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REVIEW 8.0 15.11.2006

(Album des Monats, RH 235, 2006)

KILLSWITCH ENGAGE - As Daylight Dies

(44:36) Der Vorgänger „The End Of Heartache“ steht in den USA kurz vor Gold, und auch im Rest der westlichen Welt gehören KILLSWITCH ENGAGE mittlerweile zu den ganz großen Nummern im Ring. Kein Wunder, denn der melodische Metalcore der New-England-Truppe ist nichts anderes als die Blaupause, das große Vorbild für hunderte andere Truppen mit Gebrüllte-Strophen-werden-unterbrochen-von-wunderbar-cleanen-Refrains-Neigung. KILLSWITCH ENGAGE sind schlicht und einfach das Original. Und was machen Spaßvogel Adam Dutkiewicz und seine Sidekicks auf Album Nummer vier? Sie behalten den urtypischen Wechselgesang zwischen hammerharten Hardcore-Shouts und smoothen Melodic-Einschüben zwar über weite Strecken bei, klingen auch nach wie vor zu einhundert Prozent nach KSE, haben sich letzten Endes aber von allzu eingängigen Ohrwürmern, die es auf den letzten beiden Platten noch en masse gab, verabschiedet (Ausnahmen: ´This Is Absolution´, ´The Arms Of Sorrow´ und ´Reject Yourself´). Dafür schütteln sich die Jungs jetzt schon mal das eine oder andere Break mehr aus dem Ärmel, arrangieren zwar nicht unbedingt progressiv, aber dennoch abwechslungsreicher und haben Spaß daran, zu überraschen: Die Single (!) ´My Curse´ und vor allem ´For You´ tönen sogar teilweise nach Math, Mudvayne und Meshuggah. Alles in allem ist „As Daylight Dies“ auch dank der wieder mal komplett überzeugenden Produktion von Dutkiewicz erneut ein richtig gutes Album; in der eigenen Diskographie holt die 2006er CD nach „The End Of Heartache“ und „Alive Or Just Breathing“ allerdings nur Bronze.

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REVIEW 8.5 20.09.2006

(Album des Monats, RH 233, 2006)

TRIVIUM - The Crusade

(57:35) Wohl kaum ein anderes Metal-Album ist weltweit in den letzten Monaten mit solcher Spannung erwartet worden wie „The Crusade“. Und das völlig zu Recht, denn der Vorgänger „Ascendancy“ war der nahezu perfekte Brückenschlag zwischen Old-School-Hartwurst und modernem Metalcore und positionierte die blutjunge Truppe um Aushängeschild Matthew Kiichi Heafy (v./g.) ganz oben in sämtlichen „What´s hot?“-Listen. Metalcore? Ja, der war tatsächlich mal wichtiger Bestandteil des TRIVIUM-Sounds - wovon man auf „The Crusade“ allerdings nahezu nichts mehr merkt. Stattdessen orientiert sich die Truppe dermaßen an Metallicas schwarzem Album, dass man sich ungläubig an die Lauscher fasst. Ist das noch Heafy, oder ist das schon Hetfield? Vor allem die erste Hälfte der neuen Platte atmet mit Stücken wie ´Ignition´ und ´Detonation´ den Geist der Thrash-Legende. „Thrash“ ist allerdings auch irreführend, denn TRIVIUM setzen vor allem auf Midtempo und zwingende Refrains, und wenn den Jungs der Schalk im Nacken sitzt, darf´s auch gerne schon mal grenzwertig werden: ´Anthem (We Are The Fire)´ tönt wie sein Titel und feiert mit Hingabe die frühen Mötley Crüe (!), und das sehr gemächliche und pathetische ´This World Can´t Tear Us Apart´ ist dermaßen auf zweite Single geeicht, dass man sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Das Schönste daran ist aber, dass TRIVIUM das, was sie machen, völlig ernst meinen. In Zeiten, in denen schlicht alles ironisiert wird und nichts mehr das sein darf, was es ist, eine mehr als willkommene Abwechslung! Was Mastodon momentan für den Underground darstellen, sind TRIVIUM für den Mainstream: die neue Speerspitze, der neue Impulsgeber.

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REVIEW 9.0 19.08.2006

(Album des Monats, RH 232, 2006)

SLAYER - Christ Illusion

(38:34) Seit zwölf Jahren, also seit dem Album „Divine Intervention“, konnte die fieseste, extremste und glaubwürdigste Metalband der Welt den fanatischsten Fans der Welt nur noch gute Platten, aber kein Meisterwerk mehr entgegenkotzen. Genannte ´94er Scheibe war ein Sicherheitsding ohne Wagnisse und Überraschungen, mit „Diabolus In Musica“ verzettelte sich der Vierer in der Moderne, und „God Hates Us All“ offenbarte neben superben Folterkammersongs zu viele Füller. Doch nun ist alles vergeben und vergessen, selbst wenn das einige Soundchecker vermutlich etwas anders sehen: „Christ Illusion“ offenbart pure Gewalt, abgrundtiefen Hass, tiefste seelische Abgründe, transportiert stete Negativität und Beklemmung, ständig ist man angespannt, man bekommt zu keinem Zeitpunkt ein wohliges Gefühl. All dies und der eiskalte Schauer, den man beim Hören empfindet, zeigen überdeutlich, dass diese Band nach wie vor das Nonplusultra im extremen Metal ist. Bis auf wenige griffige Midtempo-Ausnahmen schmettern die Totschläger im Hochgeschwindigkeitsrausch. Das Duo Kerry King/Jeff Hanneman schleudert mit brillanten, regelrecht gemeingefährlichen Riffs nur so um sich, immer unverwechselbar und immer rasiermesserscharf. Die Gitarrenarbeit in den fantastischen Stücken ´Fleshstorm´, ´Catalyst´, ´Eyes Of The Insane´, ´Jihad´, ´Skeleton Christ´ und ´Cult´ ist dermaßen mörderisch, dass es einem die Sprache verschlägt. Und wenn Tom Araya all diese unheimlichen Texte in aller Schärfe herausschreit - oder hin und wieder auch singt -, überkommt dich Frost. Einen Füller gibt es nicht wirklich, allerhöchstens mal etwas schwächere Songparts, die allerdings wegen Dave Lombardos Außerirdischen-Drummings auf hohem Level gehalten werden. Fazit: Seit „Seasons In The Abyss“ war das Gesamtniveau eines SLAYER-Albums nicht mehr so hoch. Niederknien!

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REVIEW 9.0 14.06.2006

(Album des Monats, RH 230, 2006)

BILLY TALENT - II

(47:08) Göttliche, aufs Allernotwendigste reduzierte Songs, null Ausfälle, ein durchgängig kurz vor dem Herzkasper herumhampelnder Adrenalinspiegel und atmosphärischer Tiefgang bis in Regionen, wo nur noch brodelnde Lava existieren kann: Das selbstbetitelte 2003er BILLY TALENT-Debütalbum markierte den größten kreativen Senkrechtstart einer Newcomer-Band seit vielen Jahren und ist mit dem Abstand von ca. 200 Durchläufen ein heißer Zehn-Punkte-Kandidat. Einen solchen Geniestreich kann eine so frische Band eigentlich nicht wiederholen - aber irgendwie schaffen diese vier Wunderknaben aus Toronto das Unmögliche. Ein, zwei der 13 Songs sind „nur sehr gut“, der Rest schließt wieder sämtliche rationalen Hirnkreisläufe kurz und verwandelt den Hörer in ein grölendes, tanzendes, zappelndes, wunschlos glückliches Rock´n´Roll-Monster. Hier sitzt jede Melodie, jedes Riff, jeder Snare-Schlag, hier fusionieren hymnischer Emocore und schnodderiger Rotzrock zu einer alles hinwegfegenden Dampframme, animiert jeder balladeske Song zum Sich-selig-in-den-Armen-Liegen und jeder Arschtreter zum Schädel-gegen-die-Boxen-Hämmern. BILLY TALENT rocken (ohne sich oder irgendwen sonst zu kopieren) auf Augenhöhe mit Guns N´Roses´ „Appetite For Destruction“, Backyard Babies´ „Total 13“ und Green Days „American Idiot“ - und man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass sie dieses überirdische Niveau noch lange werden halten können.

REVIEW 9.5 17.05.2006

(Album des Monats, RH 229, 2006)

COMMUNIC - Waves Of Visual Decay

(57:56) Die Freude ist bei COMMUNIC-Bandkopf Oddleif Stensland mit Sicherheit immens gewesen: Top-Bewertungen in allen Medien, beachtliche Verkaufszahlen, 'Newcomer des Jahres'-Auszeichnungen u.a. auch in diesem Heft - das 2005er Debüt 'Conspiracy In Mind' hat die Norweger ganz schnell ganz nach oben katapultiert. 'Ach du grüne Neune!', dürfte sich der Sänger und Gitarrist dann aber gedacht haben, als es ans Komponieren des Nachfolgers ging. 'Wie sollen wir das bloß übertreffen?' Nun, 'übertreffen' kann man ein perfektes Album natürlich nicht - aber man kann einen großartigen Nachfolger an die Seite stellen, der sämtliche Zweifler schon nach wenigen Minuten eines Besseren belehrt. Man kann eine Platte wie 'Waves Of Visual Decay' einspielen, die geschickterweise die Grundzüge des Erstlings trägt und lediglich in Nuancen neue Bereiche auslotet. Die Nevermore/Sanctuary-Zitate sind geringer geworden, die vielen Tempowechsel wirken noch flüssiger, die Refrains sind nach wie vor formidabel, werden aber sparsamer eingesetzt - und wenn es Wiederholungen gibt, dann immer in leicht modifizierter Form. Sieben Songs stehen auf dieser Platte, ohne Ausnahme mit Überlänge - sieben Songs, von denen kein einziger auch nur ansatzweise Durchschnittlichkeit versprüht. COMMUNIC nehmen erneut das Beste aus Power- und Progressive Metal, versehen das Ganze mit doomigen und modernen Einflüssen - und gewinnen mal wieder auf ganzer Linie. Genial, einzigartig, melancholisch, weitblickend, unter die Haut gehend? Ja, ja, ja, ja, ja! Aber so was von...

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