Kolumne


Foto: Buffo

Kolumne 27.01.2021, 08:00

BON JOVI, METALLICA, ANTHRAX - THOSE WERE THE DAYS: MONSTERS OF ROCK

Castle Donington, 22. August 1987

Bon Jovi, Dio, Metallica, Anthrax, W.A.S.P., Cinderella

THOSE WERE THE DAYS



MONSTERS OF ROCK

Castle Donington, 22. August 1987

Bon Jovi, Dio, Metallica, Anthrax, W.A.S.P., Cinderella



Die Gnade meiner frühen Geburt (ich bin Baujahr 1964) ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits habe ich zahllose Konzerte und Festivals erlebt, für die jüngere Semester töten würden, andererseits kann ich mich an viele Events in den angeblich so tollen Achtzigern und darauffolgenden Neunzigern nur noch dunkel oder gar nicht mehr erinnern. Vielleicht hätte ich doch Tagebuch führen sollen - oder weniger saufen? Womöglich beides? Die Erinnerungen an mein erstes und gleichzeitig leider auch letztes Monsters Of Rock Festival im legendären Castle Donington im englischen Derbyshire sind indes nicht gänzlich verblasst – wohl auch deshalb, weil Metallica zwei Tage zuvor im Londoner 100 Club einen geheimen Aufwärm-Gig unter dem nur mäßig konspirativen Decknamen „Damage Inc.“ spielten, zu dem mich meine guten Kumpels von Anthrax netterweise mitschleppten. Neben Hits ihrer ersten drei Alben – ´For Whom The Bell Tolls´, ´Seek & Destroy´ oder ´Master Of Puppets´ – gaben Hetfield & Co. an dem Abend zum allerersten Mal ´Leper Messiah´ und stattliche sieben Coverversionen zum Besten, darunter ´Last Caress´ (mit kurzem ´Holy Diver´/´Run To The Hills´-Jam), ´Am I Evil?´ und als letzte Zugabe ´Blitzkrieg´. Die Busfahrt mit Anthrax am folgenden Tag ins knapp drei Stunden entfernte Nottingham, wo die Band in einem Viersternehotel untergebracht war, verlief ohne besondere Vorkommnisse sehr gesittet, weil Gitarrist/Songwriter Scott Ian und seine Jungs dem Alkohol damals nur in Maßen zusprachen. Einzige Ausnahme: meine rundweg missglückte Karaoke-Version von ´Run To The Hills´ via Bordmikrofon, wofür ich von der ganzen Reisegruppe mit frenetischen „Buffo, Buffo“-Sprechchören genötigt wurde. Das wird mir seitdem bei jeder sich bietenden Gelegenheit nicht nur von Bandmanager Jon Zazula (Megaforce Records) und seiner Gattin Marsha aufs Butterbrot geschmiert. Von den Auftritten der insgesamt sechs Acts – neben den Thrashern aus der Bay Area beziehungsweise New York City waren noch die Schwanzrocker Cinderella, das in der Überschrift genannte Wespenkommando um Blackie Lawless, „uns“ Ronnie James Dio und der Headliner Bon Jovi am Start – weiß ich (siehe oben) bedauerlicherweise nur noch wenig. Das lag abgesehen von etlichen Kannen lokaler Gerstenkaltschale, die nur Briten allen Ernstes für Bier halten können, auch an einer mit „Natursekt“ gefüllten Plastikflasche, die während der Anthrax-Show mit Schmackes im Fotograben gegen meinen Hinterkopf knallte: Brummschädel olé! Dabei hatte ich anders als der wandelnde Haarspray-Unfall Cinderella, der eine volle Breitseite dieser ekelhaften Wurfgeschosse abbekam, Glück im Unglück, denn die Pulle platzte nicht auf, sodass ich vor einem Schauer Marke „Yellow Rain“ bewahrt blieb. Backstage wurden die Glamster um Schlauchbootlippe Tom Keifer (v./g.) anfangs sehr kritisch von der Thrash-Konkurrenz beäugt. Die Skepsis legte sich erst, als einige der Buben aus Philadelphia Hetfield, Ian und Konsorten um Autogramme baten – ja, ihr Jungspunde da draußen: Smartphones und nervtötende Selfies waren damals noch Zukunftsmusik. Ehre, wem sie gebührte. Apropos Metallica und Anthrax: Beide warteten mit einer Setlist auf, nach der man sich auch über drei Dekaden später die Finger leckt, und kamen beim schon tüchtig angetüdelten Publikum, das trotzdem vereinzelt mit Flaschen warf, ausgezeichnet an. Auch Dio räumte mit eigenem Material vom Kaliber ´Stand Up And Shout‘, ´Holy Diver‘ oder ´Rainbow In The Dark‘ sowie Songs seiner ehemaligen Combos Black Sabbath (´Children Of The Sea‘, ´Heaven And Hell‘) und Rainbow (´Stargazer‘, ´Man On The Silver Mountain‘) mächtig ab. Ob ich mir die New-Jersey-Poser Bon Jovi danach noch als Hauptact angesehen habe? Unwahrscheinlich. Schließlich war der Backstage-Kühlschrank von Anthrax noch prallgefüllt mit blondem Hopfensaft. Ansonsten galt schon damals: „What happens in Donington, stays in Donington“.





SETLIST ANTHRAX:

Among The Living

Caught In A Mosh

Madhouse

I Am The Law

Medusa

Indians

N.F.L.

God Save The Queen

A.I.R./I´m The Man



SETLIST METALLICA:

Creeping Death

For Whom The Bell Tolls

Fade To Black

Leper Messiah

Phantom Lord

Welcome Home

Seek & Destroy

Last Caress

Am I Evil

Battery



Bands:
BON JOVI
METALLICA
ANTHRAX
W.A.S.P.
CINDERELLA
Autor:
Buffo Schnädelbach

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