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REVIEW 9 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

DREAM THEATER - A View From The Top Of The World

Es wirkte von außen fast so, als seien DREAM THEATER im späteren Verlauf ihrer Karriere von einem Perfektionsvirus des Sich-beweisen-Müssens befallen, selbst die totalen Frickel-Fans attestierten den Kopf- und Fingerkünstlern zuletzt eine gewisse Verkrampfung. Der Stern der Weltklasse-Progger sank deshalb eher, als dass er stieg, doch „A View From The Top Of The World“ markiert nun einen überraschenden Wendepunkt. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht hat die Pandemie die Musiker geerdet und der private Burgfrieden mit Ur-Drummer Mike Portnoy endlich Ruhe einkehren lassen. Oder hat gar - ganz profan - die gemeinsame Arbeit im brandneuen Proberaum-Studio die Lust aufs ungehemmte Aus-dem-Bauch-heraus-Musizieren wieder geweckt? Während die erste Singleauskopplung 'The Alien' wie eine erwartbare Spieltechnik-Schlacht auf allerhöchstem Niveau erscheint und eher durch ihre harte Ausprägung und elegante Übergänge überrascht, rücken die einzelnen Mitglieder von Beginn an wechselweise und nahezu gleichberechtigt in den Fokus. Das liegt natürlich auch an der ausgewogenen Produktion und dem fein austarierten Mix der Platte, aber Musik dieser Gewichtsklasse kann entweder leidenschaftlich oder kühl klingen. Für meinen Geschmack spielen DREAM THEATER auf „A View From The Top Of The World“ größtenteils im rot-warmen Bereich. Da zieht Mike Mangini immer wieder im richtigen Moment das Tempo an oder sorgt Jordan Rudess für feine Keyboard-Melodien und ekstatisch anmutende Soli, während sich Petrucci und Myung auch mal unterordnen und „nur“ eine mathematisch anmutende Taktakt krachen lassen (trotzdem ist Gitarrist/Produzent John Petrucci wohl erneut der Mastermind hinter dieser Platte). Den größten Sprung darf man jedoch Sänger James LaBrie attestieren. So unangestrengt und locker wie auf den sieben anspruchsvoll komponierten Songs klang der Kanadier lange nicht mehr. Er wechselt vermehrt in die mittlere Tonlage, was die Refrains umso angenehmer erscheinen lässt. Es sind diesmal nicht nur feine Verschnaufpausen zwischen den Instrumental-Gewittern, sondern echte Höhepunkte der Songs. Manches ist sogar zum Mitsingen geeignet. Spätestens bei 'Invisible Monster' sollte Savatage-Fans das Herz aufgehen. Das Album wirkt wie aus einem Guss, auch wenn jeder Titel ein eigenes kleines Universum für den Hörer bereithält. Ob der 20-minütige Titeltrack mit den ganz großen DREAM THEATER-Epen mithalten kann oder nur ein großartiger Album-Abschluss ist, darüber kann man sich in Fan-Foren die Köpfe einschlagen. Wichtiger ist vielmehr die Erkenntnis, dass DREAM THEATER wieder in Form sind.

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REVIEW 8,5 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

U.D.O. - Game Over

Udo Dirkschneider ist umtriebiger denn je, wobei sein großer Output nicht zu Lasten der Qualität geht. Sowohl das letzte reguläre U.D.O.-Album „Steelfactory“ als auch die anschließende Kooperation mit dem Musikkorps der Bundeswehr schafften bei uns eine Dynamit-Platzierung, und das jüngste Projekt Dirkschneider & The Old Gang lässt mit seiner extrem starken Debüt-EP ebenfalls aufhorchen. Nachdem „We Are 1“ stilistisch erstaunlich experimentell ausfiel, bildet „Game Over“ nun quasi den Gegenpol und führt ohne Umweg zurück in die frühen Achtziger. Das inzwischen 17. U.D.O.-Album atmet den Vibe der ersten Accept-Scheiben, als der Einfluss von AC/DC noch deutlich herauszuhören war. So könnte die zweite Single 'Kids And Guns' (handelt von Kindersoldaten) glatt von „I'm A Rebel“ stammen und neben Fans der IG Altmetall auch die von Airbourne ansprechen. Der Bogen wird von der melancholischen Hymne 'Metal Never Dies' (file under „Restless And Wild“) bis zum packenden Midtempo-Stampfer 'Empty Eyes' gespannt, der im „Balls To The Wall“-Stil daherkommt. Udo himself ist nach wie vor bestens bei (Reibeisen-)Stimme, und die Gitarrenarbeit besticht einmal mehr durch teils klassisch, teils folkloristisch angehauchte, wunderschöne Melodien, gefühlvolle Soli sowie prägnante Licks ('Holy Invaders'). Gerade im Vergleich zum neuen Running-Wild-Album, das mal wieder an der leblos programmierten Produktion und dem viel zu komprimierten Klang krankt, bestechen bei „Game Over“ die organisch groovende, arschtighte Rhythmussektion und der warme Old-School-Sound (auch wenn er wahrscheinlich ebenfalls digital zustande gekommen ist - aber eben mit dem entsprechenden Händchen).

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