Review

Reviews 8.5

SUICIDE SILENCE

The Black Crown

Ausgabe: RH 291

Century Media/EMI (39:42)

Einer fremden Frau in der Diskothek unter den Rock zu greifen, hat eine Menge gemeinsam mit dem Einlegen einer SUICIDE SILENCE-Scheibe. Unter Garantie bekommt man was auf die Fresse. Die Kalifornier haben mittlerweile eine stattliche Anzahl an Lovern und Hatern um sich geschart. Die vorzugsweise eher jüngere Klientel hat den Handballen schon erwartungsvoll auf der Tastatur platziert, um sich auf Social-Network-Plattformen die unqualifizierten Null- bzw. Zehn-Punkte-Kommentare bezüglich „The Black Crown“ um die grünen Ohren zu hauen. Dabei ist es, ganz auf die jeweilige Perspektive bezogen, eigentlich gar nicht so schwer: SUICIDE SILENCE sind nicht so scheiße, wie ihre Kritiker behaupten, allerdings auch nicht so genial, wie ihre Fans annehmen. „The Black Crown“ ist ein noch glühendes Stück pechschwarzer Lava, das sich mit Urgewalt den Weg ins Meer bahnt. Alles drückt und schiebt Richtung Magengrube. Das kann auch Death-Metaller, die so was aus Prinzip nicht hören, nicht kalt lassen. Die Songs besitzen generell eine größere Bandbreite und Tiefe, die jugendliche Urwut beschränkt sich auf einige vehemente Brutalo-Angriffe, eingebettet in ein geradezu nihilistisches Stahlinferno, pechschwarz, kriechend und endzeitschwanger. Weil sich das Angepisstsein als gesellschaftliches Korrektiv und Substantiv gleichermaßen durchzusetzen scheint, ist die zukunftspessimistische Aggression von „The Black Crown“ äußerst effizient und wertstabil. Insofern ist hier schlechte Laune garantiert, und das ist auch gut so.

Anspieltipps: die oberbrutale Bolzhymne ´Human Violence´ und der famose SloMo-Finsterling ´Witness The Addiction´ (mit Korn-Fronter Jonathan Davis als Gastsänger).

3 Fragen an SUICIDE SILENCE-Gitarrist Mark Heylmun:

Mark, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Jonathan Davis von Korn?

»Die Idee gab es schon lange, aber Jonathan ist ein vielbeschäftigter Mann, so dass das Projekt lange auf Eis lag. Als es dann aber endlich klappte, war er sehr eng in den Songwriting-Prozess eingebunden. Das Stück ist genauso geworden, wie wir uns das vorgestellt hatten.«

Wie habt ihr euch während des Songwritings gefühlt? Gab es eine bestimmte Grundstimmung?

»Einerseits natürlich sehr kreativ, aber es herrschte generell eine entspannte, fast schon relaxte Stimmung. Ich denke, man hört das dem Album auch an: Es ist wesentlich vielschichtiger als früher, mit jeder Menge Groove.«

Lebensbejahend ist „The Black Crow“ eher weniger. Blickt ihr generell pessimistisch in die Zukunft? Was wird in zehn Jahren sein?

»Schwer zu sagen. Es ist eine Menge Scheiße, die gerade auf der Welt passiert, und es sieht eher danach aus, dass es noch schlimmer wird. Aber ich persönlich mag das Leben zu sehr, um ein Pessimist zu werden. Wir hatten schon auf dem Album „You Only Live Once“ ein Stück, in dem es heißt: „Don´t waste any time by being fed up and depressed by the world, cherish the moment and have a good time.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.« (vw)

Autor:
Volkmar Weber
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