Festivals & Live Reviews

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DIE APOKALYPTISCHEN REITER , VADER , RAGE - QUEENS OF METAL OPEN AIR - Kleinwenkheim

Das Queens-Of-Metal-Open-Air im fränkischen Kleinwenkheim war eine DER Festival-Entdeckungen des letzten Jahres, sofern man auf kleine, gemütliche und vor allem preisgünstige Freiluftveranstaltungen steht, die tatsächlich von Fans für Fans konzipiert werden.

Mit Hilfe einiger neuer Supporter (u. a. Nuclear Blast) hat man auch 2007 wieder ein attraktives Programm auf die Beine stellen können, was zur Folge hatte, dass die Besucherzahlen nahezu verdoppelt wurden. Leider spielte in diesem Jahr der Wettergott nicht ganz mit, und insbesondere der Freitag mutierte viel eher zu einer Wassersportveranstaltung, was aber die Feierwütigkeit des durchgehend friedlich-sympathischen Publikums keineswegs trübte.

Auch wenn beim Verfassen dieses Berichtes noch nicht geklärt ist, ob es auch 2008 ein Queens Of Metal geben wird (die Veranstalter sind noch mit den Abrechnungen beschäftigt), man darf sich schon jetzt auf ein Wiedersehen freuen; mit hoffentlich um- und einsichtigeren Fans, was die Müllentsorgung auf dem kostenfreien Campground angeht. Denn dieses Jahr sah das Campinggelände doch wesentlich wüster aus als im letzten Jahr. Es ist nicht nur mir persönlich absolut unbegreiflich, warum manche Leute, obwohl sie an der Einfahrt kostenfrei Müllsäcke erhalten, ihren Unrat lieber auf der Wiese verteilen. Das sind wahrscheinlich dieselben Personen, die sich nächstes Jahr tierisch darüber aufregen werden, wenn ein Müllpfand und Campinggebühren erhoben werden. Also, Leute, einfach mal das Hirn einschalten, wenn ihr in Zukunft wieder als Gäste auf einem kostenfreien Gelände campiert. Denn schließlich wollen wir als Metal-Fans doch alle nur das Eine: Spaß haben und geile Mucke hören!

Freitag, 15.6.

Wie schon im Vorjahr regiert in den frühen Nachmittagsstunden in Kleinwenkheim der nationale Underground, was den Vorteil hat, dass man jede Menge talentierte Newcomer präsentiert bekommt, die sich sprichwörtlich den Arsch abrocken und für jede Sekunde dankbar sind, die sie auf den Bühnenbrettern verbringen dürfen. Insbesondere die coolen rheinhessischen Retro-Death/Thrasher PESTILENT und die von einer Lady gefronteten Death Metaller CRIPPER hinterlassen allerorts einen äußerst positiven Eindruck. Pech haben die Thrasher DELIRIOUS, die kulanterweise ihre Position im Billing mit GUN BARREL tauschen, was zur Folge hat, dass zuletzt Genannte bei trockenem Wetter ran dürfen, während es beim Testament-inspiriertem Bay-Area-Thrash von DELIRIOUS wie aus Eimern gießt. Die Folge: Leere vor der Bühne, da sich fast alle Besucher an beziehungsweise unter die Verkaufsstände zurückziehen und lieber im Trockenen ein 0,5er Bier für 2 Euro zischen. An dieser Stelle eine Bitte an die Veranstalter. Nächstes Jahr wäre es immens von Vorteil, die Spüli-Rückstände aus den Plastikbechern gründlicher entfernen zu lassen, denn irgendwie schmeckt das Bier nach ein paar Spülgängen doch äußerst merkwürdig.

Als nächstes betritt mit LAY DOWN ROTTEN das erste Schwergewicht die Bühne - und das im doppelten Sinne. Seit kurzem mit einem lukrativen Deal beim Branchenriesen Metal Blade ausgestattet, schreddern die Jungs um Fronthüne Daniel "Mettgott" Jakobi ihren Old-school-Death-Metal mit Kraft und Leidenschaft herunter und erinnern mit Klasse-Songs wie 'Pulling The Trigger' oder 'Murder Instinct' an eine thrashigere Ausgabe sämtlicher Schwedentodgötter. Zwar sind die Hessen-Buben heute nicht in absoluter Topform, doch die solide Tagesform reicht in jedem Falle, um vor der Bühne einen kleinen Circle-Pit anzufachen.

Bei den anschließenden THE VISION BLEAK gießt es dann wieder unaufhörlich, was der Trauer-Horror-irgendwas-Mucke entgegen kommt. Mir persönlich wirkt das Ganze zu aufgesetzt und Plastik-mäßig, doch vor der Bühne harren einigermaßen viele Leute aus, um sich von den Düster-Barden tief in die Karpaten-Wälder verschleppen zu lassen.

LEGION OF THE DAMNED haben sich in nur anderthalb Jahren einen beachtlichen Status erspielt und besitzen am heutigen Tage völlig zu recht Co-Headliner-Status. Die unzähligen Tourneen und Live-Shows der letzten Monate haben aus den Holländern eine bestens geölte Maschine gemacht, die mit allerhöchster Präzision die Rüben der Banger abschraubt. Zwar kann man dem Quartett und insbesondere Gitarrist Richard noch immer mangelnde Bühnenathletik vorwerfen, doch dieses Manko machen Thrash-Granaten wie 'Son Of The Jackal', Werewolf Corpse' oder der neue Live-Smasher 'Diabolist' gnadenlos wett. Zudem besitzt man mit Sänger Maurice einen ausgezeichneten Frontmann, der das Publikum (in dem überraschend viele weibliche Thrasher sind ...) charmant um den Finger wickelt. Trotz Dauerregen räumen LEGION OF THE DAMNED gnadenlos ab.

Getoppt wird das Ganze natürlich von den APOKALYPTISCHEN REITERN. Die Jungs aus Thüringen sind einfach die ideale Party-Band und egal, ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint: Fuchs und Co. machen jede Veranstaltung zu einem Erlebnis und so beobachten mittlerweile an die 1200 Zuschauer das Spektakel auf der Bühne. Es hagelt Hits am laufenden Band ('Reitermaniacs', 'Du Kleiner Wicht' etc.) und spätestens beim Überhit 'Die Sonne Scheint' strahlt die Sonne fast tatsächlich ein wenig durch die grauen Wolken hindurch; wenn auch nur im Herzen. Danke, ihr Reiter, für diesen gelungenen Auftritt!

Samstag, 16.6.

Suprise, surprise, das Wetter hat sich gebessert und im Laufe des Samstags lockert die Wolkendecke immer mehr auf. Von den vielen Vorbands hinterlassen die Osnabrücker Death/Thrasher SARDONIC laut Augen-/Ohrenzeugen den besten Eindruck. Der Verfasser dieser Zeilen schleppt sich nach reichlich Alkoholgenuss vom Vortag erst zu den grauenhaften NOT FRAGILE aufs Gelände. Wer braucht heutzutage noch einen drittklassigen Helloween-Clone?

Danach herrscht Krieg in Kleinwenkheim. REQUIEM, die Schweizer Antwort auf Malevolent Creation, ist zwar arg gehandicapt (Sänger Michi hat eine üble Mittelohrentzündung und der neue, zweite Gitarrist ist zwar vor Ort, hat aber die Songs noch nicht geprobt und steht deshalb als Zuschauer vor der Bühne), dennoch feuern die Eidgenossen aus allen Rohren. Gitarrist Phil ist ein Riff-Meister vor dem Herren, Bass-Monster Ralf der Poser-König des gesamten Festivals und Schlagzeuger Reto erhält den Pokal für die coolsten Grimassen und den irrsten Blick (Alter, was hast du dir da vor dem Gig nur reingepfiffen?). Technik-Geballer auf allerhöchstem Niveau. Echt schade, dass heute die zweite Gitarre fehlt, aber auch so pflügen REQUIEM mit Granatgeschossen wie 'Diary Of A Damaged Brain' das Waldsportplatzgelände von Kleinwenkheim um wie eine Herde angeschossener Wildsäue.

JUSTICE kacken danach total ab. Ich habe selten soviel geballte Langeweile gehört. Die Combo ist ja eine sehr geile Cover-Band, aber warum sie heute fast ausnahmslos ihre Langeweile-Eigenkompositionen spielen, will mir nicht in den Kopf. Ein müder, inspirationsloser Mix aus Metal und Thrash. Gähn!

Schnell vorspulen. FINAL BREATH sind wegen der kurzfristigen Absage von Aborted flugs eingesprungen und haben deutlich mehr Feuer im Arsch als Justice. Allerdings fehlt auch hier die zweite Gitarre, noch deutlicher als bei Requiem. Wenn Klampfer Jörg zum Solo ansetzt, gerät der gesamte Karren in ein scheußliches Soundloch, egal wie viel Mühe sich Drummer Heiko auch gibt, dieses zu stopfen. Doch Sänger Eumel, ein Entertainer vor dem Herren, dem sichtbar der Schalk im Nacken sitzt, stößt den Bock immer wieder um, so dass man letztendlich von einem alles in allem gelungenen Auftritt sprechen muss.

Plötzlich verfinstert sich der Himmel über Franken, die Kirchenglocken fangen vor Angst an zu bimmeln; klarer Fall, die österreichische Satanisten-Horde BELPHEGOR stapft in Lack- und Ledermontur auf die Bühne. Yep, Helmuth und Co. fahren schon ein beachtliches Intensitätslevel auf und dank häufig eingestreuter Midtempo-Parts ist das Blast-Beat-Geschrote mittlerweile auch einigermaßen am Stück erträglich. Ernst kann man das antichristliche Getue der Ösis trotzdem nicht nehmen. Muss man auch nicht, denn selbst Helmuth kichert und lacht mehr, als dass er den Deibel raushängen lässt. Fetter Auftritt!

VADER setzen danach dem Ganzen die Krone auf. An Perfektion und Professionalität sind die VADER-Shows mittlerweile nicht mehr zu überbieten. Der gesamte Auftritt wirkt bis ins kleinste Detail durchgeplant, da ist natürlich kein Platz für Improvisationen. Die Augenpaare im Publikum bleiben immer wieder bei Drummer Daray hängen. Unfassbar, was der Typ aus seinem Kit rausholt! Aus den Boxen fönt das Beste von VADER, wobei der Set im Vergleich zum Rock-Hard-Festival um ein paar Songs gekürzt wurde. So gibt es leider auch nicht das Slayer-Cover 'Raining Blood' zu bestaunen. Egal, ein megafetter Auftritt, der einmal mehr zeigt, dass VADER ein absolutes Schwergewicht der Death-Metal-Königsklasse sind.

RAGE geht in meinen Ohren gar nicht, obwohl das Power-Trio nach dem Geballer der beiden Bands zuvor eine willkommene Abwechslung ist. Die Crowd sieht das ähnlich, RAGE werden abgefeiert und scheinbar sind heute noch mal extra ein paar hundert Leute nur wegen RAGE gekommen. 1450 werden am Ende des Tages gezählt.

Den Absch(l)uss des Festivals besorgt dann der Kuh-Fotzen-Toni, ein Blödel-/DJ-Entertainer aus dem hiesigen Raum. Na ja, wer's braucht! Wie ich aus meinem Hotelzimmer beurteilen kann, animierte der Fotzen-Toni doch tatsächlich ein paar Leute zum Grölen. Queens Of Metal: Wir kommen wieder!

www.queens-of-metal.com

Bands:
RAGE
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
VADER
Autor:
Patrick Schmidt

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