Festivals & Live Reviews


Pic: Mumpi Künster

Festivals & Live Reviews 02.01.2023, 11:32

SODOM, DARKNESS, CERVET - Aschaffenburg, Colos-Saal

Langsam, aber sicher wird die "Zwischen den Jahren"-Tour von SODOM zum letzten wichtigen Termin im Jahreskalender. Nach zweimaligem Ausfall wegen der Pandemie ist man nun Ende 2022 unterwegs, um das Jahr lärmend abzuschließen. Diesmal wieder mit vier Stationen und erneut mit nationalen und lokalen Vorbands. Und obwohl man mit dem derzeitigen Status locker größere Hallen ausverkaufen könnte, ist man erneut im Colos-Saal zu Gast. Ärgerlich für die, die keine Karte im Vorverkauf ergattern konnten...

CERVET, die nicht das erste Mal für die Gelsenkirchener in ihrer Heimatstadt eröffnen dürfen, sind die passende Wahl für den Opener des langen Abends. Klar haben die Veteranen (seit den Achtzigern aktiv) in ihrer Jugend auch viel Sodom gehört. Mit ihrem eigenen fränkischen Humor und den Songs von "Holidays in Corpseland" genießt man den Auftritt in der rappelvollen Halle.

DARKNESS haben unlängst beim Ruhrpott Metal Meeting einen starken Auftritt hingelegt, und auch heute gibt es eine klasse Show der Truppe aus Altenessen. Auch wenn mit Arnd und Lacky nur noch zwei Mitglieder aus den Achtzigern an Bord sind und die Truppe damals eher in der zweiten teutonischen Thrash-Liga spielte, schafft man es problemlos, den Achtziger-Spirit freizusetzen. Dabei erhalten erwartungsgemäß die Nummern ihrer drei ersten Scheiben (u.a. `Death Squad`, `Iron Force` und `Armageddon`) die besten Publikumsreaktionen, aber auch das aktuellere Material (wie `Tinkerbell Must Die`) überzeugt. Band wie Publikum haben einen Heidenspaß und nach so vielen ausgefallenen Festivalauftritten in Schweden, Russland und den Staaten ist es für die Band doch noch ein versöhnlicher Jahresabschluss.

SODOM können dagegen auf ein komplett erfolgreiches Jahr zurückblicken. Mit ihrer phänomenalen Chartsplazierung (Nummer 6!) für die Neueinspielungen zu "40 Years At War - The Greatst Hell Of Sodom" und zahlreichen Gastspielen weltweit ist man ungeachtet der Kommentare zur Personalpolitik des Bandleaders der letzten Jahre wahnsinnig erfolgreich. Und glücklicherweise hat das Quartett immer noch eine wahnsinnige Spielfreude. Die zeigt sich in der langen Spielzeit von nahezu 100 Minuten, der liebevollen Setlist und den Kommentaren des im Tank-Shirt stilecht gekleideten Bassisten und Sängers Tom Angelripper. Im Programm finden sich 21 Stücke (in Bochum einige Tage zuvor waren es sogar 24!) von zwölf Alben. Hinzukommen zwei Cover-Versionen: einmal `Surfin` Bird` von The Trashmen und `Iron Fist` von Motörhead. Und wer könnte die Nummer authentischer rüber bringen als Tom und seine Band? Große Überraschung ist dabei `Die stumme Ursel`, die vom Publikum vehement gefordert und dann spontan in einer Kurzversion geboten wird. Und das, obwohl der Hobbyjäger am Mikrofon ausdrücklich davon spricht, dass das hier kein Wunschkonzert ist... Im Gegensatz zur letzten Wintertour ist die Bühne eher spartanisch ausgestattet, aber das macht gar nichts, denn den wahren Thrash-Metal-Spirit findet man eben nicht wie bei Kreator auf den großen Festivalbühnen mit albernen Gimmicks, sondern bei Clubshows wie hier und heute. Schweißgebadet (Tom und Frank Blackfire oberkörperfrei) und mit einem erschöpften Publikum endet die Show mit `Bombenhagel`.

Fazit: SODOM beweisen einmal mehr eindrucksvoll, dass sie zu den ganz Großen des Thrash Metal zählen und keinerlei Ermüdungsanzeichen zeigen. Hoffentlich kommen sie 2023 auch wieder zum Jahresfinale nach Aschaffenburg!

SETLIST SODOM

In War And Pieces
Friendly Fire
Body Parts
Agent Orange
Sodomized
Tired And Red
Conflagration
Die stumme Ursel
Equinox
Wachturm
Sodomy And Lust
Outbreak Of Evil
Surfin` Bird
The Saw Is The Law
Iron Fist
The Conqueror
Caligula
Blasphemer
Remember The Fallen
Ausgebombt
+++
Bombenhagel

Bands:
SODOM
DARKNESS
CERVET
Autor:
Wolfram Küper

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