am meisten unterbewertete Sängerin Deutschlands. Zu dem Song gibt es auch ein tolles Video. Jutta wohnt gar nicht weit von mir, und ich erinnere mich gern an einen gemeinsamen Auftritt in Hamburg, bei dem alle drei beteiligten Bands einen neuen Vertrag erhalten haben. Sie ist zudem eine tolle Frau, die sich gesund ernährt und Sport treibt; dass sie über 70 Jahre alt ist, merkt man definitiv nicht. Für einen Wacken-Auftritt besorgte ich mal über meinen Bruder, der in einem Theater arbeitet, die Bühnenausstattung für sie und übernahm selbst die Rolle einer Hexe.«

Fazit und Schlussworte von Sabina:

»Ich bin so froh darüber, dass es um alte Bands mit Sängerinnen gegangen ist. Von den neuen hätte ich sicherlich weniger erkannt, und Leona hätte mit mir tauschen müssen (lacht). Dabei sind wieder schöne Erinnerungen hochgekommen. Nach dem Crossfire werde ich meine Plattensammlung nach einigen der Gruppen durchstöbern, die wir gerade gehört haben.«

www.facebook.com/official.holymoses

Bands:
HOLY MOSES
Autor:
Wolfram Küper

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