Review

Reviews 8.0
Progressive

FATES WARNING

Long Day Good Night

Label: Metal Blade/Sony
Dauer: 72:22
Erscheinungsdatum: 06.11.20
Ausgabe: RH 401

Kollege Blums Interview-Frage nach dem (Studio-)Ende FATES WARNINGs erscheint mir beim Albumtitel „Long Day Good Night“ und dem melancholischen Akustik-Abschluss ´The Last Song´ zumindest legitim. Wäre der 13. Dreher der vielleicht besten Band der Welt der tatsächlich letzte, man würde sich allerdings nicht in absoluter Hochform verabschieden (aber wer macht das schon...). Exemplarisch für „Long Day Good Night“ steht ein wenig der Longtrack ´The Longest Shadow Of The Day´, dessen erste Hälfte aus einer instrumentalen Mischung aus jazzigem Gedudel und harten Ausbrüchen besteht, die von einer recht ruhigen zweiten mit Vocals abgelöst wird, die mit Teil eins quasi nichts zu tun hat und zudem ebenfalls nicht wirklich aufhorchen lässt, nur um nach insgesamt elfeinhalb Minuten in einem unmotivierten Fade-out (!) zu versanden. Seltsames Ding, und ich glaube ganz generell, die Band stand irgendwann unter Zeitdruck, und statt am Ende zu sieben und aus gut 72 Minuten kompakte 50 zu machen, hat man halt alles durchgewunken, schon den dritten Track der Platte, ´Alone We Walk´, würde man nicht vermissen. Demgegenüber stehen aber natürlich nach wie vor die generellen Qualitäten einer Band, die Maßstäbe gesetzt hat, deren Signature-Sound man bereits nach wenigen Sekunden erkennt, die auch in mittelprächtigen Momenten mehr Relevanz vermittelt als neun von zehn „Konkurrenten“ auch aus dem eigenen Genre - und ja, die auch hier ein paar Stücke geschrieben hat, die dem unmenschlichen eigenen Katalog gerecht werden, neben dem Opener und achtminütigen Mini-Best-of ´The Destination Onward´ vor allem das luftige ´Now Comes The Rain´ (das auch eine Ray-Alder-Solonummer sein könnte) sowie der Album-Hit ´Shuttered World´, der die Genialität „aktuellerer“ Elf-von-zehn-Hämmer wie ´Another Perfect Day´ oder ´From The Rooftops´ zumindest streift.

Zu kritisch? Vielleicht. Aber starke Schultern müssen nun mal mehr tragen.

Autor:
Boris Kaiser
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