Review

Reviews 6.0

FLOTSAM AND JETSAM

My God

Ausgabe: RH 169

Wenn´s am schönsten ist, dann soll man gehen. In Arizona scheint man dieses Sprichwort nicht zu kennen, sonst hätten die Speed Metal-Pioniere aus Phoenix, die ´86 bzw. ´88 mit „Doomsday For The Deceiver" und „No Place For Disgrace" zwei absolute Genre-Klassiker veröffentlichten, zu denen ich mir noch heute gerne die Rübe weich bange, längst ihre Instrumente an den Nagel gehängt. Stattdessen haben FLOTSAM AND JETSAM, bei denen Ex-Metallica-Tieftöner Jason Newsted einst die Bassgitarre malträtierte, seitdem im Zweijahresturnus sechs Alben veröffentlicht, die - sein wir doch mal ehrlich - weder Fisch noch Fleisch waren. Da macht der neueste Streich der Combo leider keine Ausnahme.

Zwar knüpfen die Jungs mit der einzigen wirklichen Speed-Nummer, dem beinharten Opener ´Dig Me Up And Bury Me´, qualitativ an alte Zeiten an, doch danach flacht die Scheibe leider wieder ganz schnell ab. Denn anstatt wie in den Anfangstagen mit kernigen, straighten Stücken rasch auf den Punkt zu kommen, verhaspelt sich das Quintett über weite Strecken (weitere Ausnahme: ´Learn To Dance´) in unübersichtlichen Arrangements. Eigentlich schade, denn in Frontmann Eric A.K. kann die Band immer noch auf eine der originellsten Metal-Röhren unter dieser Sonne zählen, und auch den Sound von Producer-Legende Bill Metoyer kann man mit Fug und Recht als sehr ordentlich bezeichnen.

So bleibt zum Schluß die wenig neue, aber immer noch traurige Erkenntnis, dass FLOTSAM AND JETSAM - ähnlich wie Anvil, Exciter und Raven - ihren Zenit schon lange überschritten haben. In diesem Zusammenhang könnte „My God" der letzte Nagel im Sarg des Quintetts gewesen sein...

Autor:
Buffo Schnädelbach
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos