Review

Reviews 7.5

THUNDERMOTHER

Road Fever

Ausgabe: RH 340

Despotz/Cargo (30:31)
Gegenüber dem mit allen Feuerwassern gewaschenen Thekenschlampen-Organ von Clare Cunningham wirken die unterstützenden Runaways-Mädchen-Chöre geradezu infantil. So eine wie sie brauchen die Rabatz-Chicks um Herbergsmutter Filippa Nässil, sie schreit die anderen aus ihrer tiefen Verbeugung vor AC/DC wieder in den aufrechten Stand. Es ist keine leichte Aufgabe, mit dem limitierten australischen Baukasten noch etwas zu basteln, das man nicht als sattsam bekannt durchwinkt. Ein paar Mal immerhin gelingt ihnen das. Der Opener zieht hübsch das Tempo an, bei ´Vagabonds´ variieren zweistimmige Leads und eine grandios krumme Chorus-Melodie das alte Spiel - und ´Rock´n´Roll Sisterhood´ ist ihr Glaubensbekenntnis, da schwingt man noch mal richtig die Peitsche. Etwas origineller könnte die Variation des alten Konzepts stellenweise noch werden. Viel Bullet hören!

4 Fragen an THUNDERMOTHER-Gitarristin Filippa Nässil:

Filippa, warum ist Schweden so ein guter Ort für Siebziger-Rock´n´Roll?

»Jeder, den ich kenne, hat was mit Rock´n´Roll zu tun. Du umgibst dich eben mit Leuten, denen du ähnlich sein willst. In Schweden bekommt man Übungsräume vom Staat und viel Unterstützung für deine Band. Ich glaube, das ermutigt uns Schweden, Musik zu machen. Ich persönlich liebe Siebziger-Rock und besitze um die 450 Platten. Ich bin wie ein alter Mann - noch mehr als mein Vater (lacht).«

War es eher Zufall, oder hattest du von vornherein den Plan, mit einer reinen Frauenband loszulegen?

»Nein, das spielte keine Rolle. Die früheren Mitglieder bei THUNDERMOTHER waren Kerle, aber sie zeigten nicht den Einsatz, den meine jetzigen Mitstreiterinnen an den Tag legen. Außerdem sind diese Mädchen meine Freundinnen. Das ist eine gute Basis.«

Was sind die größten Probleme, mit denen ihr als Frauen im Business zu tun habt?

»Da gibt´s nicht viele, weil wir ein gewisses Niveau erreicht haben und so gut behandelt werden wie jede andere Band auch. Das Geschlecht kümmert in Schweden keinen mehr, das ist passé. In kleinen Städten oder auf dem Land behandeln dich einige Techniker manchmal noch ein bisschen anders, weil sie es nicht gewohnt sind, aber wir versuchen, uns nicht darüber zu ärgern. Am besten, man akzeptiert langsam, dass viele Frauen rocken, und versucht nicht, uns von anderen Bands zu separieren. Ein Kerl kam mal hoch zu mir und sagte, er habe mich im Radio gehört - und dass ihn das aufgeregt habe, weil ich so großkotzig rübergekommen wäre. Aber nachdem er uns gesehen hatte, sah er mir in die Augen und meinte: „Ihr seid keine gute Mädchenband, ihr seid eine großartige Rockband! Ihr habt meine Welt und meine Sichtweise verändert."«

Dann sind AC/DC auch wichtiger für euch als Girlschool oder die Runaways?

»Du sagst es, Mister!« (fs)

Autor:
Frank Schäfer
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