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REVIEW 9 24.02.2021

(Dynamit, RH 405, 2021)

WITHERFALL - Curse Of Autumn

Ich weiß, ich wiederhole mich, und ich weiß, so langsam dürfte sich's auch bis in die hinterletzte Ecke herumgesprochen haben, aber es hilft ja nichts: WITHERFALL sind (und bleiben mit diesem vorliegenden, gerade mal dritten Album der Bandgeschichte) die derzeit mit weitem Abstand beste Anlaufstelle für Fans von progressivem US-Power-Metal. Das Songwriter-Duo Joseph Michael (Gesang, auch Sanctuary) und Jake Dreyer (Gitarrist, nebenbei Iced Earth) beweist einmal mehr nicht nur ein goldenes Händchen für mitreißende Melodien, treibende Riffs und Refrains, die sich direkt in die Gehirnwindungen bohren, sondern bringt auch das Kunststück zustande, auf einer knapp einstündigen Platte keine Minute zu langweilen. Zieht euch mal den Longtrack '... And They All Blew Away' rein, das hätten auch Queensryche, Nevermore oder eben Iced Earth (um an dieser Stelle ein paar musikalische Verwandte zu nennen) zu ihren goldenen Zeiten nicht besser hingekriegt. Joseph singt ein Stück weit aggressiver als in der Vergangenheit, was nicht nur der zunehmenden Erfahrung, sondern auch dem Konzept hinter „Curse Of Autumn“ geschuldet ist - mehr dazu im Interview in dieser Ausgabe. Dass hinter der Produktion absolute Vollprofis (namentlich die Gebrüder Jim und Tom Morris sowie Jon Schaffer; auch dazu mehr im Interview) stecken, hört man dem Album in all seiner Detailverliebtheit deutlich an. Und somit ist WITHERFALL mit „Cursed Of Autumn“ nicht nur EIN, sondern vielleicht DAS bisherige Highlight des noch jungen Jahres gelungen. Geiler Scheiß, ehrlich!

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REVIEW 8.0 24.02.2021

(Dynamit, RH 405, 2021)

EVERGREY - Escape Of The Phoenix

Mit dem grandiosen Vorgänger „The Atlantic“ haben EVERGEY ein enorm anspruchsvolles Konzeptalbum erschaffen, dessen Klasse sie kaum übertreffen können. Klugerweise haben sie daher auf ihrem neuen Album einen anderen Ansatz gewählt, bei dem die Songs sowohl musikalisch als auch textlich für sich stehen. Dazu gehen die sympathischen Göteborger insgesamt eine ganze Ecke härter zur Sache und lassen es bei ´A Dandelion Cipher´, ´Eternal Nocturnal´, ´Leaden Saints´ und dem Titelstück vor allem rhythmisch ordentlich krachen. Doch auch hier gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Die bilden in diesem Fall die beiden epischen (Halb-)Balladen ´Stories´ und ´In The Absence Of Sun´, die zu den Höhepunkten des Albums zählen und über weite Strecken nur von einem Piano und Tom Englunds mal wieder grandiosen Vocals getragen werden. Apropos: Der Frontmann ist ja eigentlich ein Party-Animal vor dem Herrn, zeigt aber textlich und gesanglich erneut seine verletzliche, wolkenverhangene Seite, die EVERGREY für mich zur mit Abstand emotionalsten aller Prog-Bands macht. Insofern erfolgt durch James LaBrie, der als Gast bei ´The Beholder´ agiert, keine Aufwertung, weil ihm genau diese einschmeichelnde Wärme fehlt. Einziges Manko des Albums: Die Refrains zünden nicht alle, sodass die Hitdichte diesmal nicht so hoch ist wie vor allem auf „Hymns For The Broken“, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. „Escape Of The Phoenix“ ist ein gehaltvolles Album, auf dem es viel zu entdecken gibt und das wie aus einem Guss wirkt. Die gefühlvollen Gitarrensoli von Hendrik Danhage und die geschmackvollen Keyboards von Rikard Zander, die atmosphärisch unterstützen und sich nie prätentiös in den Vordergrund drängen, suchen ihresgleichen. Abschließend noch ein Hinweis für Vinyl-Liebhaber: Der LP fehlt wegen der langen Spielzeit leider der letzte Song ´The Darkness In You´.

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REVIEW 9.0 24.02.2021

(Dynamit, RH 405, 2021)

ALICE COOPER - Detroit Stories

Es mag wie eine Plattitüde klingen, wenn man behauptet, dass es niemandem so gut gelingt, sich immer wieder neu zu erfinden, wie Großmeister ALICE COOPER. Aber tatsächlich ist das neue Album „Detroit Stories“ geradezu ein perfekter Anker für den gebürtigen Autostädter, um noch einmal sein gesamtes musikalisches Spektrum auszuleuchten. Die „Breadcrumbs“-EP von 2019 bot bereits einen gewissen Vorgeschmack, jetzt also das vollständige Album mit satten 15 Songs (und einer ganzen Menge helfender Hände). Wo soll man bloß anfangen? Vielleicht gleich beim Opener. Als Eröffnungsstück hätte womöglich auch die Neuaufnahme von ´Detroit City´ ganz gut funktioniert. Letztendlich fiel die Wahl freilich auf ´Rock & Roll´ aus der Feder von The Velvet Underground, eine von gleich drei Coverversionen des Albums (die anderen beiden sind ´Sister Anne´ von MC5 sowie am Ende ´East Side Story´, ein ganz früher Song aus der Feder von Bob Seger). Bei ´Hail Mary´ und vor allem ´Shut Up And Rock´ wird so gerockt, wie wir das etwa von „Trash“ kennen - vielleicht nicht ganz so bubblegum-süßlich. ´Go Man Go´ und ´I Hate You´ lassen eindeutig die Handschrift von Wayne Kramer erkennen, zwei packende Ausflüge in Proto- respektive ´77-Punk-Gefilde. Das zum Schmunzeln anregende ´Independence Dave´ klingt wie eine Kreuzung aus ZZ Top und der „Rocky Horror Picture Show“, während ´Drunk And In Love´ ein herrlich abgefuckter Blues-Rocker (allerdings mit lyrischem Tiefgang) ist - hier blüht die Kunstfigur ALICE COOPER richtig auf. Mit ´$1,000 High Heel Shoes´ geht man sogar noch einen Schritt weiter, indem R&B mit Soul und Funk kombiniert wird, es gibt eine ganze Menge Blech um die Ohren. Im Gegensatz dazu kommt ´Hanging On By A Thread (Don´t Give Up)´ gänzlich ohne Pauken und Trompeten aus, der Hoffnungsmacher zur Covid-19-Pandemie. Aber Balladen konnte Alice ja schon immer gut. Wie schon im Falle von Deep Purple ist auch bei „Detroit Stories“ der Einfluss von Bob Ezrin nicht hoch genug einzuschätzen. Der gebürtige Kanadier hat nicht nur das Klangkostüm der Platte entworfen, sondern auch am Konzept mitgefeilt und aktiv zum wirklich herausragenden Songwriting beigetragen.

REVIEW 8,5 24.02.2021

(Dynamit, RH 405, 2021)

RICKY WARWICK - When Life Was Hard And Fast

Die Tatsache, dass RICKY WARWICK neben seinen Veröffentlichungen als Solokünstler auch bei Black Star Riders und Thin Lizzy als Frontmann tätig ist, hat ihm nicht nur eine gesteigerte Medienpräsenz eingebracht, sondern aus manchen Ecken auch den Vorwurf, dass er gefühlt zwischen dem Aufschlagen zweier Frühstückseier einen neuen Song schreibt. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist, denn seit dem Release seines letzten Solo-Doppels „When Patsy Cline Was Crazy... And Guy Mitchell Sang The Blues“ und „Hearts On Trees“ sind tatsächlich fünf Jahre vergangen. Für die Aufnahmen zu „When Life Was Hard And Fast“ hat sich der in L.A. lebende Exil-Ire die Dienste von Drummer Yavier Muriel (Black Star Riders) sowie Basser Robert Crane und Gitarrist Keith Nelson (beide ex-Buckcherry) gesichert und erneut zwölf extrem geschmackssichere Rocksongs eingespielt, die sowohl seine Punk-Roots als auch sein Classic-Rock-Faible durchschimmern lassen. Keith Nelson produzierte das Album nicht nur, sondern schrieb zusammen mit RICKY WARWICK den Großteil des Materials. Und wenn so hochkarätige Musiker zusammenarbeiten, muss es schon mit dem Teufel zugehen, wenn das Endergebnis nicht für sich spricht. „When Life Was Hard And Fast“ bietet nicht nur eine Handvoll erstklassiger Rock'n'Roll-Songs, sondern auch das eine oder andere stilistische Experiment wie beispielsweise das gefühlvolle, von Rickys Tochter Pepper geschriebene und gemeinsam eingesungene 'Time Don't Seem To Matter' oder eine punkige Nummer wie das treibende 'Don't Corner A Rat'. Dazu gibt's Gastauftritte von Joe Elliott (Def Leppard), Dizzy Reed (Guns N' Roses), Andy Taylor (Duran Duran, Powerstation) und Luke Morley (Thunder), die der Platte zu zusätzlicher Tiefe verhelfen und den Hörer bei jedem Durchlauf neue Details erkennen lassen. Well done, Mr. Warwick!

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REVIEW 9 24.02.2021

(Dynamit, RH 405, 2021)

ARCHITECTS - For Those That Wish To Exist

Auf „Holy Hell“ haben ARCHITECTS den tragischen Tod von Tom Searle verarbeitet und damit die Trilogie zu seiner Krebserkrankung abgeschlossen. Danach waren die Köpfe frei(er) für ein neues Kapitel, das sie jetzt aufschlagen. Die smarten Jungs aus Brighton haben den Restart genutzt, um sich noch mehr zu trauen und ihren Post-Metalcore-Klangkosmos zu erweitern. Vor allem die elektronischen und orchestralen Elemente haben an Bedeutung gewonnen, ohne dass die massiven Riffs und rhythmischen Trademarks über Bord geschmissen wurden. Gerade in Verbindung mit dem nun mehrheitlich verwendeten Klargesang (Chapeau, Sam Carter!) ergibt sich ein großer Schritt in Richtung Mainstream - allerdings ohne die damit meist einhergehende negative Konnotation. Trotz massiven Pop-Appeals ist „For Those That Wish To Exist“ nämlich zu keiner Zeit cheesy, pathetisch oder beliebig, sondern begeistert mit authentischen Emotionen, einer kunstvollen Gratwanderung zwischen zerbrechlich und brachial sowie großen Hooklines. Gewiss wird es Fans geben, die diese Wandlung nicht mitmachen wollen, aber die Band hat sich schon immer frei von Erwartungshaltungen entwickelt - man denke nur an den Sprung von „Hollow Crown“ zu „The Here And Now“. Auch diesmal sprechen der kreative Mut und die Klasse der Kompositionen für sich, wie besonders der grooveriffende Brecher 'Black Lungs', die cineastische Hymne 'Dead Butterflys', die packende Lead-Single 'Animals', das wüste 'Impermanance' mit Gastbrüller Winston McCall (Parkway Drive) und der sehr dynamische Laut/leise-Hit 'Goliath' mit Simon Neil (Biffy Clyro) zeigen. Dieser Schritt ist ein großer!

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