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REVIEW 8.5 18.12.2019

(Dynamit, RH 392, 2019)

MYSTIC PROPHECY - Metal Division

Tapetenwechsel bei MYSTIC PROPHECY: Nach sieben Studiodrehern für die teutonische Hartwurst-Schmiede Massacre in Serie steht das Power-Metal-Flaggschiff aus dem Allgäu ab sofort bei Roar! aus Griechenland unter Vertrag. Natürlich setzen Goldkehlchen/Produzent R.D. Liapakis, der die Band vor knapp 20 Jahren im beschaulichen Kurort Bad Grönenbach gründete, und seine MitstreiterInnen auf ihrem aktuellen, bis dato wohl härtesten Opus wieder auf alle Zutaten, die ein gutes Genrewerk ausmachen. Zum Beispiel wunderbare Gesangslinien, etliche Melodien mit Ohrwurmcharakter, kernige Riffs und töfte Gitarrensoli. Abgeschmeckt wurde das Ganze mit reichlich Bombast, einer kräftigen Prise Pathos und Metal-Klischees galore, wie man anhand von Songtiteln wie ´Metal Division´, ´Eye To Eye´, ´Hail To The King´ und ´Here Comes The Winter´ und dem quietschbunten Cover inklusive Dämon, Höllenhund Zerberus und zahllosen Totenschädeln unschwer erkennen kann. Highlights sind neben der verflixt eingängigen Midtempo-Hymne ´Dracula´ vor allem ´Curse Of The Slayer´, ´Victory Is Mine´ und der ruppige Nackenbrecher ´Die With The Hammer´, bei denen das Faible der Kapelle für Bay-Area-Thrash-Legenden wie Testament durchschimmert. Kurzum: Mit ihrem elften Studioalbum liefern MYSTIC PROPHECY erneut Qualitätsarbeit ab und untermauern ihren Ruf als einer der besten internationalen Power-Metal-Acts. Hinter Sabaton, Powerwolf, Hammerfall, Gamma Ray oder der Ami-Kulttruppe Iced Earth musste sich das Quintett eh noch nie verstecken. Für Fans dieser Bands, aber auch von Judas Priest, Accept oder Primal Fear ist „Metal Division“ demnach Pflicht.

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REVIEW 9 18.12.2019

(Dynamit, RH 392, 2019)

APOCALYPTICA - Cell-0

Musik besteht aus Noten. Metal aus Verzerrung und Leidenschaft. Die Band, die beides meisterhaft zusammenführen kann, sind APOCALYPTICA. Nun werden viele lachen, mit dem Kopf schütteln oder ihr Abo kündigen. Meinetwegen, hatten wir alles schon. Es stimmt auch, dass APOCALYPTICA in den letzten Jahren viel Bockmist verzapft haben, widerliche Anbiederung an das US-Publikum inklusive. Die Kollaboration, die mir ein „Date“ mit Nina Hagen verschaffte, bei dem Eicca Toppinen und der Interviewer (natürlich) nicht zu Wort kamen, war allerdings grandios. Genauso wie die Show im Libanon kurz vor dem Bombardement durch Israel und die Biere in der Sauna der finnischen Botschaft in Berlin. Ich bin bei APOCALYPTICA also nicht vollkommen neutral - aber die Jungs werden unterschätzt. Persönlich und musikalisch sowieso. „Cell-0“ ist die Scheibe, die nach Album Nummer vier, „Reflections“, hätte kommen müssen. Im Titel ist eine Null, eine Art Neustart also? Man war mit dem Metallica-Cover-Debüt auf Tour und entdeckte noch einmal die Kraft des Instrumentalen, nur mit dem Unterschied, dass Toppinen & Co. heute wesentlich reifere Musiker sind. „Cell-0“ erzeugt Bilder im Kopf und ist nur für Soundtrack-People, die genau das mögen. Es ist der überfällige Fick aus Moderne und klassischer Konservatoriumsausbildung, den diese Typen schon lange in sich tragen, aber nie verwirklichen konnten, durften oder wollten. Die Kompositionen sind gefühlvoll, manchmal radikal, oft sentimental (Finnen halt...) und im Großen und Ganzen wunderschön und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Ständiger Wechsel von Technik, Sound, Tempo, Spielart. Schöner die Celli nie schluchzten, möchte man sagen. Anspieltipp: das zehnminütige Titelstück.

REVIEW 9.0 20.11.2019

(Dynamit, RH 391, 2019)

VILLAGERS OF IOANNINA CITY - Age Of Aquarius

Dorfbewohner stehen ein bisschen im Ruf, eigenbrötlerisch zu sein. Beim Versuch, die Enge der Provinz hinter sich zu lassen, stehen sie sich daher mitunter selbst im Weg, doch aus jener Eigenwilligkeit entsteht mitunter große, einzigartige Kunst. Im Falle der VILLAGERS OF IOANNINA CITY fällt es dementsprechend schwer, ihre Musik zu charakterisieren - vielleicht ist es Weltmusik im besten Sinne des Wortes, vielleicht ist es Prog mit psychedelischen Anleihen und lässig eingestreuten Zitaten aus der griechischen Folklore. Tatsächlich ist die Herangehensweise des Quartetts zutiefst originell, jedoch viel weniger kopflastig: Es spielt einfach zeitlosen, klischeefreien Heavy Rock, dem offensichtlich genügend Zeit zum Atmen eingeräumt wurde. Jede Note auf „Age Of Aquarius“ klingt durchdacht, der Aufbau der meist überlangen Songs schlüssig und kurzweilig, der Gesang ist top und die Produktion schlichtweg Weltklasse. Ich kenne auch keine andere Band, die potenziell nervtötende Stimmungskiller wie Dudelsack und Klarinette so geschmackvoll und stilsicher in ihre Kompositionen verwebt wie diese Griechen. Eigenwillig ist nicht zuletzt auch die Temposetzung dieses Superalbums: Während andere Mitbewerber ihre „Hits“ am Anfang verbraten, drehen die Villagers im letzten Drittel noch mal so richtig auf - ab ´Father Sun´ schießen sämtliche Songs in den tiefroten Bereich der Zehn-Punkte-Wertung. Das ist keine Provinz, sondern internationale Spitze!

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REVIEW 7.5 20.11.2019

(Dynamit, RH 391, 2019)

TYGERS OF PAN TANG - Ritual

Das Vorgängeralbum gehört zu den erfolgreicheren der dänischen Plattenfirma Mighty und bewies, dass auch Bands wie die TYGERS OF PAN TANG, deren wechselhafte Geschichte etwas unübersichtlich ist, mit Beharrlichkeit und Geschick einen goldenen Spätherbst ihrer Karriere feiern können. Dass dem starken italienischen Sänger Jacopo Meille neben Songwriter und Ur-Mitglied Robb Weir dabei der Hauptanteil des Erfolgs zugeschrieben werden kann, dürfte sich herumgesprochen haben. „Ritual“ ist ein Album, wie es kaum noch erscheint. Die Songs zeichnen sich durch eine lockere Gradlinigkeit aus, die man eher aus dem AOR/Melodic-Rock-Sektor kennt, während das Soundgewand mit satter Gitarren-Distortion fast schon nach Heavy Metal klingt. Die Tygers haben in ihrer Karriere beides gemacht und sind nun bei einer Mischung angelangt, die für viele traditionelle Hörer passt. Anders als bei ähnlich gelagerten Truppen (Whitesnake, Vandenberg, Pretty Maids) wird man hier nie wilder Griffbrett-Akrobatik oder gar „Experimenten“ ausgesetzt, und sei es nur ein öder Blues-Shuffle. So gut und grundsolide „Ritual“ Song für Song auch ist (Schwachpunkte sind keine auszumachen), fehlt mir persönlich ein bisschen die Reibung in dieser Wohlfühl-Oase ohne Überraschungen. Vergleiche mit den Frühwerken der Band finde ich deshalb auch unpassend. Trotzdem ist das natürlich ein gutes Album, das seine besten Momente hat, wenn es etwas druckvoller zur Sache geht (´Worlds Apart´, ´Raise Some Hell´, ´Damn You!´, ´The Art Of Noise´). Richtig die Zähne zu fletschen, geht aber anders.

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