Review

Reviews 9
Progressive

PSYCHOTIC WALTZ

The God-Shaped Void

Label: InsideOut/Sony
Dauer: 52:50
Erscheinungsdatum: 14.02.2020
Ausgabe: RH 394

„So geil wie früher!“ oder „Braucht kein Mensch mehr!“? Nun, man muss und kann „The God-Shaped Void“, das erste Studiowerk der Progressive-Metal-Großmeister PSYCHOTIC WALTZ seit 24 Jahren, nicht auf eine Stufe mit den Maßstäbe setzenden (und sicherlich nur im zeitlichen Kontext in voller Gänze funktionierenden) „A Social Grace“ von 1990 und „Into The Everflow“ von 1992 stellen, es wäre auch kontraproduktiv, aber diese Platte hier hat nach mindestens zwei Dutzend (zum Teil sehr konzentrierten) Hördurchläufen nichts von einem müden Alterswerk, sie ist kein schlechterer Abklatsch vergangener Großtaten, kein typischer „Höre ich es mir eben schön“-Anwärter, kein unterproduziertes, uninspiriertes „Machen wir halt noch mal ein Album“-Produkt, keine Fortführung irgendeines Sideprojects oder Band-Nachfolgers (wie Deadsoul Tribe) unter anderem Namen und auch kein kläglicher Versuch, „moderne Zeiten“ zu antizipieren, um neue, eh nicht affine Fans zu erreichen, die verunsicherten Midlife-Crisis-Männern am Ende sowieso nur mit einem Achselzucken begegnen.

„The God-Shaped Void“ stellt schlicht und einfach eine Ansammlung von hervorragenden, zeitlosen Songs dar, die mindestens (!) das Niveau der Errungenschaften der Alben drei und vier, „Mosquito“ von 1994 und „Bleeding“ von 1996, erreichen, dabei wie aus einem Guss wirken, emotional packen und letzten Endes auch die erhofften Ingredienzien (die Flöte, die überirdisch schönen gedoppelten Gitarren...) enthalten - ohne sich darauf auszuruhen. Dass sich die Höhepunkte auf „A God-Shaped Void“ abwechseln, ist zudem keiner schwammigen Masse an Tracks, bei denen dann ja oft doch der letzte Kick fehlt, geschuldet, sondern dem Transportieren ganz unterschiedlicher Stimmungen, die bewundernswerterweise alle gleich gut eingefangen wurden. Meine Faves zumindest beim Schreiben dieser Rezension: der sofort packende Opener 'Devils And Angels', das partiell balladeske 'The Fallen' sowie das (auch) mit mordsguten Strophen versehene 'While The Spiders Spin'.

Autor:
Boris Kaiser
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