Festivals & Live Reviews


Pics: Ralph Sigloch

Festivals & Live Reviews 11.05.2022, 11:20

MSG, EVERDAWN - Speyer, Halle 101

Zum Jahresbeginn hat sein Bruder Rudolf mit dem neuen Scorpions-Album vor- und mit einer Tour nachgelegt. Beim jüngeren Michael Schenker ist das neue MSG-Album „Immortal“ während der dreiwöchigen Europatour noch gar nicht veröffentlicht. Diese steht unter dem ebenso treffenden wie sperrigen Motto „Michael Schenker`s 50th Anniversary Universal World Tour“. Begleitet wird der Ausnahmegitarrist dabei von Robin McAuley (in den Staaten ist Ronnie Romero am Mikro), Barend Courbois und seinen langjährigen Weggefährten Steve Mann und Bodo Schopf. Eine perfekte Allianz, wie der weitere Abend zeigen wird.

Eröffnet wird dieser von EVERDAWN. Mit ihrem Progressive Symphonic Metal passt die Band nicht so recht zum Headliner. Zudem leidet die Truppe um Tausendsassa Mike LePond (u.a. Symphony X, Death Dealer, Heathen`s Rage, Ross The Boss) unter einem brutal schlechten Sound, der dem vielschichtigen Songmaterial ihres Debüts keine Chance zur Entfaltung bietet. Im Mittelpunkt steht Sängerin und Blickfang Alina Gavrilenko, die allerdings am wenigsten nervt, wenn sie sich nicht in anstrengenden höheren Stimmlagen bewegt. Beim Publikum kommt der Auftritt der New Yorker zumindest wohlwollend an.

Anschließend begrüßt Michael Schenker mit seiner extravaganten Kopfbedeckung (samt Brille) das Publikum persönlich und widmet den Opener `Ascension` seinem 2019 verstorbenen Drummer Edward `Ted` McKenna. Was folgt ist eine kurzweilige zweistündige Zeitreise durch die Geschichte des Hardrocks, für die man sich eine überraschende Setlist (`Red Sky`!) hat einfallen lassen: Von den Scorpions gibt es von deren Debüt mit 'In The Search Of Peace Of Mind' nur einen Titel, seine Zeit mit UFO wird mit acht Nummern (sechs davon zum Grande Finale) gewürdigt und auch die ersten vier MSG-Studioalben finden Berücksichtigung. Im Mittelpunkt neben dem gebürtigen Sarstedter an der Dean Flying V steht sein Frontmann Robin McAuley, der mit Ausnahme von `Warrior` (die gemeinsame McAuley/Schenker-Phase, bei der Steve Mann, Bodo Schopf und er an Bord waren, wird leider ignoriert) nur Songs interpretieren muss, die andere Sänger für Michael eingesungen haben. Das erledigt der Ire mit Bravour und kann nicht nur stimmlich überzeugen, auch Gestik und Mimik sind neben seinem souveränen Auftreten stark. Überhaupt merkt man, dass die Altherrenriege bei saunaähnlichen Temperaturen absolute Spielfreude hat und hier eine eingeschworene Gemeinschaft auf der Bühne steht. Steve Mann ist klasse gealtert, handelt die Doppelbelastung Keyboards und Gitarre locker und die Rhythmusabteilung mit Sessiondrummer Bodo Schopf und Barend Courbois (ex-Blind-Guardian, Tank) bieten dem Hauptgitarristen den Klangteppich, den er benötigt, um sich vollends zu entfalten. Am meisten tobt er sich bei der überlangen `Rock Bottom`-Version aus, und überhaupt hat man das Gefühl, dass die UFO-Nummern mittlerweile am besten bei Michael Schenker und seiner Entourage aufgehoben sind. Zudem beweist der fünffache Vater, dass er der vielleicht der letzte Gitarrengott ist. Auf die nächste Tour mit sicherlich wieder veränderter Setlist darf man sich heute schon freuen!

SETLIST

Ascension
Cry For The Nations
Doctor Doctor
Sleeping With The Lights On
Looking For Love
Warrior
Into The Arena
In Search Of The Peace Of Mind
Red Sky
Emergency
Lights Out
After The Rain
Armed And Ready
Sail The Darkness
Rock You To The Ground
A King Has Gone
Rock Bottom
Shoot Shoot
Let It Roll
Natural Thing
Too Hot To Handle
Only You Can Rock Me

Bands:
MSG
EVERDAWN
Autor:
Wolfram Küper

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