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REVIEW 8.0 28.07.2021

(Album, RH 410, 2021)

CUESTACK - Diagnosis: Human

Die letzte relevante Band aus Wien? Hm... Pungent Stench? Das ist lange her und einer europäischen Hauptstadt mit ihrer eigentlich lebendigen Künstlerszene kaum würdig. Diesen verwaisten Thron würden CUESTACK nun ganz gerne lässig besteigen. Im Internet hat das Industrial-Duo, bestehend aus dem Programmierer/Keyboarder/Sänger Martin Kames und dem Gitarristen Bernth Brodträger, die Veröffentlichung des Debüts über mehrere Singles seit 2018 meisterhaft vorbereitet. Einige Millionen Clicks bei YouTube dürften zwar einem Gastauftritt von David Hasselhoff (!) zuzuschreiben sein, dass Brodträger aber einen Gitarren-Tutorial-Kanal mit eindrucksvollen Klassik-Adaptionen betreibt und Kames auf höchstem Niveau Bühnenaufbauten kreiert, ist dem Gesamtpaket CUESTACK jederzeit anzuhören und anzusehen. Die Duo-Besetzung, im Genre eher Sinnbild für spröden Minimalismus, ist diesmal musikalisch reizvoll, weil die Persönlichkeiten stark sind. Auf der einen Seite der unterkühlte, gerne mal im Kraftwerk-Stil gehaltene Gesang und die punktgenau programmierten Beats, auf der anderen Seite ein kreativer Gitarrist, der vom Shredding bis zu gefühlvollem, klassischem Spiel viele Stile beherrscht und auch passend einsetzt. Keyboards blasen den Sound zusätzlich zu einer gewaltigen Wand auf. Ein dritter Musiker (Drummer oder Bassist), der stets „beschäftigt“ werden müsste, würde hier fast stören. Als Krönung hat Kames ein Weltklasse-Design auf die Bühne gestellt, in dem CUESTACK wie in einem „Terminator“-Film performen. Die passenden Songs hat man auch geschrieben. Vom Rammstein-Riffer bis zur groovigen Beat-Orgie, ob Melodien, Fanfaren oder leisere Töne, CUESTACK bieten eine abwechslungsreiche Metaller-Disco an, in die sich Fans von Nine Inch Nails, Rammstein, Oomph! & Co. unbedingt mal einbuchen sollten. Meine Faves: ´Alive´, ´Transhuman Generation´ und ´Energize´.

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REVIEW 7.5 28.07.2021

(Album, RH 410, 2021)

CAPSTAN - Separate

Kein Presseblatt zuvor gelesen und es doch intuitiv richtig verortet: ´Alone´ fühlt sich an wie ein Nuller-Jahre-Revival, als junge Männer auf einem Label mit Kampfhund im Logo sportliche Aggressivität und College-Film-hafte Sentimentalitäten miteinander verbanden. Eine Zeit, in der die Alben zwischen Emo, Screamo und Post-Hardcore sich so anhörten, wie der Beginn einer schwülen Sommernacht riecht, nachdem ein wenig Regen auf dem heißen Asphalt verdunstet. Einer der Protagonisten dieser Ära singt auf dem Song als Gast, Shane Told von Silverstein, und CAPSTAN wandern darin durch all ihre Stilmittel wie durch die Plot-Sequenzen eines Spielfilms. Tighte Klopper-Riffs à la From Autumn To Ashes oder Enter Shikari mit weniger Kirmes. Krumme Rhythmen-Puzzle neben Perl-Gniedel-Gitarre für die Prog-Nerds. Das Gebrüll schlank gewachsener Hooligans. Klarer Gesang. Sehr klarer Gesang mit purem Pop-Appeal. Manche Songs auf dem Album bedienen nur jeweils eines dieser Elemente, so etwa der kompromisslose Einstieg oder das enorm fluffige ´Take My Breath Away Noose´, bei dem Fall Out Boy und Panic! At The Disco anklingen - die frühen Varianten. Die verzweifelte Tiefe einer Band wie Thursday erreichen CAPSTAN nicht. Vor dem inneren Auge wehen immer eher Firestone-Sponsoren-Flaggen an einem Festival-Nachmittag, als dass Blutströme aus Unfallwagen fließen. Doch wenn man diesen Stil und diese Epoche mag, animiert dieser in jedem Sinne abgebrühte Zweitling die ganze Zeit parallel zum Um-sich-Schlagen, versonnen Schwelgen und Luftschlagzeug-Spielen.

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