Kolumne


Foto: Moritz Thau

Kolumne 23.11.2022, 08:00

NÖTES OF A DIRTY OLD FAN: Ooo-ooo-whee!

Als sich Heavy Metal als Genre und bald darauf auch als Gegenkultur und Kirche konstituierte, brauchte man einen Namen für all die Glaubensgenossen, die fettzöpfigen, splissgeschädigten, kuttentragenden Vollspacken. Also uns. Und das Kollektiv einigte sich auf „Headbanger“. Mittlerweile ist der Begriff auch schon wieder vom Tisch, ausgetauscht durch den objektiveren „Metalhead“. Ich fand die alte Bezeichnung immer angemessener. Verschwitzter, ungewaschener, subkultureller. Sie trug noch die Verachtung in sich, die man seitens der Konsensgesellschaft gegenüber dem frühen Fan dieses Krachs empfand. Und sie zeigte auch, dass Heavy Metal eben doch was mit Punk zu tun hatte, was viele anfangs gar nicht gerne hörten, schon gar nicht die Musiker selbst.

Der erste tatsächlich sogenannte Headbanger ist nämlich meines Wissens eine sie, heißt Suzy und lebt in einem Song vom 1977er Ramones-Album „Leave Home“. „Suzy is a headbanger / Her mother is a geek / Do it one more time for me / Ooo-ooo-whee!“ Auch der zeitlich nächste Fund gehört noch zum Punk, wie nicht nur die Huronenpeitsche auf dem Cover des 1981er Plasmatics-Album „Beyond The Valley Of 1984“ beweist. Hier ist der „Headbanger“ keine lustige Gesellin mehr. „Headbanger / You got your brains french fried / Headbanger / You´re gonna burst inside“.

So richtig infiltriert hat er die Metal-Szene aber erst ein Jahr später im Titelsong des ´82er Anvil-Albums: „Metal on metal / Heads start to bang / Denim and leathers / Chains that clang“. Reim dich oder ich bang dich. Voll durchgesetzt ist er dann im Jahr darauf. „Bang your head“, forderten Quite Riot und sprachen im Beipackzettel auch gleich von den Nebenwirkungen: „Metal Health will drive you mad“. Manowar drückten es mal wieder etwas poetischer aus, und zwar in ´Gloves Of Metal´ von „Into Glory Ride“. „Off with the lights, hear the screams / See the banging heads awaken to their dreams“. Und im Backcover-Sinnspruch „Bang that head that doesn´t bang!“ von Metallicas Debüt „Kill ´Em All“ bekommt das ewige Kopfgedängel schon seine typische Doppelfunktion: Es soll die Gruppe nach innen konsolidieren und nach außen abschotten. Wir gegen die!

Aber die Tätigkeit selbst gab es natürlich lange vorher. Schlagzeuger haben immer gern mit dem Kopf den Beat begleitet, und bei Ozzy Osbourne und Geezer Butler bestimmte es die Performance schon früh. Wann es aber von der Bühne ins Publikum schwappte und dann zu einer subkulturellen Insignie wurde, ist schwer zu sagen. Der erste zumindest mündlich überlieferte Beleg stammt aus dem Jahr 1969. Led Zeppelin spielten in der Bostoner Tea-Party-Halle, das Konzert nahm kein Ende, Zugabe folgte auf Zugabe, Frenesie, Ekstase. Schließlich ballerten die Fans in der ersten Reihe im Takt zu ´How Many More Times´ manisch ihre Köpfe gegen die Bühne. Da war er offenbar geboren, jener Headbanger, den auch Exodus im Sinn hatten und der seine Zugehörigkeit zur Gruppe notfalls mit Blut besiegelt. „Bang your head against the stage / And metal takes its price / Bonded by blood!“ Richtig so!

Autor:
Frank Schäfer

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