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REVIEW 9 16.09.2020

(Dynamit, RH 400, 2020)

UADA - Djinn

„Gibt es die wahre Freiheit?“, fragt UADA-Frontmann Jake Superchi in unserem Interview. Ein hochinteressantes Thema, das von Philosophen seit jeher diskutiert wird und in einer Albumrezension schon gar nicht beantwortet werden kann, doch Fakt ist: UADA bedienen sich auf „Djinn“ mehrerer Formen von Freiheit und zwar auf verschiedenen Ebenen. Sie erweitern vor allem ihr rhythmisches und melodisches Repertoire um Post-Punk-Nuancen, ohne den essenziellen Rahmen des Black Metal zu verlassen. Das wiederum ermöglicht, die schon immer spannenden Song-Arrangements noch kreativer auszubauen, mit Stimmungen und Kontrasten zu spielen und somit zwischen tiefgreifender Melancholie und nach Freiheit respektive Ausbruch drängender Manie zu pendeln. Dieser Drang nach Freiheit und Ausbruch kommt nicht von ungefähr, sondern findet sich auch in den durchweg substanzreichen Texten wieder: ´Between Two Worlds´ beschreibt eine anfängliche Zerrissenheit, ein „Zwischen-den-Stühlen-Stehen“, und die anschließende, absolute Loslösung davon. Dieser Prozess spiegelt sich auch in der Musik wider, die sich zunächst im epischen Aufbau eines Spannungsbogens, der eine filmische Kriegsszene untermalen könnte, entfaltet, ehe sich die Spannung in einem dieser neuen, leichtfüßigeren Riffs entlädt. Glaubt man das Ende des Stücks zu hören, holen UADA noch mal aus und bekräftigen den Moment des Loslösens von diesen zwei Welten - den das Coverartwork genialerweise ebenfalls abbildet - mit einem kräftigen, tiefgreifenden und hochemotionalen Solo, das den ganzen Körper mit Gänsehaut übersät und nach dem Fade-out gleichermaßen mit einer Leere wie auch mit Faszination zurücklässt. Ihr sucht eigenständigen Black Metal? Hier habt ihr ihn.

REVIEW 9 16.09.2020

(Dynamit, RH 400, 2020)

HEATHEN - Empire Of The Blind

HEATHEN sind eh schon bekannt für die extrem langen Abstände zwischen ihren Alben, und die jahrelangen Exodus-Aktivitäten von Gründungsmitglied Lee Altus (seit 2005 in beiden Bands) sowie Kragen Lum (Live-Ersatz für Gary Holt während dessen Slayer-Zeit) haben „Empire Of The Blind“ weiter verzögert. Immerhin konnten sich die beiden dabei prächtig aufeinander einspielen und sind fraglos zu einem der besten Gitarrenduos der Szene zusammengewachsen. Ihr brachialer Low-End-Sound, ihre rasante Riff-Power und ihre furiosen Highspeed-Soli kommen auch bei HEATHEN voll zur Geltung, werden aber in einen etwas anderen Kontext als bei Exodus und den meisten Bay-Area-Kollegen gesetzt. Die Heiden sprengen aufgrund ihrer vielfältigen Einflüsse nämlich immer wieder die Thrash-Kategorie. So sorgt Frontmann David White mit seinem klaren Gesang und seinen ausgefeilten Melodielinien für einen Brückenschlag zum US-Metal, der u.a. beim packenden Titelstück sowie den eingängigen ´Dead And Gone´ und ´In Black´ zum Tragen kommt; zudem glänzt er bei der Ballade ´Shrine Of Apathy´. Die progressiven Elemente waren zwar immer schon Bestandteil der Band-DNA, werden aber durch Kragen noch verstärkt, der hier erstmals federführend für das Songwriting zuständig war. Exemplarisch dafür steht das technische Instrumental ´A Fine Red Mist´, in dem er sich wie weiland bei Prototype austobt. Außergewöhnlich ist die zwischen balladesken Anklängen und Stakkato-Riffs gratwandernde Hymne ´Sun In My Hand´, die von der Machart her etwas an Metallicas ´Harvester Of Sorrow´ erinnert. Sie klingt für HEATHEN-Verhältnisse recht modern, was im Übrigen auch für den Sound des Albums gilt, für den der eher aus der Hardcore-Ecke kommende Produzent Zeuss (u.a. Hatebreed, Queensryche) verantwortlich zeichnet. Er klang mir zunächst zu stark komprimiert, aber inzwischen habe ich mich gut an ihn gewöhnt, zumal derbe Thrasher vom Schlage ´The Blight´ und ´The Gods Devide´ damit umso fetter knallen. Ich freue mich jetzt schon wie Bolle auf den Gig beim nächsten Rock Hard Festival!

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REVIEW 9,0 16.09.2020

(Dynamit, RH 400, 2020)

NECROPHOBIC - Dawn Of The Damned

Wer den Werdegang der schwedischen Black/Death-Metaller NECROPHOBIC aufmerksam verfolgt hat, dem wird sofort auffallen, dass sich auf dem neunten Studioalbum „Dawn Of The Damned“ ein paar Dinge geändert haben. Das von Gitarrist Sebastian Ramstedt quasi im Alleingang geschriebene, sehr persönliche Konzeptalbum (mehr dazu im Interview in dieser Ausgabe) beschreitet musikalisch mutige neue Wege, ohne dass die Nordmänner ihren ureigenen Düster-Sound verleugnen. „Dawn Of The Damned“ ist epochaler, progressiver und insgesamt wesentlich detailreicher ausgefallen, insbesondere im Gitarrenbereich. Ramstedt und sein Partner Johan Bergebäck zünden hier ein wahres Feuerwerk an Melodien und Harmonien und schütteln sich ein Weltklasse-Solo nach dem anderen aus dem Ärmel. Das ein wenig an Primordial erinnernde ´Tartarian Winds´ geht dabei ebenso als Höhepunkt durch wie das von Accept (!) inspirierte ´The Shadows´, in dem man für NECROPHOBIC-Verhältnisse mit völlig neuen Rhythmen experimentiert. Der Übersong dieses klasse produzierten Albums ist jedoch ´The Infernal Depths Of Eternity´, eine epochale Hymne, wie sie ein Musiker vielleicht nur einmal im Leben schreibt. Pure Raserei geht einher mit tollen, mitreißenden Melodien und mündet in eines der besten Gitarrensoli der letzten Zeit. Gut möglich, dass NECROPHOBIC mit „Dawn Of The Damned“ ihr Magnum Opus abgeliefert haben, hier passt einfach alles, auch der ausdrucksstarke, fiese Kreischgesang von Anders Strokirk. Kurzum: Hier spielt die Champions League!

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REVIEW 8.5 19.08.2020

(Dynamit, RH 399, 2020)

VICIOUS RUMORS - Celebration Decay

Durch die unzähligen Besetzungswechsel, auch und vor allem am Mikro, ist die Karriere von VICIOUS RUMORS ein häufiges Auf und Ab. Aktuell haben die einzigen beiden Konstanten, Geoff Thorpe (g.) und Larry Howe (dr.), zum Glück mal wieder ein schlagkräftiges Line-up zusammen, das sich (abgesehen vom Bassisten) bereits auf der letztjährigen „Digital Dictator“-Anniversary-Tour einspielen konnte. Dazu zählt auch der „American Idol“-Teilnehmer Nick Courtney, der mit seinem hohen, voluminösen Power-Metal-Gesang gut zu den Bay-Area-Veteranen passt, allerdings auch unter dem Problem vieler Castingshow-Kandidaten leidet: mangelnder Identität. Abgesehen davon feiert der Jungspund einen bärenstarken Einstand. Kompositorisch ist, nicht zuletzt wegen der einmal mehr famosen Gitarrenarbeit, ebenfalls alles im grünen Bereich: Der schnelle und harte Doublebass-Titeltrack ist als Opener ein Statement, das eingängige ´Arrival Of Desolation´ erinnert wegen seines knackigen Basses etwas an Iron Maiden, das Riff von ´Any Last Words´ greift mehr oder weniger subtil den Klassiker ´Don´t Wait For Me´ auf, die moderne Power-Ballade ´Darkness Divine´ (mein Highlight) hat was von Metallica, und die catchy Midtempo-Nummer ´Death Eternal´ wurde nicht ohne Grund als erste Single ausgekoppelt. Dazu besitzt die gleichermaßen transparente wie kraftvolle Produktion Majorniveau. Hut ab, meine Herren!

REVIEW 8,5 19.08.2020

(Dynamit, RH 399, 2020)

PAIN OF SALVATION - Panther

Alben von PAIN OF SALVATION waren immer auch tiefe Einblicke in das Leben und den Geist ihres Frontmanns und Bandleaders Daniel Gildenlöw. Auf „Panther“ nun setzt sich er sich mit der eigenen Psyche auseinander und, daran anknüpfend, dem Aufeinandertreffen von Individuen mit all ihren Eigenheiten und einer oftmals normierten Welt. Ein komplexes Thema, das sich in einem komplexen Album widerspiegelt. So mag es eine möglicherweise schlechte Nachricht sein, dass sich auf „Panther“ weit und breit kein offensichtlicher Hit wie 'Meaningless' findet. Am ehesten noch 'Wait' mit seiner unendlich schönen, fragil klingenden Melodie, die in der Form niemand anderes so hinbekommt. 'Accelerator' hingegen verfügt über einen massiven Groove in den Strophen, ähnlich wie das extrem dichte, finstere 'Unfuture'; beide allerdings besitzen Refrains, deren Widerhaken entdeckt werden wollen. 'Icon' ist ein anderes Beispiel: Der Song nimmt einen mit auf eine 13-minütige Reise, an deren Ende keine Auflösung, keine Konklusion steht, sondern minutenlange, dunkle Heaviness. Manches wirkt derart persönlich, dass das Nachvollziehen schwer fällt, etwa die gelegentlich bis zum Bersten vollgepackten Arrangements oder die sperrige Wut von 'Species'. Nichtsdestoweniger ist „Panther“ eine wertvolle Bereicherung der Diskografie dieser großartigen Band und einer jeden Sammlung genuin anspruchsvoller, intensiver und progressiver Alben.

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