My Hometown


Foto: Alex Kuehr

My Hometown 20.12.2021, 08:00

BRAINSTORM - My Hometown: Stuttgart mit Andy B. Franck

Von wegen „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Andy B. Franck (50) beherrscht als gebürtiger Schwabe sowohl Mundart als auch Hochdeutsch. Das BRAINSTORM-Goldkehlchen ist ansonsten ein überzeugter Lokalpatriot mit ausgeprägtem Faible für den VfB Stuttgart, die Kollegen vom „German Metal Kommando“ Primal Fear und ein Steakhaus mit dem urigen Namen Ochs´n Willi.

Andy, wo bist du geboren beziehungsweise aufgewachsen, wo wohnst du derzeit?

»Ich bin tatsächlich ein richtiger Stuttgarter. Das heißt, ich wurde in der Stadt geboren. Aufgewachsen bin ich aber im etwa 15 bis 20 Kilometer entfernten Nürtingen, wo ich auch mit meiner Familie lebe. Meine Freizeit habe ich größtenteils in Stuttgart verbracht, von daher kenne ich mich dort gut aus.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen oder bevorzugte Clubs in der Gegend?

»Ja, da wäre vor allem der Kuckuck in Esslingen. Da treffe ich mich gerne mit meinen Musikerkollegen von Primal Fear. In Stuttgart haben wir leider das Problem, dass es die guten Kneipen und Clubs nicht mehr gibt, die ein bisschen was mit Hardrock und Metal zu tun hatten, zum Beispiel den Rockpalast und vor allem die Rockfabrik in Ludwigsburg. Die Röhre in Stuttgart wurde ja schon vor längerer Zeit im Zuge von Stuttgart 21 komplett abgerissen. Mittlerweile hat sich das Geschehen insbesondere in den Wizemann im Stadtteil Bad Cannstatt verlagert. Ich bin ganz froh darüber, noch die Zeiten erlebt zu haben, als die erwähnten Clubs in ihrer Blüte standen.«

Die Rockfabrik vermisst du bestimmt, oder?

»Ja, da bin ich nicht allein. Zum Schluss waren wir gar nicht mehr so oft da, aber du verbindest halt ultra-viele Erinnerungen mit der RoFa, etwa als Sepultura zum ersten Mal nach Europa kamen. Jeder Act, der halbwegs was auf sich gehalten hat, ist dort aufgetreten. Selbst wenn die Bands manchmal in einer größeren Halle in Stuttgart spielten, war die RoFa immer für eine Aftershow-Party gut.«

Wie sieht es mit Metal-Kneipen in Stuttgart aus?

»Da gibt es so gut wie nix mehr. Esslingen hat wie gesagt mit dem Kuckuck und dem Eisbär zwei Locations, in denen ich mich gerne mit dem Tom von Primal Fear treffe.«

Kannst du irgendwelche Restaurants empfehlen?

»Ich gehe seit etwa 20 Jahren sowohl mit meiner Family als auch der Band – wir sind alle Fleischfresser – gerne in den Ochs´n Willi. Das ist ein zentral gelegenes Steakhaus in der Nähe der Königstraße. Die haben einen großen runden Tisch, an dem man auch mal zu sechst, acht oder zehnt sitzen kann. In das Lokal habe ich anno 1996 übrigens Iced Earth und Nevermore geführt, als BRAINSTORM mit den beiden Bands in der Röhre aufgetreten sind und die Buben plötzlich Hunger hatten. Das war aber noch die Tour vor meinem Einstieg bei den Jungs.«

Probt ihr in Stuttgart?

»Ich habe zwei Kumpels in der Stadt, die ein kleines Studio betreiben, wo ich meine Mikrofone teste oder manchmal auch Probeaufnahmen mache. Unser Bassist Toni und ich wohnen in der Stuttgarter Ecke, während der Rest der Meute ja aus der Ulmer beziehungsweise Heidenheimer Gegend kommt. Dort ist auch BRAINSTORMs Proberaum.«

Mit welchen Bands aus Stuttgart und Umgebung außer Primal Fear bist du noch befreundet?

»Früher haben sich alle Bands aus der Gegend regelmäßig in der RoFa getroffen. Das war das Metal-Mekka, wo auch meine Freundschaft mit Primal Fear ihren Anfang nahm. Dann gab es natürlich noch die Farmer Boys und Atrocity. An Alex Krull oder auch dem Thorsten Bauer (Atrocity-Sänger und -Gitarrist – buf) bist du in der Stuttgarter Musikszene nicht vorbeigekommen.«

Kennst du die wohl bekannteste Stuttgarter Band auch persönlich, Die Fantastischen Vier?

»Thomas D. kenne ich flüchtig aus Ditzingen. Ansonsten habe ich die Band ein paarmal getroffen, als sie noch in ganz kleinen Stuttgarter Läden auftrat. Das war also noch vor ihrem großen Hit ´Die da!?´. Damals habe ich auch mal ein bisschen mit denen gelabert, aber die waren ja zehn Jahre älter. Du bist für die nur der kleine Langhaarige gewesen, der ihnen erzählen wollte, was er noch alles in seinem Leben vorhatte. Als sie kurz danach durch die Decke gegangen sind, wollten sie nix mehr von einem wissen (lacht). Wir hatten seinerzeit sogar Kontakt zu ihrem Manager, dem Bär. Er war eine Ikone in Stuttgart, von ihm hieß es immer: „Wenn der sich um euch kümmert, habt ihr vielleicht eine Chance.“ Leider hat das nie geklappt, aber wir spielten ja auch völlig andere Mucke.«

Gibt es in Stuttgart noch gute Plattenläden?

»Im Bohnenviertel gibt es noch zwei gute Second-Hand-Läden, die sich auf den An- und Verkauf von Vinyl spezialisiert haben. Ansonsten konzentriert sich die ganze Vinyl-Thematik in Stuttgart mittlerweile auf Flohmärkte. Neue Schallplatten gibt es nicht mehr großartig, außer bei Media Markt oder Saturn. Die haben inzwischen Vinyl-Ecken eingerichtet. Für uns ist es aber viel interessanter, die eine oder andere Rarität aufzustöbern. Die findest du in diesen beiden Läden oder samstags auf dem Flohmarkt.«

Bist du VfB-Fan?

»Ja (lacht). Ich bin jetzt seit 2015 Dauerkarteninhaber und Mitglied. Da es bei uns keine Stehplatzdauerkarten mehr gibt, habe ich mir einen Platz in der Nähe des Fanblocks gesucht. Mittlerweile sind wir eine ganz coole Truppe. Die Jungs sind in meinem Alter und alle ein bisschen verrückt.«

Gehst du auf das bekannte Stuttgarter Volksfest, den Cannstatter Wasen, oder ist dir das zu groß beziehungsweise zu kommerziell?

»Der Wasen war nie so richtig mein Ding, zumal die Bierzelte ja schon um 22 oder 23 Uhr zumachen. Deshalb haben wir den Wasen früher eigentlich nur zum Aufwärmen für die RoFa, irgendwelche Stuttgarter Kneipen oder den Rockpalast genutzt. Irgendwann bin ich auch mal mit meinen Kindern hin. Dass es den Wasen gibt, finde ich wichtig.«

Wie hältst du es mit der berühmt-berüchtigten Kehrwoche? Fegst du auch immer brav das Treppenhaus?

»Sagen wir es mal so: Ich halte das für nicht ganz so wichtig wie viele meiner Nachbarn (lacht). Sowohl deutsche als auch ausländische Freunde von mir gucken mich immer ganz verwundert an, wenn ich sage: „Wir müssen noch das Treppenhaus reinigen.“ Die finden das halt sehr seltsam, doch es scheint tatsächlich eine schwäbische Eigenart zu sein. Die kriegst du als Kind beigebracht, und obwohl du das damals selber scheiße fandest, bringst du es trotzdem auch deinen Kids bei. Das ist Panne und affig, aber irgendwie Bestandteil unserer DNS.«

Schaust du gerne den Stuttgarter „Tatort“ mit Richy Müller? Ich persönlich fand ja die alten Folgen mit Dietz-Werner Steck als Hauptkommissar Bienzle viel besser, auch weil darin noch Schwäbisch „gschwätzt“ wurde.

»Nicht unbedingt. Was ich sehr gerne gucke, nennt sich „Mäulesmühle“, das ist schwäbische Comedy. Für Außenstehende mag es etwas bauernhaft und arg simpel sein, für mich repräsentiert es aber ganz gut den schwäbischen Charakter. Ich finde Mundart wichtig und bin der Meinung, dass man Dialekte auch pflegen sollte – zumal ich es nicht mag, wenn Leute aus dem Ausland sagen: „Ihr redet ja eh alle Bayrisch!“ Nein, das tun wir definitiv nicht und wollen es auch gar nicht (lacht).«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Falls ja, wo?

»Die Toskana könnte ich mir tatsächlich vorstellen. Die extreme Engstirnigkeit und Verbohrtheit bei uns finde ich manchmal ein bisschen hinderlich. Da würde ich mir manchmal mehr Dolce Vita beziehungsweise italienische Lockerheit wünschen.«

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Bands:
BRAINSTORM
Autor:
Buffo Schnädelbach

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