Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews

KREATOR , IN EXTREMO , DIE APOKALYPTISCHEN REITER - Rock Harz Festival 2007

Respekt! Was vor Jahren als eine kleine lokale Harzer Angelegenheit angefangen hatte, hat sich mittlerweile bei seiner fünften Auflage etabliert und zieht, wenn man die Autokennzeichen am Parkplatz betrachtet, neben Besuchern aus der gesamten Republik sogar Reisewillige aus Belgien, Österreich und den Niederlanden an.

Neu ist diesmal nicht nur das Gelände, sondern auch die Warm-up-Party mit Gerre (Tankard) und Kollegen Buffo. Insbesondere haben die Veranstalter mit dem Gelände eine wirklich klasse Örtlichkeit im idyllischen Förste in einem Tal gefunden, die wirklich traumhaft liegt und funktionell ist. Ansonsten bleibt die gelungene Mischung mit zahlreichen lokalen Nachwuchsacts und einigen großen bis ganz großen Nummern auf zwei Bühnen, die abwechselnd in Aktion sind.

Los geht es Donnerstagabend mit der Warm-up-Party unweit des Geländes. Neben den beiden Frankfurter DJs sorgen eine Metal-Karaoke und der Orgel-Gott Mambo Kurt für die richtige Einstimmung.

Das Freitag-Programm ist gekennzeichnet durch große Änderungen im Billing und der Running Order. Einige Tage vorher hatten bereits W.A.S.P. wegen persönlicher Verpflichtungen absagen müssen, zudem bekommen TYR ihren Flug nicht und auch CLAWFINGER werden erst später als geplant einfliegen.

Nachdem sich also mit WORST, BLACKLIST LTD., DRONE, IRON FATE und STEEL PROTECTOR kleinere Acts vorgestellt haben, entert gegen 16 Uhr mit SQUEALER A.D. die erste größere Band die Hauptbühne. Nach dem Abgang von Gus Chamber ist es der erste Auftritt mit dem neuen Frontmann. Ob dieser die Lücke, die der Amerikaner hinterlässt, füllen kann, wird sich zeigen. Unabhängig davon tut es gut die Hessen mal wieder in Aktion zu sehen. Tankard-Frontassel Gerre (der übrigens wegen ungebührenden Verhaltens in der Vornacht aus seinem Hotel geschmissen wurde) gefällt es so gut, dass er in der ersten Reihe steht und artig applaudiert.

Auf der kleinen Kreiswohnbaubühne beweisen NIKKI PUPPET, dass sie auf jedem Festival für Stimmung sorgen können. Einerseits liegt das an ihrem leicht verdaulichen Hardrock, andererseits an den beiden weiblichen Blickfängen am Mikro und Bass.

AFTER FOREVER entwickeln sich langsam, aber sicher zu einer ernsthaften Konkurrenz für Nightwish. Nach den Auftritten während der Roadshock-Tour im Frühjahr erspielen sich die Niederländer auch heute mit einem Querschnitt ihrer Veröffentlichungen und vor allem der Singleauskopplung 'Energize Me' auch heute neue Fans. Im Mittelpunkt dabei Floor Jansen. Gemeinsam mit ihren Männern beweist sie eindruckvoll, dass die Truppe wesentlich mehr Metal als Gothic ist. Gut so!

RE-VISION sind irgendwie die Power-Metal-Variante von DIE HAPPY. Und auch bei der Begleitband von Paul DiAnnos Phantoms Of The Opera (der sich im Vorjahr hier allerdings eher peinlich präsentierte) gibt mit Anke Wilnat eine Dame den Ton an - und das verdammt professionell. So verwundert es nicht, dass es abschließend sogar Zugaberufe gibt.

Dann stürmen die APOKALYPTISCHEN REITER die Hauptbühne und zeigen, dass sie die heimlichen Headliner des heutigen Tages sind. Neben Tankard und Korpiklaani sind die Thüringer wohl die Band, die jedes Festival bereichert und jedes Publikum in Stimmung bringt. Los geht es mit vier (!) Nummern des aktuellen Albums und egal, was angespielt wird, das Publikum sorgt für die passende Stimmung. Sportlicher Höhepunkt ist das von der Band initiierte Crowdsurfing-Luftmatratzenwettrennen zweier Fans.

Auf der kleinen Bühne spielen die Osnabrücker SLAYENSEMBLE souverän ihren Tribut an Slayer und sorgen damit für die härtesten und schnellsten Töne des Tages.

Da W.A.S.P. nicht dabei sind und Clawfinger in Schweden nicht zeitig mit dem Flieger loskommen, übernehmen kurzfristig DESTRUCTION die vorgesehene Position von Clawfinger. Souverän und gewohnt routiniert gibt es bei Schmier & Co. eine Zeitreise durch die Historie des deutschen Thrash Metals, geschrieben und zelebriert von den Südbadenern. Erfreulich dabei, dass das Material sowohl die Veteranen als auch den Nachwuchs anspricht und das Trio alles andere als ein Lückenbüßer ist. Und als mit 'Bestial Invasion' und 'The Butcher Strikes Back' der Set beendet ist, freut man sich, dass das Trio dabei gewesen ist.

Auf der anderen Bühne wird dann das Niveau radikal runter gefahren. Angesagt ist Nothingcore mit A.O.K., und wer die Jungs schon gesehen hat, weiß, was ihn erwartet: Entblößung, Krach und Sauereien aller Art. So auch heute: Öfters als es einem Recht ist, lassen die beiden Frontmänner ihre Hosen runter, werfen mit diversen Lebensmitteln um sich und beweisen ihren recht eigenen Humor. Nun, es muss ja keiner zuschauen, aber wer es trotzdem macht, wird grenzwertig unterhalten.

OOMPH! haben von Braunschweig aus eigentlich nur eine kurze Anreise, spielten aber am Vorabend als Opener für Metallica in Wien. Als Lokalact sind sie seit Jahren beim Rock Harz überfällig und geben somit heute ihr verspätetes Debüt. Auch wenn die Truppe nur bedingt metallisch ist, kommen ihre Hits wie 'Eckstein', 'Gott ist ein Popstar' oder 'Augen Auf' bei einem fetten Sound gut an. Shouter Dero in seiner weißen Zwangsjacke sorgt zudem mit seinem hyperaktiven Stageacting für Stimmung.

ZED YAGO muss man nicht lieben und viele Fans dürften die Hamburger auch nicht unbedingt haben, dass sie trotzdem die Headlinerposition auf der kleinen Bühne bekommen haben, ist überraschend. Ebenso überraschend ist allerdings, dass die Truppe bei wieder aufkommendem Regen das Publikum mit ihrem dramaturgischen Hardrock überzeugt und abschließend sogar noch eine Zugabe geben darf. Klar, dass Yvonne Durand die zentrale Position in der Band innehat. Auch wenn das Songmaterial nur durchwachsen ist, mit Engagement und einer kleinen Pyroshow darf man mit dem Auftritt zufrieden sein.

Anschließend ist es Zeit für den Headliner des ersten Abends, zu der Position CLAWFINGER ganz unverhofft gekommen sind. Zwar sind die großen Tage der Schweden lange vorbei, dennoch zeigen die Skandinavier, dass man sie noch auf der Rechnung haben sollte. Gewohnt souverän demonstriert man, dass man mit seiner Musik wahrscheinlich vor über einem Jahrzehnt wohl seiner Zeit ein wenig voraus war, denn auch heute kommen Hits wie 'Nigger', 'Do What I Say' oder 'The Biggest, The Best' perfekt an. So beschließen die Crossover-Spezialisten den Abend und sollten auch mit dem neuen Album punkten können. Für die Camper beginnt nun der wohl ungemütlichste Teil des Festivals, nämlich das feuchte Domizil aufzusuchen und nach diesem regenreichen Tag auf besseres Wetter zu hoffen. Wer das allerdings aufschieben möchte, kann sich die Aftershow-Party mit Gerre und Buffo geben.

Samstag

Nachdem Newcomer und Underdogs wie THE LAST DIRT, SISTER SIN, LORAINE, VAN CANTO, CRAYFOX, SUIDAKRA, CONTRADICTION ihren Set hinter sich gebracht haben, sind Spannung und Melancholie angesagt, denn die lokalen Helden von DARK AT DAWN verabschieden sich. Wirklich schade, dass die Jungs um Buddy (heute noch mal als Quintett) mit ihren fünf Scheiben nie den verdienten Erfolg einfahren konnten und nun die Segel streichen. Zumindest setzt man auf der großen Bühne einen beeindruckenden Schlusspunkt.

Anschließend bringen PRESIDENT EVIL mit ihrem Crossover ganz eigener Mischung Stimmung auf die kleine Bühne.

LAKE OF TEARS haben sich in den letzten Jahren auf deutschen Bühnen sehr rar gemacht und so hat der Auftritt der Schweden einen ganz besonderen Status. Dumm, dass man wegen Zollproblemen auf seinen Keyboarder verzichten muss. Was aber zunächst nach einem Problem aussieht, löst die Truppe souverän durch Spielfreude. Angesagt ist Melancholie der ganz besonderen Art und eine klasse Setlist aus neuem überzeugendem Material und zahlreichen Klassikern. Letztlich sind die 45 Minuten des Trios die wohl emotionalsten des Festivals. Danke!

Die Polen DARZAMAT befriedigen die Black Metaller des Festivals, bevor RAGE auf der großen Bühne gnadenlos abräumen. Erfreulich dabei, wie gut die Integration von Drummer André Hilgers klappt. Mike Terrana mit seinem extrovertierten Auftreten und seine übertriebenen Drumsoli dürfte niemand vermissen. Bereits beim Opener 'Great Old Ones' herrscht eine klasse Stimmung, die sogar Peavy überrascht und den ganzen Set (klasse Setlist übrigens) anhält. Zudem lässt sich die Sonne blicken und bietet so einen klasse Rahmen für den Auftritt des Trios.

Anschließend ist Old-school-Metal mit SACRED STEEL angesagt. Zwar findet heute unweit von Osterode das Manowar-Festival statt, den wahren True Metal gibt es aber auf der kleinen Bühne, und dafür sind die Schwaben zuständig. Wer fürchtete, nach den Line-up-Wechseln habe die Truppe keine große Zukunft, lag damit weit daneben. Nicht nur, dass "Hammer Of Destruction" ein Highlight der bisherigen Veröffentlichungen darstellt, mit der neuen Gitarrenfront ist auf der Bühne mehr los. So legt das Quintett - trotz des Regens - einen furiosen Set mit Klassikern wie 'Wargods Of Metal', 'Tonight The Witches Ride', 'Open Wide The Gate' und 'Slaughter Prophecy' hin und zeigt dabei, wo der True-Metal-Hammer hängt. Mit dem Zugabecover 'Empty Tankard' trifft man dann abschließend die richtige Wahl. Vor allem weil Gerre mitten im Publikum steht.

Stilistisch ganz anders geht es dann auf der großen Bühne mit ASP weiter, die heute den elektronischen Part übernehmen.

Fast genauso viele Leute ziehen dann die KNEIPENTERRORISTEN auf der kleinen Bühne, wo die Hamburger den Onkelz huldigen und damit ausgezeichnet ankommen.

Dann sorgen aus grünem Nebel heraus KREATOR für eine aggressive Grundstimmung und halten diese für 75 Minuten aufrecht. Los geht es mit 'Violent Revolution', 'Pleasure To Kill' und 'People Of The Lie'. Klar, dass die Meute Mille aus der Hand frisst, und der kündigt bei seinem Rock-Harz-Debüt gleich an, dass die Band bald wieder dabei sein will. Gerne, denn das Quartett beweist an diesem Abend wieder einmal eindrucksvoll (auch wenn Sami wie immer nicht aus sich rausgehen will), dass man Thrash Metal nicht besser spielen kann.

Anschließend headlinen HATESPHERE die kleine und IN EXTREMO die große Bühne, doch da sind keine Leute vom Rock Hard mehr auf dem Gelände.

Fazit:

Die Veranstalter haben wieder mal ein sauberes Festival mit über 30 Bands auf die Bühne bekommen. Allerdings gibt es für das nächste Mal einige dringende Verbesserungen umzusetzen:

1. Von Osterode gibt es keine Beschilderung zum Gelände, und auch in Förste sieht es mit den Wegweisern nicht besser aus.

2. Nicht nur, weil am Samstag Earth-Day war, sollten sich die Veranstalter um mehr Mülltonnen kümmern. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Gelände und vom Gelände zum Campingplatz gibt es keine Mülleimer, und so wandert der Müll nicht nur in die Felder (was sicherlich noch ein Nachspiel mit den Landwirten haben wird), sondern auch in den idyllischen Bach, der am Geländer vorbei fließt. Eine Sauerei, die absolut nicht sein muss!

3. Der Weg vom Festival zum (kostenfreien!) Parkplatz ist abends nicht beleuchtet.

Ansonsten war es bis auf das Wetter und die Absage von W.A.S.P. ein gelungenes Festival, das nur unter dem beschissenen Wetter (insbesondere am Freitag) zu leiden hatte. Man darf sich auf die Neuauflage 2008 freuen.

Bands:
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
IN EXTREMO
KREATOR
Autor:
Wolfram Küper

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos