Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.04.2012

STEEL PANTHER , THE TREATMENT - Köln, Live Music Hall

Wenn man bedenkt, dass beim eine Woche vor dem Kölner STEEL PANTHER-Gig stattfindenden Glam- und Sleaze-Festival „Shout It Out Loud" in Mülheim an der Ruhr gerade mal 600 Die-hard-Fans jahrzehntealte Szenerecken abfeierten und sich im Gegenzug mindestens die doppelte Menge an Zuschauern in der restlos ausverkauften Live Music Hall tummelt, kann man sich in etwa vorstellen, welche Art von Publikum bei der Show von Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxxx und Schlagzeuger Stix Zadinia zugegen ist.

Vermutlich hat ein Großteil der Spacken, die für den Abend kurzerhand noch einmal ihre Karnevalsperücken hervorgekramt haben, keinen Plan, welche Helden und Ikonen der Sleaze- und Hardrock-Szene der achtziger Jahre gerade parodiert werden. Das wird allerspätestens zur Gewissheit, als Satchel in seinem Solo zunächst einige der markantesten Van-Halen-Soli zitiert und anschließend einige Riff-Klassiker der Metal-Geschichte zum Besten gibt. Während die breite Masse ´Iron Man´, ´Smoke On The Water´ oder ´Paranoid´ noch erkennt und munter mitklatscht, trennt sich spätestens bei ´The Trooper´, ´Master Of Puppets´, ´Balls To The Wall´ und selbst ´Rock You Like A Hurricane´ die Spreu vom Weizen. Oder besser gesagt: die Party-Fraktion, die Hair-Metal vor einigen Jahren vermutlich noch belächelt hat, vom echten Szenekenner. Doch dem feierfreudigen Publikum ist das egal, schließlich legt das Quartett aus Hollywood knapp zwei Stunden lang ein kurzweiliges, musikalisch überzeugendes und mit charmanten Anzüglichkeiten und satirischer Selbstironie gespicktes Konzert hin. Gitarrist Satchel gibt vergnügt schweinische Frechheiten wie „Fickschlitz" zum Besten, die er vor der Show in seine Handinnenfläche gekritzelt hat, und macht sich über die angeblichen Gesichts-OPs von Sänger Michael Starr lustig, die bei näherer Betrachtung allerdings auch knallharte Realität sein könnten. Der Frontmann selber springt beinahe fideler als der junge David Lee Roth über die Bühne, lässt seine Hüften kreisen und spielt den selbstverliebten Gockel fast so gut wie Bassist Lexxi, der den obligatorischen Handspiegel zur Selbstbewunderung zückt.

Was bei den wöchentlichen Gigs auf dem Sunset Strip Standard ist, bei der ersten Köln-Show vor anderthalb Jahren im mit rund 300 Mann ausverkauften Luxor aus Platzgründen aber noch nicht so richtig machbar war, können Steel Panther in der Live Music Hall endlich realisieren: Bei ´Party All Day (Fuck All Night)´ stürmt ein quirlig-aufgedrehter Haufen bestehend aus Amateur-Stripperinnen und weiblichen Fans die Bühne, um mehr oder weniger lasziv tanzend ein wenig verruchtes Rock´n´Roll-Flair zu leben. Das Publikum singt, wie bei vielen anderen Songs, begeistert mit und feiert das Steel-Panther-Konzert ab.

Während sich Steel Panther noch ihre Frisuren zurechtzupften und in ihre Spandexhöschen quetschten, sorgten THE TREATMENT bereits für eine solide Warm-up-Show. Die britischen Jungspunde waren verdammt laut und sind sehr gut angekommen.

Setlist STEEL PANTHER:

In The Future (Intro)
Supersonic Sex Machine
Tomorrow Night
Fat Girl (Thar She Blows)
Asian Hooker
Just Like Tiger Woods
Gold Digging Whore
It Won´t Suck Itself
Community Property
Eyes Of A Panther
Girl From Oklahoma
Party All Day (Fuck All Night)
Turn Out The Lights
Death To All But Metal
Eatin´ Ain´t Cheatin´
17 Girls In A Row

Pic: Jens Peters

Bands:
STEEL PANTHER
THE TREATMENT
Autor:
Conny Schiffbauer

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