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REVIEW 7.0 29.09.2021

(Album, RH 412, 2021)

BILLY IDOL - The Roadside EP

Im mittleren Lebensalter ist man froh über jeden musikalischen (Anti-)Helden aus frühen Teenagertagen, der noch nicht verstorben ist, derlei Todesmeldungen erinnern einen ja nur an die eigene Sterblichkeit. Freudig überrascht war ich daher, als der Kaiser-Chef mir eine EP von BILLY „Der lebt noch?!“ IDOL rüberschob, versehen mit dem Auftrag: „Hier, schreib ma.“ Okay, ich schreibe. Mit dem Opener ´Rita Hayworth´ hat sich der Hubba-Bubba-Heavypoppunker aus den Achtzigern ein alterszielgruppenkompatibles Sexansingungsobjekt herausgesucht, gefühlt ein Pin-up aus dem 19. Jahrhundert. Dem rebel-yellig angehauchten Uptempo-Song merkt man den gesunkenen Hormonspiegel des Briten allerdings allzu deutlich an, mehr hohle Pose als dicke Hose. Die gefällige Single ´Bitter Taste´ dagegen überzeugt als kleines Highlight, vielleicht auch, weil sie sich autobiografisch glaubwürdig mit einer Fast-Tod-Betrachtung befasst. ´U Don´t Have To Kiss Me Like That´ wiederum dudelt irgendwie als einigermaßen egale Pop-Preminiszenz eines Mittsechzigers durch. Das ärgerliche ´Baby Put Your Clothes Back On´ schließlich würde man aufgrund des Titels gerne als charmant selbstironisches Abwinken eines zwangsabstinenten Viagristen mögen lernen, das Lied entpuppt sich aber als schlagernahes Verbrechen, das in sangriaseifiger Chorusschmierigkeit absäuft, cheers an die Florian-Silbereisen-Fraktion. Gesamtwertung mit einem halben Rentenpunkt obendruff.

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REVIEW 8.0 29.09.2021

(Album, RH 412, 2021)

MINISTRY - Moral Hygiene

Der Umzug nach Kalifornien hat Al Jourgensen offensichtlich gutgetan, denn im Künstlermekka gibt´s immer noch jede Menge erfahrene Old-School-Rocker, die man bei Bedarf um sich scharen kann. Und so kommt es, dass „Moral Hygiene“ wieder etwas organischer klingt, weil echte Musikerpersönlichkeiten einiges an digitalem Gedaddel verdrängen konnten. So spielt Ex-Tool-Basser Paul D´Amour auf diesem Album offenbar eine ähnlich tragende Rolle wie Jourgensens langjähriger Sidekick Paul Barker. Das Album beginnt auch gleich mit einem satten Drum/Bass-Groove, bevor schneidende Gitarren einsetzen. Aber ´Alert Level´ ist ebenso wie die etwas kraftlose Single ´Good Trouble´ kein Evergreen aus der Jourgensen-Hitschmiede. Für Oberliga-Glanz sorgen hingegen Dead-Kennedys-Ikone Jello Biafra als markanter Gesangsakrobat in ´Sabotage Is Sex´ und der donnernde Riffrocker ´Disinformation´. Mit der Stooges-Nummer ´Search And Destroy´ kann man sich eigentlich nur in die Nesseln setzen, aber das gedrosselte Tempo und die schweißtreibende Heaviness stehen dem Klassiker erstaunlich gut zu Gesicht. ´Believe Me´ und ´Broken System´ gehen als flotte Post-Punk-Titel durch, danach endet die Platte mit reichlich Samples, Geräuschkulissen und dem alles vernichtenden ´TV Song #6´. Selbst diese Jourgensen-eigene Tonkunst wirkt überzeugender als zuletzt. Machen wir uns nichts vor, im prallen MINISTRY-Katalog belegt die Platte eher einen Mittelplatz. Aber immerhin: Die Formkurve zeigt endlich wieder nach oben.

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