My Hometown

My Hometown 28.07.2021, 08:01

WOLF - My Hometown: Örebro mit Niklas "Stalvind" Olsson

Das gut 200 Kilometer westlich von Stockholm gelegene Örebro ist mit etwa 120.000 Einwohnern nicht nur die sechstgrößte Stadt Schwedens, sondern auch einer der wichtigsten Retro-Hotspots Skandinaviens. Neben bekannten Szenegrößen wie Blues Pills, Witchcraft und dem Graveyard-Vorläufer Norrsken stammen aber auch die Post-Hardcore/Punk-Pioniere Millencolin, die Grindcore-Legende Nasum und last but not least die Iron-Maiden-Devotees WOLF um den 48-jährigen Familienvater Niklas Olsson (v./g.) aus dem Ort, dessen Namen auf Deutsch ungefähr „Pfennig-“ oder „Kiesbrücke“ bedeutet.

Niklas, wo bist du geboren und aufgewachsen, wo wohnst du mittlerweile?

»Ich wurde in Kumla geboren, einer Kleinstadt 20 Kilometer südlich von Örebro. Dort bin ich auch aufgewachsen, bevor ich mit 18 zum Studieren nach Örebro zog. Seit etwa zehn Jahren lebe ich in einem kleinen Dorf namens Odensbacken mitten im Wald, das eine halbe Stunde südöstlich von Örebro liegt und etwa 1.400 Einwohner hat. Übersetzt bedeutet der Name übrigens „Odins Hügel“ – very metal.«

Hast du eine oder mehrere Lieblingskneipen in Örebro?

»Nicht mehr. Als Familienvater gehe ich nur noch selten aus. Außerdem hat sich Örebro in den letzten Jahren stark verändert; viele Kneipen und Bars, die ich früher mit meinen Bandkollegen besuchte, existieren nicht mehr. Es gibt zwar noch einen Hardrock- und Metal-Pub, aber dessen Betreiber ist ein merkwürdiger Typ. Als ich zuletzt dort war, saßen wir draußen, während ein schwarzer Mercedes mit getönten Scheiben mehrmals ganz langsam an der Kneipe vorbeifuhr. Das fand ich sehr eigenartig.«

Wo isst du gerne?

»In Örebro gibt es ein sehr gutes Sushi-Restaurant namens East West, das zu den besten Schwedens gehört. Als ich noch in der Stadt wohnte, war ich dort häufig zu Gast, aber wie gesagt: Ich gehe nur noch selten aus. Das hängt nicht nur mit meiner Familie zusammen, sondern ist auch der Tatsache geschuldet, dass ich häufiger mit WOLF toure. Ich konsumiere zwar nach wie vor Alkohol und liebe Bier, bin aber vorsichtig geworden, weil ich zu den Menschen gehöre, die gerne trinken, um zu relaxen. Da das nicht ganz ungefährlich ist, treibe ich lieber mehr Sport – die beste Methode, um Stress abzubauen und den Kopf freizubekommen.«

Wo habt ihr euren Proberaum?

»Früher in Örebro, aber während der letzten zehn Jahre haben wir in Västeras geprobt. Die Stadt befindet sich auf halbem Weg nach Solna; das ist ein Vorort von Stockholm, wo unser Gitarrist Simon Johansson wohnt, und in dessen Studio proben wir jetzt. Das ist absolut fantastisch, weil man dort einfach alles perfekt hört.«

Gibt es einen oder mehrere gute Plattenläden in Örebro?

»Ja, er heißt Bananamoon und ist der letzte, der in der Stadt überlebt hat. Das liegt unter anderem daran, dass er sich auf den An- und Verkauf von Vinyl spezialisiert. Anders als vor zehn,15 Jahren kann man leider nicht mehr einfach in die City gehen, um sich die neuesten Veröffentlichungen auf CD zu kaufen. Witzigerweise handelt ein Nachbar von mir hier in Odensbacken mit Vinyl und hat meines Wissens sogar WOLF-Platten im Angebot.«

Wie bewegst du dich in Örebro fort – mit dem Auto oder Fahrrad, im öffentlichen Nahverkehr oder zu Fuß?

»Nur mit dem Auto, weil ich ja außerhalb wohne und es auch für meinen Job brauche. Ich bin Angestellter einer Firma, die Glasfaserkabel verlegt, und war vorher Sozialarbeiter; ich hatte mit Drogenabhängigen und Alkoholikern gearbeitet, musste aber vor sieben Jahren wegen Burnouts den Job wechseln. Als ich noch in Örebro wohnte, fuhr ich mit dem Fahrrad überallhin, weil ich kein eigenes Auto hatte. Busfahren hasse ich.«

Mit welchen anderen Acts aus Örebro seid ihr befreundet?

»Mit vielen. Dazu fällt mir eine witzige Geschichte ein: Fredrik Larzon, der Schlagzeuger von Millencolin, kam vor vielen, vielen Jahren mit seinem Vater bei mir vorbei, um mein altes Drumkit zu kaufen. Das war lange bevor seine Band berühmt wurde, weshalb ich auch erst viel später kapierte, wer da mein Schlagzeug gekauft hatte. Lustigerweise konnte sich Larzon noch daran erinnern, als ich vor einigen Jahren mal mit ihm sprach. Kennst du die Achtziger-Band Motherlode? Die stammtt auch aus Örebro, und ihr ehemaliger Sänger Sonny Larsson hat 2006 einige Gesangsparts als Gast zu unserem Album „The Black Flame“ übernommen. Örebro ist ein Dorf, hier kennt jeder jeden. Graveyard und Witchcraft beziehungsweise ihre gemeinsame Vorgängerband Norrsken kommen ursprünglich auch von hier, wobei Erstere mittlerweile in Göteborg leben. Aus Örebro stammen nicht viele Metal-Bands, aber in puncto Retro- und Stoner Rock waren wir schon immer gut aufgestellt.«

Schlägt dir das Wetter – Stichwort: Kälte, Schnee, Dunkelheit – manchmal aufs Gemüt?

»Allerdings. Ich komme damit ehrlich gesagt nur schwer klar, denn ich hasse die Kälte. Wir haben zwar schon Ende Mai, aber trotzdem ist es bei uns immer noch kühl, und im Winter wird es nicht hell. Dafür ist der schwedische Sommer absolut wunderbar und ein Geschenk des Himmels, obwohl er nur wenige Wochen dauert. Jeder Skandinavier sehnt sich nach dieser warmen, hellen Phase im Jahr.«

Könntest du dir vorstellen, woanders zu leben? Falls ja, wo?

»Ja, ich wundere mich jeden verflixten Winter darüber, wie die Menschen es hier aushalten. Ich habe aber meine Familie hier, und außerdem gehört uns ein großer Bauernhof. Das heißt: Ich versuche, mein Leben trotzdem zu genießen. In Griechenland oder Spanien würde es mir gefallen, aber auch Süddeutschland ist schön. Zudem mag ich Malta, wo relativ viele meiner Landsleute leben und arbeiten. Dort kann man überall auf der Straße zocken, und es ist ein Steuerparadies.«

www.wolf.nu

www.facebook.com/officialwolf

Bands:
WOLF
Autor:
Buffo Schnädelbach

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