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REVIEW 27.01.2016

(Buch, RH 345, 2016)

MATHIAS SCHERER - HELLTAL

Mathias Scherer alias Matze Aicher war in den frühen Neunzigern Gitarrist bei den Berliner Party-Rockern Eggmen Five. Inzwischen lebt er wieder in der Pfalz und arbeitet als erfolgreicher Drehbuchautor für „Soko Köln“ und „Soko Stuttgart“. Nun hat er seinen fast 400 Seiten starken Debütroman veröffentlicht, der vor autobiografischen Bezügen nur so strotzt. So liest sein Protagonist Mark Andersen neben „Kicker“ auch gerne Rock Hard, steht auf Classic Rock (Gillan!), mag Youngtimer und wird vom Spannungsfeld zwischen der pulsierenden Hauptstadt und der beschaulichen Pfalz geprägt. Um die Unschuld seines alten Kumpels zu beweisen, der zu Unrecht des Mordes verdächtigt wird, reist der abgehalfterte Ex-Bulle und Detektiv aus Hipsterhausen zurück in seine eigene Vergangenheit nach Helltal. Dort trifft er auf stark entwickelte Charaktere und viele Vorbehalte, die ihm das Leben zur Hölle machen. Die Geschichte ist mit mehreren Handlungssträngen und Rückblenden sehr vielschichtig und bleibt bis zum Ende spannend (daher an dieser Stelle keine Vorgriffe). Mathias benutzt eine sehr anschauliche Sprache, die immer wieder Bilder im Kopf entstehen lässt und sich flüssig liest. Einen besonderen Reiz erhält der Krimi durch die vielen Rush-Referenzen, die nicht nur als geschickt eingestreute Textauszüge und Erinnerungen an alte Konzerte (inklusive des Schreibfehlers „Heidelburg“ auf dem ´83er Tourshirt) auftauchen, sondern mit Zitaten auch die Hauptkapitel einleiten. Ein großer Lesespaß für Krimi- und Rock-Fans gleichermaßen!

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REVIEW 18.11.2015

(Buch, RH 343, 2015)

THIN LIZZY - ARE YOU READY? THIN LIZZY: ALBUM BY ALBUM

Alan Byrne (Soundcheck Books) Alan Byrne ist keiner der berüchtigten Vielschreiber von der Insel. Sein Fachwissen geht nicht in die Breite, sondern in die Tiefe. Byrne ist ausgewiesener Lizzy-Fachmann. Mit „Are You Ready? Thin Lizzy: Album By Album“ schließt der gebürtige Ire seine Trilogie über eine der besten Hardrock-Bands aller Zeiten ab. Auch wer die Vorgängerwerke „Soldiers Of Fortune“ (2004) sowie „Philip Lynott: Renegade Of Thin Lizzy“ (2012) bereits kennt, wird in Byrnes gerade erschienenem Schmöker viel Neues entdecken. Während sich leider nicht nur in englischen Musikzeitschriften die „Album by album“-Analyse im Wiederkäuen altbekannter Fakten erschöpft, hat Byrne auf eigene Faust Informationen gesammelt. Sein Interview-Verzeichnis ist über eine Seite lang und umfasst u.a. Produzenten (Tony Platt, Chris Tsangarides), Coverzeichner (Jim Fitzpatrick, Rodney Matthews) und natürlich zahlreiche Musiker (Brian Robertson, Eric Bell und sogar Snowy White). So entsteht ein etwas anderes Bild von Thin Lizzy, das eben nicht gänzlich auf Phil Lynott fokussiert ist. Byrne hat seine Hausaufgaben ohne Frage gemacht: Im Januar 2012 überraschte eine offizielle Presseerklärung mit der Nachricht, dass unglaubliche 700 unveröffentlichte Lizzy-Demos aufgetaucht seien – der ausgewiesene Lizzy-Alleswisser hat sich Zugang zu einigen dieser Aufnahmen verschafft (in der Mehrzahl natürlich lediglich Fragmente) und zieht in seinem Buch immer wieder erhellende Vergleiche zum offiziell veröffentlichten Lizzy-Katalog.

REVIEW 21.10.2015

(Buch, RH 342, 2015)

LAMB OF GOD - DARK DAYS: A MEMOIR

Randall Blythe (Century) Es hatte seinen Grund, warum sich LAMB OF GOD-Frontmann Randy Blythe in der Presse nicht zu seiner Anklage wegen Totschlags (nach einem Konzert seiner Band in Prag starb der Fan Daniel Nosek an den Folgen seiner Kopfverletzungen), dem anschließenden Gefängnisaufenthalt und dem erlösenden Freispruch äußern wollte, denn anstatt dieselbe Story wieder und wieder zu erzählen, entschied er sich dafür, den kompletten Alptraum in einem eigenen Buch zu schildern. „Dark Days: A Memoir“ als „interesting read“ (O-Ton Randy) zu beschreiben, ist eine Untertreibung, denn der Sänger lässt den Leser unmittelbar an seinen Gefühlen teilhaben. Egal ob Verwirrung, Verzweiflung oder Ohnmacht: Anders als in der exzellenten DVD-Dokumentation „As The Palaces Burn“ durchlebt man in diesem Buch das gesamte Gefühlschaos mit dem Fronter gemeinsam, ist hautnah dabei, wenn er sich mit den Mithäftlingen arrangiert, die eigenen Ängste bekämpft und nach der Entlassung gegen Kaution aus dem Gefängnis zu seinem Prozess nach Prag zurückkehrt und sich der Anklage stellt. Dass er nach dem finalen Freispruch die moralische Schuld für den Tod von Daniel Nosek übernimmt, nötigt Respekt ab. Wie überhaupt viele Episoden in „Dark Days“ Randy Blythe in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen als das Bild, das die Öffentlichkeit bisher von ihm gehabt hat. Intelligent und witzig, aber auch demütig und mit erstaunlicher Offenheit äußert er sich nicht nur zu dem Prozess, sondern ebenfalls zu seiner (überwundenen) Drogen- und Alkoholsucht und anderen Tragödien seines Lebens. Ein ernstes, exzellent geschriebenes Buch, das bisher nur auf Englisch erhältlich ist.

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REVIEW 27.05.2015

(Buch, RH 337, 2015)

PERPETUAL CONVERSION – 30 YEARS & COUNTING IN THE LIFE OF METAL VETERAN DAN LILKER

Dave Hofer (Handshake) Keine besonders spektakuläre Lektüre ist die Biografie von Danny Lilker (zu Papier gebracht von Dave Hofer). Das mag zum Teil daran liegen, dass Lilker einer der entspanntesten Zeitgenossen ist, die die Metalszene in den letzten 30+ Jahren hervorgebracht hat (was wiederum Rückschlüsse auf seine bevorzugte Art des Drogenkonsums zulässt). Die hochaufgeschossene New Yorker Szene-Ikone wurde gleich zu Karrierebeginn aus der eigenen Band (nämlich Anthrax) geworfen – das lächelt Danny einfach mal so weg. Wenigstens war Scott Ian die Sache im Nachgang so peinlich, dass Lilker relativ zeitnah eine Einladung zum legendären S.O.D.-Projekt erhielt. Nuclear Assault kamen erst danach so richtig in Fahrt – ohne Frage der Höhepunkt in Lilkers kreativem Schaffen. In der Folgezeit warf ihm die damalige Szenepolizei vor, die Fahne ein wenig zu sehr in den Wind gehalten zu haben, Brutal Truth fielen in die Hochzeit des Death Metal/Grindcore, Hemlock in die Anfangstage des norwegischen Black-Metal-Revivals. Wie sich die Zeiten doch ändern: Heute zuckt keiner mehr mit der Wimper, wenn Musiker (mit dem Ziel der Profitmaximierung?) simultan drei bis sieben stilistisch stark divergierende Nebenprojekte betreiben. Lilker ist und bleibt eine ehrliche Haut, das gute Gewissen der Metalszene – und das, wie es der umständliche Buchtitel bereits transportiert, seit nunmehr über 30 Jahren.

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