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REVIEW 19.06.2019

(Dynamit, RH 386, 2019)

MY DYING BRIDE - A Harvest Of Dread

Mit „A Harvest Of Dread“ veröffentlichen MY DYING BRIDE eine wahrlich reizvolle Compilation. Auf fünf CDs wird die Karriere der traurigen Engländer auf eine interessante Art und Weise zusammengefasst. Während die ersten beiden CDs aus den jeweiligen Lieblingsliedern der Protagonisten Aaron Stainthorpe und Andrew Craighan bestehen, wartet CD Nummer drei mit dem ersten Demo „Towards The Sinister“ und Vorproduktions-Raritäten auf. Dies wird vor allem interessant, wenn man Düster-Welthits wie ´A Sea To Suffer In´, ´From Darkest Skies´ oder ´Your Shameful Heaven´ in einem völlig anderen Gewand erleben kann. Die vierte CD enthält weitere Pre-Production-Songs sowie rare Lieder von 7“- und EP-Veröffentlichungen, wie zum Beispiel das anbetungswürdige Swans-Cover ´Failure´. Die fünfte und letzte CD beinhaltet ein Live-Konzert aus dem Jahr 1997, welches soundtechnisch absolut hörenswert ist und „glücklicherweise“ die meisten Verzweiflungshymnen der Band aufweisen kann. Als wäre das nicht alles schon genug, um sofort in den nächsten Plattentempel zu kriechen, stecken die Scheiben in einem Hardcover-CD-Buch in LP-Größe. Dieses besteht aus der Biografie, Interviews sowie unzähligen nie veröffentlichten Fotos in fantastischer Qualität. Wer nun immer noch zögern sollte, sich diesen Almanach der Verzweiflung zuzulegen: Das Teil kostet umgerechnet knapp unter 50 Euro. Plus eine Packung Taschentücher.

REVIEW 7,5 19.06.2019

(Dynamit, RH 386, 2019)

BATUSHKA - Hospodi

Keine Frage, BATUSHKA umgibt live eine besondere Aura, aber gerade bei einem so aufwendig und filigran gestalteten visuellen Konzept ist es interessant, die Musik außerhalb dieses Kontexts zu hören. „Hospodi“ ist das zweite Album der polnischen Black-Metaller, die sich aktuell untereinander im Rechtsstreit befinden und momentan an kaum jemandem vorbeiziehen, ohne Eindruck zu hinterlassen. Grundsätzlich hat „Hospodi“ einen noch moderneren Touch als das Debüt „Litourgiya“, enthält aber die gleichen Trademarks. Besonders stark ist neben dem Spiel mit der Kirche und ihren religiösen Symbolen vor allem der atmosphärische Teil der Platte: BATUSHKA kreieren wirklich Gänsehaut machende Melodien (´Polunosznica´), die sie eindrucksvoll mit extremeren Riffs überlappen, sodass entweder eine gewaltige, mächtige Atmosphäre emporsteigt, bei der man das lodernde Bühnenfeuer vorm inneren Auge sehen kann, oder sich das überschlagende Extreme der Musik noch weiter ausdehnt. Die modernen, harten Breaks und fett aufgefahrenen Riffs (z.B. in ´Utrenia´ oder ´Tretij Czas´) reißen allerdings zu sehr aus dem stimmungsgeladenen Kontext und rücken das Ganze in einen massentauglichen, kommerziellen Rahmen ohne Ecken und Kanten - doch ansonsten gelingt BATUSHKA das Spiel mit Kontrasten und Dynamiken recht gut. „Hospodi“ ist also eher was für den Behemoth- als für den Bathory- oder Katharsis-Fan - und der aktuelle Hype zumindest zum Teil gerechtfertigt.

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REVIEW 8.5 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

PERRY FARRELL - Kind Heaven

Ich gebe es zu: Ein Jane´s-Addiction-Album mit feinen Rasereien an Drums und Gitarren wäre mir natürlich lieber gewesen - dafür war das Solo-Werk von PERRY FARRELL dann doch etwas zu schwammig. Aber die Neugier siegt, vor allem, wenn man liest, dass der auch schon 60-Jährige noch einen Plattenvertrag über mehrere Alben abschließen konnte. Da muss man liefern und kann nicht benebelt im Studio abhängen. Und tatsächlich ist „Kind Heaven“ eine höchst abwechslungsreiche Veranstaltung, die auch noch erstaunlich kurzweilig auf den Punkt kommt. Denn nach neun Songs und 31 Minuten ist die Messe bereits gelesen. Das fröhliche Rock-Cabaret in ´Cheerfulness´ und ´Snakes Have Many Hips´ kennt man in ähnlicher Form noch von Jane´s-Addiction-Platten, ebenso die gewaltig rockende Single ´Pirate Punk Politician´ - nicht der letzte hitverdächtige Song des Albums. Beeindruckend ist vor allem die professionelle Umsetzung im Studio. Die Melange aus rockigen und elektronischen Elementen, das Verweben von digitaler und analoger Technik klingt stets äußerst homogen. Das gilt natürlich erst recht für die tollen weiblichen Stimmen des Albums und alle mitwirkenden Studiocracks - vom Allerfeinsten. ´Machine Girl´ glänzt durch flotte Eingängigkeit, ´One´ ist eine zärtliche Liebeserklärung, ´Where Have You Been All My Life´ lässt einen Drum-Machine-Groove in einer Rock-Session enden, und ´More Than I Could Bear´ ist eine starke Hommage an die sinfonischen Elemente bei den Beatles oder Led Zeppelin. Mit ´Spend The Body´ enthält das Album sogar einen tanzbaren EBM-Hit, der, auch wenn man solcher Musik eher skeptisch gegenübersteht, wirklich gut gemacht ist und sogar ein fettes Gitarrensolo enthält. Qualität für Vielseitigkeitsreiter.

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