Review

Reviews 7.0
Modern Metal Hardcore

ANNISOKAY

Aurora

Label: Arising Empire/Edel
Dauer: 46:06
Erscheinungsdatum: 04.12.2020
Ausgabe: RH 402

Auf dem fünften Album sorgt bei diesem Quartett erstmals der neue Mann Rudi Schwarzer für die Shouts an der akustischen Front. Der Name klingt nach Innenverteidigung in der Oberliga, die Stimme nach internationalem Geschäft sowie Wacken in der frühen Abenddämmerung, wenn Flaggen friedlich zu griffigem Geholze flattern. Schwarzers punktgenaues, angenehm wuchtiges Gebrüll wechselt in berechenbarem Timing mit dem glasklaren Gesang von Christoph Wieczorek ab, ebenso wie sportliche Breakdowns mit Pop-Hooklines. In ´STFU´ (also: ´Shut The Fuck Up´) geht diese Formel perfekt auf, sie ließe sich als Video gleichzeitig mit Bildern aus dem Sci-Fi-Action-Klassiker „Das fünfte Element“ und einem wackeligen YouTube-Video namens „Krasser Moshpit mit Kickboxer“ bebildern. Ein Stück wie ´Tragedy´ hingegen plätschert vor seinem moderaten Ausbruch im Refrain als moderner Synthie-Groover vor sich hin, der mal wieder deutlich macht, wie nahe sich dieses Genre in seinen schreifreien Momenten an der Ästhetik ehemaliger Boybands bewegt. Wie auch die Emil Bulls, Enter Shikari oder die unausweichlichen Linkin Park tragen Annisokay den Pop im Herzen. 2016 veröffentlichten sie eine Michael-Jackson-Cover-EP. Sie benannten sich nach einer Zeile aus ´Smooth Criminal´. Ihr professionell arrangierter Trance-Elektro-Metalcore-Pop-Actionfilm-Soundtrack-Hardrock berührt niemals tief, vollzieht sein Kratzen an der Oberfläche aber so gekonnt wie ein Blockbuster, nach dessen Genuss man ohne Reue zwischen den Popcorn-Resten auf dem dunkelblauen Teppich des Kino-Vorraums steht.

Autor:
Oliver Uschmann
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos