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DROPKICK MURPHYS

Live On St. Patrick´s Day

Ausgabe: RH 185

Schon oft habe ich in letzter Zeit über so genannte „Live-Alben" gemosert, die ungefähr so „live" waren wie Bundesliga-Fußball in der ARD. Dass es auch anders geht, beweisen uns die DROPKICK MURPHYS mit einer Scheibe, bei der so ziemlich alles stimmt. Da wären erst mal die Rahmenbedingungen: Aufgenommen wurde das Ding am St. Patrick´s Day, einem irischen Nationalfeiertag - und zwar in Boston, was nicht nur die Heimat der Band ist, sondern auch eine Stadt, in der viele irische Traditionen verwurzelt sind. Also der perfekte Tag für die endgeile Punkrock/Folk-Mischung der Murphys.

Die DROPKICK MURPHYS sind eine Band, die ganz besonders live prächtig funktioniert, denn ihre Songs finden den direktesten Weg vom Gehörgang zu dem Part des Gehirns, der dem Körper Wohlbefinden signalisiert. Die Stücke sind so dermaßen catchy, dass man automatisch die Refrains mitgrölt und mitschunkelt, egal ob stocknüchtern oder mit ein paar Guiness im Blut. Und diese Refrains sind so mächtig, dass sie in jedem Fußballstadion problemlos mitgebrüllt und zu Vereinsliedern umfunktioniert werden könnten.

Vermutlich wird zwar auch hier die eine oder andere Kleinigkeit nachgebessert worden sein, aber im Großen und Ganzen ist „Live On St. Patrick´s Day" eine ehrliche Live-Aufnahme. Sehr gut einbezogen wurde auch das Publikum, das während des kompletten Gigs nahezu sämtliche Texte mitsingt und sich königlich über die coolen Ansagen amüsiert. Sehr geil ist auch der Heiratsantrag, den ein Freund der Band seiner holden Maid auf der Bühne macht, was hinterher seitens der Musiker mit ein paar kauzigen Kommentaren garniert wird.

Und zu guter Letzt sind alle Songs auf dieser Scheibe enthalten, die man von den Murphys liebt. Da gibt´s die sanften Nummern, bei denen man bierselig dem wildfremden Nebenmann um den Hals fällt und irgendwie alle lieb hat. (Frank, komm sofort von Boris runter! Der arme Kerl ist schon ganz blau im Gesicht! - Red.) ´The Torch´, ´Forever´ oder ´Wild Rover´ (nein, das ist kein Cover von ´An der Nordseeküste´, sondern das Original aus dem schier unerschöpflichen Fundus der irischen Folklore!) bilden einen guten Kontrast zu rüden Punkrock-Krachern im Stile von ´For Boston´, ´John Law´ oder ´Which Side Are You On?´ und geilen Coverversionen wie ´Fortunate Son´ (CCR) oder ´Alcohol´ (Gang Green).

Eine rundum stimmige Sache also und gleichzeitig ein Lehrbeispiel für ein erstklassiges Livealbum!

Autor:
Frank Albrecht
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