Titelstory-Blog


Pic: Alex Lake (Promo)

Titelstory-Blog 29.06.2022, 10:44

PORCUPINE TREE - Manchmal proggen sie wieder

Zwölf Jahre lang hat Steven Wilson nichts unversucht gelassen, um sich aus dem übermächtigen Schatten von PORCUPINE TREE zu befreien. Jetzt vollzieht der Mann aus Hemel Hempstead eine überraschende Kehrwende: „Closure/Continuation“ ist ein regelrechtes Prog-Rock-Manifest – und das Comeback des Jahres 2022.

Seltsam, aber wahr: Seit 2011 hat Wilson fünf Soloalben veröffentlicht, mit denen er sich nicht nur zusehends vom Prog Rock seiner Stammformation entfernt, sondern ihr Comeback auch immer vehementer verneint hat. Ein psychologischer Trick, wie der 54-jährige Multi-Instrumentalist zugibt: »Ich wollte, dass meine Alleingänge ernst genommen werden. In dem Sinne, dass sie nicht als Interimsprodukt oder Laune verstanden werden, sondern als mein neuer Sound. Als das, was mir gerade wichtig ist. Deshalb habe ich gelogen, wenn PORCUPINE TREE zur Sprache kamen. Ich habe gesagt, dass da nichts mehr kommt – und war scheinbar überzeugend. Ich bin halt ein guter Lügner.«

Dabei hat der bleiche Brite schon seit 2012 wieder mit Drummer Gavin Harrison gejammt. Allerdings ohne an den Nachfolger zu „The Incident“ von 2009 zu denken: »Wir trafen uns nur, um ein bisschen Spaß zu haben«, so Steven. »Deswegen hat es neun Jahre gedauert, ehe wir genug Material für ein Album zusammenhatten und ernsthaft anfingen, über eine Veröffentlichung nachzudenken. So lange haben wir mit niemandem darüber gesprochen – weder mit unserem Management oder unserer Plattenfirma, noch mit unserem Keyboarder Richard Barbieri.«

Der ehemalige Tastenmann von Japan war dann auch dezent vor den Kopf gestoßen, als er erfuhr, dass Wilson und Harrison ohne ihn gearbeitet hatten. Gleichzeitig begeisterte er sich dermaßen für die sieben neuen Stücke (zehn auf der Deluxe-Version), dass er sofort Feuer und Flamme war: »Mich hat es immer geärgert, dass wir 2010 aufgehört haben – obwohl es damals gut lief und wir noch so viel hätten erreichen können. Diese Stücke knüpfen daran an. Sie haben das Zeug zu einem würdigen Abschluss oder einem starken Neubeginn.«

Das ist nicht übertrieben: „Closure/Continuation“, das die offene Zukunft schon im Namen trägt, ist ein Prog-Rock-Manifest. Ein Album, das im Verlauf von 48 Minuten sämtliche Spielarten von Industrial und Psychedelia über Post Grunge und Jazz bis zu Electronica auslotet – und unterschiedlichste Stimmungen und Sounds aufweist. Die sind mal frontal wuchtig, spacig entrückt oder tiefenentspannt, und zwar nicht selten im Verlauf eines einzigen Songs. Sprich: PORCUPINE TREE servieren ein Füllhorn von Ansätzen, befassen sich mit aktuellen soziopolitischen Themen und schicken den Hörer auf einen Klangtrip voller Überraschungen und innovativer Ideen, an dessen Ende vor allem eines steht: Das Verlangen, ihn sofort zu wiederholen.

In unserer großen Titelstory findet ihr neben einem Interview mit Steven Wilson und Richard Barbieri auch ein Gespräch mit Schlagzeuger Gavin Harrison. Das Heft könnt ihr hier versandkostenfrei bestellen.



Bands:
PORCUPINE TREE
Autor:
Marcel Anders

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