Review

Reviews 8.0

NIGHTWISH

Imaginaerum

Ausgabe: RH 297

 Nuclear Blast/Warner (74:56)

Sollte irgendjemand noch Zweifel daran gehabt haben, dass NIGHTWISH-Bandkopf Tuomas Holopainen in der Lage ist, einen erstklassigen Film-Soundtrack zu komponieren, wird er mit dieser Platte eines Besseren belehrt. Denn im Prinzip ist „Imaginaerum" nichts anderes als ein Soundtrack. Ein ziemlich guter allerdings. Holopainen hat wirklich auch das hinterletzte Detail durchdacht und formvollendet zurechtgefeilt. Jeder Streichersatz, jeder Chor, jeder Klangeffekt sitzt an der exakt richtigen Stelle. Wie auch immer der dazugehörige Film ausfallen wird, ich bin mir sicher, die Musik wird die entsprechende Atmosphäre perfekt unterstreichen und „Imaginaerum" als großartiges Gesamtkunstwerk präsentieren. Und doch wage ich es, Kritik zu äußern. Was mir bei aller Schönheit dieser Scheibe fehlt, ist ein bisschen Schmutz unter den Fingernägeln. „Imaginaerum" ist wundervolles Ohrenkino mit wenig Attitüde. Viel zu selten übernimmt für meinen Geschmack Emppus Gitarre das Kommando, zu oft muss sie sich dem Bombast unterordnen. NIGHTWISH sind schließlich eine Metalband. Oder sie waren es mal. Andererseits: Eine Nummer wie das jazzige, mit superbem Lounge-Flair ausgestattete ´Slow, Love, Slow´ ist famos, wohingegen die beiden Single-Kandidaten ´Storytime´ und ´I Want My Tears Back´ wie Fremdkörper wirken. Sie sind halt da, weil man solche eher einfach arrangierten Ohrwurm-Kandidaten von NIGHTWISH schlichtweg erwartet. Aber die Qualität früherer Singles der Finnen haben sie bei weitem nicht.

So bleibe ich auch nach dem x-ten Durchlauf etwas ratlos. Zum einen gilt Holopainen und seiner Truppe absolute Hochachtung für ein künstlerisch hochwertiges Produkt, andererseits vermisse ich ein bisschen die alten, songdienlicheren NIGHTWISH. 

Autor:
Frank Albrecht
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