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REVIEW 9 01.07.2020

(Dynamit, RH 398, 2020)

CRO-MAGS - In The Beginning

»Ich denke, dass „In The Beginning“ das bislang beste CRO-MAGS-Album ist«, erzählt uns Bandgründer Harley Flanagan (b./v.) und klingt dabei null Komma null nach Promo-Gelaber. Auf dem ersten CRO-MAGS-Longplayer seit 20 Jahren, nach ewigen Streitereien mit Ex-Kollegen inklusive Knastaufenthalt im berüchtigten Rikers Island und einem kosten- und nervenzehrenden Gerichtsverfahren, verbreitet der Typ, der den Hardcore miterfunden hat, ihn aber schon seit Dekaden völlig uninteressant findet, eine Aufbruchsstimmung, die man bei der Generation 50 plus sonst mit der Lupe suchen muss. „In The Beginning“ ist - nomen est omen - Neustart, aber zugleich ein Anknüpfen an die besten Bandphasen. Das Album ist eine brillante Kombination aus dem „Power-Metal-Hardcore“ der „Best Wishes“-Phase, der „Age Of Quarrel“-Urgewalt und dem bei Harley schon seit langem sehr tief liegenden Genre-Tellerrand, der inzwischen sogar Platz für relaxten Soundtrack-Eskapismus lässt. Der Großteil der Platte ist aber ganz klar zwischen schnellen Nackenbrechern und düster riffendem Midtempo-Metal-Mosh positioniert. Harley brüllt aggro as fuck seine „Gib niemals auf“-Attitüde durch die Speaker, und Gitarrist Rocky George (ja, genau - der olle Suicidal-Tendencies-Held) fiedelgniedelt etwaige Soundlöcher geschmackvoll zu. Der beste Hardcore-Metal-Hybrid seit - jetzt bitte nicht durcheinanderkommen - Harleys Solo-Prachtwerk „Cro-Mags“ und somit motherfucking weit vorn. Er kann's halt wie kein anderer.

REVIEW 8,5 01.07.2020

(Dynamit, RH 398, 2020)

THUNDERMOTHER - Heat Wave

Filipa Nässil hat ein beeindruckendes Durchhaltevermögen bewiesen: Nachdem das alte THUNDERMOTHER-Line-up nach zwei Alben zerbrochen war, wagte die Gitarristin 2017 mit frischer Besetzung einen Neustart. Das 2008 veröffentlichte Album „Thundermother“ ließ besonders durch die prägnante Stimme von Sängerin Guernica Mancini aufhorchen. Auf „Heat Wave“ erreichen die Schwedinnen nun den Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens. Produzent Søren Andersen (Electric Guitars) hat dem Quartett nicht nur einen Top-Sound auf den Leib geschneidert, sondern auch beim Songwriting unter die Arme gegriffen, welches variabler als je zuvor ausfällt. Die Basis bilden nach wie vor Riffs der AC/DC-Schule, die aber durch den soulig-bluesigen Gesang von Guernica eine frische und eigenständige Note verliehen bekommen. Schon das eröffnende Doppelpack 'Loud And Alive' und 'Dog From Hell' lässt die einstige Rock'n'Roll-Hoffnung Airbourne ganz schön alt aussehen. Im weiteren Verlauf lässt die Band eine Hit-Rakete nach der anderen aufsteigen. Besonders 'Into The Mud', 'Mexico', 'Heat Wave' und 'Driving In Style' erweisen sich als Himmelsstürmer mit langanhaltender Strahlkraft. Lediglich das etwas platte 'Back In '76' will nicht so richtig abheben, während die Power-Ballade 'Sleep' mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Streicher-Plüsch eher zum Feuerzeug-Schwenk taugt. Dass die Band aber auch ruhigere Töne anschlagen kann, ohne ins Kitschige abzudriften, beweist sie mit dem gelungenen 'Purple Sky', das durch seinen Hammond-Orgel-Einsatz in die Nähe von Blues Pills rückt. Mit diesem starken Album im Gepäck sind THUNDERMOTHER ihrem erklärten Ziel der „Rock'n'Roll World Domination“ einen großen Schritt näher gerückt. Weiter so!

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REVIEW * 27.05.2020

(Dynamit, RH 397, 2020)

TRIPTYKON - Requiem - Live At Roadburn 2019

Mit diesem Album bringt Tom Warrior etwas zu Ende, das Celtic Frost vor 33 Jahren auf „Into The Pandemonium“ mit dem Stück ´Rex Irae (Requiem)´ begonnen hatten. Dass der Song Auftakt einer Trilogie sein sollte, wurde aber erst später klar. Nämlich, als im Jahr 2006 das Reunion-Album „Monotheist“ mit dem abschließenden Track ´Winter (Requiem Chapter Three: Finale)´ erschien. Nun hat Tom Warrior die Trilogie komplettiert und sie mit TRIPTYKON und dem Metropole Orkest auf dem Roadburn-Festival in Tilburg aufgeführt. Majestätisch beginnt das denkwürdige Konzert mit dem bekannten ´Rex Irae´. Der Sound ist transparent und druckvoll, das Stück klingt voluminöser als die Version von 1987. Safa Heraghi als Toms Gegenpart singt nicht wie Claudia Maria Mokri auf „Into The Pandemonium“ im Opernstil, klingt zeitgemäßer und emotionaler, dafür aber weniger entrückt. Die 32-minütige Neuschöpfung ´Grave Eternal (Requiem Chapter Two: Transition)´ beginnt mit Blechbläsern, die zunächst an Ennio-Morricone-Soundtracks denken lassen, ehe sich die Klangreise in Richtung Pink Floyd entwickelt, inklusive eines Gitarrensolos, das sich vor David Gilmour verneigt. Im Folgenden entsteht ein meditativer Sog mit unterkühlter Krautrock-Ästhetik, bevor ´Grave Eternal´ zu einem fulminanten Finale kommt, bei dem Safa Heraghi noch mal mit erhabener Melancholie glänzt. ´Winter´ erweist sich im Kontext dieser Trilogie als passender Abschluss, zu dem die hervorgerufenen Emotionen abklingen können. Ein ambitioniertes und gelungenes Werk. Zwar finden sich in ´Grave Eternal´ auch einige Längen, doch die fallen angesichts der vielen großen Momente kaum ins Gewicht. Dem Anspruch, große Kunst zu erschaffen, wird diese nun vervollständigte Trilogie jedenfalls gerecht - und lässt damit auch die Genialität und den Größenwahn Celtic Frosts noch einmal aufleuchten.

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REVIEW 7.5 27.05.2020

(Dynamit, RH 397, 2020)

PARADISE LOST - Obsidian

Das etwas einseitige Death-Doom-Werk „Medusa“ hatte (berechtigte) Kritik hervorgerufen. PARADISE LOST können wesentlich mehr, haben sich in ihrer langen Karriere ja teilweise meisterhaft in Stilübungen versucht. „Obsidian“ ist daher eine willkommene Rückkehr zur Vielseitigkeit. Die Platte beinhaltet einige Referenzen an die großen Alben der Band. So hat der Opener ´Darker Thoughts´, der lange in Pianoklängen mit Nicks nachdenklichem Timbre verweilt (ehe er kraftvoll losstürmt), endlich mal wieder die noble Ausstrahlung, die „Draconian Times“ zum beliebtesten Album des Fünfers emporhob. Noch besser: Weite Strecken der Platte zeichnet ein wohltemperiertes, dynamisches Zusammenspiel aus, das sich kompositorisch stellenweise an Gothic-Rock-Vorbilder der Achtziger anschmiegt, im richtigen Moment aber auch ein galliges Metal-Fallbeil auszulösen vermag. PL-Hauptsongwriter Gregor Mackintosh nutzt die komplette Palette der Klangfarben. Zirpende Halbakustikgitarren, Keyboard-Choräle und dezente Streicher sind abwechselnde Begleiter des satt heruntergestimmten Gesamtsounds, den der junge Finne Waltteri Väjrynen erstaunlich routiniert an den Kesseln begleitet. Dass sich die Band damit auf Spurensuche im eigenen Best-of-Katalog („Gothic“, „Icon“, „One Second“) begibt, dürften die meisten Fans ziemlich erleichtert aufnehmen, zumal man musikalisch und klanglich inzwischen in einer ganz anderen Liga angekommen ist. Die Album-Mitte (mein Favorit: ´The Devil Embraced´) ist äußerst gelungen, die abwechslungsreiche Spannung hält sogar bis zum Ende vor. ´Fall From Grace´ und ´Ghosts´ auf den Positionen zwei und drei sind hingegen „nur“ gute Live-Smasher, die dem eigenen Werk nichts Innovatives hinzufügen können. Ein starkes Album mit Schönheitsfehlern.

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