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REVIEW 9.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

HÄLLAS - Conundrum

Adventure Rock. Ein Musikjournalist, der was auf sich hält, vermeidet in der Regel jene Wortkreationen, die Plattenmanager, Promomenschen und auch manche Musiker ersinnen, um ein neues Album aus dem Wust der Releases in das Bewusstsein des Rezensenten zu heben. Je länger ich jedoch darüber nachdenke, mit welchen Worten dieses großartige zweite Vollalbum von HÄLLAS angemessen zu würdigen wäre, je mehr wird mir klar: Adventure Rock, dieser Begriff, den die Band selbst für ihren Stil verwendet, trifft es so präzise wie kein anderer. Mit großer tagträumerischer Geste huldigen die Schweden der Meisterschaft alter Heavy-Rock-Helden (Wishbone Ash, Uriah Heep) und verlieren sich in sphärischen Softprog-Welten (inklusive Robovoice à la Styx), deren Geschicke bestimmt sind von reitenden Raumfahrern, raumfahrenden Rittern und Magie, Magie, Magie. Sword & Sorcery meets Space-Märchen - das mag lächerlich klingen, in Wahrheit aber ist es kindisch im schönsten Sinne: Das Kind im Manne, im Weibe und in sonst wem staunt beseelt. Hits wie ´Astral Seer´ oder ´Star Rider´ finden sich hier nicht sofort, dafür wirkt die Band entschiedener, welchen Weg sie mit dem jeweiligen Song beschreiten will, und Tommy Alexandersson hauchnäselt etwas weniger, sondern singt mehr. Live tritt die Truppe mit Samtcapes, Glitzerlederstiefeletten und Prinz-Eisenherz-Sänger-Haarputz auf (ab März erneut auf Deutschland-Tour - go!), und böte sie ihre Songs nicht in schlichter Perfektion dar, man könnte meinen, verschüchterte Dungeons-&-Dragons-Teenies seien aus der Vergangenheit auf die Bühne zwangszeitgereist und plötzlich 15 Jahre gealtert. Caress your inner child, buy this fukkin´ album!

REVIEW 8.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

BONDED - Rest In Violence

Dass mit Markus Freiwald (dr.) und Bernd Kost (g.) zwei bestens bekannte (Ex-Sodom-)Ruhrpott-Musiker hinter BONDED stecken, dürfte sich herumgesprochen haben. Ebenso, dass man Assassin-Shouter Ingo Bajonczak für sich gewinnen konnte. Aber wie klingt es nun? Sehr heavy jedenfalls. Der erste Track ´Godgiven´ tritt vehement die Tür ein und verschafft dem Sänger mit seiner kräftigen Röhre gleich etwas Platz. Ob man BONDED in Zukunft als echte Band wahrnehmen wird, hängt natürlich auch von seinem Wiedererkennungswert ab. Die Eröffnungsnummer sitzt jedenfalls wie ´ne Eins! Thrash auf höchstem Niveau, auch mit Overkills Bobby Blitz am Mikro (´Rest In Violence´) klingt der Fünfer keinesfalls harmloser. Freiwalds perfekt ausgeführte Drumrolls erinnern an das taktvolle Gemetzel der ersten Slayer-Alben, Bernemanns Hi-Gain-Gitarrenarbeit glänzt mit einer wohldosierten Mischung aus Dreck, Technik und dezenten Melodien. ´Suit Murderer´ besitzt das rohe Flair des unbarmherzigen Ruhrpott-Thrash (Kreator), während ´Je Suis Charlie´ sowohl von der Textidee als auch vom Gesangsarrangement her mein Höhepunkt des Albums ist. Aber natürlich gibt es auch Verbesserungspotenzial. Die Verbindung zwischen Gesang und Musik ist nicht immer so elegant wie im Titel über den feigen Angriff auf das französische Satireblatt. So quält sich ´No Cure For Life´ trotz eines guten Refrains etwas über die Runden, und mit zunehmender Spieldauer nutzt sich auch das technisch allerbeste Gedresche etwas ab. Mehr Mut zu Melodie und Abwechslung hätte für meine Begriffe nicht geschadet. Trotzdem ein Debüt, das Genre-Fans auf dem Zettel haben sollten!

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REVIEW 8.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

STEVE HARRIS' BRITISH LION - The Burning

Auch wenn seit dem ersten „Soloalbum“ von Steve Harris bereits satte acht Jahre vergangen sind, ist „The Burning“ dennoch ein nahezu exaktes Spiegelbild des Debüts. Die Parallelen reichen dabei bis hin zum dramaturgischen Aufbau - wie schon der Erstling wird auch „The Burning“ mit einer Uptempo-Nummer eröffnet (´City Of Fallen Angels´) und durch eine Ballade abgeschlossen (´Native Son´). Wieder mal zeigt sich: Steve Harris ist ein Gewohnheitsmensch. Aber wie schon bei der Feuertaufe von BRITISH LION sollte man einen Fehler tunlichst vermeiden, nämlich Quervergleiche zum Werk von Iron Maiden zu ziehen. Dies verbietet sich allein schon aufgrund des Sängers Richard Taylor, der nicht besser oder schlechter ist als Bruce Dickinson, dessen Stimmumfang und Tonalität aber einfach komplett anders gelagert sind. Die Maxime kann also nur heißen, den elf neuen Stücken mit offenem Visier zu begegnen. Und dabei fällt auf, dass die Songreihenfolge ein wenig unglücklich gewählt ist, denn die wirklichen Highlights finden sich im letzten Drittel. Allen voran das bereits live ausgiebig getestete ´Spit Fire´. Aber auch ´Land Of The Perfect People´ mit einer starken Hookline und fast AOR-tauglicher Sensitivität. ´Bible Black´ geht mit seinen zahlreichen Tempowechseln als die vielleicht dynamischste Nummer des Albums durch. Der Harris´sche Hardrock-Sound fußt jederzeit im Hier und Jetzt und ist zu keiner Zeit rückwärtsgewandt. Was heutzutage fast schon wieder erfrischend ist. Unterm Strich bleibt ein höchst eigenständiges, künstlerisch absolut integeres Werk, das wohl abermals vom Gros der Maiden-Fans mit Nichtachtung gestraft werden wird, allerdings nicht ohne die Herzen einer kleinen, eigenen Anhängerschaft zu berühren. BRITISH LION sind und bleiben BRITISH LION. Nicht Iron Maiden. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

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REVIEW 8,5 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

ANNIHILATOR - Ballistic, Sadistic

Jeff Waters hat seine Versprechen (weitgehend) eingehalten. „Ballistic, Sadistic“ ist ein Neustart für ANNHILATOR. Gitarre, Bass und Drums grooven und hämmern endlich wieder organischer miteinander, der Billigsound der letzten Veröffentlichungen ist hoffentlich ein für allemal vergessen. Auch der Gesang klingt ehrlicher und spontaner. Damit ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber der Rahmen für einen der besten Heavy-Metal-Gitarristen der Welt ist zumindest würdig. Fans des gepflegten Geschredders kommen hier erneut auf ihre Kosten, die Geschwindigkeit ist größtenteils atemberaubend, die Präzision der Riffs, Soli und Licks eine wahre Wonne. Kleinere Schwächen gibt es allenfalls beim Songwriting zu vermelden. Nach 17 Alben wiederholt sich so einiges im ANNIHILATOR-Camp, das wurde auch auf der kürzlich absolvierten Tour deutlich. Dennoch ist der typische, „galoppierende“ Doublebass-Beat ein Markenzeichen des Kanadiers geworden. Macht immer wieder Spaß und kann auch abendfüllend sein. Mit 'Lip Service' (er meint „Cunnilingus“...) hat sich sogar so was wie ein Beinahe-Remake von 'Knight Jumps Queen' auf die Platte geschlichen. Man muss das wohl alles nicht so ernst nehmen. Die Platte zeichnet sich zwar durch viel Wut und Punk-Attitüde aus, wirkt aber längst nicht so verkrampft wie sonst. 'Armed To The Teeth', 'Psycho Ward' und 'That's Life' haben den richtigen Funken Melodie abgekriegt, ab der Album-Mitte kommen noch zahlreiche Thrash-Granaten zum Zuge, die nicht viel schlechter als die Debüt-Hymne 'Welcome To Your Death' durchs Gelände knattern. Auf ein gewitztes Thrash-Epic à la 'Alison Hell' müssen wir hingegen wohl noch warten, aber der Anfang ist immerhin gemacht.

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