My Hometown


Foto: Vincent Laine

My Hometown 18.03.2020, 10:34

IN FLAMES, WE SELL THE DEAD - My Hometown: Göteborg mit Niclas Engelin

Niclas Engelin ist ein musikalischer Triebtäter. Kreativität und Songwriting zählen für ihn zu den elementaren Dingen, um glücklich zu sein. Sein letztes Herzensprojekt hat er im Februar mit dem zweiten WE SELL THE DEAD-Album „Black Sleep“ veröffentlicht. Nicht minder passioniert stellt er uns seine Heimat an der Westküste Schwedens vor.

Für das Interview treffen wir Niclas in Göteborg. Ein früher Montagabend, ein kleines Eckcafé. Was kann da schon schiefgehen? So einiges, denn ich hatte die Rechnung ohne den allwöchentlichen Quizabend, eine Institution des Göteborger Kneipenlebens, gemacht. Also zwängen wir uns in ein Meer aus reservierten Tischen, halten uns das Diktiergerät tief ins Gesicht und versuchen, den aufgeheizten Quizteilnehmern um uns herum stimmlich Paroli zu bieten.

Stammst du aus Göteborg?

»Ich komme aus Västra Frölunda, genauer gesagt Tynnered, im Westen Göteborgs. Ganz in der Nähe ist auch Jesper Strömblad (Cyhra, Dimension Zero, ex-In-Flames - asr) aufgewachsen. Ich verlebte echt eine schöne Kindheit dort. Wir wohnten nah am Wald, und mit dem Fahrrad waren es nur wenige Minuten bis zur nächsten Badestelle.«

Sarcazm waren die erste Band, mit der du ein Album aufgenommen hast. Warst du davor schon in anderen Bands gewesen?

»Als ich aufwuchs, spielte ich unter anderem Fußball und Hockey. Ich verbrachte viel Zeit auf dem Fußballplatz und im Jugendhaus. Dort habe ich dann das erste Mal eine Gitarre in die Hände bekommen. Meine erste Band hieß The Rising, benannt nach der Scheibe „Rainbow Rising“. Wir hatten Auftritte in kleinen Clubs und orientierten uns an Accept sowie Mötley Crüe. So lernte ich, Musik zu spielen. Jesper Strömblad ging in meine Parallelklasse. Poltergeist waren unsere erste gemeinsame Band. Zu Gymnasialzeiten (in Schweden ab der zehnten Klasse - asr) gründete ich dann Sarcazm.«

Die Möglichkeit, in Jugendhäusern kostenlos zu proben und Instrumente zu nutzen, hat vor 30 Jahren den Grundstein für viele Göteborger Bands gelegt. Wie ist es heute um die Musikförderung von Jugendlichen bestellt?

»Deutlich schlechter. Die Politik machte den Fehler, viele Jugendhäuser zu schließen und das Budget für Jugendeinrichtungen radikal zu kürzen. Als ich aufwuchs, gab es fünf bis sechs Jugendhäuser allein in Tynnered, und die haben die Jugendlichen aufgefangen. Jetzt gibt es dort nur noch ein Jugendhaus (als Botschafter der gemeinnützigen Vereinigung Majblomman setzt sich Niclas dafür ein, dass Kinder aus armen Familien ein Instrument lernen oder Fußball spielen können - asr).«

Lass uns ins Hier und Jetzt zurückkehren. Freunde stehen vor der Tür, und du hast einen Tag Zeit, ihnen einen ersten Eindruck von Göteborg zu vermitteln. Was unternehmt ihr?

»Der Tag beginnt in einem Café in der Kunsthalle Röda Sten am Hafen. Dort kannst du draußen sitzen, und das ist supergemütlich – zumindest, wenn es Sommer, sonnig und windstill ist (ca. drei Tage im Jahr, ein Besuch möge wohlgeplant sein - asr). Da kannst du auch supergut alleine hinfahren, einen Kaffee bestellen, den Blick über das Meer schweifen lassen und es dir gutgehen lassen. Danach geht es weiter raus nach Fiskebäck, wo wir ins Café Sjöboa einkehren. Das Café bietet dir einen herrlichen Blick auf den Schärengarten. Anschließend machen wir uns auf zum Plattenladen Bengans am Stigbergstorget. Von da aus erkunden wir eine Reihe Second-Hand-Vinylshops auf der Andra Långgatan. Wenn wir hungrig sind, kehren wir in die Bierstube Tullen ein. Da gibt es richtig leckeres Abendessen für einen Zehner. Zum Abschluss statten wir dem 2112 einen Besuch ab (der von In-Flames-Gitarrist Björn Gelotte und Ex-In-Flames-Bassist Peter Iwers betriebenen Bar - asr). Dieser Tag gibt dir einen Einblick in die unterschiedlichen Facetten Göteborgs.«

Welchen Konzertschuppen sollte ich mir nicht entgehen lassen?

»Ich muss zugeben, dass ich sehr selten auf Konzerte gehe. Ich lebe mittlerweile außerhalb Göteborgs und habe zwei kleine Kinder im Alter von sechs und neun Jahren. Da herrscht am Wochenende volles Familienprogramm. Aber wenn ich zu Gigs gehe, steht Pustervik hoch im Kurs. Trädgår´n ist auch eine gute Adresse. Göteborg bietet viele gute Anlaufpunkte für Live-Musik.«

Mit „Obey The Riff“ steht bald das erste WE SELL THE DEAD-Bandbier in den Läden. Ihr habt es gemeinsam mit der lokalen Brauerei Beerium kreiert.

»Ja, die Beerium Bar, der Tap Room der Brauerei, liegt ganz in der Nähe meines Hauses nördlich von Göteborg. Meine Nachbarn kehren dort regelmäßig ein und haben mir die Bar empfohlen. Gutes Bier, dazu Black Sabbath aus den Boxen, das hat mich überzeugt. Dazu sind die Brauereibesitzer Erik und Marcello große Hardrock-Fans. Ich hatte zuvor schon einige Kooperationsanfragen von Brauereien erhalten, aber es hatte nie gepasst. Mit „Obey The Riff“, einem leichten Pale Ale, huldigen wir jetzt der Macht des Riffs. Die erste Auflage des Bieres wurde am Premierenabend direkt leergetrunken. Nachschub ist allerdings schon unterwegs. Ab April 2020 ist „Obey The Riff“ im staatlichen Alkoholladen Systembolaget zu haben.«

Welche lokalen Biere kannst du außer „Obey The Riff“ empfehlen?

»„West Coast“, ein Indian Pale Ale der Brauerei Stigbergets, ist mein Favorit. Es gibt allerdings eine Menge guter lokaler Brauereien. Peter Iwers betreibt beispielsweise Odd Island Brewing.«

Wo kaufst du am liebsten Platten?

»Skivhallen Majorna ist eine gute Adresse für Second-Hand-Platten. Manchmal findest du kaum etwas, aber dann wieder entpuppt sich der Laden als echte Fundgrube. Alle zwei Monate nehme ich mir mit Freunden aus Kindertagen Zeit, um auf Vinyl-Shoppingtour zu gehen. Wir treffen uns samstagmittags bei Bengans, stöbern, genehmigen uns ein erstes Bier, und dann arbeiten wir uns von Laden zu Laden vor bis zum Järntorget-Platz.« www.wesellthedead.com

www.facebook.com/wesellthedead

Bands:
IN FLAMES
WE SELL THE DEAD
Autor:
Alice Srugies

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