Review

Reviews 8.5
Heavy Metal

IRON MAIDEN

Senjutsu

Label: Parlophone/Warner
Dauer: 81:53
Erscheinungsdatum: 03.09.2021
Ausgabe: RH 411

Dass es für IRON MAIDEN mit ihrem 17. Studioalbum schwer werden würde, den schon fast beängstigend starken Vorgänger noch einmal zu übertreffen, ließ sich bereits im Vorfeld vermuten. Am Ende kann „Senjutsu“ „The Book Of Souls“ dann auch nicht ganz das Wasser reichen. Nichtsdestotrotz bewegt sich ein Großteil der zehn Stücke auf hohem Niveau, und auch die eine oder andere Überraschung gibt es zu verzeichnen. Das fängt gleich beim Opener an, der auf das Konto Smith/Harris geht. Für Maiden-Verhältnisse ein vom Tempo her eher verhaltener Opener, der getragen wird von einem wiederkehrenden, japanisch angehauchten Drum-Muster. Die vielen unterschiedlichen Gitarrenparts im Mittelteil und die akzentuierte Keyboard-Begleitung am Ende sorgen dafür, dass 'Senjutsu' auch über die Distanz von gut acht Minuten nie langweilig wird. Noch ein wenig mehr trifft diese Feststellung auf den Harris-Longtrack 'Lost In A Lost World' zu, der den Höhepunkt des Albums markiert. Der ruhige Anfang mit Hintergrundchören und recht viel Hall auf Bruces Leadstimme erinnert entfernt an Pink Floyd in den späten Siebzigern, ehe der Chef selbst gegen Mitte des Neunminüters mit einigen wirklich wilden Bassläufen und überraschenden Rhythmuswechseln seine Liebe zum traditionellen Prog (speziell Nektar) vollends auslebt. Genau diese Fixierung auf teilweise (über-)lange und komplexe Kompositionen ist aber auch ein gewisses Problem der neuen Scheibe (ähnlich wie schon bei „Dance Of Death“ sowie „A Matter Of Life And Death“), denn vor allem die letzten drei Harris-Stücke 'Death Of The Celts', 'The Parchment' und 'Hell On Earth', die am Stück dargeboten alleine auf über 34 Minuten Spielzeit kommen, können die Spannung nicht durchgehend hoch halten. Davor sorgen allerdings beispielsweise die mit leichtem Southern-Rock-Flair im Gitarrenbereich daherkommende Smith/Dickinson-Single 'The Writing On The Wall' oder auch eine düstere Ballade wie 'Darkest Hour' (vom selben Kompositionsteam) immer wieder für Farbtupfer.

Fazit: Die Tour fürs Album liegt zwar noch in ferner Zukunft, aber es ist zu vermuten, dass nur zwei oder drei Nummern der Platte eine Chance haben werden, tatsächlich in die Live-Setlist zu rutschen. „Senjutsu“ ist in seiner Gesamtheit vielmehr ein Album geworden, das es sich (vorzugsweise unter Kopfhörer) zu „erarbeiten“ gilt, eine Platte mit reichlich Tiefe, aber ohne direkten, intuitiven Zugang. Insofern schon irgendwie typisch für die dritte Schaffensperiode von IRON MAIDEN.

Autor:
Matthias Mader
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