Review

Reviews 9.0

PARADISE LOST

Draconian Times

Ausgabe: RH 98

Ich weiß noch genau, wie Produzent Simon Efemy mit einem schelmischen Grinsen die Regler auf Maximum schob, wahrscheinlich gerade von der zufriedenstellenden Erkenntnis beseelt, daß er das Kunststück fertiggebracht hatte, eine melodischer aufspielende Band mit einem Plus an Heaviness auszustatten. Für meine Begriffe der Grundtenor auf 'Draconian Times': PARADISE LOST sind sensibler denn je. Das gilt für das widerum exzellente Coverartwork ebenso wie für Nick Holmes' melancholischen Gesang, der des öfteren überraschend leise ausfällt ('Enchantment', 'Forever Failure') und die auf 'Icon' eingeschlagene Linie konsequent fortsetzt. Entsprechend wurde die Musik wesentlich dynamischer komponiert, wechseln schwere Metal-Parts mit besinnlichen Einschüben ab. So unterstreicht 'Elusive' die Gothic-Vorlieben des bewährten Songwriting-Duos Holmes/Mackintosh, das wie gewohnt die Platte im Alleingang komponierte. Was nicht heißt, daß die anderen Musiker im Hintergrund stehen. Ohne Aaron Aedys präzises Riffgewitter wären PARADISE LOST nur die Hälfte wert. Und mit dem neuen Drummer Lee Morris steht Bassist Edmondson endlich ein kompetenter Bursche zur Seite, der aktiv am Rhytmusgeschehen teilnimmt und Soundlöcher mit starken Breaks zuhämmert. Das zahlt sich insbesondere bei Wutklumpen wie 'Once Solemn' oder der neuen Single 'The Last Time' aus, auch wenn letztere für meinen Geschmack etwas zu banal ausgefallen ist. Das meiste Material ist im Midtempobereich gehalten und erinnert zwangsläufig an so manche Passagen auf 'Icon', im Grunde der einzige Kritikpunkt an dieser Platte. Dann aber wieder ein Knaller wie 'Yearn For Change', und man ist belehrt, daß es Songs gibt, die im Moment nur eine Band zu schreiben imstande ist. PARADISE LOST haben eben Stil.

Autor:
Holger Stratmann
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