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REVIEW 20.03.2019

(Buch, RH 383, 2019)

IRON MAIDEN, PRAYING MANTIS - Iron Maiden & Praying Mantis - The Early Days

Eingefleischten NWOBHM-Anhängern dürfte der Name Bob „Angelo“ Sawyer nicht zuletzt durch sein Mitwirken bei Praying Mantis auf deren 1980er 7”-Single ´Praying Mantis´/´High Roller´ geläufig sein. Aufhänger des vorliegenden Buches ist aber vor allem, dass der Gitarrist zwischen Ende 1976 und Sommer 1977 zusammen mit Dave Murray das Gitarrenduo bei den aufstrebenden Iron Maiden bildete und sich dabei insgesamt 49 Mal mit Steve Harris die Bühne teilte. Schon bald nach seinem Ausstieg kreuzten sich die Wege von Sawyer und Iron Maiden ein weiteres Mal: Praying Mantis waren als Support für die „Metal For Muthas Tour“ Anfang 1980 gebucht. Über all seine Auftritte mit Maiden und Praying Mantis hat Sawyer Tagebuch geführt. Diese Notizen fungieren jetzt als Grundgerüst für „Iron Maiden & Praying Mantis – The Early Days“. Ein großer Schriftsteller ist an Bob Sawyer sicherlich nicht verloren gegangen – dazu wirken die Einträge einfach zu hölzern (hier hätte der Verlag redigierend eingreifen sollen). Andererseits ist Sawyer ein wichtiger und vor allem glaubhafter Zeitzeuge. Er bestätigt u.a. das Gerücht, dass Steve Harris am 5. Februar 1980 in Grimsby tatsächlich für den kompletten Gig die Leadvocals übernahm, weil Paul Di´Anno sich zum großen Ärger der restlichen Bandmitglieder kurzfristig krankgemeldet hatte. Trotz vorhandener Schwächen sind die mit einigen unveröffentlichten Abbildungen angereicherten 144 Seiten unverzichtbar für all diejenigen, die sich tiefergehend mit der Maiden-Historie vor dem ersten Album und lange vor dem Einstieg von Bruce Dickinson beschäftigen wollen.

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REVIEW 23.01.2019

(Buch, RH 381, 2019)

JOHN NIVEN - Kill ´Em All

Mit „Kill Your Friends“, einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie, gelang John Niven 2008 ein Überraschungserfolg, der 2015 auch verfilmt wurde. In seinem aktuellen Roman „Kill ´Em All“ lässt Niven den legendären Protagonisten wiederauferstehen: Der ehemalige A&R-Manager Steven Stelfox genießt im Jahre 2017 ein geruhsames Jetset-Leben und nimmt nur noch gelegentlich hochdotierte Beraterjobs in der Musikindustrie an. Einen solchen bietet ihm auch sein alter Kollege James Trellick an, der mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma ist. Sein Künstler Lucius Du Pre ist der erfolgreichste Popstar auf Erden, hat aber leider eine Vorliebe für kleine Jungs und Drogencocktails. Es ist nun an Stelfox, den Junkie für die geplante Comeback-Tour wieder fit zu machen und einen Erpressungsversuch abzuwenden. Genau der richtige Job für den skrupellosen Stelfox, der keinerlei moralische Bedenken hat und bekanntlich über Leichen geht. Dass das gesellschaftliche Klima mittlerweile von Populismus, der puren Gier und großen Lügen bestimmt wird, spielt ihm dabei in die Karten. Allerdings weiß man in dieser Zeit der Unsicherheit natürlich nie, was als Nächstes geschieht. „Kill Your Friends“-Leser werden sich in der vor Zynismus strotzenden Schreibe, die kein gutes Haar am Musikbusiness lässt, sofort wohlfühlen. Doch die Welt ist in den letzten Jahren eine andere geworden, und so profitiert „Kill ´Em All“ enorm von der gesellschaftspolitischen Dimension, die Niven meisterhaft in die Geschichte verwoben hat. Dank der flüssigen deutschen Übersetzung von Nivens Stammübersetzer Stephan Glietsch stellt „Kill ´Em All“ ein kurzweiliges Lesevergnügen dar – vorausgesetzt man ist bereit, in menschliche Abgründe zu blicken.

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