Teaser

REVIEW 7,5 19.06.2019

(Dynamit, RH 386, 2019)

BATUSHKA - Hospodi

Keine Frage, BATUSHKA umgibt live eine besondere Aura, aber gerade bei einem so aufwendig und filigran gestalteten visuellen Konzept ist es interessant, die Musik außerhalb dieses Kontexts zu hören. „Hospodi“ ist das zweite Album der polnischen Black-Metaller, die sich aktuell untereinander im Rechtsstreit befinden und momentan an kaum jemandem vorbeiziehen, ohne Eindruck zu hinterlassen. Grundsätzlich hat „Hospodi“ einen noch moderneren Touch als das Debüt „Litourgiya“, enthält aber die gleichen Trademarks. Besonders stark ist neben dem Spiel mit der Kirche und ihren religiösen Symbolen vor allem der atmosphärische Teil der Platte: BATUSHKA kreieren wirklich Gänsehaut machende Melodien (´Polunosznica´), die sie eindrucksvoll mit extremeren Riffs überlappen, sodass entweder eine gewaltige, mächtige Atmosphäre emporsteigt, bei der man das lodernde Bühnenfeuer vorm inneren Auge sehen kann, oder sich das überschlagende Extreme der Musik noch weiter ausdehnt. Die modernen, harten Breaks und fett aufgefahrenen Riffs (z.B. in ´Utrenia´ oder ´Tretij Czas´) reißen allerdings zu sehr aus dem stimmungsgeladenen Kontext und rücken das Ganze in einen massentauglichen, kommerziellen Rahmen ohne Ecken und Kanten - doch ansonsten gelingt BATUSHKA das Spiel mit Kontrasten und Dynamiken recht gut. „Hospodi“ ist also eher was für den Behemoth- als für den Bathory- oder Katharsis-Fan - und der aktuelle Hype zumindest zum Teil gerechtfertigt.

Teaser

Teaser

Teaser

Teaser

REVIEW 8.5 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

PERRY FARRELL - Kind Heaven

Ich gebe es zu: Ein Jane´s-Addiction-Album mit feinen Rasereien an Drums und Gitarren wäre mir natürlich lieber gewesen - dafür war das Solo-Werk von PERRY FARRELL dann doch etwas zu schwammig. Aber die Neugier siegt, vor allem, wenn man liest, dass der auch schon 60-Jährige noch einen Plattenvertrag über mehrere Alben abschließen konnte. Da muss man liefern und kann nicht benebelt im Studio abhängen. Und tatsächlich ist „Kind Heaven“ eine höchst abwechslungsreiche Veranstaltung, die auch noch erstaunlich kurzweilig auf den Punkt kommt. Denn nach neun Songs und 31 Minuten ist die Messe bereits gelesen. Das fröhliche Rock-Cabaret in ´Cheerfulness´ und ´Snakes Have Many Hips´ kennt man in ähnlicher Form noch von Jane´s-Addiction-Platten, ebenso die gewaltig rockende Single ´Pirate Punk Politician´ - nicht der letzte hitverdächtige Song des Albums. Beeindruckend ist vor allem die professionelle Umsetzung im Studio. Die Melange aus rockigen und elektronischen Elementen, das Verweben von digitaler und analoger Technik klingt stets äußerst homogen. Das gilt natürlich erst recht für die tollen weiblichen Stimmen des Albums und alle mitwirkenden Studiocracks - vom Allerfeinsten. ´Machine Girl´ glänzt durch flotte Eingängigkeit, ´One´ ist eine zärtliche Liebeserklärung, ´Where Have You Been All My Life´ lässt einen Drum-Machine-Groove in einer Rock-Session enden, und ´More Than I Could Bear´ ist eine starke Hommage an die sinfonischen Elemente bei den Beatles oder Led Zeppelin. Mit ´Spend The Body´ enthält das Album sogar einen tanzbaren EBM-Hit, der, auch wenn man solcher Musik eher skeptisch gegenübersteht, wirklich gut gemacht ist und sogar ein fettes Gitarrensolo enthält. Qualität für Vielseitigkeitsreiter.

REVIEW 7.0 22.05.2019

(Dynamit, RH 385, 2019)

DEATH ANGEL - Humanicide

Die Meinungen über die neuesten DEATH ANGEL-Outputs gehen redaktionsintern auseinander. Während Buffo „Humanicide“ als das stärkste DEATH ANGEL-Album seit „Act III“ tituliert, gibt es auch Fans der Band, die den aktuellen Werken nicht sonderlich viel abgewinnen können. Zu Letzteren zählen Boris und ich. Seitdem die Truppe mit Produzent Jason Suecof, Bassist Damien Sisson und Schlagzeuger Will Carroll zusammenarbeitet, ist ihr ein wichtiger Teil der Sound-Identität abhanden gekommen. Zum einen hat Jason Suecof dem Quintett einen sterilen Sound verpasst, bei dem so gar nichts mehr swingt und die Gitarren ohne jegliches Bratfett auskommen müssen. Zum anderen hat das Quintett die meisten rockigen Stil-Elemente, die ein Album wie „Killing Season“ besonders interessant gemacht haben, über Bord geworfen. Und so hat die Band auch auf „Humanicide“ wieder die Thrash-Scheuklappen aufgesetzt, um ihr vermeintliches Kernpublikum zu bedienen. Das Problem dabei ist: Im Gegensatz zu den jüngsten Werken von Overkill und Testament, die sich auch wieder ein Stück weit ihrer Vergangenheit angenähert haben, mangelt es dem Album erneut an Überraschungen und - das ist das Gravierende - an Hooks und wirklichen Hits (´I Came For Blood´ und ´Aggressor´ haben noch das größte Hit-Potenzial, können mit den Signature-Songs des Backkatalogs aber nicht richtig mithalten). Wenn man sich Mark Oseguedas eigenständige Vocals wegdenkt, bleibt größtenteils Thrash-Metal-Stangenware. Das ist natürlich alles solide umgesetzt und unterschreitet ein okayes bis gutes Niveau nicht. So richtig packen will es mich aber nicht.

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.