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Foto: Axel Jusseit

My Hometown 25.09.2019, 12:47

HEAVEN SHALL BURN - My Hometown: Weimar mit Maik Weichert

Obwohl Weimar nur knapp 65.000 Einwohner zählt, gehört die Stadt in Thüringen aufgrund ihres riesigen kulturellen Erbes zu den bekanntesten Orten der Republik. Hier wurde nicht nur die Nationalversammlung von 1919 einberufen, in Weimar fanden mit Goethe und Schiller auch zwei der bedeutendsten Dichter und Denker Europas ihre letzte Ruhestätte.

Maik, wo bist du aufgewachsen, und was bedeutet dir Weimar?

»Ich bin in Weimar geboren und in einer Kleinstadt in der Nähe aufgewachsen. In Weimar wohne ich mittlerweile nun schon über 20 Jahre. Es ist eine wunderschöne Stadt, voll von Geschichte und kulturellem Leben. So vieles, was sich in der deutschen Geschichte ereignet hat, ist in irgendeiner Weise mit dieser Stadt verbunden oder hat hier seine Spuren hinterlassen. Dabei ist Weimar keine Metropole, sondern eine kleine romantische und inspirierende Residenzstadt, aber gerade das hat ja damals auch die großen Persönlichkeiten angezogen. Es ist schon ein tolles Gefühl, durch die gleichen Gassen zu schlendern wie die zahlreichen großen Geister dieser Stadt.«

Hast du eine Lieblingskneipe in Weimar? Du trinkst zwar keinen Alkohol, aber andere abstürzen zu sehen, kann ja auch seinen Reiz haben.

»Oh ja, das ist sehr reizvoll, und ich bin für viele meiner Freunde im wahrsten Sinne des Wortes der verlässliche Anker in solchen Situationen und verfüge auch über ein gut sortiertes Fotoarchiv, das hervorragend für Erpressungsversuche geeignet ist. Ich bin sehr gerne im Roxanne, einer verqualmten Studentenkneipe direkt am Marktplatz, prominent zwischen einem Fünf-Sterne-Hotel und einem Edel-Juwelier gelegen. Im Sommer dort draußen zu sitzen und Touristen anzufrotzeln, ist das Schönste überhaupt. Auch sehr schön ist das Café am Bienenmuseum, sehr idyllisch direkt am Flüsschen Ilm gelegen. Auch in der Gerber 3, einem ehemals besetzten Haus, trinke ich gern mal was.«

Wie sieht es mit vegetarischen bzw. veganen Restaurants bei euch aus?

»Hier hat sich, wie überall, viel getan. Am liebsten bin ich im Bistro Gartenliebe, aber auch ins Tara, ein veganfreundliches India-Restaurant, gehe ich sehr gerne.«

Vermisst du es manchmal, keine Thüringer Bratwurst mehr zu essen?

»Natürlich, da bin ich ehrlich. Wenn ich an einem der allgegenwärtigen Roste vorbeilaufe, packt mich schon der alte Appetit, sonst wäre ich kein echter Thüringer. Aber von solchen Anflügen bin ich spätestens beim nächsten Tiertransporter, der zum Schlachthof vor den Toren der Stadt rumpelt, wieder geheilt. Einen Bratwurstrost habe ich natürlich trotzdem. Hail Seitan!«

Wo habt ihr euren Proberaum?

»In Saalfeld/Saale, eine gute halbe Stunde Fahrt südlich von Weimar, weshalb wir auch meist als Saalfelder Band bezeichnet werden, obwohl nur zwei von uns von dort kommen. Unser Sänger Marcus wohnt in der Maxhüttenstadt Unterwellenborn bei Saalfeld und unser Bassist Eric direkt in Saalfeld.«

Wo kann man in Weimar am besten die Seele baumeln lassen?

»Ich bin am liebsten in einem der zahlreichen Parks unterwegs. Der Park an der Ilm wurde noch von Goethe höchstpersönlich mitgestaltet. Dort an einem heißen Sommertag die Füße in einen der kalten Quellflüsse baumeln zu lassen, ist himmlisch. Aber auch der Schlosspark Tiefurt, Schloss Belvedere samt Park und Orangerie oder ein Spaziergang über den klassischen Friedhof sind großartige Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen. Ich besuche auch gern mal die Jungs vom Party.San Open Air in ihrem zentral gelegenen Headquarter zum kleinen Kaffeeplausch. Abends am Wochenende fast allein in der Schwimmhalle am Schwanseebad zu schwimmen, ist eine weitere meiner liebsten Beschäftigungen.«

Welche Orte bzw. Sehenswürdigkeiten sollten sich Touristen unbedingt anschauen?

»Da wir hier von Weimar reden, könnte man locker zwei Hefte damit vollschreiben. Neben den üblichen Attraktionen wie dem Bauhaus-Museum, dem Nationaltheater, den Goethe- und Schiller-Häusern oder der Anna-Amalia-Bibliothek will ich gerne ein paar abseitigere sehenswerte Sachen nennen. Auf jeden Fall muss man in der Fürstengruft vor den Särgen von Goethe und Schiller gestanden haben, das ist schon ein ziemlich feierliches Gefühl, auch wenn niemand so richtig weiß, ob Schillers Schädel nun der richtige ist. Auch zu empfehlen ist an einem trüben Tag die Wanderung von Schloss Ettersberg zum KZ Buchenwald hinauf – jedes Mal unfassbar, wie nah Barbarei und Hochkultur beieinander liegen können. Am Abend könnte man einen Abstecher in das Programmkino im Straßenbahndepot machen; sich dort in gemütlichen Sesseln und interessanten Räumen einen tollen Film anzuschauen, ist sehr cool. Ansonsten empfehle ich auf jeden Fall, Weimar zu einem der zahlreichen Festivals im Jahr zu besuchen. Beim Zwiebelmarkt etwa spielen Bands in der ganzen Stadt. Dort ist von Streichquartett bis Goregrind alles am Start. Auch das Kunstfest oder das Festival Genius Loci sind absolute Höhepunkte von internationalem Format. In der Gerber 3 oder im Kasseturm spielen oft mehrmals die Woche interessante Bands aller härteren Musikrichtungen. Ansonsten sollte man einfach losziehen und sich in Weimar treiben lassen. In irgendeinem Studentenclub, einem Theatergebäude, einem Hinterhof, Park oder einer Kneipe ist immer etwas los. Es gibt hier Tage, da gehst du von einer Theaterpremiere direkt zu einer Vernissage, schaust dir danach noch eine Punkband an und landest schlussendlich bis zum Morgengrauen auf einer Elektroparty in irgendeinem Gewölbe.«

Mit welchen Bands aus der Gegend seid ihr befreundet?

»Sehr gute Freunde sind die Jungs von Die Apokalyptischen Reiter, die hier auch ständig durchs Stadtbild hüpfen. Aber auch mit Deserted Fear bin ich oft unterwegs, besonders beim Basketball in Jena. Macbeth sowie Decembre Noir aus Erfurt sind ebenfalls sehr gute Kumpels von uns.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben?

»Je mehr ich mit HSB in der Weltgeschichte herumdüse, umso lieber kehre ich wieder in mein kleines, romantisches Weimar zurück. Es ist toll, auf Reisen zu sein, und ich bin auch „privat“ viel in der Welt unterwegs, aber gerade Ferne und Fremde, mögen sie noch so schön sein, lehren einen, wie toll die Heimat ist. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, an einem ruhigen Fleckchen auf Island zu leben. Auch in Finnland, Norwegen oder dem nördlichen Kalifornien würde ich es aushalten. Besonders angetan hat es mir außerdem die Hawaii-Insel Kauai. Auf keinen Fall könnte ich in einer richtig großen Metropole wie Berlin, London oder New York leben.«

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Bands:
HEAVEN SHALL BURN
Autor:
Buffo Schnädelbach

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