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ANTHRAX

Anthems

Ausgabe: RH 311

Nuclear Blast/Warner (34:00)

ANTHRAX waren schon immer eine der coverfreudigsten Bands der Metalszene und haben es in ihrer Karriere auf über 25 Neuinterpretationen gebracht. Von daher überrascht die Veröffentlichung einer reinen Cover-EP nicht sonderlich, die Songauswahl hingegen schon. Die Band hat sonst innerhalb einer Session stets Titel aus verschiedenen Genres gecovert, auf „Anthems" geht es allerdings weniger bunt zu: Alle sechs gecoverten Songs stammen aus den Siebzigern oder den frühen Achtzigern und können dem Classic-Rock-Genre zugeordnet werden. Während von 1993 bis 2004 John Bush den Coversongs mit seinem Gesang eine eigene Note verpasste, trällert der zurückgekehrte Joey Belladonna auf „Anthems" größtenteils reichlich uninspiriert die Originale runter. Bestes Beispiel: Anstatt Rushs ´Anthem´ in der eigenen Tonlage zu singen, versucht Belladonna, Geddy Lee zu imitieren, was ziemlich in die Hose geht. Am besten funktioniert noch das für Belladonna-Verhältnisse tief und rau gesungene ´Big Eyes´ von Cheap Trick, während ´Smokin´´ von Boston mit dem Beitrag von Gast-Keyboarder Fred Mandel zumindest musikalisch interessante Akzente setzt. Die am Original klebenden Versionen der totgenudelten ´TNT´ (AC/DC) und ´Jailbreak´ (Thin Lizzy) sind hingegen genauso verzichtbar wie eine gecoverte Journey-Nummer (´Keep On Runnin´´). Gerade ´Jailbreak´ zeigt im Vergleich zum 1993 mit John Bush gecoverten Thin-Lizzy-Track ´Cowboy Song´ den Klassenunterschied zwischen den beiden Sängern auf.

Als Bonus der neu aufgelegten Special Edition des „Worship Music"-Albums ist die EP ein nettes Gimmick. Die separat veröffentlichte Einzel-EP ist hingegen nur für absolute Die-hard-Fans und Komplettisten interessant.

3 Fragen an ANTHRAX-Gitarrist Scott Ian:

Scott, im Zuge der ersten „Worship Music"-Session habt ihr an einigen anderen Coverversionen gearbeitet (Pearl Jams ´Brain Of J´, Tom Pettys ´Running Down A Dream´, AC/DCs ´Whole Lotta Rosie´, Alice In Chains´ ´We Die Young´), von denen ihr nur ´Big Eyes´ von Cheap Trick übernommen habt. Wäre es nicht leichter gewesen, die ursprünglich gewählten Songs zu vollenden, anstatt fünf neue Coversongs aufzunehmen?

»Wir haben uns einfach dazu entschieden, andere Songs auszuwählen. Dafür gab es eigentlich keinen großen Grund. Wir haben uns von AC/DC lieber ´TNT´ als ´Whole Lotta Rosie´ vorgeknöpft. Die Aufnahmen zu den Songs von Pearl Jam und Tom Petty existieren noch, wir haben sie aber nie fertig gestellt.«

Es liegt die Vermutung nahe, dass die mit eurem Ex-Sänger Dan Nelson aufgenommenen Cover mit Joeys Stimme nicht funktionieren.

»Ich denke nicht, dass das der Fall ist; wir haben die Songs einfach noch nicht fertig gestellt. Vielleicht werden wir die Lieder eines Tages noch mal anfassen. Aber wir machen uns bei den Coversongs nicht allzu viele Gedanken. Das sind einfach Stücke, die wir aus Spaß spielen. Meistens sind es Lieder, die wir schon gespielt haben, bevor wir bei ANTHRAX waren. Beim Soundcheck zocken wir ab und an lieber Coversongs als unsere eigenen Lieder, weil das weniger langweilig ist.«

Was ist dein Lieblings-Cover auf „Anthems"?

»Wahrscheinlich der Boston-Song. Einfach, weil es das erste Lied ist, das ANTHRAX mit Keyboards zeigt. Für mich klingt das nicht mal mehr nach ANTHRAX, wenn ich mir es anhöre.« (rb)

Autor:
Ronny Bittner
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