Interview

Interview 02.09.2021, 11:03

NOCTURNAL - Online-Ergänzung zu Rock Hard Vol. 411

Im Rahmen unserer Rubrik „Krach von der Basis“ sprachen wir mit NOCTURNAL-Gitarrist und -Songwriter Avenger über die neue Platte „Serpent Death“, die kürzlich via Dying Victims Productions erschienen ist. Ergänzend zum Heft-Interview lieferte uns Avenger noch weitere Antworten – unter anderem zum Line-up-Wechsel und zur Bedeutung von NOCTURNAL als Band an sich.

Avenger, wie ist einer Band wie NOCTURNAL in der konzertfreien Zeit ergangen? Hat es die Arbeit am neuen Album angekurbelt?
»Leider ganz im Gegenteil, als wir im April 2020 uns eine Woche bei unserem Drummer in Belgien einquartiert haben, um zusammen intensiv an den Songs zu arbeiten, konnte unser Sänger Invoker nicht mit, weil er kurz vorher unter Quarantäne gestellt worden ist. Dann ist uns zwei Tage vor den geplanten Drum-Aufnahmen, die wir direkt im Anschluss machen wollten, der Termin leider auch noch gestrichen worden. Danach ging sechs Monate dann erst mal gar nichts mehr, weil wir nicht nach Belgien rein konnten und John auch nicht raus. Als die Schlagzeug-Aufnahmen dann Ende September endlich im Kasten waren, habe ich in den folgenden Monaten nach und nach den Rest bei mir im Keller aufgenommen. Das ließ sich dann auch etwas einfacher organisieren, da die anderen beiden nur etwa eine Stunde entfernt von mir entfernt wohnen. Die Zeit während Corona habe ich wiederum genutzt, um noch an ein paar anderen Aufnahmen fernab von NOCTURNAL zu arbeiten.«

Die neuen Mitglieder sind mitunter langjährige Freunde von dir – wie wichtig ist dieses Kriterium für dich im Rahmen einer Band und warum?
»Das ist für die Langfristigkeit des Ganzen schon sehr wichtig. Da weiß man was man von den anderen zu erwarten hat, wie die ticken und es gibt keine bösen Überraschungen. Wir sind jetzt auch alle in einem Alter wo sich vermutlich privat und beruflich nicht mehr viel ändern wird und auch jeder für sich weiß was er will. Da wir für die Band ja alle einen Großteil unserer Freizeit hergeben, will man sich ja auch nicht mit Leuten umgeben, mit denen man persönlich wenig bis gar nichts anfangen kann. Wenn wir zu Gigs fahren oder auf Tour sind wollen wir zusammen eine gute Zeit haben und das war bei NOCTURNAL auch mit den vorherigen Mitgliedern schon immer wichtig.

In einem anderen Interview sagtest du mal, dass du eigentlich kein großer Freund von Veränderungen bist – wenn es nach dir ginge, hättest du am liebsten ein konstantes Line-up, das für immer hält. Wie gehst du also mit solchen Veränderungen um und haben sie einen Einfluss auf die Band?
»Das Problem ist, dass man darauf im Endeffekt leider nur sehr selten einen Einfluss hat. Tyrannizer, Vomitor und Skullsplitter sind nacheinander alle selbst aus verschiedenen Gründen aus der Band ausgestiegen; von meiner Seite aus musste da keiner gehen, ganz im Gegenteil. Das mit dem konstanten Line-up ist natürlich der Idealfall, aber leider ist nichts so konstant wie die Veränderung. Klar gibt es auch bei dem jetzigen Line-up keine Garantie, dass das jetzt für immer so bleibt, aber die wichtigsten Sachen passen, das ist schon mal eine gute Grundvoraussetzung.

Und natürlich haben Line-up-Wechsel immer einen Einfluss auf die Band, vor allem auf einen Sängerwechsel haben die Banger immer so gar keinen Bock, wo ich als Fan ja durchaus genauso ticke. Aber wie heißt es so schön: Augen zu und durch und unser Ding machen. Aufhören war für mich wegen Line-up-Problemen nie eine Option. Das würde ich nur machen, wenn ich denke, dass ich selbst dem Ganzen nichts mehr hinzuzufügen hätte oder der Band aus irgendwelchen anderen Gründen nicht mehr gerecht werden könnte. Aber das sehe ich so schnell nicht passieren!«

Über die Jahre haben NOCTURNAL die Fahne konstant hochgehalten und so ziemlich alle Trends an sich abprallen lassen – wie nimmst du in dem Bezug die ursprünglichen teutonischen Thrash-Größen Destruction, Sodom und Kreator heutzutage wahr? Kaufst du ihnen noch ab, was sie machen?
»Mit Kreator konnte ich schon nach der „Pleasure To Kill“ bis auf einen Song hier und da nichts mehr anfangen. Sodom haben meiner Meinung nach die insgesamt stärkste Diskografie und eigentlich keinen richtigen Totalausfall. Was Destruction angeht, da finde ich auch viele Songs der neueren Alben noch sehr gut, aber leider ist die Produktion der Scheiben viel zu klinisch - was aber noch auf viel zu viele andere Alben zutrifft. Ich bin immer froh, dass wir nicht darauf angewiesen sind, dass die breite Masse gut findet was wir machen und wir deshalb ohne uns über sowas Gedanken machen zu müssen ans Werk gehen können. Doch auch bei uns gab es immer Leute, denen nicht gefallen hat, wie wir uns entwickelt haben. So ist das halt. Solange ich stolz darauf bin, was wir da gemacht haben, ist für mich die Welt in Ordnung. „You win some, loose some it´s all the same to me...“.«

Ist NOCTURNAL etwas, das in deinem alltäglichen Leben eine Konstante darstellt, etwas Fluides, das sich ständig weiterentwickeln soll und muss oder kann man das vielleicht ohnehin gar nicht so voneinander trennen?
»Musik und Musik machen bestimmen eigentlich alles in meinem Leben; vor allem natürlich alles rund um NOCTURNAL, weswegen man schon sagen kann, dass die Band eine Konstante darstellt. Was die Weiterentwicklung angeht: Ich versuche einfach immer das Album zu machen, was ich selber gerne hören möchte, dabei den Wurzeln der Band treu zu bleiben und mich nicht zu wiederholen. Dieser Spagat ist in diesem eng gesteckten Rahmen, den ich mir selbst auferlegt habe, schon manchmal nicht so leicht und unter anderem auch ein Grund, warum auch zwischen den ersten paar Alben mindestens immer vier Jahre lagen. Ich brauche immer eine gewisse Zeit um mich da mental neu aufzustellen und frische Ideen zu sammeln.«

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Bands:
NOCTURNAL
Autor:
Mandy Malon

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