Review

Reviews 9.0
Death Metal Hard Rock

SOILWORK

Övergivenheten

Label: Nuclear Blast/Rough Trade
Dauer: 65:12
Erscheinungsdatum: 19.08.22
Ausgabe: RH 422

Bekanntlich sind Gitarrist David Andersson und Sänger Björn Strid nicht nur die Köpfe von SOILWORK, sondern auch von The Night Flight Orchestra. Bislang wurden diese unterschiedlichen Betätigungsfelder sauber getrennt, bei „Övergivenheten“ laufen sie nun erstmals ineinander. Besonders deutlich fällt dies bei ´Nous Sommes La Guerre´ und ´Valleys Of Gloam´ auf, die auf Rock-Riffs basieren, vergleichsweise ruhig daherkommen und ausschließlich auf Klargesang setzen - mit anderer Produktion (erneut von Thomas Johansson und schön organisch) könnten das auch TNFO-Nummern sein. Das kann man als Fan des alten SOILWORK-Sounds natürlich erst mal blöd finden, aber zum einen ändert es nichts an der Klasse der Kompositionen, zum anderen gilt diese Entwicklung nicht fürs ganze Album. Vielmehr ballert „Övergivenheten“ an vielen Stellen immer noch ordentlich, beispielsweise beim fast schon schwarzmetallischem ´Electric Again´, dem rasenden ´Is It In Your Darkness´ oder dem mit Geige verfeinerten Brecher ´This Godless Universe´. Allerdings folgen auch hier nach Doublebass-Gewitter und garstigen Shouts stets stimmige Klargesang-Refrains. Die lupenreine Death-Metal-Schule gibt´s also nicht mehr, aber von ihr ist die Band ja schon eine ganze Weile abgerückt. SOILWORK haben sich auf diesem Werk noch deutlicher als zuletzt geöffnet und erschaffen packende Musik über zahlreiche Genre-Grenzen hinweg - im besten Sinne progressiv!

Besonders das tolle Titelstück veranschaulicht den ganzen Klangkosmos der Band anno 2022: Verhalten mit Akustikgitarre beginnend, wird eine intensive Soundtrack-Atmosphäre erschaffen, die in hypermelodischen Death Metal übergeht, der wiederum von einem cleanen Chorus gekrönt wird. Ab dem Break in der Mitte geht die Achterbahn wieder von vorne los. Angesichts der vielen Stil-Elemente ist es besonders bemerkenswert, wie homogen die Arrangements wirken und die unterschiedlichen Passagen wie selbstverständlich ineinanderfließen lassen. Ebenfalls ganz großes Kino ist das abschließende, siebeneinhalbminütige ´On The Wings Of A Goddess/Through Flaming Shees Of Rain´, das nach einem Spoken-Word-Intro zwischen typischem Schweden-Death und hochklassigem Bombast der Savatage-Referenzklasse sowie mächtigen Doom-Riffs pendelt. Abwechslung garantiert!

Autor:
Marcus Schleutermann

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