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REVIEW 8 28.04.2021

(Dynamit, RH 407, 2021)

GRETA VAN FLEET - The Battle At Garden's Gate

Die vier Jungs aus Illinois, die gerade mal 21 bis 24 Jahre alt sind, haben wirklich Eier: Für ihr zweites Album warten sie nicht nur mit Star-Produzent Greg Kurstin (Pink, Beck, Foo Fighters) auf, sie treiben den Ansatz ihres bemerkenswerten Debüts „Anthem Of The Peaceful Army“ von 2018 auch noch auf die sprichwörtliche Spitze. Das beginnt bei Songs, die bis zu neun Minuten dauern (wie das finale 'The Weight Of Dreams'), die ganz ungeniert Led Zeppelin, Fleetwood Mac, The Who, Rush oder auch Meat Loaf zitieren, sich im Spannungsfeld zwischen psychedelischem Endsechziger-Folk und opulentem Stadion-Rock bewegen sowie den Geist des klassischen Konzeptalbums beschwören. Eben mit zwölf Stücken, die zwar keinen in sich geschlossenen Handlungsbogen aufweisen oder eine durchgehende Geschichte erzählen, aber die quasi viele kleine Filmsequenzen oder Short stories nebeneinanderstellen. Da geht es um martialische Schlachten in bester „Herr der Ringe“-Manier, um ferne Galaxien, längst vergessene, weil untergegangene Kulturen, den mystischen siebten Akkord (den es nicht gibt) oder okkulte Priester-Orden, aber auch immer um die Suche nach Liebe, Glück und Harmonie. Ein hippieskes Fantasy-Szenario, das die Gebrüder Kiszka mit Bibelzitaten, farbenprächtigen Bildern und assoziativen Metaphern ausschmücken und das keine missionarische Botschaft als vielmehr den Stoff für großes, spannendes Kopfkino enthält. Also Musk als Mittel zur Realitätsflucht, als Parallelwelt und Alternative zu Computerspielen und Streamingdiensten. GRETA VAN FLEET zeigen, wie einnehmend und erfüllend wirklich gute, cineastische Rockmusik sein kann - und dass sie würdige Erben der Classic-Rock-Altmeister sind. Wer hier einfach nur eine Page/Plant-Kopie wittert, sollte noch mal genauer hinhören.

REVIEW 9.5 28.04.2021

(Dynamit, RH 407, 2021)

BROILERS - Puro Amor

Besser checken, ob die A-Seite des 90er-Tapes beim Kopieren tatsächlich das ganze gut 46-minütige Album mitnimmt (meistens ist ja ein bisschen Spielraum), denn sonst verpasst man das Paukenschlag-Finale: Die abschließenden 60, 70 Sekunden von Song Nummer 14, ´An allen anderen Tagen nicht (Lebe, du stirbst!)´, hinterlassen sprachlos, die Quasi-Essenz von „Puro Amor“ fasst an und bewegt, man kann sie, sofern nicht kalten Herzens geboren, nicht einfach wegnicken oder weglächeln - die Klarheit der simplen Worte wirft um, fernab jeder Banalität; wer weiß, was Savatages ´Believe´ oder Saviour Machines ´Jesus Christ´ als letzte Statements auslösen, liegt richtig, wenn er dieses BROILERS-Lied in dieselbe Reihe stellt. Kann sein, dass manch einer hier Pathos wittert, aber Social Distortion schlagen nun mal Slime, die Düsseldorfer PunkrockerInnen, die 1994 als Rumpel-Oi!-Truppe angefangen haben, konnten sich von allzu lauen Klischees emanzipieren, indem sie diese lediglich mit einem Augenzwinkern fortführen, nie arrogant oder streberhaft, sondern mit einer herrlichen Natürlichkeit, für die vor allem die klugen Texte Sammy Amaras sorgen, die man sich, wenn man möchte, auf der Zunge zergehen lassen kann. Zwei-, dreimal versanden die musikalisch immer scheuklappenfreien Ausflüge ein wenig (´Dachbodenepisoden´, ´Alter Geist´, die nur mittelmäßige zweite Single ´Alles wird wieder ok!´), beim Rest feuert der Fünfer ausnahmslos einmal mehr aus allen Rohren, ernst und nachhaltig (´Nach Hause kommen/Zurück zu mir´, ´Porca Miseria´) genauso wie heiter (´Diktatur der Lerchen´, ´Niemand wird zurückgelassen´), und wenn die Bläser schmettern (´Da bricht das Herz´, ´Alice und Sarah´), gibt´s sowieso kein Halten mehr. Die BROILERS bezeichnen „Puro Amor“, ihr achtes Studiowerk, dem Titel entsprechend als „Album über die Liebe“. Ich finde, das alles überschattende Thema der Platte ist Vergänglichkeit. Am Ende spielt es keine Rolle: „Puro Amor“ ist vor allem Begleiter in der Krise. Der verständnisvolle Freund. Und ja, auch ein Mutmacher. Und das ist nicht pathetisch oder kitschig - das ist lebenswichtig.

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REVIEW 8.0 29.03.2021

(Dynamit, RH 406, 2021)

THE OFFSPRING - Let The Bad Times Roll

Keine Ahnung, was THE OFFSPRING in den knapp neun Jahren seit der Veröffentlichung ihres letzten Longplayers „Days Go By“ getrieben haben. Finanzielle Probleme dürfte die Combo aus Huntington Beach bei L.A. während der langen Siesta kaum gehabt haben. Schließlich verkaufte sich das dritte Album des Kleeblatts „Smash“ (1994) dank Megahits wie ´Self Esteem´ und ´Come Out And Play´ weltweit mehr als elf Millionen Mal, und auch die Vorgänger und Nachfolger erreichten Gold- bzw. Platinstatus. Aber keine Angst, liebe Punkrock-Gemeinde bzw. Fans von Genre-Legenden wie Green Day, Rise Against oder Bad Religion: Wo THE OFFSPRING draufsteht, ist immer noch THE OFFSPRING drin, der von Star-Producer Bob Rock inszenierte zehnte Studiodreher der „Orange County Four“ steht erneut im Zeichen von hymnisch-beschwingten Punkrock-Hits mit Hardcore-, Stadion-Rock- und Pop-Anleihen inklusive zahlreicher „whoas“, „heys“ und „yeahs“. Dexter Holland (v./g.) bezeichnet „Let The Bad Times Roll“ als sein kathartischstes Album, was der Bandleader und Songtexter mit Nummern wie ´Army Of One´, ´Breaking The Bones´, ´The Opioid Diaries´ oder ´In The Hall Of The Mountain King´ (kein Savatage-Cover!) unterstreicht. Lauschgift: der treibende Dosenöffner ´This Is Not Utopia´, der Gute-Laune-Titeltrack, das höllisch flotte ´Hassan Chop´ und die schöne, von Klavier und Streichern flankierte Ballade ´Gone Away Requiem´.

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