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REVIEW 9.0 26.06.2013

(Album des Monats, RH 314, 2013)

AMON AMARTH - Deceiver Of The Gods

Metal Blade/Sony (47:53) In stürmischen Zeiten voller Gefahren und Ungemach sind es die Konstanten, die unverrückbaren Felsen in der Brandung, die Menschen Halt geben. AMON AMARTH standen nie im Verdacht, große Experimente zu wagen, weshalb die Fanschar gelassen dem neunten Studioalbum entgegenfiebern durfte. Nach der dicken Wohlfühlproduktion auf „Sutur Rising“ von Jens Bogren, die für meinen Geschmack besser zu Opeth und Katatonia als zu Kreator oder eben AMON AMARTH passt, hat man zwei Schritte zurückgetan und in England gemeinsam mit Andy Sneap produziert. Das klingt deutlich frischer, metallischer und rauer und passt insofern vortrefflich zu den neuen Stücken. Diese stampfen natürlich unbeirrt im Midtempo, zeigen aber gern auch mal klare Kante. Der Refrain des Titelstücks, das mit phänomenalem Chorus versehene ´Blood Eagle´ oder das epische ´Warriors Of The North´ sind so markant, dass einen die Melodien permanent verfolgen. Songwriting-Mastermind Olavi Mikkonen hat auf jedem Album einige Killer untergebracht, aber man muss schon weit in der Geschichte der Band zurückgehen, um eine solche Häufung an wirklich großen Songs auf einem einzigen Album anzutreffen. DISKOGRAFIE The Arrival Of The Fimbul Winter (Demo, 1994) Sorrow Throughout The Nine Worlds (EP, 1995) Once Sent From The Golden Hall (1998) The Avenger (1999) The Crusher (2001) Versus The World (2002) Fate Of Norns (2004) With Oden On Our Side (2006) Twilight Of The Thunder God (2008) Hymns To The Rising Sun (Best Of, 2010) Surtur Rising (2011) Deceiver Of The Gods (2013) LINE-UP Johan Hegg (v.) Olavi Mikkonen (g.) Johan Söderberg (g.) Ted Lundström (b.) Fredrik Andersson (dr.) Wem AMON AMARTH zusagen, wird auch von folgenden Acts begeistert sein: Unleashed, Hypocrisy, Skyforger, Bathory, Manowar, Motörhead, Evocation, God Dethroned, Bal-Sagoth, Allegiance, Mitothyn, Enslaved, Moonsorrow

REVIEW 8.5 22.05.2013

(Album des Monats, RH 313, 2013)

AIRBOURNE - Black Dog Barking

Roadrunner/Warner (34:57) Gäbe es eine Liste mit Bands, deren aktuelles Album in diesem Jahr voller Spannung erwartet wird, würden AIRBOURNE mit Sicherheit auf einem der vordersten Plätze landen. Nur zwei Longplayer haben gereicht, um die O´Keeffe-Brüder und ihre beiden Sidekicks zu Hoffnungsträgern einer ganzen Szene avancieren zu lassen, die irgendwann vielleicht sogar mal das übergroße Erbe ihrer Landsleute von AC/DC antreten können. Viel Last für schmale Schultern, was die Band aber anscheinend nicht die Bohne interessiert respektive gehemmt hat, denn schon der mitreißende Vollgas-Rock´n´Roll des Openers ´Ready To Rock´ zerstreut etwaige Bedenken. Der Vierer steht immer noch unter Strom, hat seinen rotzig-authentischen Stil beibehalten und geht in Sachen Arrangements sorgfältiger als früher zu Werke. Kaum jemand schreibt momentan ähnlich stadiontaugliche Refrains wie die in ´Animalize Me´ (Def Leppard auf die brutale Tour, anyone?), dem Midtempo-Groover ´Back In The Game´ oder dem bereits von unserer letzten „Lauschangriff“-CD bekannten ´Live It Up´, ohne dabei die Grenze zum Kitsch zu überschreiten oder unverschämt die alten Helden zu kopieren. Wer jetzt immer noch auf den AC/DC-Vergleichen herumreitet, hat nicht kapiert, dass zum einen Angus Young & Co. fest in der DNA eines jeden Australiers verankert sind und sich AIRBOURNE zum anderen mittlerweile auf einem Niveau bewegen, das die Vorbilder kaum mehr erreichen. Die Wachablösung steht unmittelbar bevor - freuen wir uns darüber. DISKOGRAFIE Ready To Rock (EP, 2004) Runnin´ Wild (2007) No Guts. No Glory (2010) Black Dog Barking (2013) LINE-UP Joel O´Keeffe (v./g.) David Roads (g.) Justin Street (b.) Ryan O´Keeffe (dr.) DIE PATEN Wer auf AIRBOURNE steht, hört auch folgende Bands: AC/DC, ROSE TATTOO, THE POOR, THE ANGELS, NEW AMERICAN SHAME, RHINO BUCKET, KROKUS, JOHNNY CRASH, BROKEN TEETH, BONAFIDE

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REVIEW 8.5 24.04.2013

(Album des Monats, RH 312, 2013)

ORCHID - The Mouths Of Madness

Nuclear Blast/Warner (56:05) Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Longplay-Debüts werden ORCHID als DIE Hoffnung des Doom Metal, als legitime Thronfolger von Black Sabbath gehandelt. Niemand rifft sich so entspannt wie der San-Francisco-Vierer durch musikalisch Hochklassiges, kaum ein Sänger erinnert so an den jungen Ozzy wie ORCHID-Fronter Theo Mindell, und seit Trouble hat es keine Doom-Band mehr gegeben, die mit so viel Lob überschüttet wurde. Da avanciert „The Mouths Of Madness“ zwangsläufig zur Nagelprobe, die die Band aber erstaunlich souverän meistert, weil sie gar nicht erst versucht, das Erfolgsrezept des Debüts zu kopieren, sondern stattdessen das Songwriting deutlich komplexer und detailverliebter gestaltet hat. „Weniger Sabbath, mehr Experimente“ lautet die Devise, und auch wenn Fans der ersten Stunde damit durchaus ihre Probleme haben könnten, kann man ORCHID am Ende des Tages attestieren, verdammt viel richtig gemacht zu haben. Ein Song wie ´Marching Dogs Of War´ bekommt durch einen clever platzierten Mundharmonika-Einsatz echtes The-Doors-Feeling à la ´Roadhouse Blues´ spendiert, das episch erhabene ´Loving Hand Of God´ ist schlicht fantastisch, und mit dem intensiven ´Mountains Of Steel´, das im Mittelteil zum Bar-Blues mutiert, bewegt man sich auf den Spuren der New-Orleans-Institution Down. Und weil so etwas in Verbindung mit straighten Tracks wie dem bereits bekannten ´Wizard Of War´ oder dem hypnotischen ´Nomad´ bestens funktioniert, kontert „The Mouths Of Madness“ eindrucksvoll jeden etwaigen Sell-out-Vorwurf. DISKOGRAFIE Through The Devil´s Doorway (EP, 2009) Capricorn (2011) Heretic (EP, 2012) Wizard Of War (EP, 2013) The Mouths Of Madness (2013) LINE-UP Carter Kennedy (d.) Mark Thomas Baker (g.) Theo Mindell (v.) Keith Nickel (b.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, sollte sich ORCHID auf keinen Fall entgehen lassen: Black Sabbath * Trouble * Pentagram * Down * Led Zeppelin * Count Raven * Witchcraft * Saint Vitus * Graveyard * Sahg * The Doors * Captain Beyond * Blue Öyster Cult

REVIEW 8.0 27.03.2013

(Album des Monats, RH 311, 2013)

KVELERTAK - Meir

Roadrunner/Warner (49:10) Ist es schon Hype, wenn eine Band in den Medien mehr Aufmerksamkeit bekommt, als es die Verkaufszahlen ihrer Platte(n) eigentlich rechtfertigen? Nicht unbedingt, denn zumindest die Norweger KVELERTAK haben in erster Linie mit ihren unglaublich energetischen, komplett verrückten Liveshows (u.a. auf dem Rock Hard Festival) bewiesen, dass sie das Zeug dazu haben, sich langfristig als treibende - vor allem: künstlerische - Kraft zu etablieren, und die begeisterte Fanschar wird in der Tat von Tag zu Tag größer. Dass die Band auf ihrem sehnsüchtig erwarteten zweiten Album die Erfolgsformel ihres Debüts zum Maßstab nimmt (stilistisch greift nach wie vor die fast schon zum Klischee verkommene Formel „Turbonegro meets Black Metal“ äußerst gut, produziert hat einmal mehr Converge-Kopf Kurt Ballou), sich also nicht neu erfindet, sollte man ihr nicht zum Vorwurf machen, denn noch ist sie zweifellos in der „Hallo, hier sind wir!“-Phase ihrer Karriere. Mit den ersten drei Stücken ´Åpenbaring´, ´Spring Fra Livet´ und ´Trepan´ kommt die Platte etwas schwer in Schwung; die Single ´Bruane Brenn´ („Brennende Brücken“), die Signature-Hymne ´Kvelertak´ („Würgegriff“), das von obergeilen Klampfenmelodien lebende ´Nekrokosmos´ („Nekrokosmos“) oder das rasante ´Snilepisk´ (ein Kosewort für Albrechts bestes Stück, also „Fritteuse“) schaffen es dagegen von null auf hundert in unter fünf Sekunden und werden problemlos jeden Pit ins Chaos stürzen. Womit die Metal-Punker ihre Pflicht einmal mehr erfüllt hätten. DISKOGRAFIE Kvelertak (2010) Meir (2013) LINE-UP Erland Hjelvik (v.) Vidar Landa (g.) Bjarte Lund Rolland (g.) Maciek Ofstad (g.) Marvin Nygaard (b.) Kjetil Gjermundrød (dr.) DIE PATEN KVELERTAK klingen in der Tat ziemlich eigenständig, aber wer „Meir“ mag, sollte auch folgenden Bands eine Chance geben: Turbonegro * Blodig Alvor * Man The Machetes * Converge * Darkthrone * The Good The Bad And The Zugly * Black Breath * Torche * Baroness * Gluecifer * Kylesa * Nachtmystium * Wolves Like Us * Mayhem * Poison Idea * Okkultokrati

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REVIEW 9.0 27.02.2013

(Album des Monats, RH 310, 2013)

BUCKCHERRY - Confessions

EMI (52:19) Wer hätte das gedacht? 18 Jahre nach ihrer Bandgründung liefern BUCKCHERRY tatsächlich noch mal eine absolut großartige Glanztat ab, die es qualitativ mit dem grandiosen, selbstbetitelten Debüt von 1999 aufnehmen kann. Egal, ob Powerrocker wie z.B. (das auch auf unserer diesmonatigen Beilage-CD enthaltene) ´Gluttony´ oder ´Lost´, Dampfgroover wie z.B. ´Wrath´ oder ´Nothing Left But Tears´ und glaubwürdige Balladen wie z.B. ´Sloth´ oder ´Dreamin´ Of You´ - das Quintett aus Los Angeles fährt alles auf, was man an den wirklich Großen des US-Rock schätzt. Kennt man doch alles schon von den letzten, beileibe nicht schlechten Scheiben? Stimmt, allerdings nicht in dieser nahezu perfekten Qualität. Denn ein perfektes Album unterscheidet sich von einem sehr guten letztendlich dann, wenn die Songs glaubhaft vermitteln, dass die Musiker sie mit Herzblut und Leidenschaft und nicht nur mit Hilfe von Talent und Professionalität umgesetzt haben. Und dass BUCKCHERRY dies auf „Confessions“ gelungen ist, dürfte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass sich Sänger Josh Todd dazu entschlossen hat, dem sechsten Studioalbum ein Konzept in Form der eigenen Lebensgeschichte zu geben, die er mit den sieben Todsünden assoziiert. Hinzu kommt, dass man auch produktionstechnisch alles richtig gemacht hat. Ein moderner, druckvoller Breitwandsound, gepaart mit einer geschmackvollen Natürlichkeit der Gitarren, die im Mix auf den Punkt genau so platziert wurden, dass die ganze Chose wirklich rockt und nicht nur vorgibt, es zu tun. Absolut erstklassig! DISKOGRAFIE Buckcherry (1999) Time Bomb (2001) 15 (2006) Black Butterfly (2008) Live & Loud 2009 (Live Album, 2009) All Night Long (2010) Confessions (2013) LINE-UP Josh Todd (v.) Keith Nelson (g.) Stevie D. (g.) Jimmy Ashhurst (b.) Xavier Muriel (dr.) DIE PATEN Wer folgende Acts zu seinen Favoriten zählt, der sollte sich BUCKCHERRY auf keinen Fall entgehen lassen: Aerosmith, Guns N´Roses, AC/DC, New American Shame, Dangerous Toys, Hardcore Superstar, Cheap Trick, Kiss, Def Leppard, Mötley Crüe, Skid Row, Bang Tango, Beautiful Creatures, The Last Vegas, Backyard Babies, The Black Crowes, The Georgia Satellites, Tesla, Great White Und das sagt BUCKCHERRY-Gitarrist und -Hauptsongwriter Keith Nelson zu "Confessions": »Wow, wir sind tatsächlich Album des Monats im aktuellen Rock Hard? Das ist eine perfekte Belohnung für die harte Arbeit, die wir in unsere sechste Studioscheibe investiert haben. "Confessions" ist ein Konzeptalbum, aber wir hatten den Anspruch, dass die Platte nicht nur als Ganzes, sondern jeder Song auch für sich alleine funktionieren muss. Anscheinend ist uns das gelungen. Vielen Dank! Und ich hoffe, wir sehen uns bei den Shows, die wir gerade für Europa planen!«

REVIEW 8.0 30.01.2013

(Album des Monats, RH 309, 2013)

AUDREY HORNE - Youngblood

Napalm/Universal (42:57) In Anlehnung an Kiss´ „Rock And Roll Over“ geben AUDREY HORNE schon mit dem Cover zu „Youngblood“ einen ersten Hinweis auf die grobe musikalische Marschrichtung auf Album Nummer vier: noch mehr Hardrock und Classic Rock und weniger Alternative als auf dem selbstbetitelten Vorgänger. Neben Kiss sind es zudem späte Rainbow und die Deep Purple der Achtziger, die (u.a. bei ´There Goes A Lady´ und ´The Open Sea´) im aktuellen Sound der Norweger die deutlichsten Spuren hinterlassen haben. Neben dem Hang zum flotten Drive und der wieder mal erstklassigen Gitarrenarbeit von Arve und Thomas bilden vor allen Dingen einige fantastische, supereingängige, aber niemals anbiedernde Melodien von Refrains wie ´Redemption Blues´ oder ´Youngblood´ genau jene Momente, in denen AUDREY HORNE zu den aufregendsten Rock´n´Roll-Bands der aktuellen Szene zählen und jene sehr souveräne Figur abgeben, die ihnen Götz in seinem Studioreport zu „Youngblood“ in unserer letzten Ausgabe attestierte. Allerdings schafft es das Quartett nicht, dieses hohe Level über das gesamte Album zu halten, und so hat sich gerade im Mittelteil und am Ende der Scheibe (´Show And Tell´ und ´Cards With The Devil´) doch der eine oder andere kreative Schatten ausgebreitet. Und in genau jenen Momenten offenbart die Band auch ihre einzige leichte Schwäche. Toschi ist sicherlich kein schlechter Sänger, aber eben auch kein Ausnahmekönner, wie sie nahezu alle großen Vorbilder der Band in ihren Reihen haben und hatten, die mit einer großen emotionalen und stimmlichen Bandbreite sowie kreativen Gesangsmelodien eben auch mal die eine oder andere Schwäche im Songwriting kaschieren können. Unterm Strich ist „Youngblood“ dennoch ein geiles Album, das vor allen Dingen die Fans begeistern wird, die ´Blaze Of Ashes´ von der letzten Platte zu ihren Lieblingstracks zählen. DISKOGRAFIE No Hay Banda (2005) Le Fol (2007) Audrey Horne (2010) Youngblood (2013) LINE-UP Torkjell „Toschie“ Rød (v.) Arve „Ice Dale“ Isdal (g.) Thomas Tofthagen (g.) Espen Lien (b.) Kjetil Greve (dr.) DIE PATEN An AUDREY HORNE und „Youngblood“ werden mit Sicherheit alle Gefallen finden, die bereits mit folgenden Acts reichlich Spaß haben: Rainbow, Deep Purple, Kiss, Ozzy Osbourne, Thin Lizzy, Sahg, Aerosmith, Van Halen, Dio, Whitesnake, UFO, Nazareth, Alcatrazz, Gillan, Wishbone Ash, Yngwie J. Malmsteen´s Rising Force, Tygers Of Pan Tang

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REVIEW 8.5 19.12.2012

(Album des Monats, RH 308, 2012)

ATTIC - The Invocation

Ván Records/Soulfood (48:06) ATTIC aus dem Ruhrpott sind die stärkste deutsche Heavy-Metal-Band seit Metal Inquisitor und genießen seit ihrer Anfang des Jahres in Eigenregie veröffentlichten Debüt-EP (die vorher schon als Demo - auch bei uns - abgefeiert worden war) im weltweiten Underground einen aúsgezeichneten Ruf. Besonders Mercyful-Fate- und King-Diamond-Fans, sprich 90 Prozent aller geschmackssicheren Headbanger, haben die Gelsenkirchener auf Anhieb in ihre schwarzen Herzen geschlossen, was nicht nur an der herausragenden Stimme von Meister Cagliostro liegt. Der orientiert sich vor allem an King Diamonds frühen Soloalben (setzt also zu 70 Prozent hohe Stimmen ein) und bringt lediglich in den tieferen Stimmlagen, die er ebenso beherrscht, eine eigene Note ein. Wäre man böswillig, könnte man deshalb von einer Kopie sprechen. Da aber der King-Diamond-Gesang inzwischen so etwas wie ein eigenes kleines Genre geworden ist und mit Portrait, In Solitude oder Metalhead schon echte Highlights hervorgebracht hat, bewerten wir hier ausschließlich die Qualität des Gebotenen - und da muss man eindeutig feststellen: Meister Cagliostro ist der Beste von allen! Natürlich wäre er ohne seine Bandkollegen und deren Songwriting trotzdem nur die Hälfte wert - aber die zehn Tracks meiner Vorab-CD (keine Songtitel) offenbaren keinen einzigen Schwachpunkt! Die vielen verschiedenen Breaks und Stimmungen alter Mercyful-Fate-Klassiker (hier orientieren sich ATTIC eher an King Diamonds alter Band als an seinen Solowerken), die melodischen Gitarrenharmonien und die solide Rhythmusabteilung bestimmen jeden einzelnen Song und sorgen für viele Highlights und Überraschungseffekte. ATTIC sind genauso nah an Mercyful Fate wie Malice an Judas Priest, auch qualitativ. Und weil sie auch technisch allen Gleichgesinnten locker Parioli bieten können, gibt es zwischen Gesang und Instrumentierung kein Gefälle mehr. Bei der EP war das noch anders. ATTIC haben also innerhalb eines Jahres sämtliche Lektionen gelernt, die man in solch kurzer Zeit bewältigen kann. Jetzt müssen sie uns nur noch beweisen, dass sie dieselbe hohe Qualität auch live umsetzen können (bisher gab es da ebenfalls nur Positives zu berichten) - dann wächst hier Großes heran. Klasse! Und das sagt Gitarrist Katte zum Soundcheck-Sieg: »Vielen Dank! Als Musiker freut es einen sehr, solche Anerkennung für das zu erhalten, was man mit Leidenschaft betreibt. Im letzten Jahr ist viel Zeit und Hingabe in unsere Arbeit mit ATTIC geflossen, wofür wir mit reichlich Erfahrung belohnt wurden und mehr positives Feedback erhielten, als wir je erwartet hätten. Besonders mit dem Stil, den wir spielen, empfinden wir es als Freude, auch jenseits des traditionellen Metal-Undergrounds wahrgenommen zu werden. Dass dies durch Rock Hard geschieht, ein Magazin, mit dem wir mehr oder weniger aufgewachsen sind, ehrt uns besonders und rundet dieses lange Jahr in unseren Augen perfekt ab.« DISKOGRAFIE Demo (2011) Attic (EP, 2012) Satan´s Bride (Split-7“ mit Walpurgis Night, 2012) The Invocation (2012) LINE-UP Rob (g.) Katte (g.) Meister Cagliostro (v.) Roman (dr.) Chris (b.) DIE PATEN Wem die folgenden Acts gefallen, der sollte unbedingt auch ATTIC anchecken - und umgekehrt: Mercyful Fate * King Diamond * Portrait * In Solitude * Metalhead * Iron Maiden * Judas Priest * Witchfinder General * Cirith Ungol * Denial Of God * Nasty Savage * Angel Witch * Sabbat * Hell * A Tortured Soul * Evil * Vortex

REVIEW 9.0 21.11.2012

(Album des Monats, RH 307, 2012)

YEAR OF THE GOAT - Angels´ Necropolis

Ván/Soulfood (50:47) Anderthalb Jahre haben die Schweden gebraucht, um ihrer formidablen Debüt-EP „Luccem Ferre“ endlich das erste Full-length-Album folgen zu lassen. Sicherlich finden sich in den acht Tracks nach wie vor massig Einflüsse okkulter Rockbands der Sechziger und Siebziger wie Coven, Black Widow und Roky Erickson, und selbstredend rundet eine perfekt passende, ebenso warme wie natürliche analoge Aufnahme das Klangbild ab. Letztendlich ist das alles aber nur das Gewürzsortiment, um die zartbitteren, melancholischen, bisweilen vor Dramatik strotzenden Songs entsprechend in Szene zu setzen. Somit verharren YEAR OF THE GOAT ganz sicher nicht felsenfest und stocksteif in vergangenen Jahrzehnten wie manch anderer Act der aktuellen Vintage-Rock-Szene, sondern setzen die Prioritäten ganz klar bei Arrangements und Songwriting, wo wunderbare Gitarrenharmonien und Soli sowie Sänger Thomas´ außergewöhnliche Stimme und sein Gespür für fesselnde Melodien immer wieder für Glanzpunkte sorgen und in Kombination mit den okkulten Lyrics subtile Spannung erzeugen. Und spätestens beim ebenso dramatischen wie beschwörend hypnotischen Abschluss von ´Thin Lines Of Broken Hopes´ lassen die Schweden u.a. mit sakralen Chören die okkulte Katze auch musikalisch vollends aus dem Sack. Oder besser gesagt: den Rottweiler von der Kette, der 1976 im Film „Das Omen“ der Teufelsbrut Damien Thorne als Spielgefährte und ausführendes Organ zur Seite stand. Keine Frage: Im Jahre 2012 würde der kleine Satansbraten mit Sicherheit dieses mitreißende Finale als passenden Soundtrack für seine Bosheiten heranziehen. Grandios! Und das sagt Sänger und Gitarrist Thomas „Sabbathi“ Erickson zum Soundcheck-Sieg: »Ich bin sprachlos und freue mich wahnsinnig, genauso wie der Rest der Goats. Nun, ich hoffe natürlich das Beste für dieses Debütalbum. Wir haben hart dafür gearbeitet, dieses Monster zum Leben zu erwecken, und wir sind alle ziemlich froh, dass „Angels´ Necropolis“ jetzt endlich das Licht der Welt erblickt hat. Ich denke, alle Songwriter haben im Nachhinein ein paar kleinere Probleme mit ihren Kreationen, aber am Ende ist wohl jeder Schöpfer sehr stolz auf seine Kinder. Zumindest weiß ich, dass WIR es sind.« DISKOGRAFIE Luccem Ferre (EP, 2011) This Will Be Mine (7“, 2012) Angels´ Necropolis (2012) LINE-UP Thomas „Sabbathi“ Erickson (v./g.) Per Broddesson (g.) Don Palmroos (g.) Tobias Resch (b.) Mikael Popovic (keys) Frederik Hellerström (dr.) DIE PATEN Wem YEAR OF THE GOAT zusagen, wird auch von folgenden Acts begeistert sein: Wishbone Ash, The Devil´s Blood, Blue Öyster Cult, Witchcraft, Thin Lizzy, Horisont, Coven, Black Widow, Roky Erickson, Graveyard, Rainbow, Griftegård

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REVIEW 8.5 24.10.2012

(Album des Monats, RH 306, 2012)

GRAVEYARD - Lights Out

Nuclear Blast/Warner (35:33) Mit dem brillanten „Hisingen Blues“ und zahlreichen intensiven Liveshows katapultierten sich GRAVEYARD innerhalb des letzten Jahres an die Spitze der Vintage-Rock-Bewegung und überholten die nicht minder starke Konkurrenz (u.a. Witchcraft) in Sachen Popularität mal eben ganz locker auf der rechten Spur. Keine Frage, dass auf dem Nachfolger „Lights Out“ eine immens hohe Erwartungshaltung lastet. Und glücklicherweise bietet das dritte Album der Schweden sehr viel von dem, was den Vorgänger zum Über-Album werden ließ. Ausdrucksvolle Dynamik, fesselnde Tempowechsel, düsterer Blues und dramatischer Vintage-Rock, all das ist da. Aber dennoch beschleicht einen auch nach etlichen Durchläufen das Gefühl, dass irgendetwas fehlt, und das liegt u.a. wie bei Witchcraft und deren Album „Legend“ am Sound. Obwohl GRAVEYARD wieder komplett auf analoge Aufnahmetechnik gesetzt haben und es bei weitem nicht solche Auswüchse angenommen hat wie bei „Legend“, klingt „Lights Out“ komprimierter und geschliffener, was zur Folge hat, dass die Stimme von Gitarrist und Sänger Joakim nicht mehr so dominant das Geschehen bestimmt. Zudem ist „Lights Out“ auf Anhieb gefälliger, einfacher und leichter verdaulich. Das spricht zwar für die kompositorische Stärke der Schweden, spannende musikalische Entdeckungsreisen werden auf lange Sicht gesehen aber wohl ausbleiben. Keine Frage, „Lights Out“ ist stark, aber leider nicht ganz so grandios wie „Hisingen Blues“. DISKOGRAFIE Graveyard (2007) Hisingen Blues (2011) Lights Out (2012) LINE-UP Joakim Nilsson (v., g.) Rikard Edlund (b.) Axel Sjöberg (dr.) Jonatan Larocca Ramm (g.) DIE PATEN Wem „Lights Out“ zusagt, der dürfte auch zu den Sounds der folgenden Bands mit den Hosenschlägen seiner speckigen Jeans wedeln: BURNING SAVIOURS, HORISONT, WITCHCRAFT, DEAD MEN, BLOWBACK, PENTAGRAM, ROKY ERICKSON, CAPTAIN BEYOND, LEAF HOUND, COMUS, THE CHRYSTAL CARAVAN, SIENNA ROOT, THE GRAVIATORS, GRAND FUNK RAILROAD, BRUTUS, ABRAMIS BRAMA, BLUE CHEER, WITCHFINDER GENERAL

REVIEW 8.5 26.09.2012

(Album des Monats, RH 305, 2012)

WITCHCRAFT - Legend

Nuclear Blast/Warner (51:32) Es ist mit Sicherheit das langersehnteste Album der Retro-Szene, und fünf Jahre nach dem letzten Longplayer „The Alchemist“ kann man fast schon von einem Comeback sprechen. Und nicht nur das: „Legend“ läutet eine neue Ära in der Bandgeschichte ein. Fast scheint es so, als wolle sich Bandleader Magnus Pelander von allen alten Zöpfen trennen und bewusst einer Szene entfliehen, die WITCHCRAFT vor zwölf Jahren mitbegründeten und die im Moment blüht wie keine zweite. Drummer Fredrik Jansson und Gitarrist John Hoyles (dessen gefühlvolles und kreatives Spiel auf „Legend“ schmerzlich vermisst wird) haben die Band bereits vor längerer Zeit verlassen, Magnus selbst möchte sich fortan nur noch auf den Gesang konzentrieren und engagierte deshalb neben dem Ersatz für Hoyles noch einen weiteren Gitarristen, schnitt sich die Haare ab und entledigte sich seines Hippie-Looks. Und um all dies noch mal nachdrücklich zu unterstreichen, wurde mit dem analogen Vintage-Sound auch gleich noch eines der wichtigsten Signature-Trademarks der Band über Bord geworfen. Leider sind damit auch die spontane Frische und das Live-Feeling, die gerade den Vorgänger „The Alchemist“ perfektionierten, zum Teil verloren gegangen. „Legend“ klingt im direkten Vergleich (gerade im Gitarrenbereich) aufgeblasener, moderner und im Allgemeinen deutlich produzierter, wobei es der Band aber dennoch gelungen ist, dem soundmäßigen Kältetod von der Schippe zu springen. Trotzdem bereitet dies zahlreichen Fans Kopfschmerzen, die sich bereits nach den wenigen vorab veröffentlichen Songs mit Grausen abwenden, wenn man den Einträgen auf der Facebook-Page der Band und auf anderen Internetseiten Glauben schenken darf. Umgekehrt könnte es aber funktionieren: „Legend“ hat definitiv das Zeug dazu, der Türöffner für zahlreiche neue Fans zu sein, die alleine wegen der authentischen und in ihren Ohren dünn und kraftlos klingenden Analogsounds bisher einen großen Bogen um das Genre gemacht haben und sich nach dem Genuss von „Legend“ vielleicht doch mal tiefer in die Materie wagen. Denn unterm Strich zählen die Songs. Und die leben nach wie vor von Pelanders markanter Stimme und seinem emotionalen Ausdruck sowie seinen Fähigkeiten als Songwriter, die acht Töne einer Tonleiter immer wieder spannend und auf eine Art aneinanderzureihen, wie es einst den großen Vorbildern der Band in den Sechzigern und Siebzigern gelungen ist. Letztendlich mag „Legend“ diskutabel sein, und fraglos reicht die Scheibe qualitativ auch nicht an das herausragende „The Alchemist“ heran - aber ein schlechtes Album ist es ganz sicher nicht. Im Gegenteil. DISKOGRAFIE Witchcraft (2004) Firewood (2005) The Alchemist (2007) Legend (2012) LINE-UP Magnus Pelander (v.) Simon Solomon (g.) Tom Jondelius (g.) Ola Henriksson (b.) Oscar Johansson (dr.) DIE PATEN Analoger Klang hin, moderner Sound her. Wem „Legend“ zusagt, der wird früher oder später auch zu folgenden Bands die Koteletten sprießen lassen: Burning Saviours, Horisont, Graveyard, Dead Men, Blowback, Pentagram, Roky Erickson, Captain Beyond, Leaf Hound, Comus, The Crystal Caravan, Siena Root, The Graviators, Grand Funk Railroad

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