Interview

Interview 31.03.2021, 11:19

LITTLE HOLE FILLED - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 04/21

Mit „And The Ants Still March On" bringen die Österreicher LITTLE HOLE FILLED nach 24 Jahren Bandgeschichte und den ein oder anderen Konzertauftritt ihren ersten Langspieler auf den Markt. Philipp Diesenreiter, Sänger und Gitarrist der Vierer-Combo, klemmt sich an den Hörer und plaudert mit uns im sympathischen Wiener-Charme über Lockdown-bedingte Kreativitätsschübe und die Entstehung von Bandnamen.

Hi Philipp, wie geht's dir und der Band? Ihr seid alle in Österreich, richtig?
»Genau. Im Großen und Ganzen geht's uns gut. Von der Pandemie sind wir mal mehr, mal weniger betroffen. Ich bin als Tontechniker für Live-Konzerte relativ stark betroffen. Wir versuchen aber, das Beste daraus zu machen.«

Ein Highlight hattet ihr im Lockdown: den Release eures ersten Langspielers! Wie war die Situation zu dem Zeitpunkt?
»Wir konnten den Release nicht richtig feiern. Wir haben aber auch relativ wenig Konzerte gespielt, wollen aber wegen des Albums wieder mehr live spielen. Das wird jetzt natürlich erst mal nichts. Allerdings hätte es ohne Corona das Album auch nicht gegeben.«

Ach, spannend! Das heißt, ihr habt die Langeweile gut genutzt?
»Ja, mir ist als selbstständiger Tontechniker alles weggebrochen und ich habe auf einmal richtig viel Zeit gehabt. Da habe ich mich in die Vorproduktion von ein paar Demos reingestürzt, um die Zeit gut zu nutzen. In dem Zuge sind wir darauf gekommen, dass wir mehr Material haben, als wir dachten. Wir haben relativ schnell einen Weg gefunden, wie jeder zuhause in guter Qualität aufnehmen kann und im Sommer, als der Lockdown etwas gelockert wurde, zusammen geprobt und die Aufnahmen abgeschlossen.«

Dann hatte der ganze Mist also doch mal etwas Gutes. Das ist schön zu hören! Du sagtest gerade, ihr habt das Album selbst aufgenommen. Habt ihr das komplett selbst produziert?
»Ja, genau. Das ist ehrlich gesagt eine Low-Budget-Homestudio-Aufnahme. Ich habe ein kleines Studio daheim und meine Kollegen haben bei sich zuhause Gitarre, Schlagzeug und Bass eingespielt. Im Anschluss habe ich dann alles gemischt. Dank der modernen Technik ist es mittlerweile schon ganz gut möglich.«

Cool, dass ihr die Platte so aufnehmen konntet. Lass uns gerne mal weg vom Neuen hin zu euren Anfängen gehen. Ich bin im ersten Moment über euren Bandnamen gestolpert. Hat LITTLE HOLE FILLED etwas zu bedeuten? Oder wie kamt ihr darauf?
»Nee, das ist mein Händchen für schlechte Bandnamen (lacht). Wir haben 1996 angefangen, da waren wir alle noch recht jung. Ich habe damals aus dem Schulbus rausgeschaut und auf einer Wiese einen Maulwurfhügel entdeckt. Ich habe mir vorgestellt, wie ein Maulwurf aus dem Maulwurfhügel rausschaut – und das war dann das LITTLE HOLE FILLED. Das war die sinnlose Idee dahinter, hat damals aber gut geklungen. Auch wenn der Name leider etwas anrüchig wirkt, war das nicht die Absicht. Und jetzt haben wir den Namen schon so lange, dass er einfach zu uns gehört und wir ihn nicht mehr ändern wollen.«

Verständlich, da bleibt man irgendwann dabei. Und ihr macht auch keinen Glam Metal à la STEEL PANTHER, da kann man sich schon denken, dass der Name nicht in eine anrüchige Richtung zielt. Wenn wir schon beim Stil sind: Wie würdest du jemandem, der euch noch nicht kennt, euren Sound beschreiben?
»Ganz kurz gesagt: Es ist ein Bastard-Sound von Stoner, Doom und Sludge. Ich glaube, das trifft es ziemlich gut, denn wir sind nicht ganz genau in einem Genre drin. Es geht von relativ straighten Stoner-Songs über Doom-Nummern wie 'Boneyard Blues' bis hin zu Sludge-Brocken wie 'Sprout'.«

Super. Ich glaube, so hat man schon mal einen ersten Eindruck davon, was man bei euch auf die Ohren bekommt. Lass uns gerne noch genauer auf „And The Ants Still March On" eingehen. Dein Gesang klingt teilweise anklagend und in den Lyrics finden sich einige Bezüge zur Natur. Was ist für euch das Über-Thema des Albums?
»Natur zieht sich durch fast jede Nummer und vor allem der Umgang von uns Menschen mit der Natur. Das ist sicher das Hauptthema. Es ist schon anklagend, auch in einer wütenden Art. Bei 'Sprout' geht es zum Beispiel darum, wie aus einem Samen ein Leben entsteht. Oder auch bei 'Trippozoid', denn das ist ein innerer Monolog eines Baumes. Der Baum vergeht zwar, aber durch sein Vergehen kann neues Leben entstehen, weil sich an einem toten Baum andere Organismen nähren können.«

Zum Thema Texte: Da fällt das letzte Lied, 'Weiße Wänd' etwas aus dem Raster, weil es auf Deutsch ist. Hat das einen Grund?
»Wir haben immer schon mal deutsche Texte gehabt, gerade bei früheren Nummern. Wir kommen aus dem Metal Mitte/Ende der Neunziger, wo auch mal gerappt wurde. Und hin und wieder ist die deutsche Sprache schon sehr cool für aggressive Musik. Das Thema für 'Weiße Wänd' hat mich schon seit der Schulzeit begleitet. Das war ein Max-Frisch-Buch, in dem die Protagonistin vom Wahnsinn des Kriegs getrieben anfängt, alles zu reimen. Das ist mir schon seit Jahren im Kopf herumgegeistert.«

Kannst du uns auch noch etwas mehr zum Albumtitel und Cover von „And The Ants Still March On" verraten?
»Der Albumtitel stand schon recht früh. Es sollte ein Name sein, der für sich spricht und auch eine Richtung vorgibt, wie die Musik klingen könnte. Der Titel ist mir bei einem Riff eines Songs eingefallen, in dem die Wüste und Endzeitstimmung Thema sind. Ich habe mir schon immer gedacht: Ameisen überleben alles. Selbst wenn es den Menschen nicht mehr gibt, weil er alles zerstört hat, werden die Ameisen noch existieren. Die Miriel (Miriel Zeiner von Blaek Design), die Freundin unseres Bassisten, ist Grafikerin und hat das Cover extrem schön und ganz minimalistisch umgesetzt, mit Termitenhügeln in einer toten Landschaft.«

Ich habe noch eine etwas gemeine Frage auf Lager: Hast du ein Lieblingslied auf der Platte?
»Ja, 'Boneyard Blues' ist schon ein bisschen mein Liebling, weil ich ewig lange daran gearbeitet habe. Der Song hat mich wirklich zwei Monate verfolgt. Ich wollte immer schon mal einen richtig epischen Einstieg in einen Text schreiben und habe lange nach den ersten zwei Zeilen gesucht, die richtig schön reinhauen. Auf den Text bin ich daher ziemlich stolz und auch musikalisch ist das top.«

Lass uns zum Abschluss noch einen vorsichtigen Blick in die Zukunft wagen. Was sind eure Pläne und was können wir von LITTLE HOLE FILLED noch so erwarten?
»Sobald es geht, möchten wir ein Release-Konzert spielen und gerne ein paar weitere Konzerte oder Auftritte auf Sommer-Festivals dranhängen. Ansonsten schreiben wir schon an neuen Titeln. Und ich hätte auch richtig Bock, mal mit anderen Bands zusammenzuarbeiten, so als „Zwischendurch-Happen".«

Das heißt, ihr seid jetzt angefixt, was Alben angeht?
»Ja, auf jeden Fall. Das hat uns jetzt einen großen Motivationsschub gegeben. Wir freuen uns auch unglaublich über die Rückmeldungen, die über Social Media reinkommen. Wenn jemand die Platte kauft, erfreut uns das sehr. Wir haben auch alle ein bisschen Blut geleckt, wieder mehr zu machen, denn es gibt einfach nichts Schöneres, als im Proberaum zu stehen und gemeinsam zu jammen – das ist ein unglaubliches Gefühl.«

LITTLE HOLE FILLED sind:

Gesang, Gitarre: Philipp Diesenreiter
Schlagzeug: Thomas Breiteneder
Gitarre: Otto Hackl
Bass: Manfred Steininger

www.littleholefilled.bandcamp.com

www.facebook.com/littleholefilled

Bands:
LITTLE HOLE FILLED
Autor:
Lisa Scholz

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