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REVIEW 9.5 28.01.2015

(Album des Monats, RH 333, 2015)

BLIND GUARDIAN - Beyond The Red Mirror

Nuclear Blast/Warner (65:22) „Beyond The Red Mirror“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es als Metalband auch nach über 25 Jahren immer noch möglich ist, ein Album zu erschaffen, das es mit jedem Meilenstein der eigenen Diskografie aufnehmen kann. Lässt man die angenehmen Erinnerungen mal außen vor, die sich einstellen, wenn man Lieblingsplatten aus seiner Jugend auflegt (bei mir sind das beispielsweise „Tales From The Twilight World“ und „Somewhere Far Beyond“), wird sehr schnell deutlich, dass die neue BLIND GUARDIAN-CD in Sachen Ideenreichtum, Arrangements, spieltechnisches Niveau und Produktion jede bisherige Scheibe der Krefelder überragt und kompositorisch auf Augenhöhe mit „Tales...“, „Somewhere...“, „Imaginations...“ und „Nightfall...“ angesiedelt ist. Jeder Refrain sitzt wie ´ne Eins, in den meisten Songs gibt es so viele geniale Hooklines, dass andere Bands daraus gleich mehrere komplette Alben gestrickt hätten, und unterhalb der Vocals passiert musikalisch mehr als auf vielen Progressive-Metal-Platten. Alleine die drei Orchesterwerke ´The Ninth Wave´ (unfassbar imposantes Intro!), ´At The Edge Of Time´ (fantastische Dynamik!) und ´Grand Parade´ (superbes Albumfinale!) sind schon mehr als abendfüllend, neben weiteren enorm abwechslungsreichen Edel-Bombast-Epen wie ´Prophecies´ oder ´The Throne´ und der einfühlsamen, gänzlich unkitschigen Ballade ´Miracle Machine´ verwöhnen uns die Guardians in ´Ashes Of Eternity´, der knüppelnden ersten Single ´Twilight Of The Gods´ und dem wendungsreichen ´Sacred Mind´ aber auch mit feinstem, mächtig Arsch tretendem Speed/Thrash-Metal. Einen Anspieltipp für diese göttliche Scheibe zu geben, wäre fast schon Blasphemie, die garstig-hymnische Abrissbirne ´The Holy Grail´ sollte aber jeden Zweifler binnen weniger Takte davon überzeugen, dass BLIND GUARDIAN nie stärker waren als heute. Diskografie (nur Studioalben) Battalions Of Fear (1988) Follow The Blind (1989) Tales From The Twilight World (1990) Somewhere Far Beyond (1992) Imaginations From The Other Side (1995) The Forgotten Tales (1996) Nightfall In Middle-Earth (1998) A Night At The Opera (2002) A Twist In The Myth (2006) At The Edge Of Time (2010) Beyond The Red Mirror (2014) LINE-UP Hansi Kürsch (v.) André Olbrich (g.) Marcus Siepen (g.) Frederik Ehmke (dr.) DIE PATEN Blind Guardian sind 2015 eigentlich kaum noch mit einer anderen Band vergleichbar. Wer mit folgenden Acts etwas anfangen kann, dürfte „Beyond The Red Mirror“ aber klasse finden: Queen * Demons & Wizards * Iced Earth * Nightwish * Kamelot * Gamma Ray * Judas Priest * Symphony X * Saviour Machine * frühe Uriah Heep * Orphaned Land * Unisonic * frühe Rhapsody * Avantasia * Dragonforce * Orden Ogan * Rage * Vicious Rumors * Savage Circus * Angra * Star One Ein ausführliches Interview mit Hansi und André findet ihr in unserer diesmonatigen BLIND GUARDIAN-Titelstory ab Seite 14.

REVIEW 9.0 17.12.2014

(Album des Monats, RH 332, 2014)

CHAPEL OF DISEASE - The Mysterious Ways Of Repetitive Art

F.D.A./Soulfood (47:30) Mit „Summoning Black Gods“ konnten CHAPEL OF DISEASE 2012 bereits einigen Staub aufwirbeln und gehörten damit zu den Wegbereitern der deutschen Old-School-Death-Metal-Welle. Gute zwei Jahre später stellen die Kölner nun ihr Zweitwerk mit dem kryptischen Titel „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ vor. Beim Opener ´The Mysterious Ways´, der vier Minuten lang sehr gekonnt ein markantes Motiv variiert, wird deutlich, dass die Band mehr wollte, als nur einen soliden Nachfolger zum erfolgreichen Erstling aufzunehmen. Vielmehr haben CHAPEL OF DISEASE ihren Horizont erweitert und setzen nun auf anspruchsvolle Kompositionen, die selten den üblichen Strophe-Refrain-Schemata folgen. Natürlich ist das Fundament stets der schon auf dem Vorgänger recht eigenständige Death Metal. Zusätzlich gibt´s aber nun Momente, die mal an Black Sabbath (´Symbolic Realms´) oder in ruhigeren Passagen an Pink Floyd (´Life Is But A Burning Being´) erinnern. Vergleichen könnte man das Ganze am ehesten mit Tribulation, die es ebenfalls verstehen, Progrock mit Classic Death Metal zu kombinieren. Verdammt stark! DISKOGRAFIE Death Evoked (Demo, 2010) Chapel Of A Lifeless Cult (Split-7“ mit Lifeless, 2012) Summoning Black Gods (2012) The Mysterious Ways Of Repetitive Art (2015) LINE-UP Laurent Teubl (v./g.) Cedric Teubl (g.) Christian Krieger (b.) David Dankert (dr.) DIE PATEN Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ Gefallen finden: Tribulation * Beyond * Venenum * Sulphur Aeon * Death * Morbus Chron * Charon * Obscure Infinity * Necros Christos * Degial * Unaussprechlichen Kulten * Asphyx * Deathronation * Nocturnus * Hooded Menace * Rattenfänger * Grave Miasma * Diocletian * Alchemyst * Drowned * Morgoth * Sonne Adam Ein Interview mit CHAPEL OF DISEASE lest ihr auf den Seiten 54/55 in diesem Heft.

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REVIEW 8.5 19.11.2014

(Album des Monats, RH 331, 2014)

PRIMORDIAL - Where Greater Men Have Fallen

Metal Blade/Sony (58:41) Man muss Alan Averill, dessen „unbequeme“ Meinungen zu Metal, Gott und der Welt immer wieder Aufsehen erregen, nicht für den Heiland halten, nur weil er unfallfrei mehr als drei Sätze aneinanderreihen kann, aber man darf ihn auch nicht als Dampfplauderer verunglimpfen: Selbst Kritiker sollten konstatieren, dass der PRIMORDIAL-Frontmann seine Aussagen regelmäßig mit formidabler Musik untermauert, die (auch stilistisch) ihresgleichen sucht. „Where Greater Men Have Fallen“, das erste PRIMORDIAL-Album seit „Redemption At The Puritan´s Hand“ von 2011, macht da keine Ausnahme. Warm, traditionell und „deep“ vom neuen Wunderkind Jaime Gomez Arellano (u.a. Ghost, Angel Witch, Cathedral) produziert, loten die Iren die Extreme ihres Spektrums zwischen zurückhaltendem Folk-Doom (der Abschluss ´Wield Lightning To Split The Sun´) und dem harschesten Black-Metal-Ausbruch seit langem (´The Seed Of Tyrants´) deutlicher denn je aus. Der Rest, sechs weitere überlange Songs, pendelt zwischen diesen Polen, klingt mal „nur“ gut (´Come The Flood´, ´The Alchemist´s Head´ inklusive „orthodoxer“ Death-Metal-Vibes), über weite Strecken aber brillant: Der Opener und Titeltrack ist der offensichtliche Hit der Platte, ´Ghosts Of The Charnel House´ und ´Born To Night´ erschließen sich erst nach und nach, aber nicht weniger gewaltig, und das an zweiter Stelle vielleicht etwas zu früh platzierte, tendenziell repetitive ´Babel´s Tower´ hat sogar das Potenzial, als strahlender Langzeit-Sieger vom Platz zu gehen. Vielleicht ist „Where Greater Men Have Fallen“ nicht das beste PRIMORDIAL-Album aller Zeiten. Aber es ist (einmal mehr) ein lupenreiner Pflichtkauf für Fans von ernstem, melancholischem, hochemotionalem Heavy Metal. DISKOGRAFIE (Alben) Imrama (1995) A Journey´s End (1998) Spirit The Earth Aflame (2000) Storm Before Calm (2002) The Gathering Wilderness (2005) To The Nameless Dead (2007) Redemption At The Puritan´s Hand (2011) Where Greater Men Have Fallen (2014) LINE-UP Alan Averill Nemtheanga (v.) Ciáran MacUiliam (g.) Micheál O´Floinn (g.) Pól MacAmlaigh (b.) Simon O´Laoghaire (dr.) DIE PATEN Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „Where Greater Men Have Fallen“ reinhören: Twilight Of The Gods * Dread Sovereign * Bathory * Sólstafir * Manowar * Atlantean Kodex * Ereb Altor * Enslaved * Darkest Era * Cruachan * Skyclad * Sabbat * Kampfar * Moonsorrow * Falkenbach Ein Interview mit PRIMORDIAL lest ihr auf den Seiten 18/19 in diesem Heft.

REVIEW 9.0 22.10.2014

(Album des Monats, RH 330, 2014)

MACHINE HEAD - Bloodstone & Diamonds

Nuclear Blast/Warner (69:02) Der Opener ´Now We Die´ gibt die Richtung des mittlerweile achten Studioalbums der Bandkarriere vor: Eingeleitet und auch im weiteren Verlauf von Streichern unterlegt, bündelt der Track sämtliche MACHINE HEAD-Trademarks inklusive eines mächtigen Refrains und fährt neben packenden Riffs einen erstklassigen Solo-Part und auch die altbekannten Obertöne auf. Dass sich Mastermind Robb Flynn respektive die Band traut, der Nummer ein melodisch-episches Ende zu verpassen, macht endgültig deutlich, dass man die Entwicklung, die mit Alben wie „The Blackening“ oder „Unto The Locust“ eingeschlagen wurde, konsequent fortsetzt. Der Oakland-Vierer, bei dem am Bass Neuzugang Jared MacEachern seinen Studio-Einstand gibt, schafft mühelos den Spagat zwischen Gegenwart und dem Rückblick auf das eigene Schaffen (das zwischen Melodie und krachenden Riffs pendelnde ´Ghost Will Haunt My Bones´ beispielsweise erinnert an den Semi-Hit ´Crashing Around You´ vom „Supercharger“-Album, ´Imaginal Cells´ ist die 2014er Version von ´Real Eyes. Realize. Real Eyes´) und mischt geschickt Brutalo-Attacken mit atmosphärischen Düster-Parts sowie wirklich großen Melodien. „Bloodstone & Diamonds“ ist das bisher facettenreichste und detailverliebteste MACHINE HEAD-Album, von den Sound-Hexern Colin Richardson und Andy Sneap klanglich brillant in Szene gesetzt (es sei denn, man steht ausschließlich auf Seventies-Rock), und zeigt, dass man inzwischen in einer ganz eigenen Liga spielt. MACHINE HEAD setzen seit Jahren aufs Neue Standards und sind längst Trendsetter eines selbstkreierten Genres. Ein größeres Kompliment gibt es nicht. DISKOGRAFIE (nur Studioalben) Burn My Eyes (1994) The More Things Change (1997) The Burning Red (1999) Supercharger (2001) Through The Ashes Of Empires (2003) The Blackening (2007) Unto The Locust (2011) Bloodstone & Diamonds (2014) LINE-UP Robb Flynn (v./g.) Phil Demmel (g.) Jared MacEachern (b.) Dave McClain (dr.) DIE PATEN Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „Bloodstone & Diamonds“ reinhören: Pantera * Fear Factory * Sepultura * Lamb Of God * Soulfly * Testament * Trivium * Prong * Exhorder * DevilDriver * Channel Zero * The Haunted * Skinlab * Chimaira * Shadows Fall * Forbidden * Vio-lence * God Forbid * Exodus * Metallica

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REVIEW 8.5 24.09.2014

(Album des Monats, RH 329, 2014)

SANCTUARY - The Year The Sun Died

Century Media/Universal (49:51) Um das Wichtigste direkt zu klären: Ja, „The Year The Sun Died“ klingt nicht wie „Refuge Denied“ oder „Into The Mirror Black“ (im Übrigen wird heute gerne mal vergessen, dass auch diese beiden Platten sehr unterschiedlich sind), und ja: SANCTUARY führen ein Stück weit das Erbe Nevermores fort. Aber im Ernst: Wer hat denn bitte anderes erwartet? Das Gute: „The Year The Sun Died“ tönt trotz einer ähnlich melodischen, „songorientierten“ Herangehensweise, wie sie beim Nevermore-Schwanengesang „The Obsidian Conspiracy“ vorherrschte, wesentlich organischer, bandmäßiger, weniger konstruiert und gewollt, zudem präsentiert sich das sehr gute Riffing von Lenny Rutledge und Brad Hull anders, eben direkter als das Spiel von Jeff Loomis. Die Wahrheit ist allerdings auf dem Platz, aber keine Sorge: Der sehr gut singende Warrel Dane und seine Hintermänner liefern auf diesem von Zeuss (u.a. Soulfly, Hatebreed) geschmackvoll sicher produzierten Album, das modern, aber lebhaft klingt, amtlich schneidenden Stahl ab. Der Opener ´Arise And Purify´, der unglücklicherweise als erster offizieller Teaser fungierte, wirkt noch unscheinbar, das Folgende begeistert deutlicher. In ´I Am Low´ zeigt sich noch mal das Verständnis vor allem Danes für emotionale Balladen, drum herum hat die Band einige Refrain-Schwergewichte (in den Refrains schaltet man tempomäßig übrigens regelmäßig einen Gang zurück; fast schon ein Trademark dieses Albums) erarbeitet, die bleibenden Charakter aufweisen. Am tollsten ist ´Question Existence Fading´, aber auch ´Let The Serpent Follow Me´, ´Exitium (Anthem Of The Living)´, ´Frozen´ (alle Teil der bockstarken ersten Hälfte), ´The World Is Wired´ oder ´The Year The Sun Died´ werden gerne mit offenen Armen und sonnigem Gemüt empfangen. Da kann man die zwei, drei abfallenden Sind-halt-auch-drauf-Schoten (´One Final Day´, ´The Dying Age´...) letzten Endes locker verschmerzen. DISKOGRAFIE Refuge Denied (1987) Into The Mirror Black (1989) The Year The Sun Died (2014) LINE-UP Warrel Dane (v.) Lenny Rutledge (g.) Brad Hull (g.) Jim Sheppard (b.) Dave Budbill (dr.) DIE PATEN Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „The Year The Sun Died“ reinhören: Nevermore * Megadeth * Helstar * Flotsam And Jetsam * Jag Panzer * Metal Church * Mercyful Fate * Tad Morose * Riot * Savatage * Iced Earth * Vicious Rumors * Huntress * Queensryche * Crimson Glory * Testament * Brainstorm * Morgana Lefay Ein Interview mit SANCTUARY lest ihr auf den Seiten 22/23 in diesem Heft

REVIEW 9.0 27.08.2014

(Album des Monats, RH 328, 2014)

OPETH - Pale Communion

Roadrunner/Warner (55:53) Ihr habt kein Problem damit, dass OPETH keine Death-Metal-Band mehr sind, fandet die letzte Scheibe „Heritage“ aber zu skizzenhaft? Dann dürft ihr aufatmen: Auch „Pale Communion“ ist wieder eine ohne Growls auskommende Düster-Prog-Platte, diesmal aber mit Songs, die es in ihrer Genialität mit den (stilistisch völlig anders gelagerten) Highlights von „Blackwater Park“, „Damnation“ und „Ghost Reveries“ aufnehmen können: * Das King-Crimson-artig beginnende ´Eternal Rains Will Come´ verwandelt sich auf wundersamste Weise in einen zutiefst originellen Hybriden aus Folk, hypnotischem Orgelprog und Blue-Öyster-Cult-Vocals, der sich in ungeahnte Sphären emporschwingt und erst in den allerletzten Takten seinen Höhepunkt erreicht. * Völlig andere Aspekte dominieren in dem leicht orientalisch eingefärbten Groove-Wunder ´Cusp Of Eternity´, das von superbem Drumming, feinfühligen Gitarrensoli und hartem, sorgfältig im Zaum gehaltenem Riffing lebt. * Der phänomenal konstruierte Elfminüter ´Moon Above, Sun Below´ überrascht fast im Sekundentakt mit neuen, spannenden, nie das Grundgerüst sprengenden Wendungen. Mal schleichen sich famose Akkordfolgen um drei Ecken an, mal wird man für einige Atemzüge durch entlegene Galaxien gewirbelt. Irgendwo ganz weit im Hintergrund hallen die zweite Genesis und die erste Psychotic Waltz nach, der absolute Ohrgasmus wartet ab Minute neun. * Nach der schönen Folk-Ballade ´Elysian Woes´ und dem edlen Jazz-Rock-Instrumental ´Goblin´, das eher an Weather Report als an seine Namensgeber erinnert, folgt mit ´River´ der nächste sich extrem elegant zusammenfügende Prog-Zauberwürfel. Was als verschroben-entrückte, teils pastorale Hippie-Rock-Nummer beginnt, endet als sich immer weiter steigernder Veitstanz, in dem Jazz, Weltmusik und harscher Rock eine beeindruckende Choreografie aufs Parkett legen. * Beim Schlangenbeschwörer-Epos ´Voice Of Treason´ wird´s dann erstmals richtig bombastisch, wobei die federleichten Drums den Song stets in der Erdumlaufbahn halten. Hat was von einer Devon-Graves-Nummer, nur mit besseren Musikern, einem perfekten Sound (Steven Wilson, noch Fragen?) und einem sensationellen Spannungsbogen. * ´Faith In Others´ schließlich nimmt den Hörer mit auf eine nie zu schnelle Achterbahnfahrt zwischen Singer/Songwriter-Melancholie und orchestraler Urgewalt. Eine Mondschein-Ballade, allerdings angesiedelt auf dem Jupiter, wo gleich acht farbenprächtige Trabanten am Firmament stehen. Fazit: ein fast makelloses, von jeglichen kommerziellen Überlegungen unberührtes Meisterwerk. Mehr Kunst geht kaum. Diskografie Orchid (1995) Morningrise (1996) My Arms, Your Hearse (1998) Still Life (1999) Blackwater Park (2001) Deliverance (2002) Damnation (2003) Lamentations (live, 2003) Ghost Reveries (2005) The Roundhouse Tapes (live, 2007) Watershed (2008) In Live Concert At The Royal Albert Hall (live, 2010) Heritage (2011) Pale Communion (2014) Line-up Mikael Åkerfeldt (v./g.), Fredrik Åkesson (g.), Martin Mendez (b.), Joakim Svalberg (keys), Martin Axenrot (dr.) Die Paten Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „Pale Communion“ reinhören: Katatonia * Storm Corrosion * Wisdom Of Crowds * King Crimson * Steven Wilson * Psychotic Waltz * Deadsoul Tribe * Anathema * Mahavishnu Orchestra * Weather Report * sehr alte Genesis * Orphaned Land * The Soft Machine * Gong * Caravan * Billy Cobham * Isis * Cult Of Luna Ein Interview mit OPETH lest ihr auf den Seiten 34/35 in diesem Heft.

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REVIEW 9.0 23.07.2014

(Album des Monats, RH 327, 2014)

BLUES PILLS - Blues Pills

Nuclear Blast/Warner (42:46) „Bei BLUES PILLS bin ich mir nicht sicher, ob die Musik mit hässlicher Sängerin noch genauso gut wäre“, schrieb mir vor ein paar Wochen ein hochgeschätzter Kollege (er heißt Jan Wigger), aber ein einziger Durchlauf des Debütalbums, das nun ENDLICH vorliegt, genügt, um alle Zweifel zu zerstreuen. Machen wir uns nichts vor: Es ist schwierig, bei dieser Band die sehr natürliche und gerade deswegen umwerfende Optik von Elin Larsson außen vor zu lassen - aber das Aussehen steht wohl selbst bei den größten Machos nie im Mittelpunkt. Was staunen lässt, ist das Selbstbewusstsein der jungen Schwedin, ihre eigene Art, die Errungenschaften der Großen aus Rock, Blues und Soul anzunehmen und daraus - schon jetzt - einen eigenen Ausdruck zu kreieren, der in den harten, kurz vor dem Überschlagen stehenden Momenten ähnlich beeindruckend anmutet wie in den ruhigen, nachdenklichen, vielleicht noch schwierigeren Passagen. Ob das wirklich einen Vergleich mit Janis Joplin zulässt, wie er oft zu lesen ist: geschenkt. Mich erinnert Elins Herangehensweise sowieso mehr an die der zu ihren Hochzeiten unglaublich guten Inga Rumpf, ihres Zeichens u.a. Frontfrau von Frumpy, deren vier Siebziger-Alben für Genrefans unverzichtbar sind. Aber „Blues Pills“ offeriert noch viel mehr als Larssons Gesang: Alleine der offene, geschmackvolle Gitarrensound des französischen Wunderknaben Dorian Sorriaux, der gerade sein Abi macht, ist das Geld wert, und dann haben wir noch nicht über die Songs gesprochen. Wenn man feststellt, dass das an neunter Stelle platzierte ´Gypsy´, ein Chubby-Checker-Cover, eher verzichtbar wirkt, ist das keine Kritik, sondern es zeigt, wie umwerfend der komplette Rest ist. Von den energetischen Stücken (und wir reden hier in der Tat von HARDrock!) stellt das bereits jedem bekannte ´Devil Man´ nicht mal den Fixpunkt dar, denn der Opener ´High Class Woman´ wird sich als noch langlebiger entpuppen, und ´Ain´t No Change´ (hört es LAUT!) hat die beste Hookline der bisherigen (zugegebenermaßen noch überschaubaren) Bandgeschichte. Die zurückhaltenderen Songs, die von alten Seelen in jungen Körpern künden, gehen dagegen sehr zu Herzen: ´River´, ´No Hope Left For Me´ oder ´Astralplane´ sind mehr als „nur“ gelungene, nun ja, Balladen, es sind Talentproben, nein: Meisterbriefe, die diese Band auch im Mainstream richtig, richtig erfolgreich machen könnten. „It´s better to burn out than to fade away“? Vielleicht. Noch größer wäre es allerdings, einer ganzen Szene dauerhaft Licht zu spenden. Eine Mammutaufgabe liegt vor euch, BLUES PILLS! DISKOGRAFIE Bliss (EP, 2012) Black Smoke (Single, 2012) Devil Man (EP, 2013) Live At Rockpalast (Live-EP, 2014) Blues Pills (2014) LINE-UP Elin Larsson (v.) Dorian Sorriaux (g.) Zack Anderson (b.) Cory Berry (dr.) DIE PATEN Ihr solltet „Blues Pills“ anchecken, wenn ihr auf folgende Bands steht: Frumpy * Graveyard * Horisont * Rival Sons * Zodiac * Scorpion Child * Kadavar * The Vintage Caravan * The Temperance Movement * Samsara Blues Experiment * The Tower * Janis Joplin * Led Zeppelin * Orchid * Witchcraft * Free * Bad Company

REVIEW 8.5 25.06.2014

(Album des Monats, RH 326, 2014)

MASTODON - Once More ´Round The Sun

Warner Die neue MASTODON trifft aus dem Stand mitten in die Zwölf. Noch kompakter, fokussierter und – darf man das bei so einer Band sagen? – hitverdächtiger als auf dem Vorgängerwerk „The Hunter“ schroten die Atlanta-Boys durch das Eröffnungsquartett ´Tread Lightly´, ´The Motherload´, ´High Road´ und ´Once More ´Round The Sun´ und zünden ein Ehrfurcht gebietendes Feuerwerk an anspruchsvollen gusseisernen Riffs, mörderisch treibenden Grooves und kauzig-coolen Melodien. Der Noise-Faktor wurde zugunsten von zugänglicheren Rock- und Metal-Elementen à la frühe Purple, Sabbath, Lizzy, Maiden (!), Alice In Chains und Monster Magnet noch weiter heruntergeschraubt, ohne dass man auch nur ansatzweise etwas von seiner Rüpeligkeit und Ungeschliffenheit herschenkt und in Classic-Rock-Rührseligkeit versumpft. MASTODON scheinen endgültig da angekommen zu sein, wo sie künstlerisch schon länger hinwollten, und schaffen es auch im weiteren Verlauf des Albums, bis auf einige wenige zu unauffällige Gesangsparts auf allerhöchstem Niveau durch ihren ganz eigenen, schön garstigen Teil der Gitarrenlärm-Galaxis zu donnern. Für Kracher wie das mit weiblichen Gangshouts (!) überraschende ´Aunt Lisa´, den grandiosen Ohrwurm ´Ember City´ oder das gigatonnenschwere Spacerock-Monster ´Diamond In The Witch House´ (mit den obligatorischen Gast-Vocals von Neurosis-Fronter Scott Kelly) würden andere Bands diverse Körperteile opfern – MASTODON können es sich leisten, diese Nummern weit hinten auf einem famosen Album zu platzieren, das locker gegen die bisherigen Karrierehighlights „Leviathan“, „Blood Mountain“ und „Crack The Skye“ anzustinken vermag. DISKOGRAFIE (nur Studioalben) Remission (2002) Leviathan (2004) Blood Mountain (2006) Crack The Skye (2009) The Hunter (2011) Once More ´Round The Sun (2014) LINE-UP Brent Hinds (g./v.) Bill Kelliher (g./v.) Troy Sanders (b./v.) Brann Dailor (dr./v.) DIE PATEN Ihr solltet „Once More ´Round The Sun“ anchecken, wenn ihr auf folgende Bands steht: Baroness * Neurosis * Monster Magnet * King Crimson * The Mars Volta * Tool * Voivod * Cult Of Luna * Orange Goblin * Extol * Black Sabbath * Deep Purple * Thin Lizzy * Queens Of The Stone Age * Clutch * Thrice * The End

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REVIEW 8.5 28.05.2014

(Album des Monats, RH 325, 2014)

RIVAL SONS - Great Western Valkyrie

Earache/Soulfood (47:46) Dritte Alben sind von jeher eine schwierige Sache. Nach starken Debütwerken und Zweitlingen, die oftmals noch in deren Fahrwasser schwimmen, heißt es spätestens beim dritten Longplayer für viele Bands „make it or break it“. Im Falle von RIVAL SONS ist die Antwort zum Glück eindeutig: Alle Zeiger stehen auf „make it“. Die vier Kalifornier, die den Großteil der Songs auch diesmal erst im Studio geschrieben haben, knüpfen mit „Great Western Valkyrie“ an den von ihren bisherigen Scheiben bereits hinlänglich bekannten Sound an. Will meinen: klassischer, erdiger Bluesrock, der durch warmen Gitarren-Röhrensound, organisch groovendes Drumming, sanfte Orgelklänge, gleichsam tiefenentspannten wie gefühlvollen Gesang (selbstredend mit authentischer Verzerre aufgenommen) und zahllose Reminiszenzen an die Siebziger im Allgemeinen und Led Zeppelin im Besonderen geprägt ist. Und obwohl auch dieses Mal die eine oder andere tiefe Verbeugung vor Jim Morrison und The Doors nicht fehlen darf, hat der Vierer um Fronter Jay Buchanan den leicht anstrengenden Psychedelic-Anteil, der weite Teile des Vorgängers „Head Down“ ausmacht, wieder ein wenig zurückgefahren. „Great Western Valkyrie“ wirkt dadurch deutlich entschlackter und ist eher mit dem Debüt als mit der 2012er Scheibe vergleichbar. Und da Ersteres nach wie vor zu den großartigsten Platten der Classic-Rock/Retro-Bewegung zählt, haben die Herren alles richtig gemacht. Geiler Scheiß! DISKOGRAFIE Before The Fire (nur digital, 2009) Pressure & Time (2011) Head Down (2012) Great Western Valkyrie (2014) LINE-UP Jay Buchanan (v.) Scott Holiday (g.) Dave Beste (b.) Michael Miley (dr.) DIE PATEN Ihr solltet „Great Western Valkyrie“ antesten, wenn ihr auf folgende Bands steht: Led Zeppelin * The Doors * Bad Company * The Who * Graveyard * The Rolling Stones * Free * The Black Crowes * Jimi Hendrix * Horisont * Cream Und das sagt Gitarrist Scott Holiday zu „Great Western Valkyrie“: »Wir freuen uns wahnsinnig, dass die Platte bald in den Läden steht. Wir haben bei den Aufnahmen unser Bestes gegeben und sind unendlich stolz auf das Ergebnis. „Great Western Valkyrie“ ist das erste Album mit unserem neuen Bassisten Dave, und der Input, der durch ihn dazugekommen ist, hat uns als Band gutgetan.« Ein ausführliches Interview mit Scott lest ihr im nächsten Rock Hard.

REVIEW 9.0 23.04.2014

(Album des Monats, RH 324, 2014)

TRIPTYKON - Melana Chasmata

ALBUM DES MONATS Century Media/Universal (67:23) Gibt es ein einziges Wort, mit dem „Melana Chasmata“, das zweite Album der Celtic-Frost-Nachfolger TRIPTYKON, zu beschreiben ist? Ja, vielleicht - aber es kann nur „Urkraft“ sein. Das Archaische, ohne Rücksicht auf Verluste alles Zermalmende, das schon der Opener ´Tree Of Suffocating Souls´ ausstrahlt, ist beinahe unerhört, man kennt das nur von ganz wenigen Bands, eben von TRIPTYKON selbst und den Vorläufern Celtic Frost und Hellhammer, von einigen sehr ernsten Black-Metal- und Underground-Doom-Kommandos und vielleicht von der ersten Carnivore-LP, obwohl sich der Hass in seiner Eindimensionalität da mehr nach außen richtete. Positiv ist auf „Melana Chasmata“ nur das vereinzelte Nachlassen des Schmerzes, eine Art Sammeln der Kräfte für die weitere Suche nach Erlösung. Aber zwischen Schwarz und Weiß existieren unendlich viele Grautöne, und diese neun neuen Monumente TRIPTYKONs changieren dementsprechend. Wütendes wie der Eröffnungssong und ´Altar Of Deceit´ findet seinen sinnigen Platz genauso wie Lavaströme (das Dreigestirn ´Demon Pact´/´In The Sleep Of Death´/´Black Snow´), eine weitere überragende Dark-Wave-Interpretation (´Aurorae´) oder das zum Teil rasend schnelle ´Breathing´ mit seinen ungewohnten, fast Slayer-mäßigen Soli. Letzten Endes ist es vollkommen egal, ob man den Sound TRIPTYKONs als Doom Metal, Black Metal oder Death Metal bezeichnet („Extrem-Metal“ trifft´s wohl am besten), denn diese Band spielt sowieso in ihrer eigenen Liga und muss keine Konkurrenz fürchten. Wenn der Vater spricht, haben die Kinder zu schweigen. DISKOGRAFIE Eparistera Daimones (2010) Shatter (EP, 2010) Eparistera Daimones - The Complete Sessions (Boxset, 2010) Breathing (Single, 2014) Melana Chasmata (2014) LINE-UP Tom Gabriel Warrior (v./g.) V. Santura (g.) Vanja Slajh (b.) Norman Lonhard (dr.) DIE PATEN Ihr werdet „Melana Chasmata“ vergöttern, wenn ihr auf folgende Bands steht: Celtic Frost * Necros Christos * Dark Fortress * The Ruins Of Beverast * Zemial * Bölzer * Urfaust * Hooded Menace * Morbus Chron * Degial * Grave Miasma * Sonne Adam * Teitanblood

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