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REVIEW 8 22.05.2019

(Album des Monats, RH 385, 2019)

WHITESNAKE - Flesh & Blood

Eisenfavst findet es irgendwie schade, dass „Flesh & Blood“ nun tatsächlich erscheint, denn das in den allmonatlichen VÖ-News versteckte Bonmot „Dieses Album soll einem verdammt noch mal so richtig die Falten aus der Visage ziehen“ ist jetzt unwiederbringlich Geschichte. Nun ist der grimmige Eisenfavst zwar so einiges, aber eben keine Koryphäe in Sachen Classic Rock. Das trifft schon eher auf Jörg Staude zu, der, schenkt man der E-Mail-Flut aus seinem Rock-Hard-Außenbüro Glauben, den aktuellen WHITESNAKE-Dreher seit Tagen rauf und runter hört und „total begeistert“ ist. Was nachvollziehbar ist, denn auch wenn sich „Flesh & Blood“ (erwartungsgemäß?) nicht in die Riege der ganz großen Klassiker im Bandkanon einreiht, ist es ein sehr gutes Hardrock-Album, das durchaus Akzente zu setzen weiß. Mit dem Thin-Lizzy-mäßigen 'Always & Forever' beispielsweise, bei dem sich Coverdales Phrasierungen an denen von Phil Lynott orientieren, oder dem Groove-Monster 'Well I Never', das sich einen Platz im Liveset der Band verdient hätte. Dass WHITESNAKE die Platte mit dem an Led Zeppelin erinnernden Abschlussdoppel 'After All' und 'Sands Of Time' selbstbewusst ausklingen lassen, passt ins Bild. DISKOGRAFIE (Auswahl) Snakebite (EP, 1978) Trouble (1978) Love Hunter (1979) Ready An´ Willing (1980) Live… In The Heart Of The City (live, 1980) Come An´ Get It (1981) Saints & Sinners (1982) Slide It In (1984) 1987 (1987) Slip Of The Tongue (1989) Greatest Hits (1994) Restless Heart (1997) Starkers In Tokyo (live, 1997) Live… In The Shadow Of The Blues (live, 2006) Good To Be Bad (2008) Forevermore (2011) Live At Donington 1990 (live, 2011)' Box ´o´ Snakes: The Sunburst Years 1978-1982 (2011) Made In Japan (live, 2013) Made In Britain/The World Record (live, 2013) Live In ´84; Back To The Bone (live, 2014) The Purple Album (2015) The Purple Tour (live, 2018) Unzipped (live, 2018) Flesh & Blood (2019) LINE-UP David Coverdale (v.) Reb Beach (g.) Joel Hoekstra (g.) Michael Devin (b.) Michele Luppi (keys) Tommy Aldridge (dr.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „Flesh & Blood“ Gefallen finden: Deep Purple * Rainbow * Gillan * Vandenberg * Thin Lizzy * Nazareth * Uriah Heep * Dio * Aerosmith * Dokken * Slaughter * Lynch Mob * Led Zeppelin * The Answer * Free * Bad Company * UFO * Van Halen * Gotthard * Black Country Communion

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REVIEW 8.5 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

PERRY FARRELL - Kind Heaven

Ich gebe es zu: Ein Jane´s-Addiction-Album mit feinen Rasereien an Drums und Gitarren wäre mir natürlich lieber gewesen - dafür war das Solo-Werk von PERRY FARRELL dann doch etwas zu schwammig. Aber die Neugier siegt, vor allem, wenn man liest, dass der auch schon 60-Jährige noch einen Plattenvertrag über mehrere Alben abschließen konnte. Da muss man liefern und kann nicht benebelt im Studio abhängen. Und tatsächlich ist „Kind Heaven“ eine höchst abwechslungsreiche Veranstaltung, die auch noch erstaunlich kurzweilig auf den Punkt kommt. Denn nach neun Songs und 31 Minuten ist die Messe bereits gelesen. Das fröhliche Rock-Cabaret in ´Cheerfulness´ und ´Snakes Have Many Hips´ kennt man in ähnlicher Form noch von Jane´s-Addiction-Platten, ebenso die gewaltig rockende Single ´Pirate Punk Politician´ - nicht der letzte hitverdächtige Song des Albums. Beeindruckend ist vor allem die professionelle Umsetzung im Studio. Die Melange aus rockigen und elektronischen Elementen, das Verweben von digitaler und analoger Technik klingt stets äußerst homogen. Das gilt natürlich erst recht für die tollen weiblichen Stimmen des Albums und alle mitwirkenden Studiocracks - vom Allerfeinsten. ´Machine Girl´ glänzt durch flotte Eingängigkeit, ´One´ ist eine zärtliche Liebeserklärung, ´Where Have You Been All My Life´ lässt einen Drum-Machine-Groove in einer Rock-Session enden, und ´More Than I Could Bear´ ist eine starke Hommage an die sinfonischen Elemente bei den Beatles oder Led Zeppelin. Mit ´Spend The Body´ enthält das Album sogar einen tanzbaren EBM-Hit, der, auch wenn man solcher Musik eher skeptisch gegenübersteht, wirklich gut gemacht ist und sogar ein fettes Gitarrensolo enthält. Qualität für Vielseitigkeitsreiter.

REVIEW 7.0 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

DEATH ANGEL - Humanicide

Die Meinungen über die neuesten DEATH ANGEL-Outputs gehen redaktionsintern auseinander. Während Buffo „Humanicide“ als das stärkste DEATH ANGEL-Album seit „Act III“ tituliert, gibt es auch Fans der Band, die den aktuellen Werken nicht sonderlich viel abgewinnen können. Zu Letzteren zählen Boris und ich. Seitdem die Truppe mit Produzent Jason Suecof, Bassist Damien Sisson und Schlagzeuger Will Carroll zusammenarbeitet, ist ihr ein wichtiger Teil der Sound-Identität abhanden gekommen. Zum einen hat Jason Suecof dem Quintett einen sterilen Sound verpasst, bei dem so gar nichts mehr swingt und die Gitarren ohne jegliches Bratfett auskommen müssen. Zum anderen hat das Quintett die meisten rockigen Stil-Elemente, die ein Album wie „Killing Season“ besonders interessant gemacht haben, über Bord geworfen. Und so hat die Band auch auf „Humanicide“ wieder die Thrash-Scheuklappen aufgesetzt, um ihr vermeintliches Kernpublikum zu bedienen. Das Problem dabei ist: Im Gegensatz zu den jüngsten Werken von Overkill und Testament, die sich auch wieder ein Stück weit ihrer Vergangenheit angenähert haben, mangelt es dem Album erneut an Überraschungen und - das ist das Gravierende - an Hooks und wirklichen Hits (´I Came For Blood´ und ´Aggressor´ haben noch das größte Hit-Potenzial, können mit den Signature-Songs des Backkatalogs aber nicht richtig mithalten). Wenn man sich Mark Oseguedas eigenständige Vocals wegdenkt, bleibt größtenteils Thrash-Metal-Stangenware. Das ist natürlich alles solide umgesetzt und unterschreitet ein okayes bis gutes Niveau nicht. So richtig packen will es mich aber nicht.

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REVIEW 8.0 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

TANITH - In Another Time

Im ausführlichen Presse-Info zu „In Another Time“, knapp so lang wie wahlweise Tolstois „Krieg und Frieden“ oder ´ne durchschnittliche NWOBHM-Abhandlung von Kollege Mader, wird das Unperfekte zur Maxime erhoben, vollkommen analog inklusive nicht verbesserter Fehler siegt über digital, und die Arrangements nehmen Abstand von gewohnten Hörmustern, denn Satan-Gitarrist Russ Tippins, hier auch für Vocals zuständig, seine Co-Sängerin/Bassistin Cindy Maynard sowie ihre zwei Sidekicks orientieren sich kompromisslos an den siebziger Jahren. Mit Graveyard und fünf Trilliarden (weiteren) Epigonen kann man die britisch-amerikanische Allianz dabei aber kaum in einen Topf werfen, vielmehr gehören TANITH zur Schule Wytch Hazels, und manchmal erinnern ihre Talentproben auch ein wenig an die großartigen Horisont ohne Dicke-Hose-Ausflüge. Die kolportierten Vergleiche Blue Öyster Cult, Thin Lizzy und Uriah Heep sind damit völlig richtig; was mich ein wenig wundert, ist allerdings die konsequente Abwesenheit des Namens Rush, schließlich habe ich lange keine Band mehr gehört, die näher an deren Debüt, aber auch an „Caress Of Steel“ und „Fly By Night“ musiziert (´Eleven Years´!). Die Zehn-Punkte-Klasse des bereits 2017 als (mittlerweile vergriffene) 7“-Single veröffentlichten Openers ´Citadel´, den man einfach nicht besser machen kann, bestätigen TANITH in den weiteren knapp 40 Minuten ihrer Full-length zwar nicht; das wäre halt auch einfach zu schön, um wahr zu sein. Allein die warmen (Twin-)Gitarren sorgen in Verbindung mit dem wachsweichen (Doppel-)Gesang aber auch bei ´Cassini´s Deadly Plunge´ oder ´Under The Stars´ für vorsichtige Gänsehaut, was „In Another Time“ in toto zwar noch nicht zum „Debüt des Jahres“ macht, sehr wohl aber zu einem Dreher, über den sich zu reden lohnt.

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REVIEW 9.0 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

SAVAGE MESSIAH - Demons

SAVAGE MESSIAH haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie Bullet For My Valentine: Angefangen als stark von frühen Metallica geprägte Thrash-Band, wurde der Sound im Laufe der Zeit immer mehr durch melodische Elemente aufgeweicht. Während die Waliser dabei jedoch Richtung Emocore abbogen, haben die Londoner sich dem Melodic Metal geöffnet und ihn erstaunlich homogen in ihren Sound integriert. Kamen beim Vorgänger „Hands Of Fate“ die Thrash-Elemente etwas zu kurz, gelingt nun eine stimmige Fusion, die „Demons“ zu einer enorm abwechslungsreichen Angelegenheit macht. „Lightning-ridenden“ Thrashern wie ´Virtue Signal´, ´Under No Illusion´ und ´The Bitter Truth´ stehen catchy Midtempo-Hymnen wie die erste Single ´Down And Out´, das epische ´What Dreams May Come´ sowie die kitschfreien, äußerst gelungenen Halbballaden ´The Lights Are Going Out´ und ´Until The Shadows Fall´ gegenüber. Obendrein gibt es mit der komplett umgewandelten ´Parachute´-Coverversion von Country/Folk-Sänger Chris Stapleton eine coole Rock-Nummer mit Thin-Lizzy-Vibe. Die Band um den immer noch gerne in Hetfield-Manier phrasierenden Mastermind David Silver ist kompositorisch spürbar gereift und begeistert mit jeder Menge packender Refrains, hypermelodischen Leads und auf den Punkt gebrachten Arrangements. Wird allerhöchste Zeit, dass SAVAGE MESSIAH auch hierzulande endlich die verdiente Beachtung finden!

REVIEW 8,5 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

IDLE HANDS - Mana

Szene-Checker von Welt leiden seit gut einem Jahr unter ungefähr 41,7 Grad Temperatur, so heißherzig fiebern sie diesem Album entgegen. Im Juni 2018 kam die EP „Don't Waste Your Time“ heraus, das Debüt dieser US-Band, die flugs von den einschlägigen Geschmacksverstärkern in Blogs, Magazinen und rauchverhüllten Kaschemmenhinterzimmern als der hottest shit under the sun gevorschusslorbeert wurde. Und was soll man sagen: ziemlich zu Recht. Dieses Trio erweitert das handelsübliche Retro-Angebot um eine bisher so gut wie unerhörte Facette, ohne dabei Trendaufhüpfer zu sein, einzig die grandiosen Grave Pleasures (Beastmilk!) und die leider viel zu früh verschiedenen In Solitude haben zuletzt entfernt Ähnliches versucht: Klassische Metalriffs schummeln sich unter postpunkpoppige Gothrock-Hooks, hitversierte Sisters Of Mercy kopulieren sinnbildlich mit muskelstolzen Brothers of Metal (okay, sorry) und erschaffen so eine betörende Klangzwischenwelt, der sich all jene nur schwerlich werden entziehen können, die nicht ewigtrue DeMaio im Perso stehen oder auf ihre Geschlechtsteile tätowiert haben. Hier und da drohen Fehltritte ins allzu Inbrünstige, aber statt die Hörer mit kitschgesättigten Zuckertränen zu überfluten, verströmen die IDLE HANDS vor allem dank des auf charmante Weise überforderten Organs von Gabriel Franco (ex-Spellcaster) eher eine delikat gebrochene Melancholie. Beispielhaft der Titelsong oder die Liebe-meines-Lebens-Reminiszenz 'Jackie' - Hymnen über unsere verlorene Unschuld, bittersüß.

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REVIEW 8.5 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

DIAMOND HEAD - The Coffin Train

Das selbstbetitelte Comeback-Album hatte 2016 keine große Wellen geschlagen, doch schon die Live-Show auf dem letztjährigen Rock Hard Festival und die Verdrahtung mit Dave Mustaines Management hatte gezeigt, dass mit Brian Tatlers neu formierter NWOBHM-Legende noch zu rechnen ist. Und so wirkt „The Coffin Train“ auch wesentlich geschlossener als der Vorgänger. Das Album enthält alle wichtigen Trademarks, die für DIAMOND HEAD-Fans wichtig sind. Spannende Songaufbauten mit feinen Tempowechseln und eine elegante Gitarrenarbeit, die sich meilenweit vom Ego-Gedudel sämtlicher „Gitarrenhelden“ fernhält. Oder: die Blaupause, die Metallica und Megadeth bekanntlich begierig als Teenager aufsaugten. Einen so schönen (warmen, halbaggressiven) Gitarren-Sound wie auf „The Coffin Train“ gab es schon lange nicht mehr zu hören. Da der harte Opener ´The Belly Of The Beast´ gleich hervorragend ins Ohr geht, vermutet man glatt eine Wiederauferstehung jener Band, die zwei große Klassiker schrieb, danach aber viel halbgaren Kram und lange Pausen produzierte. Obwohl das Niveau bis zum Schluss sehr hoch bleibt, fehlt dem Gesang von Rasmus Bom Andersen noch ein Quäntchen Charakter. Ein bisschen mehr Hit-Appeal hätte dem Album wohl auch nicht geschadet, das Gros der Titel erschließt sich erst nach vielen Durchläufen. Ansonsten ist das hier eine musikalisch starke Vorstellung mit viel Liebe zum Detail, die selbst die meisten Experten DIAMOND HEAD nicht mehr zugetraut hätten. Fates-Warning-Fans der Arch-Ära können aufgrund der ausgetüftelten Songstrukturen ebenfalls ein Ohr riskieren.

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