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REVIEW 9.5 16.11.2011

(Album des Monats, RH 295, 2011)

THE DEVIL'S BLOOD - The Thousandfold Epicentre

Ván Records/Soulfood (73:59) Das neue Meisterwerk aus dem Hause THE DEVIL´S BLOOD kommt auf Anhieb bei allen, die mir gegenüber bisher ihre Meinung geäußert haben (und das waren nicht wenige), noch besser an als der erste Longplayer „The Time Of No Time Evermore“. Jenes Album enthält Jahrhundertkracher wie ´The Anti-Cosmic Magick´, ´Christ Or Cocaine´ oder ´House Of Ten Thousand Voices´, was bereits verdeutlicht, wie stark dann der Nachfolger sein muss. Und nachdem „The Thousandfold Epicentre“ in den meisten Büros unserer Redaktion seit Wochen heiß gelaufen ist, kann man ein Resümee ohne Fragezeichen ziehen: Das zweite vollständige Album der holländischen Ausnahme-Band ist nicht nur das Album des Monats, sondern des Jahres geworden. Es gibt hier so dermaßen viel zu entdecken, dass man sich eigentlich tagelang mit der Platte einschließen und sie über Kopfhörer hören müsste, um einen halbwegs „richtigen“ Eindruck zu haben. Und doch - darin liegt eine große Stärke der Band - sind diese höchst komplexen Songs so eingängig, dass sie keine lange Anlaufzeit benötigen, um süchtig zu machen. ´Cruel Lover´? Ein Hit. ´She´? Treibt alle weiblichen TDB-Fans, die ich kenne (plus Krugi), in den Wahnsinn. ´The Thousandfold Epicentre´? Der Himmel auf Erden (ist die Hölle der anderen). ´On The Wings Of Gloria´? Der neue Live-Oberhammer. ´Die The Death´? Welch grandiose Gitarrensounds, welch hypnotische Melodieführung. Rein stilistisch haben sich THE DEVIL´S BLOOD auf dieser Scheibe noch tiefer in den Classic-Rock-Bereich gewagt. Von „Metal“ im herkömmlichen Sinne oder gar von „Black Metal“ kann musikalisch nicht mehr die Rede sein, auch wenn die Band vom Gitarren-Feeling her tief in der NWOBHM verwurzelt ist und der Gesang oft die erhabene Ausstrahlung alter Rainbow besitzt. Gerade die drei Gitarren sind so unglaublich geil gespielt, dass man als Hardrocker oder Metaller nicht an THE DEVIL´S BLOOD vorbeikommt. Ich würde tatsächlich behaupten, dass Bandkopf Selim in seiner Generation momentan kein anderer Gitarrist in puncto Feeling das Wasser reichen kann - ausgenommen sein Sidekick Ron, der schon lange als bester Gitarrist Hollands gilt. Der dritte Mann im Bunde ist gerade mal 21, erst vor wenigen Wochen bei TDB eingestiegen und ebenfalls ein Supertalent. Wo bitte soll das noch hinführen? Natürlich polarisieren TDB auch weiterhin kräftig. Man kann sie nur lieben oder hassen. Wer sie teilnahmslos „ganz gut“ findet, hat nicht richtig hingehört oder aufgrund des extremen Images Berührungsängste. Diese Leute wissen nicht, was ihnen entgeht. Aber egal, das soll ja nicht unser Problem sein. „The Thousandfold Epicentre“ hat alles, was eine klassische Rockplatte haben kann: grandiose Songs, tolle Performance aller Musiker, viel Wärme und Feeling, eine geschmackvolle, aufwändige Old-School-Produktion und extrem viel Tiefgang. Dass das Album 74 Minuten dauert, merkt man trotz der ausufernden, trippigen Jam-Parts gegen Ende (´The Madness Of Serpents´ und ´Feverdance´; beide hätten auch auf dem tollen Minialbum „Come, Reap“ stehen können) kaum - und das ist als großes Kompliment zu verstehen. Der Kreis der eingeschworenen Fans wird sich mit dieser Scheibe erheblich erweitern - ob das den Ignoranten nun passt oder nicht. Diskografie The Graveyard Shuffle (Single, 2008) Come, Reap (Mini-CD, 2008) I´ll Be Your Ghost (Single, 2009) The Time Of No Time Evermore (2009) The Thousandfold Epicentre (2011) Die Paten All diese Bands haben Spuren im Sound von TDB hinterlassen - und umgekehrt: Coven * Black Widow * Rainbow * Roky Erickson * Hawkwind * Jefferson Airplane * Heart * Dio * Iron Maiden * Rush * Watain * While Heaven Wept * Queen * Uriah Heep * Black Sabbath * Jex Thoth * Blood Ceremony * Devil * Black Oath * Year Of The Goat Das sagt Bandkopf SL zum Album des Monats: »Es tut gut zu sehen, dass unsere Arbeit Beachtung findet und dass so viele unterschiedliche Leute - unabhängig von ihrer Position oder ihrem Intellekt - etwas aus ihr herausziehen können. Und es tut gut zu wissen, dass die besondere Aufgabe, die THE DEVIL´S BLOOD ausmacht, noch längst nicht erfüllt ist.«

REVIEW 8.5 19.10.2011

(Album des Monats, RH 294, 2011)

ICED EARTH - Dystopia

Century Media/EMI (45:11) Seien wir mal ehrlich: Die letzten beiden Alben der Florida-Metal-Institution waren alles andere als das Gelbe vom Ei, und auch deren Vorgänger „The Glorious Burden“ bot neben viel Licht auch einiges an Schatten. Insofern waren die Erwartungen an „Dystopia“ eher gering - zumal ja auch schon wieder ein neuer Sänger... Tja, so kann man sich täuschen! Jon Schaffer nimmt mit „Dystopia“ gekonnt sämtlichen Kritikern den Wind aus den Segeln und überrascht mit einem unerwartet starken Album. Der tolle titelgebende Opener wütet zeitweilig in fast schon ´Painkiller´-kompatibler Priest-Manier, ´Anthem´ macht seinem Namen alle Ehre und mutiert blitzschnell zum Widerhaken-bewehrten Langzeit-Ohrwurm, ´Anguish Of Youth´ und ´V´ sind hymnenhafte ICED EARTH-Klassiker in Reinkultur, mit dem Maiden-artig beginnenden ´Dark City´ ist eine sehr vielschichtige und beschwingte Nummer am Start, während sich ´Days Of Rage´ als eines der härtesten Bandstücke ever entpuppt. Auch der Rest überzeugt. Und Stu Block brilliert als extrem vielschichtiger Sänger, der in den mittleren Tonlagen absolut an Matt Barlow erinnert, gleichzeitig aber auch geile Screams in bester Halford/Owens-Manier beherrscht. Unterm Strich die stärkte ICED EARTH-Platte seit „Horror Show“. DISKOGRAFIE Iced Earth (1990) Night Of The Stormrider (1991) Burnt Offerings (1995) The Dark Saga (1996) Days Of Purgatory (Demos & Re-Recordings, 1997) Something Wicked This Way Comes (1998) The Melancholy EP (EP, 1999) Alive In Athens (Live, 1999) Horror Show (2001) Tribute To The Gods (Coveralbum, 2002) The Reckoning (EP, 2004) The Glorious Burden (2004) Framing Armageddon (2007) The Crucible Of Man (2008) Dystopia (2011) LINE-UP Stu Block (v.) Troy Seele (g.) Jon Schaffer (g.) Freddie Vidales (b.) Brent Smedley (dr.) DIE PATEN Wem die folgenden Bands gefallen, der könnte auch „Dystopia“ mögen: Jag Panzer, Blind Guardian, Demons & Wizards, Judas Priest, Wolf, Steel Prophet, Tad Morose, Eidolon, Charred Walls Of The Damned, Brainstorm, Iron Maiden, Metallica Und das sagt Gitarrist Jon Schaffer über seinen erstmals auf „Dystopia“ zu hörenden neuen Frontmann Stu Block: »Ich habe ganz sicher nicht nach einem Matt-Barlow-Klon gesucht, und das ist Stu auch nicht. Ich brauchte jemanden mit einer flexiblen Stimme, der die mittleren Tonlagen gut draufhat, weil diese bei ICED EARTH am meisten eingesetzt werden.«

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REVIEW 9.0 21.09.2011

(Album des Monats, RH 293, 2011)

THE ANSWER - Revival

Spinefarm/Universal (50:01) Knapp fünf Millionen Zuschauer besuchten die 168 Shows der AC/DC-„Black Ice“-Tour, bei der THE ANSWER als Opener fungierten. Auf der einen Seite beeindruckende Zahlen, aber es wäre auch keine große Überraschung gewesen, wenn man „Revival“ den gestiegenen Erfolgsdruck und die hohe Erwartungshaltung anhören würde. Aber nichts da! THE ANSWER schultern diese Aufgabe mit beeindruckender Unbeschwertheit, von Verkrampfung oder kalkuliertem Songwriting keine Spur. Im Gegenteil: Man glaubt, jeder Sekunde und jedem Takt dieser zwölf Songs anzuhören, wie viel Spaß die vier Iren auf diesem Trip hatten. Unglaublich locker und vollkommen schlüssig hält die Band das hohe Niveau ihrer ersten beiden Scheiben, überrascht mit fantastisch souligen Gastvocals von Saint-Jude-Frontfrau Lynne Jackaman bei ´Nowhere Freeway´ und glänzt mit warmem und natürlichem, aber dennoch druckvollem und zeitgemäßem Sound. Selbst wenn nur zehn Prozent der Besucher der AC/DC-Tour THE ANSWER eine Chance geben, könnte der Band verkaufsmäßig der erste richtig große Wurf ihrer Karriere gelingen. Die Qualität hierzu hat „Revival“ ohne Frage. DISKOGRAFIE Rise (2007) Everyday Demons (2009) Revival (2011) LINE-UP Cormac Neeson (v.) Paul Mahon (g.) Micky Waters (b.) James Heatley (dr.) DIE PATEN Wem die folgenden Bands gefallen, der könnte auch „Revival“ mögen: Led Zeppelin * Aerosmith * The Black Crowes * Free * The Who * Bad Company * Fleetwood Mac * Badlands * Rival Sons Und das sagt Bassist Micky Waters zu „Revival“: »Direkt nach der AC/DC-Tour haben wir angefangen, Songs zu schreiben, und waren insgesamt ein Jahr mit dem Album beschäftigt. Wir hatten an die 40 Songs, von denen wir letztendlich 19 aufgenommen haben. Der Bluesrock-Vibe ist in die Band zurückgekehrt, und das Album hat deutlich mehr Party-Feeling als unsere zweite Platte „Everyday Demons“.«

REVIEW 9.0 24.08.2011

(Album des Monats, RH 292, 2011)

ARCH/MATHEOS - Sympathetic Resonance

Metal Blade/Sony (54:47) „Mjam, mjam“, sagte Miraculix, der Nachbar von Fates-Warning-Gitarrist Jim Matheix, Quatsch: Matheos, „der Zaubertrank ist mir diesmal aber besonders gut gelungen, und der lustige Lockenkopf von nebenan haut, nachdem ich ihm ein Fläschen abgefüllt habe, neuerdings Riffs wie Hinkelsteine raus, da gucken sich die Leute um!“ In der Tat: Was Matheos für das erste unter dem ARCH/MATHEOS-Banner laufende Album komponiert hat, erinnert an Zeiten, in denen bei der Stammband noch gefrickelt wurde, die ersten paar Minuten des knapp viertelstündigen 'Stained Glass Sky' könnten mit einem etwas wärmeren, natürlicheren Gitarrensound (ja, ein Kritikpunkt!) glatt auf „No Exit“ (23 Jahre alt!) stehen, beim knapp elfminütigen 'Any Given Day (Strangers Like Me)' gerät der Unterton mit seinen Thrash-Annäherungen fast schon ein wenig ZU heavy. Muckis schlagen also Melodie? Nein, keineswegs. Alleine John Arch, Gottsänger der ersten drei Fates-Warning-Platten, errichtet mit seiner unverändert magischen, majestätischen, einzigartigen Stimme Kathedralen, 'Neurotically Wired' zeugt bereits als Opener davon, die Hammer-Hook von 'Midnight Serenade' ist fast so nahe an Fates Warning 'Another Perfect Day', wie 'Eye To Eye' damals an 'Through Different Eyes' war, und ganz hinten raus, kurz bevor „Sympathetic Resonance“ zu Ende ist, in den letzten Zügen des recht zurückhaltenden 'Incence And Myrrh', gibt’s noch mal einen ganz großen Moment, einen Moment, bei dem wirklich jeder, der noch nicht tot ist oder scheintot oder doof, die eigene Gänsehaut zelebrieren wird und verdientermaßen auch sich selbst, weil er so geil war, dieses Progressive-Metal-Superwerk, bestimmt das Genrehighlight des Jahres, auf das selbst Römer stehen, in den Einkaufswagen zu befördern.

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REVIEW 8.0 20.07.2011

(Album des Monats, RH 291, 2011)

COMMUNIC - The Bottom Deep

Nuclear Blast/Warner (55:14) Gut sechs Jahre nach dem Superdebüt „Conspiracy In Mind“ und drei Jahre nach dem letzten Album „Payment Of Existence“ empfiehlt sich das norwegische Trio COMMUNIC nicht nur als musikalisches Zusatzfutter, sondern endgültig als Ersatz der (mehr oder weniger) lebenden Chaostheorie Nevermore: Der ähnlich akzentuierte progressive Power Metal von Oddleif Stensland & Co. hat im Laufe der Jahre ebenfalls eine etwas ausgeprägtere Hookdichte spendiert bekommen, wirkt dabei aber niemals sonderlich konstruiert. Was der (halb)balladesk beginnende, im Refrain geradezu explodierende, recht weit vorne platzierte, nun ja, Hit ´Flood River Blood´ für den Rest der Platte verspricht, wird melodisch zwar nicht hundertprozentig eingelöst, an herausragenden Momenten mangelt es insgesamt aber nicht: ´Facing Tomorrow´, ´Denial´, ´Voyage Of Discovery´ (sagen wir mal so: für Fans von ´The River Dragon Has Come´) oder das partiell techno-thrashige ´Destroyer Of Bloodlines´ (interessanter Chorus!) kommen trotz ihres immer vorhandenen Anspruchs angenehm unaufgeregt zum Ziel, zudem muss man der Band ein weiteres dickes Kompliment machen: Gerade für diesen relativ technischen Stil der neunziger und nuller Jahre klingt das selbstproduzierte „The Bottom Deep“ sehr organisch, die Gitarren haben einen eigenen Ton, und die Drums muten tatsächlich nur wenig „verrückt“ an. DISKOGRAFIE Conspiracy In Mind (2005) Waves Of Visual Decay (2006) Payment Of Existence (2008) The Bottom Deep (2011) LINE-UP Oddleif Stensland (v./g.) Erik Mortensen (b.) Tor Atle Andersen (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, dürfte auch an COMMUNIC Gefallen finden - und umgekehrt: Nevermore * Sanctuary * Into Eternity * Scariot * Queensryche * Lethal * Tad Morose * Hexenhaus * King Diamond * Twelfth Gate * Spirit Web * Shatter Messiah Und das sagt Frontmann Oddleif Stensland zu „The Bottom Deep“: »Wir haben „The Bottom Deep“ in einem lokalen Studio hier in Kristiansand aufgenommen. Der Sound tönt in meinen Ohren ziemlich organisch und heavy. Es war uns wichtig, Raum für Dynamiken zu lassen und nicht allzu poliert zu klingen. Inhaltlich ist unsere neue Platte ein Konzeptalbum, das sich mit einer bestimmten Begebenheit auseinandersetzt. Mehr dazu später!«

REVIEW 9.0 15.06.2011

(Album des Monats, RH 290, 2011)

RIVAL SONS - Pressure & Time

Earache/Soulfood (30:50) Gerade eben bejubelt man im Retro- und Classic-Rock-Lager noch die herausragenden Releases von Year Of The Goat und Graveyard, da liegt schon das nächste Highlight im CD-Schacht. RIVAL SONS erfüllen alle hohen Erwartungen (bis auf die etwas knapp geratene Spielzeit) an ihr offizielles Full-length-Debüt und servieren einen erstklassigen Genre-Gourmethappen inklusive aller Feinschmecker-Ingredienzen wie glühende Röhrenklänge, erstklassige Fuzzgitarren, John-Bonham-Gedächtnis-Drums, weitere Led-Zeppelin-Reminiszenzen ohne Ende sowie einem herrlich warmen Analogsound im Allgemeinen. Wo Graveyard allerdings dynamisch und emotional gerne mal garstig an Trommelfell und Magenwänden kratzen, bewegen sich RIVAL SONS lieber in den groovigen und teils balladesken Gefilden des Soul (´Pressure And Time´, ´Only One´). Nicht nur hier erinnern die Amerikaner mehr als einmal an die sträflich unterbewerteten und von der Classic-Rock-Gemeinde zu Unrecht ignorierten Jaded Sun aus Irland. Großartig! DISKOGRAFIE Before The Fire (nur digital, 2009) Rival Sons (EP, nur digital, 2011) Pressure & Time (2011) LINE-UP Jay Buchanan (v.) Scott Holiday (g.) Robin Everhart (b.) Mike Miley (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands und Musiker mag, sollte auch RIVAL SONS kennen: Led Zeppelin, Free, The Black Crowes, Jaded Sun, The Who, The Rolling Stones, Bad Company, The Beatles, Aretha Franklin, The Temptations, Four Tops, Smokey Robinson, Marvin Gaye, Bootsy Collins, Wilson Pickett, Ray Charles, James Brown (nun ja... - Red.) Und das sagt Gitarrist Scott Holiday zu „Pressure & Time“: »Wir haben das Album mehr oder weniger live im Studio geschrieben. Wir fühlten einen ziemlichen Druck und hatten wenig Zeit. Mir stand eine Handvoll Riffs zur Verfügung, die ich den anderen noch gar nicht präsentiert hatte. Und dann ging´s ganz schnell. Ich habe einfach irgendwas in den Raum geworfen, und die anderen griffen es sofort auf. Wenn etwas dabei war, das die anderen nicht mochten, haben wir einfach sofort mit anderen Dingen weitergemacht.«

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REVIEW 8.0 18.05.2011

(Album des Monats, RH 289, 2011)

JOURNEY - Eclipse

Frontiers/Soulfood (66:53) Nach seinem gelungenen Einstand bei der amerikanischen AOR-Legende JOURNEY schwimmt sich Sänger Arnel Pineda auf „Eclipse“ endgültig frei und drückt dem Dutzend potenzieller Hits seinen ganz eigenen Stempel auf. Anno 2011 klingen die Könige des Weichspül-Sounds einmal mehr wie aus einem Guss und machen schon nach den ersten Takten des Openers und vorab veröffentlichten ´City Of Hope´ klar, warum ihnen immer und immer wieder das Kunststück gelingt, die nahezu komplette Rock-Hard-Redaktion zu begeistern: Kaum jemand schreibt bessere Melodic-Rocker als Mastermind Neil Schon, und kaum jemand hat ein dermaßen traumwandlerisch sicheres Gespür für Hymnen, die den Hörer stilecht in die Hochzeiten des Achtziger-Radio-Rock zurückkatapultieren. „Eclipse“, das mittlerweile 15. Studioalbum der Bandkarriere, macht da keine Ausnahme, umschifft gekonnt etwaige Klischeeklippen und wartet mit einigen wirklich großen Momenten auf. Und weil Mr. Pineda sich nicht nur bei Smashern wie ´Edge Of The Moment´, ´Resonate´ oder ´Human Feel´ sprichwörtlich den Arsch absingt, sondern auch bei den getrageneren Nummern zu glänzen vermag, wird die musikalische Ausnahmestellung JOURNEYs einmal mehr zementiert. DISKOGRAFIE Journey (1975) Look Into The Future (1976) Next (1977) Infinity (1978) Evolution (1979) In The Beginning (Compilation, 1980) Departure (1980) Dream After Dream (Soundtrack, 1980) Captured - Live (1981) Escape (1981) Frontiers (1983) Raised On Radio (1986) Greatest Hits (1988) Wheel In The Sky - Best (1991) Time 3 (Boxset, 1992) Trial By Fire (1996) Greatest Hits - Live (1998) Arrival (2001) Essential Journey (Compilation, 2001) Red 13 (EP, 2002) Generations (2005) Revelation (2008) Eclipse (2011) LINE-UP Arnel Pineda (v.) Neal Schon (g./v.) Jonathan Cain (keys/v.) Ross Valory (b./v.) Deen Castronovo (dr./v.) DIE PATEN Wer Journey mag, sollte auch folgende Bands kennen: Boston * Foreigner * Night Ranger * Loverboy * REO Speedwagon * Axe * Streets * Bad English * Hardline * Survivor * Giant * Ten * Dare * Damn Yankees * Styx * Marcus * Babys * Seventh Key * Steelhouse Lane * Zeno Und das sagt Bandkopf Neal Schon zu „Eclipse“: »Die zwölf Songs von „Eclipse“ entstanden in den vergangenen 18 Monaten und wurden von mir zusammen mit Jonathan Cain und Arnel Pineda ausgearbeitet. Ich hatte eine genaue Vorstellung davon, wie die Platte klingen sollte, und habe sie glücklicherweise in die Tat umsetzen können. „Eclipse“ ist ein lupenreines Rockalbum, das für die unterschiedlichen Länder konzipiert wurde, in denen wir im Verlaufe unserer anstehenden zweijährigen Tour auftreten werden. Seit Arnel in der Band ist, sind wir eine deutlich internationaler ausgerichtete Band geworden, und ich freue mich schon darauf, unsere Klassiker zusammen mit dem neuen Material live zu spielen.«

REVIEW 9.0 20.04.2011

(Album des Monats, RH 288, 2011)

WOLF - Legions Of Bastards

Century Media/EMI (52:40) Gäbe es eine Band wie WOLF noch nicht, man müsste sie glatt erfinden. Man hört zu jeder Sekunde, mit wie viel Freude die Schweden bei der Sache sind und wie viel Arbeit sie in diese Platte gesteckt haben. Das ist rassiger Heavy Metal, der jederzeit Respekt vor den Idolen zeigt, aber auch genügend eigene Wege geht. True bis zum Abwinken, aber ohne Scheu vor frischen Ideen. Und mit einem reinrassigen Metalsound ausgestattet, der sich aber auch dem aktuellen Stand der Studiotechnik nicht verschließt. Eine Liebeserklärung an Priest, Maiden, Mercyful Fate - oder Sabbath zu ihrer Dio-Phase (´Road To Hell´). Gleichzeitig aber auch ein Manifest der eigenen Stärken. Ein stimmiges Gesamtpaket, bei dem man stets das Gefühl hat, jede Songidee hat genügend Zeit bekommen, um zu reifen und sich zu entwickeln. Neu sind dabei höchstens ein ganz dezenter Rock´n´Roll-Touch, der hier und da auftaucht, und etwas mehr Schmutz in Niklas Stålvinds Stimme. Oder einfach zusammengefasst: ein verdammt geiles Stück Heavy Metal. DISKOGRAFIE Wolf (2000) Black Wings (2002) Evil Star (2004) The Black Flame (2006) Ravenous (2009) Legions Of Bastards (2011) LINE-UP Niklas Stålvind (v., g.) Johannes Axeman (g.) Anders Modd (b.) Richard Holmgren (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, dürfte auch an WOLF seine Freude haben: Iron Maiden * Judas Priest * Saxon * Mercyful Fate * Accept * Metal Church * Malice * Mystic Prophecy * Omen * Riot * Vicious Rumors * Steel Prophet * Helstar * Cloven Hoof * Cauldron * White Wizzard Und das sagt Sänger/Gitarrist Niklas Stålvind zu „Legions Of Bastards“: »Es gab keinen Masterplan für "Legions Of Bastards". Wir wollten schlichtweg eine Scheibe machen, die es mit ihren Vorgängerwerken aufnehmen kann. Wir haben in einer Tour Songs komponiert und viele Ideen, die uns ans Herz gewachsen waren, wieder fallen gelassen - so lange, bis wir alle zu einhundert Prozent zufrieden waren. Diese Album kommt von Herzen, tief aus unseren Eingeweiden; wir mussten manchmal unsere Gehirne abschalten und unseren Inspirationen folgen - wohin auch immer sie uns führen wollten. Natürlich haben wir diese Platte auch für unsere Fans geschrieben, aber in erster Linie für uns selbst. Wir wollten keine Kompromisse eingehen, sondern eine Scheibe aufnehmen, die wir auch selbst gerne hören. Wenn "Legions Of Bastards" auch anderen Leuten gefällt, macht uns das natürlich mehr als nur glücklich!«

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REVIEW 8.0 16.03.2011

(Album des Monats, RH 287, 2011)

VICIOUS RUMORS - Razorback Killers

Steamhammer/SPV (51:10) Wahnsinn: fünf Alben, fünf Sänger. Nach dem vokalen Selbstversuch auf „Something Burning“ begaben sich Brian O´Connor auf „Cyberchrist“, Morgan Thorn auf „Sadistic Symphony“, James Rivera auf „Warball“ und nun der in der Tat hervorragende Malice/Last-Empire-Frontmann Brian Allen unter Mainman Geoff Thorpes Fittiche. Die ersten drei Versuche scheiterten im Vergleich zum Debüt und den vier Carl-Albert-Klassikern grandios, die 2006er CD „Warball“ war allerdings ein überraschend starkes Comeback mit jeder Menge power-metallischer Roots-Besinnung, das - Kompliment! - druckvoll und crunchy produzierte „Razorback Killers“ knüpft erfreulicherweise genau da an. Wie schon früher sind die Amerikaner immer dann am besten, wenn sie sich in lupenreine Speed-Metal-Gefilde begeben und mit purer Präzision die einzelnen Bestandteile zu einer wuchtigen, würdigen Sound-Wand auftürmen (´Murderball´, ´Axe To Grind´, das famose ´Razorback Blade´). Vor allem diverse Downtempo-Bremsereien wie das an „Welcome To The Ball“-Zeiten erinnernde, aber leider ziemlich egale ´All I Want Is You´ oder die allzu anbiedernde, bierschissige Stampf-Hymne ´Let The Garden Burn´ (HOA und so...) ziehen das Gesamte etwas runter; alles in allem sind VICIOUS RUMORS aber wieder eine kleine gefestigte Größe, der man gerne zuhört und die man nicht nur so mitschleppt, weil sie es vor Äonen mal konnte. LINE-UP Brian Allen (v.) Geoff Thorpe (g.) Kiyoshi Morgan (g.) Stephen Goodwin (b.) Larry Howe (dr.) DISKOGRAFIE Soldiers Of The Night (1986) Digital Dictator (1988) Vicious Rumors (1990) Welcome To The Ball (1991) Plug In And Hang On - Live In Tokyo (Live, 1992) The Voice (EP, 1994) Word Of Mouth (1994) A Tribute To Carl Albert (Live, 1995) Something Burning (1996) Cyberchrist (1998) Sadistic Symphony (2001) Warball (2006) Razorback Killers (2011) DIE PATEN Wer VICIOUS RUMORS mag, hört auch: Metal Church * Malice * Helstar * Imagika * Ruffians * Jag Panzer * Riot * Savatage * Attacker * Iced Earth * Brainstorm * Hades * Sanctuary * Leatherwolf * Warrior Und das sagt Gitarrist Geoff Thorpe zu „Razorback Killers“: »Je älter wir werden, desto gemeiner klingen wir. Wir verlangsamen nicht etwa unser Tempo, sondern legen an Dynamik noch zu. Die Fans werden kein einziges VICIOUS RUMORS-Konzert erleben, bei dem wir nicht bis an unsere Grenzen und darüber hinaus gehen. Metal ist nun mal in unserem Blut. Außerdem haben wir momentan eine grandiose Besetzung. Mit Brian Allen konnten wir zum Beispiel den besten vorstellbaren Sänger integrieren. Wir bemerkten sofort das raue, unverfälschte Talent, das er hat. Wie ein Schneeball entwickelte sich aus einem kleinen Anfang sehr schnell etwas Großes, und auf unserer fünfwöchigen Europa-Tournee bekam Brian auf Anhieb nur positive Reaktionen.«

REVIEW 9.0 16.02.2011

(Album des Monats, RH 286, 2011)

FLOTSAM AND JETSAM - The Cold

Nuclear Blast/Warner (52:09) Das bereits 2010 in Amerika veröffentlichte neue FLOTSAM AND JETSAM-Album wurde im holländischen „Aardschok“ zur Platte des Jahres gekürt - und unsere holländischen Kollegen sind wahrlich nicht die schlechteste Referenz. „The Cold“ ist in der Tat eine riesengroße Überraschung und für mich - ich nehm´s vorweg - der beste FLOTSAM-Longplayer seit den ersten beiden Glanztaten „Doomsday For The Deceiver“ und „No Place For Disgrace“. Statt ein weiteres halbherzig klingendes Speed/Thrash-Album aufzunehmen, das der übermächtigen Konkurrenz sowieso nicht standhalten kann, haben sich die Herren aus Arizona für eine weitaus bessere Variante entschieden: „The Cold“ bietet lupenreinen, melodischen Heavy Metal mit überragendem Gesang und anspruchsvollem, im besten Sinne unkalkuliert wirkendem Songwriting. Man hört einfach, dass es der Band ein echtes Bedürfnis war, diese Scheibe aufzunehmen - egal ob damit ein „Comeback“ gelingt oder nicht. Und gerade diese Ehrlichkeit, die im tollen Opener ´Hypocrite´ wohl auch thematisiert wird, macht die ganz große Klasse der Band im Jahre 2011 aus. „The Cold“ erinnert mich an die frühen US-Power-Metal-Klassiker von Savatage, Overkill, Metal Church oder Jag Panzer, die vom Härtegrad und von der Authentizität her (schon wieder dieses Wort - aber es passt nun mal) vergleichbar waren. Die Highlights eines durchgängig erstklassigen Albums hat Buffo in seiner FLOTSAM-Story auf den Seiten 58 und 59 bereits aufgezählt (der lange Titelsong, die Halbballade ´Better Off Dead´ und der interessant arrangierte Ohrwurm ´Blackened Eyes Staring´) - aber eigentlich darf man „The Cold“ nicht auseinanderpflücken. Das Ding begeistert am Stück und hat die Vorschusslorbeeren aus Holland völlig zu Recht kassiert. Klasse gemacht, Jungs! Line-up (auf dem Album) Eric A.K. Knutson - vocals Mark Simpson - guitar Ed Carlson (jetzt Michael Gilbert) - guitar Jason Ward - bass Craig Nielsen - drums Diskografie Doomsday For The Deceiver (1986) No Place For Disgrace (1988) When The Storm Comes Down (1990) Cuatro (1992) Drift (1995) High (1997) Unnatural Selection (1999) My God (2001) Dreams Of Death (2005) Live In Phoenix (Live, 2005) The Cold (2010) Die Paten Wer FLOTSAM AND JETSAM mag, hört auch: Metallica * Metal Church * Megadeth * Savatage * Iron Maiden * Overkill * Jag Panzer * Sanctuary * Testament * Heathen Und das sagt die Band: »Dass uns ein so renommiertes Magazin wie Rock Hard zum Album des Monats wählt, übertrifft unsere kühnsten Erwartungen. Hier drüben in den USA gilt die deutsche Metal-Szene als die anspruchsvollste und ehrlichste des Planeten - aus gutem Grund. Es war immer eines unserer großen Ziele, den Soundcheck im Rock Hard zu gewinnen. Dass wir das jetzt endlich geschafft haben, macht uns unendlich stolz. Wir werden alles dafür tun, auch in Zukunft Qualität abzuliefern, und unseren Teil dazu beitragen, dass die weltweite Metal-Szene stark bleibt. Flots ´til death!!!« (Craig Nielsen)

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