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REVIEW 8.5 27.01.2016

(Album des Monats, RH 345, 2016)

MEGADETH - Dystopia

Viele Alben der Thrash-Big-Four, die wirklich das Zeug zu unsterblichen Klassikern haben, sind in den letzten 15 Jahren nicht gerade erschienen. Auch MEGADETH verwalten nach wie vor in erster Linie das Erbe ihrer ersten fünf Platten und erwarben sich in den letzten Jahren vor allem den zweifelhaften Ruf, dass einige ihrer neueren Dreher trotz gelegentlich starker Einzelsongs besonders schwach sind. Am mangelnden Erfolg scheiterten letztlich auch die wechselnden Line-ups, bis Dave Mustaine und David Ellefson den nächsten, womöglich finalen Versuch eines Neuanfangs angingen. Dermaßen unter Druck gesetzt, überrascht „Dystopia“ mit einer Kompaktheit, die noch nicht mal dem neuen Line-up zugeschrieben werden kann, denn Mustaine komponierte das Album im Alleingang und begann bereits mit der Studioarbeit, ohne die Namen seines zukünftigen Drummers und seines Leadgitarristen zu kennen. Trotzdem konnten Kiko Loureiro (mit herausragenden Soli) und Chris Adler (mit punktgenauem Spiel) dem Album ein wenig zusätzlichen Glanz verleihen. „Dystopia“ hat stellenweise die Aggressivität, Progressivität, Wild- und Frechheit der ersten MEGADETH-Alben, die Kenner an minimalsten Details erkennen dürften. Man braucht nur darauf zu achten, wie gewitzt MEGADETH die drei Achterbahnfahrten ´The Threat Is Real´, ´Dystopia´ und ´Fatal Illusion´ beenden. Songs, die mit harschen Riffs, begnadeten Soli und unerwarteten Tempowechseln gesegnet sind und trotzdem in viereinhalb Minuten auf den Punkt kommen. Kein müder Abklatsch früherer Großtaten, sondern Originale in der Tradition von ´Wake Up Dead´, ´Hangar 18´ und ´The Conjuring´. ´Death From Within´ dreht sich hingegen um einen kanonartigen Refrain und sorgt für etwas Ausgeglichenheit nach dem heftigen Auftakt-Trio. Danach folgen drei Tracks mit „Countdown To Extinction“-Charakter, allen voran der getragene Düster-Lovesong ´Poisonous Shadows´ und das politisch aufgeladene ´Post American World´. Wobei Letzteres durchaus zurückhaltend formuliert ist, wie ich finde. Darf man fragen, was nach einer amerikanisch dominierten Welt kommt? Man darf, auch wenn der proamerikanische Standpunkt des Autoren bekannt ist. Das Instrumental ´Conquer And Die´ leitet dann das brutal ratternde ´Lying In State´ ein, kein Klassiker, eher eine simpel gestrickte Abrissbirne, ehe das kurzweilige ´The Emperor´ ein Album-Finale einleitet, das mit dem Fear-Cover ´Foreign Policy´ einen knackigen Schlusspunkt setzt, anstatt mit getragener B-Seiten-Ware zu langweilen. Ähnlich wie bei Slayers „Repentless“ schreit einen die adrenalinbefeuerte Motivation, das Aufbäumen nach einem Beinahe-Zusammenbruch, geradezu an. Aus solchem Stoff sind gute Thrash-Alben gemacht, im Falle von MEGADETH das beste seit „Countdown To Extinction“. DISKOGRAFIE (Studioalben) Killing Is My Business… And Business Is Good! (1985) Peace Sells… But Who´s Buying? (1986) So Far, So Good… So What! (1988) Rust In Peace (1990) Countdown To Extinction (1992) Youthanasia (1994) Cryptic Writings (1997) Risk (1999) The World Needs A Hero (2001) The System Has Failed (2004) United Abominations (2007) Endgame (2009) Th1rt3en (2011) Super Collider (2013) Dystopia (2016) LINE-UP Dave Mustaine (g./v.) Kiko Loureiro (g.) David Ellefson (b.) Chris Adler (dr.) DIE PATEN Wer die folgenden Bands mag, wird auch auf „Dystopia“ stehen: Anthrax * Metallica * Annihilator * Death Angel * Testament * Sacred Reich * Overkill * Nevermore * Forbidden * Metal Church * Savatage * Trivium * Heathen * Flotsam And Jetsam * Artillery

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REVIEW 8.5 18.11.2015

(Album des Monats, RH 343, 2015)

SECRETS OF THE MOON - Sun

Prophecy/Soulfood (52:45) Wäre das Ganze aufgrund unzähliger singender Brautkleider, Dagobert-Duck-Versteher und Dummschlagerbarden nicht so unglaublich negativ besetzt, würde man das nahezu ausschließlich mit „cleanen“ Vocals versehene „Sun“ wohl ernsthaft als „Gothic-Metal-Album“ bezeichnen: Ähnlich wie weiland Tiamat, sagen wir mal von „Clouds“ bis „A Deeper Kind Of Slumber“, die ja auch aus dem Black Metal kamen, sprengen SECRETS OF THE MOON 2015 ihr Korsett und lugen trotz Roots-Treue (´No More Colours´) gewaltig gen Gothic/Dark Wave sowie Psychedelic, und sie haben ein ähnliches Verständnis von Eingängigkeit, schrecken auf ´Man Behind The Sun´ oder ´Hole´ auch nicht vor den ganz großen Melodien zurück, die mancher Altfan sicherlich „too much“ finden wird, klingen dabei ohne Woodhouse-Produktion aber etwas roher und unnahbarer als die Vorreiter. Am beeindruckendsten an „Sun“ ist neben einer angenehmen Ironiefreiheit, die in diesem Genre immer die erste Wahl sein sollte, allerdings die merkliche Reife der Band im positivsten Sinne, die die Dualität des Seins nicht mehr verneint und aus dieser Erkenntnis Energie gewonnen hat, die sich auf den Hörer überträgt. Natürlich könnte man jetzt faseln, die Deutschen wären aufgrund ihrer Klasse endgültig völlig einzigartig und allein auf weiter Flur, man darf „Sun“ aber auch schlicht und einfach all jenen mit Nachdruck empfehlen, die die jeweils letzten Alben von Tribulation, In Solitude und Watain in der Heavy Rotation hatten und demnächst mächtig von der neuen Ketzer überrascht sein werden (na gut, jetzt nicht mehr). DISKOGRAFIE (nur Alben) Stronghold Of The Inviolables (2001) Carved In Stigmata Wounds (2004) Antithesis (2006) Privilegivm (2009) Seven Bells (2012) Sun (2015) LINE-UP sG (v./g./keys) Ar (g.) Naamah Ash (b.) Erebor (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „Sun“ seine helle wie dunkle Freude haben: Tribulation, In Solitude, Watain, Tiamat, Fields Of The Nephilim, Agalloch, Helrunar, Dark Fortress, Schammasch, The Ruins Of Beverast, Eis, Triptykon, Nachtmystium, Ulver, Katharsis, Lunar Aurora, Samael Ein Interview mit SECRETS OF THE MOON findet ihr auf den Seiten 24/25 in diesem Heft!

REVIEW 9.0 21.10.2015

(Album des Monats, RH 342, 2015)

AVATARIUM - The Girl With The Raven Mask

Nuclear Blast/Warner (50:03) Song des Jahres? You fuckin´ bet. Der eröffnende Titeltrack - perfektes Riff, perfekter Refrain, perfekter Drive - lässt „The Girl With The Raven Mask“ schon nach wenigen Minuten gewinnen und setzt ähnliche Glückshormone frei wie das Super-Material der 2014er EP „All I Want“, die ja bereits eine Steigerung zum (sehr guten!) 2013er Full-length-Einstand „Avatarium“ war. In eine ähnliche Kerbe schlägt ´Run Killer Run´, an sechster Stelle des Albums sinnvoll positioniert, weil man dazwischen und danach aufpassen muss, denn die SchwedInnen, bei denen Candlemass-Kopf Leif Edling aus gesundheitlichen Gründen momentan nur im Studio zugegen ist, während er auf der Bühne von Tiamat-Basser Anders Iwers ersetzt wird, haben eine ganz eigene Mischung angerührt: Auf ein doomiges Grundgerüst, da kann Edling nicht aus seiner Haut, stapeln Gitarrist und Co-Songwriter Marcus Jidell und der stets präsente Keyboarder Carl Westholm, der nahezu ausschließlich warme, geschmackvolle, grandiose Uriah-Heep- und Deep-Purple-Orgel-Teppiche auslegt, Classic-Rock/Metal sowie das Beste aus den Sechzigern, Siebzigern und von heute, das Prog und Psych hervorgebracht haben, und lassen sich das auch in den einzelnen Songs sehr variable, aufwändig arrangierte Ergebnis von der neuen Grande Dame des Metal-Gesangs, Jennie-Ann Smith, endgültig vergolden. Die ruhigen Stellen der Platte, und davon gibt es verdammt viele, muten nie „balladesk“ oder gar „kommerziell“, weil „kitschig“ an, sondern sind - im Sinne der Vorreiter - logischer, unersetzbarer Teil des Ganzen, mal die Ruhe vor dem Sturm, mal die danach. ´Hypnotized´, ´Ghostlight´ und ´The Master Thief´ stellen bereits Stoff von Könnern für Kenner dar, ´The January Sea´, ´Pearls And Coffins´ sowie ´Iron Mule´ klingen erst recht zügellos: In diesem Genre wird man momentan schlicht und einfach nichts Besseres finden. Läuft bei euch, AVATARIUM! DISKOGRAFIE Moonhorse (EP, 2013) Avatarium (2013) All I Want (EP, 2014) The Girl With The Raven Mask (2015) LINE-UP Jennie-Ann Smith (v.) Marcus Jidell (g.) Leif Edling (b.) Anders Iwers (b., nur live) Carl Westholm (keys) Lars Sköld (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „The Girl With The Raven Mask“ seine helle Freude haben: Candlemass * Uriah Heep * Deep Purple * Black Sabbath * Tiamat * Amorphis * Ghost * Year Of The Goat * Opeth * Blood Ceremony * Enslaved * Sólstafir * Jex Thoth * Seamount * Uncle Acid & The Deadbeats Ein Interview mit AVATARIUM findet ihr auf den Seiten 30/31 in diesem Heft!

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REVIEW 9.0 23.09.2015

(Album des Monats, RH 341, 2015)

GRAVEYARD - Innocence & Decadence

Nuclear Blast/Warner (42:43) Zwei Fehler sollte man auf gar keinen Fall begehen: GRAVEYARD aufgrund des Medienrummels um Kadavar und Blues Pills als irgendwie zweitklassig zu betrachten und die Band in der Retro-Rock-Nachahmer-Schublade verschimmeln zu lassen. Umso schöner, dass das unscheinbare Quartett mit „Innocence & Decadence“ endlich ein Album aufgenommen hat, das den Versprechungen der dynamischen Live-Performances gerecht wird. In Wirklichkeit sind GRAVEYARD die härteste und beste neuzeitliche Blues-Band und wenn man so will, sogar eine Empfehlung an die Legionen von Rolling-Stones-, Thin-Lizzy- und Status-Quo-Fans, die sich längst damit abgefunden haben, dass den Frühwerken ihrer Lieblinge nichts mehr hinzugefügt werden kann. In Sachen Stadion-Rock ist das sicher auch so, aber wenn es um das dynamische Zusammenspiel von trockenen Gitarrenriffs, pumpenden Bässen und einem natürlich klingenden Schlagzeug geht, kann GRAVEYARD zur Zeit niemand das Wasser reichen. Wie die ganze Band in ´Magnetic Shunk´ magisch das Tempo anzieht, ist ganz großes Kino, da wird Rockmusik wieder zur revolutionären Macht, die einem die ganze Woche ein Grinsen in die Fressleiste zaubert. Dazu kommt, dass Joakim Nilsson das Material derart persönlich zwischen Soul und Sandpapier interpretiert, dass man fast schon um Seelenheil und Stimme des Sängers fürchten muss. Mit diesem Album sind GRAVEYARD stilistisch nicht mehr zu greifen. Der Wutausbruch von ´Never Theirs To Sell´ ist in 2:15 Minuten vorbei und hat nichts mit dem zärtlichen ´Stay For A Song´ und den unglaublichsten Balladen der letzten Jahre (´Exit 97´, ´Too Much Is Not Enough´) gemein. Mein Favorit ist übrigens die stramme Single ´The Apple And The Tree´, obwohl die eingeflochtenen Krautrock-Einflüsse in Uptempo-Riffern wie ´Can´t Walk Out´ und ´From A Hole In The Wall´ die Spielwiese des Quartetts ganz schön aufgemotzt haben. Die Wahl des Stockholmer Analog-Tempels Atlantis (wo Opeth „Heritage“ aufgenommen, aber nicht ganz proper zu Ende gebracht haben) erweist sich hierbei als Volltreffer. „Innocence & Decadence“ ist ein vielschichtiges Meisterwerk der Dynamik, das man am besten laut hört. DISKOGRAFIE Graveyard (2007) Hisingen Blues (2011) Lights Out (2012) Innocence & Decadence (2015) LINE-UP Joakim Nilsson (g./v.) Jonatan Ramm (g./v.) Truls Mörck (b.) Axel Sjöberg (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „Innocence & Decadence“ seine helle Freude haben: Blues Pills * Horisont * Zodiac * Heat * Kadavar * The Vintage Caravan * Orchid * Rival Sons * Witchcraft * Mammoth Mammoth * The Answer * Wolfmother * Vidunder * Samsara Blues Experiment * Brimstone Coven Ein Interview mit GRAVEYARD findet ihr auf den Seiten 44/45 in diesem Heft!

REVIEW 9.0 26.08.2015

(Album des Monats, RH 340, 2015)

MOTÖRHEAD - Bad Magic

UDR/Warner (42:57) Wenn ich bei MOTÖRHEAD ´ne rosarote Fanbrille trage, dann mit Blick auf die legendäre Kilmister/Clarke/Taylor-Besetzung. Irgendwelche „Für ´nen gesundheitlich angeschlagenen knapp 70-Jährigen ist Lemmy noch ganz gut in Form“-Sprüche kann man sich ebenfalls schenken. Denn hier geht´s schlicht und - vor allem - ergreifend um das neue Motör-Prachtstück „Bad Magic“. Und das Ding ist, wie auch immer Lemmy, Gitarrist Phil Campbell, Drummer Mikkey Dee und Produzenten-Genius Cameron Webb das hinbekommen haben, der beste neue Motör-Öutput seit „Bastards“, also seit über 20 Jahren. Dafür reichen einige Feinjustierungen: Die Speed-Tracks treten souverän Arsch, die Midtempo-Dröhner sind riffgewaltig und heavy (und ´Shoot Out All Of Your Lights´ als Kombination dieser beiden Schubladen ein ganz besonderer Volltreffer), die puren Rock´n´Roll-Songs leichtfüßig mitreißend. Die instrumentale Detailverliebtheit beeindruckt, ohne der Band ihren basischen Signature-Sound zu nehmen. Im Gegenteil: Selten rauschten so viele Motör-Hits unter drei Minuten durchs Ziel. Sahnehäubchen ist das ´Sympathy For The Devil´-Cover. In dem Rolling-Stones-Classic geht Lemmy auf wie seit ´Leaving Here´ und ´The Train Kept A-Rollin´´-Zeiten bei keiner Fremdkomposition mehr. Ein Prunkstück jeder Motör-Cöllectiön! DISKOGRAFIE On Parole (1976/1979) Motörhead (1977) Overkill (1979) Bomber (1979) Ace Of Spades (1980) No Sleep ´Til Hammersmith (Live, 1981) Iron Fist (1982) Another Perfect Day (1983) No Remorse (Compilation, 1984) Orgasmatron (1986) Rock´n´Roll (1987) No Sleep At All (Live, 1988) 1916 (1991) March Ör Die (1992) Bastards (1993) Sacrifice (1995) Overnight Sensation (1996) Snake Bite Love (1998) Everything Louder Than Everyone Else (Live, 1999) We Are Motörhead (2000) 25 & Alive - Boneshaker (DVD, 2001) Hammered (2002) Stone Deaf Forever (Boxset, 2003) Live At Brixton Academy (Live, 2003) Inferno (2004) Stage Fright (DVD, 2005) Kiss Of Death (2006) Better Motörhead Than Dead - Live At Hammersmith (Live, 2007) Motörizer (2008) The Wörld Is Yours (2010) The Wörld Is Ours - Vol 1 - Everywhere Further Than Everyplace Else (Live, CD/DVD, 2011) The Wörld Is Ours - Vol 2 - Anyplace Crazy As Anywhere Else (Live, CD/DVD, 2012) Aftershock (2013) Bad Magic (2015) LINE-UP Lemmy Kilmister (v./b.) Phil Campbell (g.) Mikkey Dee (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „Bad Magic“ seine helle Freude haben: Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead * Motörhead Ein Interview mit Mikkey Dee findet ihr auf den Seiten 34/35 in diesem Heft. Ein ausführliches Gespräch mit Lemmy gab´s bereits in Rock Hard 339.

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REVIEW 9.0 22.07.2015

(Album des Monats, RH 339, 2015)

LAMB OF GOD - VII: Sturm und Drang

Nuclear Blast/Warner (48:13) Die dramatischen Ereignisse rund um die Anklage von Sänger Randy Blythe in Prag waren noch frisch, da verkündete LAMB OF GOD-Schlagzeug-Wunder Chris Adler, dass der Gerichtsprozess das Songwriting fürs nächste Album mit Sicherheit beeinflussen würde. Er sollte Recht behalten: Schon der rasende Opener ´Still Echoes´ verarbeitet Blythes Erfahrungen in dem tschechischen Gefängnis und ist ein brutales musikalisches Manifest, das sämtliche Befürchtungen, die Band könnte ihren Punch verloren haben, vom Tisch wischt. „VII: Sturm und Drang“ ist eine Demonstration der typischen LOG-Stärken, fies-bedrohliche Riffs treffen auf gewaltige Grooves und werden von mal abgrundtief bösen Vocals, mal einschmeichelnden Passagen begleitet. Alles beim Alten also im Camp der Virginia-Metaller, die bei aller Zurückhaltung im Verlaufe des Albums sehr deutlich machen, warum sie zu den technisch versiertesten Musikern der Szene zählen? Jein, denn trotz vordergründiger Brutalität hat es die Band geschafft, dem Album mittels einiger Experimente Ruhepausen, Überraschungsmomente und Tiefe zu verpassen. Da wäre zum einen das in bester LOG-Manier startende ´Embers´, dem Gastsänger Chino Moreno zum Ende hin Emotionalität verpasst, was die Nummer zum besten Deftones-Song, den die Band nie geschrieben hat, veredelt. Und natürlich der epische Album-Closer ´Torches´, bei dem Greg Puciato (The Dillinger Escape Plan) Akzente setzt. Am überraschendsten ist jedoch das extrem melodische ´Overlord´, das völlig neue Facetten von Randy Blythes Stimme zum Vorschein bringt. „VII: Sturm und Drang“ ist nichts anderes als eine emotionale Achterbahnfahrt durch den LAMB OF GOD-Kosmos. Meist fordernd, manchmal zerbrechlich klingend, aber nie langweilig. Ganz großes Kino eben. DISKOGRAFIE (Studioalben) New American Gospel (2000) As The Palaces Burn (2003) Ashes Of The Wake (2004) Sacrament (2006) Wrath (2009) Resolution (2012) VII: Sturm und Drang (2015) LINE-UP Randy Blythe (v.) Willie Adler (g.) Mark Morton (g.) John Campbell (b.) Chris Adler (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, wird auch an „VII: Sturm und Drang“ seine helle Freude haben: Slayer * Metallica * Pantera * DevilDriver * Machine Head * Trivium * God Forbid * The Haunted * Soufly * Throwdown * Chimaira * Exhorder * Sepultura * Strapping Young Lad * Megadeth * Testament * Slipknot Ein ausführliches Interview mit LAMB OF GOD findet ihr ab Seite 26 in diesem Heft.

REVIEW 9.0 24.06.2015

(Album des Monats, RH 338, 2015)

BETWEEN THE BURIED AND ME - Coma Ecliptic

Metal Blade/Sony (68:40) Schon der überraschend ruhige, an Steven Wilson erinnernde Opener ´Node´ macht klar: BETWEEN THE BURIED & ME segeln weiter, immer weiter, auf ihrer kreativen Reise durch tatsächliche und imaginäre Welten gibt es weder Rückspiegel noch Einbahnstraßen. Die Dynamik und stilistische Breite des Bandsounds wurde noch einmal hörbar erweitert, klassische BTB&M-Wirbelstürme wie ´The Coma Machine´ sind auf „Coma Ecliptic“ in der Minderheit. Stattdessen experimentieren die Visionäre gekonnt mit Electronica (´Dim Ignition´) oder neoklassisch-jazzig eingefärbten Voivod-Dystopien (´Famine Wolf´). Wenn man nach traditionellerem Prog Metal tönt, dann wie in ´King Redeem - Queen Serene´, ´Rapid Calm´ und insbesondere dem genialen zehnminütigen Ideenfeuerwerk ´Memory Palace´ als hyperoriginelle Dream-Theater-2.0-Variante. Am allergrandiosesten sind BTB&M aber, sobald sie die ganz großen Gefühle zulassen. Das trotz der ambivalenten Lyrics vergleichsweise sonnige, majestätische Abschluss-Doppel ´Option Oblivion´/´Life In Velvet´, das smart groovende Math-Metal-Wunder ´The Ectopic Stroll´ und der fast schon beschwingte, von Blues-Licks und einem Alterna-Rock-Einschlag durchdrungene Progrocker ´Turn On The Darkness´ präsentieren eine Band, die bei aller technischen Brillanz eher Herz als Hirn anspricht und uns die bislang fabelhaftesten Prog-Metal-Stücke des Jahres schenkt. Diskografie Between The Buried And Me (2002) The Silent Circus (2003) Alaska (2005) The Anatomy Of (Cover-CD, 2006) Colors (2007) Colors Live (live, 2008) The Great Misdirect (2009) Best Of (Best-of, 2011) The Parallax: Hypersleep Dialogues (EP, 2011) The Parallax II: Future Sequence (2012) Coma Ecliptic (2015) Line-up Tommy Rogers (v./keys) Paul Waggoner (g./v.) Dustie Waring (g.) Dan Briggs (b./keys) Blake Richardson (dr.) Die Paten Wer folgende Acts knorke findet, dürfte auch an „Coma Ecliptic“ Gefallen finden: Protest The Hero * Dream Theater * Steven Wilson * härtere Porcupine Tree * Voivod * alte Queensryche * Mekong Delta * King Crimson * progressive Metallica * Leprous * Tesseract * Coheed And Cambria * Periphery * Fair To Midland * Trioscapes * Scale The Summit * Animals As Leaders Ein Interview mit BETWEEN THE BURIED & ME findet ihr auf den Seiten 28/29 in diesem Heft.

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REVIEW 8.5 27.05.2015

(Album des Monats, RH 337, 2015)

ARMORED SAINT - Win Hands Down

Metal Blade/Sony (51:04) Heilig´s Blechle: Vor allem bis zum vierten Song ´Muscle Memory´ lassen ARMORED SAINT auf ihrem unerwarteten Album-Comeback „Win Hands Down“, dem ersten Band-Dreher seit „La Raza“ von 2010, verdammt mächtig, ähem, die Muskeln spielen, mich erinnert dieser energetische Leck-mich-fett-Auftakt in erster Linie ein Stück weit an „Symbol Of Salvation“: Ähnlich wie auf der 1991er Platte verschließen sich Saint, die ja völlig zu Recht als eine der unterbewertetsten US-Metal-Bands überhaupt gelten, auch diesmal keineswegs neuen Einflüssen, sie konzentrieren sich aber in erster Linie auf ihre großen Stärken, also auf unglaublich selbstbewusstes Spiel in Verbindung mit diesem komplett klischeefreien Signature-Songwriting, das keine andere Truppe ähnlich klingen lässt. ´That Was Then, Way Back When´ und ´With A Full Head Of Steam´ (inklusive Gast-Vocals von Scott Ians besserer Hälfte Pearl Aday) geben einem danach ein wenig Zeit zum Luftholen, das Finale mit ´In An Instant´ (mutiges, gelungenes Arrangement), ´Dive´ und dem eingängigen ´Up Yours´ zieht noch mal an. Man könnte an dieser Stelle noch genauer auf die jazzige Bridge im Titelsong oder das tragende Piano im erwähnten ´Dive´ eingehen, aber ganz ehrlich: Die L.A.-Connection braucht im Grunde nun mal nicht mehr als die immer noch brillanten Vocals von John Bush, ihre zwei Super-Gitarren und diese Tight-as-fuck-Rhythm-Section, die alles zusammenhält. ARMORED SAINT sind eine der wenigen Bands, bei denen man sich traut, das Wort „erwachsen“ als Umschreibung für ihren Sound zu verwenden, denn was in der Regel eher ein Synonym für „ausgewimpt“ oder „langweilig“ darstellt, steht hier für Männer-Metal, für Musik von Leuten, die sich nicht mehr zwanghaft ständig irgendeinen Scheiß beweisen müssen. Willkommen zurück! DISKOGRAFIE Armored Saint (EP, 1983) March Of The Saint (1984) Delirious Nomad (1985) Raising Fear (1987) Saints Will Conquer (Live, 1988) Symbol Of Salvation (1991) Revelation (2000) Nod To The Old School (Compilation, 2001) La Raza (2010) Win Hands Down (2015) LINE-UP John Bush (v.) Phil Sandoval (g.) Jeff Duncan (g.) Joey Vera (b.) Gonzo Sandoval (dr.) DIE PATEN Wer folgende Acts mag, wird auch auf „Win Hands Down“ abfahren: Metal Church, Riot, Vicious Rumors, Anthrax, Life After Death, DC4, Overkill, Flotsam And Jetsam, Lizzy Borden, Thin Lizzy, Jag Panzer, Leatherwolf, Y&T, Judas Priest Ein Interview mit ARMORED SAINT findet ihr auf den Seiten 30/31 in diesem Heft.

REVIEW 8.5 22.04.2015

(Album des Monats, RH 336, 2015)

SULPHUR AEON - Gateway To The Antisphere

Ván & Imperium/Soulfood (51:53) Wenn´s um Cthulhu, Azathoth, Nyarlathotep und Mörylaphuth geht (das Letzte habe ich erfunden), gucke ich immer wie ´ne Kuh, wenn´s donnert. Andererseits: Ist ja auch kackegal, ob man den ollen Lovecraft schon mit drei goutiert hat oder selbst mit 40 noch nicht, denn SULPHUR AEON muss man sogar geil finden, wenn sich im Bücherregal nix anderes befindet als ´ne PlayStation und die „Gelben Seiten“. Noch mehr als beim 2013er Debüt „Swallowed By The Ocean´s Tide“ denke ich bei „Gateway To The Antisphere“ an „Blessed Are The Sick“, aber das liegt eher an der Atmosphäre als an allzu offensichtlichen Parallelen, und auch wenn Morbid Angel ´ne Hausmarke sind, reicht eine einzige Band sowieso nie und nimmer aus, um den tiefen, echten, mitreißenden Sound der Nordrhein-Westfalen zu beschreiben. Ähnlich wie Dissection oder Behemoth transferieren SULPHUR AEON Schwärze in einen Death-Metal-Kontext, in ihren schwersten Stücken stehen sie irgendwo neben oder zwischen Necros Christos, Drowned, Venenum, Essenz und Bölzer, sie haben aber - vor allem in den schnelleren Passagen - eben auch immer wieder was Old-Schooliges im Sinne der frühen Neunziger, das sie vom (ja durchaus in einigen Fällen funktionierenden) arroganten, nennen wir es mal: „orthodoxen“ Gehabe der Eliteschule befreit. Man kann im Grunde jedes einzelne der elf Stücke auf diesem Album herauspicken und wird als Fan extremer Metal-Sounds begeistert sein. Sinnvoller ist es jedoch, diese 52 Minuten in ihrer mühevoll arrangierten Gänze zu bewundern. Open wide the gate! DISKOGRAFIE Sulphur Psalms (Demo, 2010) Deep Deep Down They Sleep (7“, 2012) Swallowed By The Ocean´s Tide (2013) Gateway To The Antisphere (2015) LINE-UP M. (v.) T. (g./b.) D. (dr.) DIE PATEN Wer folgende Acts mag, wird auch auf „Gateway To The Antisphere“ abfahren: Morbid Angel * Necros Christos * Drowned * Dissection * Venenum * Behemoth * Nocturnus * Essenz * Bölzer * Incantation * Bolt Thrower * Immolation * Sonne Adam * December Flower * Nile * Obscure Infinity

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